Kurz und knapp – darum geht’s
Eigentlich sollen die Kommissare Kurt Groth und Jens Hinrichs in einem renommierten Hotel in Warnemünde nur die Schulbank drücken – gemeinsam mit ihrer Potsdamer Kollegin Tanja Voigt. Doch während Hinrichs eifrig mitschreibt, vertreiben sich Groth und Voigt die Zeit mit „Schiffe versenken“, bis ein Toter an den Hotelstrand gespült wird. Für die Rostocker Kripo ist der Fall schnell erledigt: Der passionierte Drachensegler sei verunglückt. Groth und Voigt sehen das anders und ermitteln kurzerhand auf eigene Faust. Bald rückt eine attraktive junge Frau ins Blickfeld, die allein angereist ist und der Groth wegen ihres eleganten Laufstils den Spitznamen „die Gazelle“ verpasst hat. Ausgerechnet sein Chef Hinrichs ist von ihr angetan – und plaudert mehr aus, als gut für ihn ist …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Die Gazelle“
Ostseestrand, Meeresrauschen, ein Luxushotel – und mittendrin ein Fortbildungsseminar für Kriminalisten: Für Kurt Groth von der Schweriner Kripo wird der Aufenthalt im Hotel Neptun in Warnemünde schon nach dem ersten Tag zur Geduldsprobe. Dass er sich wegen einer Buchungspanne obendrein ein Zimmer mit seinem Vorgesetzten Jens Hinrichs teilen muss, macht die Sache nicht unbedingt angenehmer. Seinen trockenen Humor hat Groth trotzdem nicht verloren: Bei mehr als 500 Menschen unter einem Dach, frotzelt er, werde sich doch wohl irgendwo ein Mörder auftreiben lassen.
Während Seminarleiter Schnorr in aller Ausführlichkeit über die verschiedenen Formen der Farbenblindheit doziert und Hinrichs jedes Detail gewissenhaft mit bunten Filzstiften notiert, findet Groth im Polizeiruf 110 „Die Gazelle“ eine Verbündete: die Potsdamer Kommissarin Tanja Voigt. Die beiden liegen sofort auf einer Wellenlänge und widmen sich in den zähen Stunden lieber Kreuzchen und Kästchen auf dem Schiffe-versenken-Block als dem Lehrstoff.
Für Abwechslung sorgt auch ein anderer Hotelgast. Schon am ersten Morgen nach der Ankunft fällt Groth eine junge Frau auf, die allein reist und am Strand ihre Runden läuft. Ihre Leichtfüßigkeit bringt ihn auf einen schwärmerischen Spitznamen – „die Gazelle“. Doch der Kommissar ist nicht der Einzige, dem die schöne Dinje ins Auge gefallen ist: Auch Hinrichs zeigt deutliches Interesse. Abends, wenn ein Sänger die Gäste mit Chansons unterhält, wirkt das Hotel ohnehin wie eine kleine Welt für sich.
Mit der Urlaubsstimmung ist es allerdings vorbei, als der ehrgeizige Hinrichs ein Volleyballspiel unter Kollegen organisiert. Erst verstaucht er sich den Fuß, dann entdeckt er ausgerechnet am Hotelstrand einen leblosen Körper, den die Wellen gerade an Land tragen. Der Tote ist ein begeisterter Drachensegler, der erst vor wenigen Tagen im Hotel eingecheckt hatte. Die Rostocker Kripo hält einen Sportunfall für die naheliegende Erklärung – der Mann sei schließlich betrunken gewesen – und stellt die Ermittlungen ein.
Groth und Tanja Voigt trauen dem Braten nicht. Die Kommissarin weiß nämlich, dass der Mann am Abend vor seinem Tod jedes alkoholische Getränk abgelehnt hat. Bei den Rostocker Kollegen stößt dieser Einwand jedoch auf taube Ohren. Also nehmen die beiden Seminarschwänzer die Sache selbst in die Hand – inoffiziell und ohne jeden Auftrag, dafür mit umso größerer Neugier.
Und ihre Nachforschungen im TV-Krimi „Die Gazelle“ bleiben nicht ohne Ergebnis: Ausgerechnet Dinje gerät ins Visier der Ermittler. Die junge Frau sucht inzwischen gezielt Hinrichs’ Nähe, und dem sonst so pflichtbewussten Kommissar fällt gar nicht auf, wie geschickt sie ihn um den Finger wickelt. Bereitwillig gibt er ihr sogar vertrauliche Informationen preis. Nur: Warum interessiert sich die schöne Unbekannte so brennend für den tödlich verunglückten Drachensegler …
Hinter den Kulissen
„Die Gazelle“ ist die 184. Folge der Reihe und eine Gemeinschaftsproduktion von NDR und ORB. Deshalb treffen die NDR-Kommissare Kurt Groth (Kurt Böwe) und Jens Hinrichs (Uwe Steimle) hier erstmals auf ihre Kollegin Tanja Voigt (Katrin Saß), die für den ORB ermittelt. Für alle drei ist es jeweils der siebte Fall.
Die Titelrolle der Dinje spielt Aglaia Szyszkowitz – für die damals 27-jährige Österreicherin aus Graz war es die erste Hauptrolle. Zuvor beschränkte sich ihre Kameraerfahrung auf eine kleine Rolle in der ZDF-Serie „Jede Menge Leben“. Außerdem sind Gedeon Burkhard als Louis Krüger und Walter Kreye als Koos Krüger zu sehen.
Regie führte Bodo Fürneisen, das Drehbuch stammt von Michael Illner und Jürgen Pomorin, der später vor allem unter dem Pseudonym Leo P. Ard schrieb. Hinter der Kamera stand Sebastian Richter, die Musik komponierte Rainer Oleak. „Die Gazelle“ ist der erste Polizeiruf von NDR und ORB, der im 16:9-Format produziert wurde. Bei späteren Ausstrahlungen ersetzte man den ursprünglichen Vorspann mit der Musik von Peter Gotthardt durch eine neuere Fassung mit Musik von Freddy Gigele, die eigentlich erst ab Folge 204 („Discokiller“) verwendet wurde.
Bei der Erstausstrahlung erzielte der Krimi eine Einschaltquote von 18,4 Prozent.
Besetzung
Kommissar Kurt Groth – Kurt Böwe
Kommissarin Tanja Voigt – Katrin Saß
Kommissar Jens Hinrichs – Uwe Steimle
Dinje (die „Gazelle“) – Aglaia Szyszkowitz
Louis Krüger – Gedeon Burkhard
Koos Krüger – Walter Kreye
Becker – Dirk Martens
Seminarleiter Schnorr – Dieter Montag
Portier – Guido Sherr
Ermittler der Kripo – Klaus-Dieter Klebsch
Sänger der Band – Giso Weißbach
u. v. a.
Stab
Regie – Bodo Fürneisen
Drehbuch – Jürgen Pomorin, Michael Illner
Produktion – Klaus Michael Kühn, Klaus-Dieter Zeisberg
Musik – Rainer Oleak, Peter Gotthardt, (Freddy Gigele)
Kamera – Sebastian Richter
Schnitt – Sybille Windt
Produktionsunternehmen – NDR, ORB








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