Kurz und knapp – darum geht’s

Gefängnis und Entziehungskur liegen hinter ihm: Der Schlosser Kegel will einen Schlussstrich unter seine Vergangenheit als Trinker ziehen. Halt gibt ihm seine Freundin Marlies Bühler, die zu ihm steht, obwohl ihre frühere Familie den Vorbestraften strikt ablehnt. Doch noch während der Kur bekommt Kegel von einem Fremden einen verdächtig gut bezahlten Schlüsselauftrag. Hauptmann Reger und Unterleutnant Becker finden heraus, wer der Mann wirklich ist: ein gesuchter Vergewaltiger. Zusammen mit Marlies’ ehemaliger Schwägerin Dorothee plant der Kleinganove Wiesmeier einen Raub sakraler Kunst. Dafür brauchen die beiden Kegels geschickte Hände. Und sie kennen das wirksamste Druckmittel gegen einen Mann, der gerade erst trocken geworden ist …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Flüssige Waffe“

Ein Neuanfang ist für einen Mann wie Kegel alles andere als selbstverständlich. Der gelernte Schlosser weiß, wohin ihn der Schnaps schon einmal geführt hat: Alkoholkrank feilte er für Diebe Schlüssel nach, und dafür musste er ins Gefängnis. Jetzt ist er wieder frei. Seine Freundin Marlies Bühler und ihre Tochter Tina aus erster Ehe nehmen ihn in Empfang. Bevor das neue Leben richtig beginnen kann, steht allerdings noch ein mehrwöchiger Aufenthalt in einer Entzugsklinik an.

Nicht jeder sieht die Beziehung gern. In Marlies’ Wohnung wartet bereits ihr geschiedener Mann. Er will seine Ex-Frau zurück, und ein Vorbestrafter sei doch ohnehin keine ernsthafte Alternative. Marlies lässt ihn kurzerhand stehen. Auch Dorothee Bühler, ihre ehemalige Schwägerin, will von Kegel nichts wissen. Von ihr hat Marlies längst erfahren, dass ihr neuer Partner gegen seine Sucht kämpft. Als Kegel ihr seine Alkoholkrankheit gestehen will, weiß sie also schon Bescheid.

Auch in der Klinik arbeitet Kegel als Schlosser. Dort spricht ihn ein Unbekannter namens Wiesmeier an, der behauptet, in der angeschlossenen Psychiatrie behandelt zu werden. Er bittet Kegel, einen Schlüsselbund nachzufeilen, angeblich für seine Schwiegermutter. Kegel erledigt den Auftrag, doch die Bezahlung macht ihn stutzig: 800 Mark sind für so eine Arbeit viel zu viel. Als Wiesmeier dann auch noch andeutet, dass die Schlüssel womöglich gar nicht für die Schwiegermutter bestimmt sind, zieht Kegel die Reißleine. Diesmal will er sich nicht hineinziehen lassen und wendet sich an die Polizei.

Wiesmeier lässt jedoch nicht locker. Immer häufiger taucht er bei Kegel auf und lauert ihm sogar am Tor des Betriebs auf, in dem der Schlosser inzwischen arbeitet. Kegel sorgt dafür, dass der aufdringliche Mann heimlich fotografiert wird. Für Hauptmann Reger und Unterleutnant Becker sind die Bilder im Polizeiruf 110 „Flüssige Waffe“ ein Volltreffer: Hinter Wiesmeier verbirgt sich ein gesuchter Vergewaltiger, der ihnen vor einiger Zeit unter dem Namen Pückler entwischt ist.

Wiesmeier hat Kegel nicht zufällig ausgewählt. Zusammen mit Dorothee Bühler bereitet er einen Raub wertvoller sakraler Kunst vor. Beide wissen genau, was der Schlosser kann. Sie wissen aber auch, wie verletzlich ein Mann ist, der dem Alkohol gerade erst abgeschworen hat.

Für Kegel steht damit alles auf dem Spiel, was er sich mühsam zurückerobert hat: die Beziehung zu Marlies, seine Arbeit und seine Freiheit. Und um ihn für ihre Zwecke gefügig zu machen, setzen seine Gegner im DDR-Krimi „Flüssige Waffe“ ausgerechnet auf jenes Mittel, gegen das ein Alkoholiker am wenigsten gewappnet ist …

Hinter den Kulissen

Für Hauptmann Reger (Klaus Gendries) und Unterleutnant Becker (Jörg Hengstler) ist „Flüssige Waffe“ der zweite und zugleich letzte Fall. Zusammen mit Leutnant Evelyn Lebus (Ulrike Mai) bildeten sie ein bis dahin fast neues Ermittlerteam. Eine Besonderheit: Klaus Gendries war eigentlich Fernsehregisseur.

Helmut Krätzig schrieb das Drehbuch und führte Regie. Außerdem ist er selbst in einer Nebenrolle als Tonne zu sehen. Die Hauptrollen übernahmen bekannte Theater- und Filmschauspieler: Ulrich Mühe spielt den Schlosser Kegel, Jenny Gröllmann seine Freundin Marlies Bühler und Henry Hübchen den Kleinganoven Wiesmeier alias Pückler. Das Thema Alkoholismus hatte die Reihe bereits in der früheren Folge „Der Teufel hat den Schnaps gemacht“ behandelt.

Gedreht wurde vom 5. Januar bis zum 8. April 1988 in Berlin-Oberschöneweide, unter anderem in der katholischen St.-Antonius-Kirche, sowie in Pfaffendorf und Strausberg. Bei der Erstausstrahlung lag die Zuschauerbeteiligung bei 37,7 Prozent. Seither wurde der Film mehr als vierzigmal wiederholt.

Besetzung

Hauptmann Reger – Klaus Gendries
Leutnant Evelyn Lebus – Ulrike Mai
Unterleutnant Becker – Jörg Hengstler
Herr Kegel, Schlosser – Ulrich Mühe
Marlies Bühler – Jenny Gröllmann
Wiesmeier alias Pückler – Henry Hübchen
Xenia Peters – Angelika Perdelwitz
Dorothee Bühler, Marlies’ ehemalige Schwägerin – Renate von Wangenheim
Herr Bühler, Marlies’ geschiedener Mann – Frank Schenk
Tina Bühler, Marlies’ Tochter – Tina Hartmann
Frau Behner – Hildegard Alex
Herr Schmalstich – Günter Junghans
Herr Keil – Wolfgang Hosfeld
Herr Schulz – Hartmut Schreier
Frau Heinze – Iris Bohnau
Frau Tschablewski – Margret Allner
Ilona – Christine Strelau
Frieder – Klaus Tilsner
Therapeut – Gert Grasse
Patient – Manfred Richter
Pfarrer Trinitatiskirche – Rudolf Trommer
Kriminalist – Holger Franke
Meister Schlosserei – Günter Drescher
Tonne – Helmut Krätzig
Alte Frau – Gertraud Last
Verkäuferin Kaufhalle – Wera Paintner
u. v. a.

Stab

Regie – Helmut Krätzig
Drehbuch – Helmut Krätzig
Produktion – Ingeborg Trenkler
Musik – Karl-Ernst Sasse
Kamera – Wolfram Beyer
Schnitt – Renate Müller, Bärbel Wehran
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR