Das Tatort-Jahr 2025 stand ganz im Zeichen des Abschieds und Neubeginns. Während legendäre Ermittler wie Klaus Borowski und Karin Gorniak ihre letzten Fälle lösten, etablierten sich neue Teams und bewährte Duos wagten sich an ungewöhnliche Formate. Vom KI-Thriller über historische Aufarbeitung bis zum klassischen Kammerspiel – die Bandbreite der Sonntagskrimis zeigte einmal mehr die Vitalität der Reihe.

Abschiede und letzte Akte

Emotional bewegend waren die Finale langjähriger Ermittler: Kiel verabschiedete sich mit „Borowski und das Haupt der Medusa“ von Axel Milbergs melancholischem Einzelgänger, während Dresden mit „Herz der Dunkelheit“ Karin Hanczewskis Kommissarin Gorniak in den Ruhestand schickte. Münster ließ mit „Die Erfindung des Rades“ auch Staatsanwältin Klemm (Mechthild Großmann) nach 48 Folgen gehen – ein würdevolles Ende mit persönlicher Tiefe.

Innovation und Genre-Experimente

Besonders mutig zeigte sich Hannover mit „Im Wahn“, das die Gefahren KI-gestützter Polizeiarbeit thematisierte. Noch weiter ging Wiesbaden: „Murot und der Elefant im Raum“ führte den Ermittler erneut in surreale Traumwelten – ein ambitioniertes, wenn auch nicht für alle zugängliches Experiment. Die Falke-Doppelfolge „Ein guter Tag“/„Schwarzer Schnee“ überzeugte als grenzüberschreitender Politthriller mit neuem Team-Setting.

Starke Kammerspiele und Gesellschaftsporträts

Wien brillierte gleich mehrfach: Während „Messer“ die brutale Welt der Sternegastronomie sezierte, analysierte „Wir sind nicht zu fassen!“ scharfsinnig gesellschaftliche Polarisierung. München zeigte mit „Das Verlangen“ im Theatermilieu, wie altgediente Ermittler auch in ihrem vorletzten Jahr noch Höchstform bieten können. Frankfurt etablierte mit „Dunkelheit“ und „Licht“ das Cold-Case-Duo Azadi/Kulina als empathische Ermittler für die Vergessenen.

Politische Tiefenschärfe und Milieustudien

Berlin setzte mit „Erika Mustermann“ und „Vier Leben“ auf komplexe politische Thriller, die Lobbyismus und internationale Verstrickungen thematisierten. Kölns „Restschuld“ zeichnete ein schonungsloses Porträt der Überschuldungsgesellschaft, während Dortmund mit „Feuer“ sensibel häusliche Gewalt behandelte. Zürichs „Kammerflimmern“ überzeugte als technik-kritischer Medizin-Thriller.

Tradition und handwerkliche Stärke

Klassische Ermittlungsarbeit boten Stuttgart mit dem Geiseldrama „Verblendung“ und der Schwarzwald mit dem Bergdrama „Der Reini“. Bremen („Solange du atmest“) und Leipzig/Dresden („Siebenschläfer“) lieferten solide psychologische Krimis, wenn auch ohne besondere Überraschungen.

Fazit: Kontinuität im Wandel

2025 bewies der Tatort erneut seine Fähigkeit zur Erneuerung, ohne bewährte Stärken zu vernachlässigen. Die gelungenen Abschiede etablierter Figuren zeigten Respekt vor der Geschichte der Reihe, während neue Teams wie Azadi/Kulina oder die Weiterentwicklung bestehender Duos (Karow/Bonard) frischen Wind brachten. Die experimentierfreudigen Folgen – besonders bei Murot und Falke – bewiesen Mut, auch wenn nicht alle Versuche gleichermaßen zugänglich waren.

Besonders stark war das Jahr dort, wo gesellschaftliche Relevanz auf handwerkliche Perfektion traf: Die politischen Berlin-Krimis, die sozialkritischen Milieustudien aus Köln und Dortmund sowie die intelligenten Kammerspiele aus Wien und München setzten Maßstäbe. Schwächen zeigten sich gelegentlich in überambitionierten Erzählformen oder vorhersehbaren Plotmustern. Doch insgesamt blieb die Qualitätsbilanz positiv: Der Tatort 2025 war vielfältig, mutig und – gerade in seinen besten Momenten – herausragendes Fernsehen.