Kurz und knapp – darum geht’s

Eva Hütter sieht rot: Die Familienrichterin will ihr tatsächlich das Sorgerecht für ihren Sohn Benjamin entziehen. Kurzerhand entführt Eva den kleinen Ben aus dem Gerichtssaal und flieht mit ihm in eine einsame Waldhütte. Die Fahndung läuft bereits auf Hochtouren, als die junge Mutter kurz darauf schwer verunglückt und ins Koma fällt. Ben hat sie in der Hütte allein zurückgelassen – doch wie soll die Polizei den fünfjährigen Jungen jetzt finden? Niemand außer seiner Mutter weiß, wo er sich aufhält.

Da kommt Kommissar Felix Murot vom LKA Wiesbaden eine Idee, die zunächst völlig verrückt klingt: Mithilfe seines Psychiaters und eines neuartigen Apparats für neuronale Verknüpfungen will er in Evas Unterbewusstsein eindringen, um der Entführerin so den Aufenthaltsort von Ben zu entlocken. Es beginnt eine atemlose, rauschhafte und tatsächlich etwas verrückte Reise zwischen Erinnerungen und Gegenwart, zwischen Traum und Realität …

Der Tatort „Murot und der Elefant im Raum“ mit Ulrich Tukur als LKA-Ermittler Felix Murot ist am 28.12.2025 um 20:15 Uhr im Ersten zu sehen.

Inhalt der Tatort-Folge „Murot und der Elefant im Raum“

Eva Hütter kämpft, doch sie weiß, dass sie schon verloren hat: Penibel trägt ihr die Familienrichterin sämtliche Verfehlungen und Ordnungswidrigkeiten der letzten Jahre vor, von Drogenkonsum bis Alkohol am Steuer – alles nur Kleinigkeiten, doch zusammengenommen genug, um der jungen Mutter das Sorgerecht für ihren Sohn Benjamin zu entziehen. Was sie denn tun wolle, um sich künftig gesetzestreu zu verhalten, fragt die Richterin mit zynischem Unterton, dabei hat sie ihr Urteil über Eva doch längst gefällt. Die sieht schließlich nur noch einen Ausweg: weg hier, zusammen mit dem kleinen Ben, der direkt neben ihr sitzt. Wie praktisch, dass Eva gerade den makellos spitzen Bleistift in der Hand hält – und damit sämtliche Anwesende in Schach halten kann …

Hastig packt sie ihr Kind ins Auto und fährt los: raus aus der Stadt, rein in den Taunus, zur einsamen Waldhütte, wo sie schon so oft gewesen ist. Dort wird sie bestimmt niemand finden. Und Ben freut sich einfach auf einen abenteuerlichen Ausflug ins Grüne. Doch der Junge hat vor allem eines: Hunger. Und er vermisst seine heißgeliebten Nougatflips. Die aber hat Eva im hektisch zusammengepackten Fluchtproviant vergessen, also muss sie noch mal los – wohl oder übel. Und ohne Ben, den sie allein in der Hütte zurücklässt …

Währenddessen liegt Kommissar Felix Murot auf der Couch seines Psychiaters Dr. Schneider und klagt ihm sein Leid: „Es ist immer dasselbe: Ich renne und renne und komme nicht vom Fleck.“ Tja, das Schicksal eines Kriminalbeamten. Und als hätte er es geahnt, wird der leicht melancholische LKA-Ermittler direkt nach seiner Therapiesitzung im Tatort „Murot und der Elefant im Raum“ zu einem neuen Einsatz gerufen: Ein Sorgerechtsstreit ist eskaliert, die Mutter hat ihren fünfjährigen Sohn entführt, Fluchtauto ist ein silbergrauer Kleinwagen.

Die Fahndung läuft schon auf Hochtouren, alle Ein- und Ausfallstraßen Wiesbadens werden von der Polizei kontrolliert. Doch von Eva Hütter und ihrem Sohn Benjamin fehlt bislang jede Spur – bis plötzlich ein Handysignal auf den Monitoren der Ermittler aufleuchtet: Die Entführerin hat ihr Smartphone eingeschaltet und ist mit dem Auto unterwegs. Sofort nimmt ein Streifenpolizist in der Nähe die Verfolgung auf – aber die endet dramatisch: Auf der panischen Flucht vor der Polizei verursacht Eva Hütter einen schweren Unfall. Diagnose: starkes Schädel-Hirn-Trauma, die Patientin liegt im Koma, ist für niemanden ansprechbar. Und sie ist die Einzige, die weiß, wo sich der kleine Ben aufhält. Ein Albtraum für die Ermittler. Wie sollen sie den Jungen jemals finden?

