Kurz und knapp – darum geht’s

Ein halbes Jahr ist es her, dass der Gemüsehändler Alfons Wegener kurz vor Feierabend in seinem Laden mit einer Bierflasche niedergeschlagen wurde. Er starb wenig später, und die Tageseinnahmen sind verschwunden. Nun übergibt Hauptmann Peter Fuchs die ungelöste Akte an Leutnant Thomas Grawe. Der stößt auf einen Stiefsohn, der mit dem cholerischen Wegener bis zu Handgreiflichkeiten zerstritten war, und auf eine Witwe, die dem Ende ihrer zerrütteten Ehe kaum eine Träne nachweint. Fest steht nur: Der Täter kannte sein Opfer, denn die beiden haben vorher noch gemeinsam ein Bier getrunken. Und eine Frau, die kurz vor der Tat im Laden war, bleibt bis heute ein Phantom: die letzte Kundin …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Die letzte Kundin“

Ein kleiner Gemüseladen, die letzten Minuten vor Ladenschluss, ein ganz gewöhnlicher Arbeitstag – bis jemand mit einer Bierflasche zuschlägt. Alfons Wegener, der Inhaber des Geschäfts, überlebt den Angriff nicht. Aus der Kasse fehlen 900 Mark Tageseinnahmen, dazu etliches Kleingeld und eine seltene ausländische Münze, deren Aussehen der Polizei bekannt ist. Was nach einem schlichten Raubüberfall aussieht, wird im Polizeiruf 110 „Die letzte Kundin“ zu einem Fall, der sich hartnäckig jeder Aufklärung entzieht.

Ein halbes Jahr nach der Tat ist der Fall noch immer ungelöst. Unter der Leitung von Hauptmann Peter Fuchs wurden damals sämtliche Kunden des Ladens befragt, bis auf eine: die Frau, die als Letzte bei Wegener eingekauft hatte. Sie war nicht aufzufinden und reagierte auch nicht auf den Aufruf der Polizei. Ebenso wenig ließ sich ein junger Mann ermitteln, der sich nach Aussage von Erich Brender, Stammkunde und Freund des Toten, am Tattag in der Nähe des Ladens aufgehalten hatte. Nun gibt Fuchs die Akte an Leutnant Thomas Grawe ab, der von jetzt an für die Aufklärung verantwortlich ist.

Verdächtige gibt es durchaus, und sie stammen aus Wegeners engstem Umfeld. Zunächst richtet sich der Blick auf den Stiefsohn, der kurz zuvor zu Hause ausgezogen war – nach heftigen Streitereien mit dem jähzornigen Stiefvater, bei denen es nicht immer bei Worten blieb. Und die Witwe? Sie macht kaum einen Hehl daraus, dass sie das Ende ihrer kaputten Ehe eher als Erleichterung empfindet. Unbequemen Fragen des Leutnants muss deshalb auch sie sich stellen.

Für Grawe bedeutet der Fall vor allem eines: zähe Kleinarbeit. Die Zeugen von damals wiederholen im Wesentlichen ihre früheren Aussagen, Neues kommt kaum hinzu. Nur der alten Frau Felsch fällt plötzlich ein Detail ein: Eine Stunde vor Ladenschluss sah sie in einem der Regale eine halb ausgetrunkene Bierflasche stehen – obwohl außer Wegener niemand im Geschäft war. Ein unscheinbarer Hinweis, der sich ins Bild fügt, denn eines gilt als sicher: Der Täter war mit dem Händler bekannt und hat vor dem Angriff noch mit ihm angestoßen.

Immer stärker rücken im DDR-Krimi „Die letzte Kundin“ die Menschen in den Mittelpunkt, die Alfons Wegener näher kannten – Nachbarn, Kunden, Weggefährten. Weil die Ermittlungen auf der Stelle treten, lässt Grawe schließlich Handzettel verteilen, die über das Verbrechen informieren und um Mithilfe bitten. Seine Hoffnung ruht dabei vor allem auf jener Frau, die kurz vor der Tat noch im Laden stand. Doch wer ist die letzte Kundin – und warum hat sie all die Monate geschwiegen …

Hinter den Kulissen

„Die letzte Kundin“ ist die 115. Folge der Reihe Polizeiruf 110. Hauptmann Peter Fuchs (Peter Borgelt) ermittelt hier in seinem 69. Fall, Leutnant Thomas Grawe (Andreas Schmidt-Schaller) in seinem zehnten. Diesmal überlässt der erfahrene Hauptmann seinem jüngeren Kollegen die Verantwortung für die Ermittlungen.

Regie führte Hubert Hoelzke, das Drehbuch stammt von Hariette Plath; produziert wurde der Film vom Fernsehen der DDR. Die Dreharbeiten fanden vom 7. April bis zum 15. Mai 1987 im Kreis Bernau sowie in Berlin statt, mit Motiven am Liepnitzsee, am Müggelsee und auf der Trabrennbahn Karlshorst. Für die Kostüme war Christel Nowotny zuständig, die Filmbauten entwarf Maria Rodewald.

Bei der Erstausstrahlung lag die Zuschauerbeteiligung bei 44,8 Prozent.

Besetzung

Hauptmann Peter Fuchs – Peter Borgelt
Leutnant Thomas Grawe – Andreas Schmidt-Schaller
Erich Brender – Horst Schulze
Ruth Brender – Evamaria Bath
Evelyn – Ulrike Mai
Andreas – André Beyer
Katharina – Petra Dobbertin
Elisabeth Müller – Renate Geißler
Anni Wegener – Astrid Bless
Roland Biele – Torsten Michaelis
Frau Martens – Marianne Kiefer
Frau Felsch – Marga Legal
Nelly – Katarina Tomaschewsky
Helga – Elke Brosch
Joachim Neudeck – Stefan Hempel
Herr Stielke – Günter Puppe
Frau Kuhn – Brigitte Beier
Alfons Wegener, Gemüsehändler – Achim Petry
Martin Bohne – Dieter Okras
u. v. a.

Stab

Regie – Hubert Hoelzke
Drehbuch – Hariette Plath
Produktion – Erich Biedermann
Musik – Henry Krtschil
Kamera – Rolf Laskowski
Schnitt – Renate Müller
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR