Kurz und knapp – darum geht’s
Mit gleich zwei rätselhaften Mordfällen haben es die Münchner Kommissare Cris Blohm und Dennis Eden zu tun: Erst taucht im Isarkanal die Leiche einer jungen Frau auf, von der alle dachten, dass sie vor zwei Jahren von ihrem Mörder zerstückelt und entsorgt worden sei. Dann wird ein Radfahrer abends in einer ruhigen Wohnstraße brutal überfahren. In beiden Fällen gibt es geständige Täter, doch Cris Blohm entdeckt Ungereimtheiten in ihren Aussagen und zweifelt an der Echtheit der Geständnisse. Zusammenhänge zwischen beiden Fällen scheint es nicht zu geben – bis Blohm und Eden auf den charismatischen Rechtsanwalt August Schellenberg treffen, der die beiden vermeintlichen Mörder – einen Geflüchteten und einen arbeitslosen Kleinkriminellen – vertritt, obwohl er eigentlich als Advokat der High Society gilt.
Gegen alle Widerstände machen sich die beiden Polizisten auf die Suche nach der Wahrheit …
Der neue Polizeiruf 110 „Ablass“ aus München ist am Sonntag, den 15. März 2026 um 20:15 Uhr im Ersten zu sehen.
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Ablass“
„Das klingt nach einem Cold Case, der jetzt wieder heiß wird“, so die spontane Reaktion von Kommissarin Cris Blohm, als die Leiche von Sonja Berling aus dem Isarkanal gefischt wird. Zwei Jahre ist die junge Frau jetzt tot, und offiziell ist dies gar kein „Cold Case“, sondern ein gelöster Fall: Der aus Burkina Faso stammende Flüchtling Léon Kamara hat zugegeben, der damals 19-jährigen Sonja versehentlich einen überdosierten Drogencocktail verabreicht zu haben – die in den Akten vermerkte Todesursache. Aus Angst davor, aufzufliegen, hat Kamara die Leiche in mehrere Teile zerstückelt und anschließend entsorgt. Warum aber taucht der tote Körper jetzt an einem Stück und nahezu unversehrt wieder auf? Und warum hält die Gerichtsmedizin nun einen Tod durch Ersticken für wahrscheinlich, womöglich sogar verbunden mit einer vorherigen Vergewaltigung?
Wichtige Fragen, die den alten Fall in einem völlig neuen Licht erscheinen lassen. Doch Léon Kamara wurde wegen fahrlässiger Tötung und unterlassener Hilfeleistung bereits rechtskräftig verurteilt und sitzt eine fünfjährige Gefängnisstrafe ab. Er kann für diese Tat kein zweites Mal belangt werden, auch wenn es jetzt neue Erkenntnisse gibt – so sieht es das deutsche Strafrecht vor. Aber Cris Blohm, die gewissenhafte Kriminalistin im BR-Polizeiruf 110 „Ablass“, stellt sich noch ganz andere Fragen: Warum hat Léon die Tat gestanden – ja klar, angeblich hat ihn sein schlechtes Gewissen geplagt –, tischt den Ermittlern dann aber eine Lüge auf, was den Tathergang betrifft? Wollte er das tatsächliche Ausmaß des Verbrechens vertuschen und sich so eine Anklage wegen Mordes ersparen? Möglich, doch bei der dünnen Beweislage hätte Léons Verteidiger ihm stattdessen eigentlich raten müssen, sein Geständnis zurückzuziehen – es war nämlich die einzige Grundlage für seine Verurteilung. Blohm ist sich sicher, dass hier etwas faul ist. Doch der Fall ist offiziell abgeschlossen, und solange es keine Hinweise auf einen anderen Täter gibt, sind ihr die Hände gebunden.
Ohnehin wird das Ermittlerduo Blohm und Eden nun in einem anderen Todesfall im TV-Krimi „Ablass“ gebraucht: In einer ruhigen Wohnstraße wurde vor einigen Tagen ein Radfahrer brutal von einem PKW überfahren. Kai Lorenz heißt das Opfer, er war Realschullehrer und hinterlässt seine hochschwangere Ehefrau. Fehlende Bremsspuren am Unfallort deuten darauf hin, dass Lorenz absichtlich getötet wurde. Als Tatfahrzeug wird schnell ein weißer Porsche-Oldtimer identifiziert, der vor zwei Tagen als gestohlen gemeldet wurde, und zwar von Helene Assauer. Die ist Diplomatin und bewohnt zusammen mit ihrem Gatten Martin und ihrer Tochter Kim eine schicke Villa im noblen Bogenhausen. Zuerst sei ihnen der fehlende Porsche gar nicht aufgefallen, geben die Assauers gegenüber Blohm und Eden zu Protokoll, schließlich würden sie ihn ohnehin kaum noch fahren. Dennoch finden sich Fingerabdrücke von allen drei Familienmitgliedern im Innenraum des Wagens, aber auch die von einer vierten Person: Victor Reisinger, arbeitsloser Familienvater und mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen Autodiebstahls.
Tatsächlich gibt Reisinger gegenüber der Polizei umstandslos zu, in der Tatnacht mit dem Porsche unterwegs gewesen zu sein, natürlich stark alkoholisiert. Klare Sache, eindeutiges Geständnis, Fall gelöst – sollte man meinen. Doch Cris Blohm ist weiterhin skeptisch. Vielleicht ist es nur ihre Intuition, doch irgendetwas sagt ihr, dass auch mit Reisingers Geständnis etwas nicht stimmt. Tatsächlich entdeckt sie Ungereimtheiten …
Am liebsten würde Blohm einfach weiterermitteln, doch die Kommissarin im Polizeiruf 110 „Ablass“ hat nicht nur Kollege Eden gegen sich, sondern auch die Staatsanwältin, die von Reisingers Schuld überzeugt ist und den Fall schnell abschließen will – genauso wie August Schellenberg, Victor Reisingers Rechtsbeistand, der sonst nur Mandanten aus der Münchner Schickeria vertritt. Warum steht der schillernde Advokat nun einem arbeitslosen Kleinkriminellen zur Seite? Cris Blohm fühlt Schellenberg auf den Zahn, zumal er auch der Strafverteidiger von Léon Kamara im Fall Berling war – und ahnt nicht, in welches Wespennest sie damit stößt …
Hinter den Kulissen
Vom 11. März bis zum 9. April 2025 wurde der mittlerweile fünfte Fall des ungleichen Ermittlerduos Cris Blohm (Johanna Wokalek) und Dennis Eden (Stephan Zinner) in München abgedreht. Für Hauptdarstellerin Wokalek ist der Polizeiruf 110 „Ablass“ „ein richtiger Ermittlungsfall […] mit viel Kopfarbeit“, der „immer wieder überrascht“, während Stephan Zinner in dem Kriminalfilm „ein treffendes Bild unserer Gesellschaft“ erkennt. Auch Regisseur und Autor Christian Bach ließ sich bei seiner Arbeit vom aktuellen Weltgeschehen inspirieren, „wo wieder das ‚Recht der Stärkeren‘ gilt, wo Politik, Moral und Gerechtigkeit als ‚Deal‘ betrachtet werden und nur noch der Preis stimmen muss.“
Die Produktion des Bayerischen Rundfunks wird erstmals am Sonntag, den 15. März 2026 um 20:15 Uhr im ARD-Fernsehen ausgestrahlt.















Regisseur und Drehbuchautor schreibt zu „Ablass“ u.a.:
In seiner Schreibarbeit sei unter anderem das aktuelle Weltgeschehen mit eingeflossen, wo wieder das ‚Recht der Stärkeren‘ gelte, wo Politik, Moral und Gerechtigkeit als ‚Deal‘ betrachtet werde und nur noch der Preis stimmen müsse.
‚Ablass‘ könne überall spielen. Als schreibender Regisseur habe er immer sehr konkrete Vorstellungen in inhaltlicher und ästhetischer Hinsicht. Er habe ein unglaublich starkes Ensemble gewinnen können. So durften sich die Ermittler Johanna Wokalek und Stephan Zinner mit ihren Widersachern einen packenden Schlagabtausch nach dem anderen liefern.
Mit „Ablass“ habe er einen Film machen wollen, der berühre, anrege und spannend unterhalte. Sollte dies gelungen sein, hätten dazu nicht nur die tollen Schauspieler beigetragen, sondern auch die anderen Gewerke mit ihrer Hingabe und ihrem außerordentlichen Talent.
###SPOILER###
Interessante Gedanken-Konstruktion!
Kann mir aber nicht vorstellen, dass es solche Fälle allzu häufig in der Realität gibt …
(m.E. ebenso selten wie die vielfach in Krimis gesehenen Konstellationen, dass Unschuldige Taten gestehen, um andere vermeintlich zu ’schützen‘!)
Nun ja, was wirklich war, wusste jeder regelmäßige Krimi-Zuschauer schon nach Lesen von „Kurz und knapp“. Also war das Interessante eigentlich nur die Arbeit der Kommissare.
Die ja auch stimmig war.
Aber dass dann doch ein Open-End Krimi à la Wien herauskommt, bei denen ja oft genug die Täter mit viel Geld und noch mehr Beziehungen ungeschoren blieben, finde ich doch unbefriedigend.
Befriedigt „Sand in die Augen“? Der offene Schluss war der logischste. Wir bekommen die „Kraft des Geldes“ (auch vor Gericht) doch täglich vor Augen geführt.
@Antje:
Vor Gericht: ja (da kann ein ‚teurer‘ Anwalt schon oft einiges mehr erreichen als ein 08/15-Anwalt), aber dass ein Täter so ohne Weiteres einen Büßer für die begangenen (Tötungs-)Delikte kaufen kann, ist in der Realität – außerhalb der OK – wohl nur ein Produkt der Phantasie!😱
(Aber es ist ein durchaus interessantes Gedanken-Konstrukt!)
Streut dann jeder ’normale‘ Krimi, bei dem der Täter gefasst wird, dem Zuschauer Sand in die Augen?
Finde ich nicht.
Recht ordentliche schauspielerische Leistungen, aber nur sehr mäßig spannend. Wie leider die meisten Polizeiruf-Folgen in letzter Zeit, „Your Body My Choice“ letzte Woche mal ausgenommen.
Störend fand ich: warum redet Kommissarin Blohm mit Kamara zeitweise auf französisch, obwohl er gut deusch sprechen konnte? Das Gespräch wirkte dadurch nicht authentischer.
Blohm versuchte durch ihr Französischsprechen eine Vertrautheit zu Kamara herstellen, ihn sozusagen bei den Gefühlen packen.
Doch, ist eine Sache der Empathie!
war der beste Sonntag Abend Film seit ewig langer Zeit.
Es gibt also doch noch spannende und packende Drehbücher.
Auch wenn es nur ein Drama, und kein klassischer Kriminalfim gewesen ist.
Aber mit jeder Minute mehr fesselnd.
Fünf Sterne.
⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
dem stimme ich voll zu. auch von mir 🌟🌟🌟🌟🌟
Richtig gut. Kann sich fast jeder Tatort ne Scheibe von abschneiden.
⭐⭐⭐⭐⭐ Einwandfrei, volle Punktzahl. Eigentlich verwende den Begriff nur in der ursprünglichen Bedeutung, aber: Dieser Film war echt geil.
Motivationen und Handlungen sauber herausgearbeitet, nachvollziehbar. Eingängig erzählt, moduliertes Tempo, gute Sprache und echt starke Bilder.
Auch schauspielerisch sehr gut dargeboten, (Tobias Moretti ist einfach ’ne Bank.) Hat mir sehr viel Spaß gemacht, das anzusehen. Gern mehr davon.
Aber einen hab ich noch: „Ein Hoch auf den Grünfilter.“ War nicht so schlimm, musste aber erwähnt werden. Servus nach München.
Der war eher ungewöhnlich, teilweise unrealistisch und das Ende für den Zuschauer unbefriedigend. Aber das ist ja kein Kriterium, das den ganzen Film abwertet. Es war berührend und spannend. Gute Schauspielerleistungen, durchgehend. Ich fand ihn gut bis sehr gut
Sehr gut!!!
1 a Qualität
Gerne mehr mit diesem Ermittlerteam ( bzw.
Schauspielern) und von diesen
Autoren.
Sorry für meine subjektive
Meinung.
Schuld, Gerechtigkeit und die Grenzen des Gesetzes: Inmitten moralischer Dilemmata, in denen sich ein reichtumskritisches Bild herauskristallisiert [= “Das Unrecht des Stärkeren“], surfen die Münchner Blohm & Eden mit energisch sanften Turns durch wendige juristische Prinzipienwellen, um inhaltliche Tiefe zu erzeugen.
Als Spannungselement fesselt hier die emotionale und kognitive Zwickmühle, da sie das eigene Gerechtigkeitsempfinden und die moralische Urteilsfähigkeit herausfordert …
@Schicki-Micki-Anwalt Schellenberg:
»Master of puppets, I’m pulling your strings /
Twisting your mind and smashing your dreams /
Blinded by me, you can’t see a thing /
Just call my name ‚cause I’ll hear you scream«*
(* 🎼 Metallica – Master of Puppets)
🤪🤪🤪🤪
###SPOILER###
Spannender Polizeiruf über ein neues mögliches Geschäftsfeld für skrupellose Strafverteidiger: Strafverschonung von Schuldigen gegen Geld und Übernahme der Strafe durch Unbeteiligte auch gegen Geld. Aber man muss alles gut durchdenken und planen. Auch ist nicht sicher, dass die Tat doch irgendwann einmal auffliegt, weil sich die Verhältnisse ändern oder tatsächlich Schuldige das Gewissen plagt. Allerdings empfehle ich, vor dem Anschauen des Films einen Kaffee zu trinken, damit man konzentriert der gut durchdachten Handlung folgen kann. Sehr gute Schauspieler (m/w), Kamera, Ton, Drehbuch und Regie! 5 von 5 Sterne!
Ein Film, der unter die Haut geht. Das ernüchternde und realistische Fazit: Die Hoffnung stibt zuletzt. Vielleicht kann man mit Geld doch nicht alles regeln.
Das war ein sehr spannender Krimi,nur der Schluss hat mir nicht gefallen.Ich hätte es lieber gesehen,wenn Schellenberg und Dillmann überführt worden wären. Aber in der Realität ist es wahrscheinlich auch oft so,dass reiche Leute davon kommen,während für die Armen alles tragisch endet.
Sehr gut, der beste bisher des Teams, grosse Tragik und die reichen Leute kaufen sich frei. Moretti und Johanna W. einfach Klasse, aber auch der Schauspieler, der den Sündenbock gab und seine Frau, irgendwie traurig das Ganze und doch nicht völlig unrealistisch. Ach, Katharina Mayer als eiskalte Beschützer ihres Töchterchen auch wieder richtig gut 5 von 5 Sternen.
@Ruhrpottler (zum Thema ‚Victoria Mayer‘):
Die genannte Schauspielerin spielte ja etwa auch in der Münchner TO-Folge Nr. 1135 („Lass den Mond am Himmel stehen“; 2020) eine Mutter, welche als fehlgeleitete Anwältin ihren gestörten unmündigen Sohn bei der Vertuschung dessen Mordes an seinem Mitschüler unterstützte (ihre Figur damals trug übrigens kurioserweise den Familiennamen ‚Schellenberg‘, wie hier der böse Anwalt!😏); sie hat also offenbar eine gewisse Affinität zur Darstellung derart durchtriebener Frauen-Figuren der upper-class; diese spielt sie m.E. durchaus glaubhaft!👏
Eine gute Geschichte, die hin und wieder drohte, ins Klischeehafte abzudriften – reiche Leute, die sich ihre Unversehrtheit kaufen, ein zynischer Anwalt als Agentur und arme Schlucker, die für Kohle in den Knast gehen aber im Kern gute Menschen sind. Das in der Zelle neben dem Kruzifix untergebrachte „ACAB“ passte nicht zum Insassen Kamara, es wäre wohl lieber in den privaten Wohnstuben der Geschichtenerzähler geblieben, wo es womöglich so ähnlich schon jetzt zu finden ist ;-). Auch der Spruch mit den „deutschen Frauen“ nach dem Angriff auf Kamara war überflüssig, doch da hat den Autor wohl das Fell gejuckt und er musste das unbedingt noch unterbringen.
Wie dem auch sei, der Film bekommt trotzdem meist die Kurve, was auch an der sympathischen Kommissarin liegt, die zwar hartnäckig, doch in ihrem Wesen nicht allzu missionarisch wirkt. Ihr Kollege komplettiert das gute Team, wenngleich er hin und wieder etwas destruktiv wirkt („Joar, dös ist ja koan Beweeiiis“). Der könnte als Partner ruhig etwas munterer sein und müsste auch nicht ständig Bier trinken. Die Rolle Blohm und ihre Darstellerin sind für sich stark genug, die verkraften einen stärkeren Sideback ohne Probleme (anders als Furtwängler mit Lindholm, aber das ist ein anderes Thema). Mal schauen, ob in den kommenden Folgen das Thema Schellenberg noch einmal aufkommt. Auf neue Folgen mit dem Team freue ich mich.
Da der Knasti, welcher zwei mal das mit den Deutschen Frauen aussprach, dieses eindeutig nicht mit Deutsch als Muttersprache tat, sollte dies wohl eine kleine politische Botschaft sein, dass es dem Herumtöner nicht um die Frauen, sondern um eine Gelegenheit zur Gewalt (abstechen, schlagen, treten) geht.
Und ja, es passten weder Kruzifix (Du sollst nicht lügen) noch acab zu dieser Rolle.
Bei Lindholm sind wir verschiedener Meinung: ich mag sie sehr und ihre zeitweise Mitspielenden können nicht mithalten.
Aber eigene Meinungen sind halt subjektiv.
@Schauinsland und @Henning: Das ACAB an der Zellwand ist wahrscheinlich von früher einsitzenden Gefangenen, also nicht von Kamara. Es fehlt das Geld, zeitnah alle Kritzeleien in Gefängnissen zu entfernen, genauso wie Schmierereien in den Städten.
@Adabei
Dass die Kritzelei nicht vom aktuellen Insassen stammt, da waren wir uns bestimmt alle von Beginn an einig. Jedoch wird es in die Mitte der Optik gerückt – und passt halt so gar nicht.
Schön, dass das Kruzifix wenigstens hier Oberhand hat.
Ein sehr guter Polizeiruf. Tolle Story und gut gespielt.
Ich bin mir sicher, dass es dieses oder ähnliches Geschäftsmodel leider häufiger gibt als man vermutet. Daher war es für mich auch kein „offenes Ende“, sondern einfach ein realistischer Ausgang.
Wäre zum Schluss Anwalt Schellenberg und die reiche Tochter überführt worden, hätten viele gemeckert: Romantisches Ende bei dem die Gerechtigkeit siegt, absolut unrealitisch in unserer Zeit.
Somit befriedigt dieses Ende nicht jeden. Doch es zeigt einen durchaus nicht unwahrscheinlichen Ausgang. Zumal man nicht immer auf eine so engagierte Beamtin wie Frau Blohm hoffen kann. Manche sind sicher einfach nur froh, wenn ein weitere Fall vom Tisch ist.
Wenngleich.. Kim, die reiche Tochter, zögert, bevor sie ins Taxi steigt.
Vielleicht..
Gut dargestellt, dass die Kommissarin Kim zuvor persönlich noch ansprach und an sie appellierte. Denn sie ist eventuell noch erreichbar im Gegensatz zu ihrer Mutter.
Ein mögliches Ende wäre es ja auch gewesen, dass sie mit dem Taxi nicht zum Flughafen zu Frau Blom ins Polizeirevier fährt und damit alles offenlegt. Ich bin mir nicht sicher, ob es das bessere Ende für diesen hervorragenden Polizeiruf gewesen wäre.Der Film macht nachdenklich bei aller Klischeehaftigkeit einzelner Figuren
Frank Schätzing meinte mal„… Leichen und Ermittler sind hierzulande noch beliebter als Golden Retriever und Fernsehköche. Nicht, dass wir blutrünstig wären. Wir mögen es nur einfach, die aus den Fugen geratene Welt wieder in Ordnung gebracht zu sehen. …“
Und darum befriedet ein offenes Ende nicht jeden.
als eingefleischter Sonntag Abend Krimi Fan bin ich bei dieser PR 110 Produktion endlich mal wieder auf meine Kosten gekommen – gute Story dazu noch ein absolut symphatisches Ermittlerteam ohne ständig nervende persönliche Befindlichkeiten – solide gemacht und als “ Sahnehäubchen “ dazu noch ein Hauch von Eberhofer – open End – niemand ist für irgendwas zur Verantwortung zu ziehen – die Wahrheit ist eben nur das , was man beweisen kann – andererseits wäscht dann eben auch die Kohle so manche Weste weiß – hat in den 80igern Klaus Lage mal in einem Song zum Ausdruck gebracht – stimmt leider immer noch
Liebes Münchner Team – bitte weiter so
Moin, es war ein sehr guter Dargestellter Polizeiruf! Mit einem realistischen Hintergrund und auch leider Ende… sehr spannend zu schauen und zum nachdenken
Was ein gutes Drehbuch doch ausmacht! Ich schliess mich sehr gern den vielen positiven Kommentaren an. Ein spannender Krimi mit hochinteressanter Grundidee, absolut rund in der Ausführung, top gespielt von allen Beteiligten, sei es das sym- und empathische Ermittlerduo (OHNE aufgesetzte Privat-Stories), Tobias Moretti als Anwalt mit fragwürdigen Methoden, der mir bislang unbekannte Yoli Fuller in der Rolle eines Mannes, der bereit ist, einen hohen Preis zu zahlen, um seiner Familie und seinem Dorf etwas Gutes zu tun oder auch Victoria Mayer als gewissenlose Oberschicht-Mutter.
Die Story wird spannend und fokussiert erzählt, vielleicht ist es eine gute Idee, dass Buch und Regie in der gleichen kompetenten Hand (Christian Bach) lagen.
Es passt einfach alles in diesem bis dato besten Sonntagskrimi des Jahres.
Gedankenanstoß jenseits der Moral und der Lebensumstände:
Die reiche Mutter unterscheidet sich nicht sehr von den beiden unschuldig Verdächtigen.
Alle tun alles dafür, um ihre Familie zu schützen.
Alle verstricken sich dafür in ein Lügenkonstrukt.
Alle reissen ihre Kinder hinab in den Sumpf von Unwahrheit und Unbill.
Was leben se ihren Kindern nur vor?
Sehr guter Polizeiruf mit einer (zumindest mir) bisher unbekannten Variante, wie sich Leute, bei denen „Geld keine Rolle spielt“, aus der Affäre ziehen. Spannend gemacht, ohne zu sehr auf Effekte aus zu sein, mit zwei zunächst völlig unterschiedlichen Fällen, die scheinbar nichts miteinander zu tun hatten, aber dann doch sozusagen Millimeter für Millimeter in einem Punkt zusammenkommen. Sehr sympathisches Ermittlerteam, das zeigt, dass individuelle Profilierung eben auch ohne dauerndes internes Generve geht. Den einen oder anderen gar zu klischeehaften Anklang kann man verzeihen. Gute vier Sterne.
****/5
Wenn Ermittlerfiguren gut geschrieben sind und die Schauspieler*innen stark genug sind, sind keine privaten Nebenplots oder künstlich konstruierte „Macken“ notwendig. Bitte unbedingt mehr in dieser Richtung, auch beim Tatort.
Das war mal wieder ein Krimi der Reihe, der so schmerzt wie das echte Leben. Lob für Darsteller und Drehbuch!
Während des Filmes war ich hin- und hergerissen. zum einen wünschte ich mir, dass die reichen Schnösel nicht ungestraft davonkommen, auf der anderen Seite hoffte ich auf einen Ausgang, der näher an der Realität ist. Ich kann mich nicht entsinnen, in letzter Zeit einen Film gesehen zu haben, der die brutale Konsequenz von Brechts „Erst kommt das Fressen, dann die Moral“ so verdeutlicht hat.
Warum aber habe ich mir gewünscht, die Täter würden bestraft?
Bei Sherlock Holmes war es noch einfach. Mit scharfem Verstand und enzyklopädischem Wissen (des Autors) gelingt es ihm, (fast) jeden Verbrecher zu überführen. Anwälte behindern ihn auch nicht. Außer seinen selbst auferlegten Regeln und Normen behindert nichts seine Ermittlungen, was zu 100% Aufklärungsquote führt. Das dürfte mit der Realität nichts zu tun gehabt haben, den Lesern hat es jedoch gefallen. Aus dem Rauschgift schnupfenden, asexuellen und aristokratischen Holmes wurden der Alkoholfreund Marlowe und der Frauenverbraucher Bond, aus dem Krimi wurde der Thriller, und die Handlung näherte sich etwas der Realität an. Nur die Bösewichte waren klar definiert und wurden zum Schluss bestraft. Damit machte der Agententhriller Schluss. Mit Le Carre verschwanden die Grenzen immer mehr und die zerbrochenen Helden sind Produkt der kaputten Verhältnisse. Auch in den guten alten Krimi zieht Realität ein. Ab einer bestimmten Höhe des Bankkontos oder einer entsprechenden politischen Position kommt man oft davon.
Mein Wunsch, dass der Böse bestraft wird (zumindest im Krimi), ist bei aller Sicht auf die Wirklichkeit da, weil ich mich dann wohler fühle. (Und so wie mir geht es offenbar sehr vielen.) In einer irren Welt will ich dann wenigsten in der fiktiven Welt Ordnung haben. Zumindest meist.
@I.Mirk:
Und gerade das bezweifle ich (dass in „Ablass“ relevante Realität abgebildet würde).
Als Jurist habe ich ein bisschen Bezug zu den tatsächlich stattfindenden Tatkonstellationen der Realität. Im Dunstkreis der OK (Organisierte Kriminalität) gibt es solche bestellten Tatgeständnisse tatsächlich immer wieder.
Aber in Personenkreisen wie in der PR-Folge dargestellt sind derartige gekaufte Täter bisher meines Wissens nicht wirklich in Erscheinung getreten.😏
@ Der Fremde In meiner Wortmeldung ging es mir nicht um mehr oder weniger realistische Details der Handlung. Ich zielte auf die Frage, wie nah die Lösung der Fälle an der Lebenswirklichkeit ist. Ähnlich einem Märchen ist es beim „normalen“ Krimi so, dass die Fronten von Gut und Böse klar definiert sind und das Gute siegt. So ist das Leben aber nicht. Mittlerweile ist es auch beim normalen Krimi immer öfter so, dass auch hier die Guten die Bösen sein können und der Bösewicht davonkommt und der/die Vertreter des Guten scheitern. Das ist – denke ich –realistisch.
Ein richtig guter Polizeiruf. Und die Ermittler sind bei der Sache und nicht mit Psychosen beschäftigt.