Kurz und knapp – darum geht’s

Ein Stein, ein Stadtpark, eine Schwerverletzte: Hauptmann Peter Fuchs und Leutnant Thomas Grawe müssen in Meißen einen versuchten Totschlag aufklären. Das Opfer ist Beate Bernert, eine Frau, der die Männer reihenweise zu Füßen liegen und die sich selten darum schert, wem sie dabei in die Quere kommt. Frisch geschieden von Kurt Singer, ist sie gerade bei ihrer Schwester Angelika untergekommen – und hat ein Auge auf deren Verlobten Jochen geworfen. Ausgerechnet mit ihm war Beate an jenem Abend im Park verabredet. Rasch wird klar, dass in ihrem nächsten Umfeld niemand ganz unbefangen ist, am wenigsten der gedemütigte Ex-Mann, der als Erster am Tatort war …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Zwei Schwestern“

Was der Richter über die Aufteilung des gemeinsamen Besitzes verfügt hat, nimmt Kurt Singer beim Wort – und zwar buchstäblich: Kaum ist die Scheidung von Beate Bernert durch, rückt der Mann von der Müllabfuhr den Möbeln der Wohnung mit der Kettensäge zu Leibe. Beate rafft ihre Kleider zusammen und zieht kurzerhand zu ihrer Schwester Angelika. Mit Trübsal hält sich die Geschiedene nicht lange auf. Schon bei der Geburtstagsfeier einer Freundin steht sie wieder im Mittelpunkt ihres großen Bekanntenkreises, tanzt ausgelassen und flirtet ungeniert mit Angelikas Verlobtem Jochen, der dem Alkohol hemmungslos zuspricht.

Für Angelika ist das kein neues Spiel. Seit jeher steht die freundliche, eher stille Frau im Schatten ihrer Schwester, die mit Charme und Selbstbewusstsein, aber ebenso rücksichtslos die Männer für sich einnimmt. Schon einmal hat Beate ihr den Partner ausgespannt: Kurt, mit dem Angelika die kleine Tochter Ulrike hat, verließ sie damals für Beate und heiratete diese. Dabei war es Angelika, die ihre Schwester ins Kollektiv der Porzellanmanufaktur Meißen einführte, wo Beate schnell Anschluss fand – vor allem bei den Kollegen. Nun erwartet Angelika ein Kind von Jochen, die beiden wollen heiraten. Ihre Bitte, Jochen in Ruhe zu lassen, beantwortet Beate nur mit Ausflüchten.

Auch Kurt verfolgt das Treiben seiner Ex-Frau mit wachsendem Widerwillen. Er fühlt sich von ihr hintergangen und ausgenutzt und weiß nur zu gut, dass sie es auf Jochen abgesehen hat. Was er Angelika einst leichtfertig angetan hat, würde er gern wiedergutmachen – ein zweites Mal soll Beate das Glück ihrer Schwester nicht zerstören. Angelika selbst aber wird zunehmend von Angst gepackt.

Dann liegt Beate reglos im Stadtpark. Jemand hat sie mit einem Stein niedergeschlagen, schwer verletzt wird sie ins Krankenhaus gebracht, wo sie im Koma liegt. Fuchs und Grawe nehmen die Ermittlungen auf und stoßen zuerst auf Jochen, der mit Beate verabredet war. Er sei zu spät gekommen, sagt er, und habe nur noch den Krankenwagen wegfahren sehen. Etwas Anrüchiges kann er an dem Treffen nicht erkennen – Angelika wisse schließlich, dass er sich mit ihrer Schwester gut verstehe. Die bestätigt das und betont, ihre Beziehung sei sehr tolerant. Am Tattag, gibt sie zu Protokoll, sei sie einkaufen gewesen und habe danach ihre Tochter aus dem Kindergarten abgeholt.

Auch Kurt will beim Einkaufen gewesen sein, und dafür gibt es Zeugen. Trotzdem erkennt ihn die Telefonistin der Rettungsleitzentrale als den Mann wieder, der den Krankenwagen für Beate gerufen hat. Nun räumt er ein, an der Stelle vorbeigekommen zu sein, an der seine Ex-Frau lag. Für Fuchs gehört Kurt damit klar zum Kreis der möglichen Täter. Grawe dagegen hält wenig von dieser Theorie: Seine Wut auf Beate habe der Mann doch längst an den Möbeln ausgelassen.

So verzweigt sich die Spur im DDR-Polizeiruf „Zwei Schwestern“ zwischen einem gekränkten Ex-Mann, einem allzu vertrauten Verlobten und einer Familie, in der die alten Rechnungen nie beglichen wurden. Und während die beiden Ermittler noch nach der Wahrheit suchen, scheint sich um die Schwestern bereits ein Unglück zusammenzubrauen …

Hinter den Kulissen

Für Hauptmann Peter Fuchs (Peter Borgelt) ist es bereits der 68. Fall, sein Kollege Leutnant Thomas Grawe (Andreas Schmidt-Schaller) ermittelt zum neunten Mal. Die titelgebenden Schwestern Angelika und Beate Bernert spielen Angelika Waller und Susann Thiede, Peter Reusse ist als geschiedener Ehemann Kurt Singer zu sehen, Peter Zimmermann als Jochen Henning.

Regie bei der 114. Folge der Reihe führte Hans-Werner Honert, das Drehbuch schrieb Günter Mehnert. Gedreht wurde in Dresden, Meißen, Silbitz und Unterweißbach, die Studioaufnahmen entstanden im DEFA-Studio für Spielfilme in Potsdam-Babelsberg. Ein Detail am Rande: Die Kettensäge, mit der Kurt Singer gleich in der ersten Szene die Möbel zerlegt, stammt von der westdeutschen bzw. US-amerikanischen Firma Black & Decker.

Bei der Erstausstrahlung im 1. Programm des Fernsehens der DDR lag die Zuschauerbeteiligung bei 55,6 Prozent. Gut ein Vierteljahrhundert später, 2014, griff das ZDF die Geschichte wieder auf und brachte im Rahmen der Serie „SOKO Leipzig“ eine Fortsetzung heraus.

Besetzung

Hauptmann Peter Fuchs – Peter Borgelt
Leutnant Thomas Grawe – Andreas Schmidt-Schaller
Angelika Bernert – Angelika Waller
Beate Bernert – Susann Thiede
Kurt Singer – Peter Reusse
Jochen Henning – Peter Zimmermann
Anna – Angelika Perdelwitz
Frau List – Doris Thalmer
Arzt – Peter Jahoda
Chefarzt – Wolf-Dieter Lingk
Ulrike Bernert – Beatrice Oberhof
Dispatcherin der SMH – Karin Beewen
Krankenschwester – Renate Heymer
Pförtnerin – Thea Schmidt-Keune
u. v. a.

Stab

Regie – Hans-Werner Honert
Drehbuch – Günter Mehnert
Produktion – Giselher Venzke
Musik – Jürgen Wilbrandt
Kamera – Hans-Jürgen Kruse
Schnitt – Brigitte Koppe
Produktionsunternehmen – DEFA im Auftrag des Fernsehens der DDR