Kommissar Murot, weithin bekannt (und berüchtigt) für seine unkonventionellen Ermittlungsmethoden, hat eine Idee, die zunächst komplett verrückt klingt: Mithilfe seines Psychiaters Dr. Schneider und dessen neuester Errungenschaft, eines Apparats für neuronale Verknüpfungen, will er in Evas Unterbewusstsein eindringen, um der Entführerin im TV-Krimi „Murot und der Elefant im Raum“ so den Aufenthaltsort von Ben zu entlocken. Das Gerät hat Murot schließlich schon selbst in seinen Therapiesitzungen ausprobiert und ist ganz begeistert von den Möglichkeiten, die sich damit eröffnen: Er kann quasi in seiner Psyche, in seinem Unterbewusstsein „spazieren gehen“. Dr. Schneider ist zunächst skeptisch, schließlich betritt er damit wissenschaftliches Neuland, denn noch nie wurde das Gerät an zwei Personen gleichzeitig erprobt. Murot aber bleibt hartnäckig, allen Zweifeln zum Trotz. Und so beginnt eine atemlose, rauschhafte und tatsächlich etwas verrückte Reise zwischen Erinnerungen und Gegenwart, zwischen Traum und Realität, immer begleitet von der bangen Frage, ob der kleine Ben noch rechtzeitig gefunden wird …

Hinter den Kulissen

„Murot und der Elefant im Raum“ heißt der 14. Fall für den Wiesbadener LKA-Ermittler Felix Murot (Ulrich Tukur) und seine Assistentin Magda Wächter (Barbara Philipp), in dem sich der eigenbrötlerisch-melancholische Murot auf eine Reise ins Unterbewusstsein einer Tatverdächtigen begibt. Autor und Regisseur Dietrich Brüggemann findet, dass sich dieser besondere Aspekt unserer Psyche gut im Medium Film darstellen und verhandeln lässt: „Man schaut Filme ja ohnehin nicht mit dem analytischen Gehirn, sondern in einer Art halbbewussten Traumzustand. […] Filme sprechen zum Unterbewusstsein, und im Grunde handeln sie auch vom Unterbewusstsein. Für die Dauer des Films sind die Figuren auf der Leinwand in gewisser Weise Anteile unserer eigenen Psyche.“

Der erfahrene Filmemacher Brüggemann führte bereits Regie bei der Folge „Murot und das Murmeltier“ und spricht voller Hochachtung über diese in der deutschen Krimilandschaft wohl einzigartige Ermittlerfigur: „Die Figur des Kommissar Murot geht nun schon seit vierzehn Jahren durch die absurdesten Innen- und Außenwelten, es gibt Spannung und Dramatik, kuriose Szenen bis zum Klamauk und zudem immer wieder Achterbahnfahrten durch unser kulturelles Gedächtnis.“

Gedreht wurde vom 22. Mai bis zum 20. Juni 2024 in Frankfurt am Main, Offenbach, Maintal, Langen, Taunusstein und Idstein. Die hr-Produktion wird am Sonntag, den 28. Dezember 2025 erstmals im TV ausgestrahlt, wie üblich um 20:15 Uhr im Ersten.

Tatort-Kritik

Die Redaktion von Tatort-Fans meint:
Murot ist einfach genial, so wie er ist, gerade weil er auch diesmal sämtliche Sehgewohnheiten und Grenzen des Krimi-Genres sprengt. Zwar wurde das „Traumreise“-Setting schon im letzten Fall bemüht und ist mit dieser Episode wohl endgültig ausgereizt, aber noch besser als beim letzten Mal gelingt es hier, das Publikum mitzunehmen auf Murots experimentelle Reisen in fremde Gedankenwelten: Stets gibt es Rückbezüge zur Realität, man wird geradezu zum Miträtseln eingeladen und bekommt zudem noch intelligente Situationskomik als Zugabe obendrauf.
Merci, Monsieur Murot, für 90 Minuten Futter fürs Unterbewusstsein – und für die Fantasie.

Besetzung

Hauptkommissar Felix Murot – Ulrich Tukur
Assistentin Magda Wächter – Barbara Philipp
Eva Hütter – Nadine Dubois
Kai – Joseph Bundschuh
Psychiater Dr. Schneider – Robert Gwisdek
Polizistin Schreiner – Monika Wojtyllo
Polizist Dreher – Tom Lass
Staatsanwalt Froese – Wolf Danny Homann
Benjamin – Lio Vonnemann
Ulrike (Mutter von Eva) – Anne-Kathrin Gummich
u. v. a.

Stab

Drehbuch – Dietrich Brüggemann
Regie – Dietrich Brüggemann
Kamera – Alexander Sass
Ton – Jan Geiling
Szenenbild – Anette Reuther
Kostümbild – Aino Laberenz
Außenrequisite – Roland Richter
Maske – Regine Frohberg, Stefanie Lange, Eva Schubert
Schnitt – Stefan Blau
Musik – Dietrich Brüggemann
Besetzung – Nathalie Mischel
Produktionsleitung Senator Film – Cornelia Schmidt-Matthiesen
Produktionsleitung hr – Dominik Diers, Robert Malzahn
Aufnahmeleitung – Thomas Mendler
Produzenten – Ulf Israel, Reik Möller
Redaktion – Jörg Himstedt (hr)