Kurz und knapp – darum geht’s
Der gewaltsame Tod einer jungen Frau erschüttert Magdeburg: Ungebremst stößt Arzthelferin Marwa mit einem Auto zusammen, als sie mit dem Rad auf dem Weg zur Arbeit ist. Schnell ist klar: Es war Mord, denn die Bremsschläuche wurden durchgeschnitten. Marwa arbeitete in einer Frauenarztpraxis, die auch Abtreibungen durchführt. Galt der brutale Anschlag also gar nicht ihr, sondern der Ärztin Dr. Schöller-Hahnfeld? Kommissarin Doreen Brasch ermittelt sowohl im Umfeld der Praxis als auch in der „Lebensschützer“-Szene, die mit rabiaten Methoden und Einschüchterungen Frauen bedrängt, die abtreiben wollen – so auch die junge Polin Dania, die deswegen extra nach Deutschland gereist ist.
War Marwas Mörder auch ein angeblicher „Lebensschützer“? Und was weiß Lara Becker, die als „Abortion Buddy“ arbeitet und Dania praktische Hilfe leistet? Die wiederum fühlt sich inmitten der sich zuspitzenden Konflikte zwischen Abtreibungsgegnern und -befürwortern zunehmend unsicher und bedroht …
Der Polizeiruf 110 Magdeburg „Your Body, my Choice“ ist am 8. März 2026, dem Internationalen Frauentag, um 20:20 Uhr im Ersten zu sehen.
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Your Body, my Choice“
Zunächst sieht alles nach einem tragischen Verkehrsunfall aus: Eine Radfahrerin fährt bei Rot über eine Kreuzung und prallt ungebremst mit einem PKW zusammen. Marwa, das Opfer, stammte aus Libyen und lebte seit sieben Jahren in Magdeburg. Wie jeden Morgen war die Arzthelferin mit dem Fahrrad auf dem Weg zu ihrem Arbeitsplatz: der Frauenarztpraxis von Dr. Doro Schöller-Hahnfeld. Schnell stellt sich jedoch heraus, dass Marwas Tod kein Unfall war – sondern Mord: Die Bremsschläuche ihres Zweirads wurden durchgeschnitten.
Wer tut so etwas? Wer ermordet auf solch brutale Weise eine junge Frau? Kommissarin Doreen Brasch ermittelt im Umfeld der Arztpraxis und befragt auch Dr. Schöller-Hahnfeld, die bekannt dafür ist, dass sie Abtreibungen durchführt. Immer öfter wird die engagierte Medizinerin im MDR-Polizeiruf „Your Body, my Choice“ deshalb angefeindet, vor allem auf Social Media. Aber auch Drohmails mit Mordaufrufen häufen sich in letzter Zeit. In Brasch keimt ein beunruhigender Verdacht: Galt der Anschlag womöglich gar nicht Marwa direkt, sondern vielmehr ihrer Chefin, der Frauenärztin? Und allen anderen, die für sie arbeiten?
Auf der Suche nach dem Urheber der Hassmails gegen Schöller-Hahnfeld – und dem möglichen Mörder von Marwa – taucht Brasch ein in die Szene der radikalen Abtreibungsgegner, die mit zunehmend rabiaten Methoden und Einschüchterungsversuchen Frauen bedrängen, die Hilfe suchen. Direkt vor der Frauenarztpraxis hat eine kleine Gruppe „Lebensschützer“ Position bezogen, die mit lautstarken Gebeten und frommen Gesängen auf sich aufmerksam macht. Ein typischer Fall von „Gehsteigbelästigung“, durch den potenzielle Patientinnen eingeschüchtert werden sollen.
Zu ihnen gehört auch die junge Polin Dania, die extra nach Deutschland gereist ist, um ihre ungewollte Schwangerschaft zu beenden. Eigentlich dachte Dania, dass sie hier in Sicherheit sei, doch die zunehmenden Anfeindungen und der brutale Mord an Marwa machen ihr Angst. Zwar wird Dania unterstützt von Lara Becker, die ihr als „Abortion Buddy“ zur Seite steht, aber die Studentin, die sich nach außen entschlossen und engagiert gibt, hat selbst mit psychischen Problemen und Aggressivität zu kämpfen. Ausgerechnet zu Ermittlerin Brasch jedoch fasst Lara schnell Vertrauen, als die beiden sich nach Ausschreitungen zwischen Abtreibungsgegnern und -befürwortern zufällig begegnen. Die Kommissarin im TV-Krimi „Your Body, my Choice“ fühlt sich zu der jungen, kämpferischen Aktivistin hingezogen, auch aufgrund ihrer eigenen zwiespältigen Erfahrungen mit dem Thema Schwangerschaft – was Braschs Chef, Kriminalrat Uwe Lemp, mit Misstrauen beobachtet.
Doch dann passiert etwas, das Doreen Brasch und Lara Becker unfreiwillig zusammenschweißt: Laras Schützling Dania ist spurlos verschwunden, kurz vor ihrem Abtreibungstermin. Und Marwas Mörder läuft immer noch frei herum …
Hinter den Kulissen
Anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März sendet Das Erste einen Sonntagskrimi, der gesellschaftliche Konflikte rund um das Thema Abtreibung thematisiert. Für Autorin Annika Tepelmann und Regisseurin Franziska Schlotterer ist der Polizeiruf 110 „Your Body, my Choice“ zugleich ein „Statement zum Weltfrauentag“, mit einem Titel, der „bewusst provokant gewählt [wurde]. In diesem radikalen Slogan verdichtet sich der absurde Besitzanspruch über den weiblichen Körper. Wir laden das Publikum ein, sich mit dem Thema aus der Sicht von drei Frauen auseinanderzusetzen.“ Wichtig war den Macherinnen vor allem, zu zeigen, dass solche Konflikte „niemals abstrakt“ bleiben: „Hinter jedem ideologischen Kampf stehen konkrete Frauen mit konkreten Schicksalen. Am Ende müssen sie alleine die Entscheidung über ihren Körper treffen dürfen.“
Abgedreht wurde der 22. Einsatz von Hauptkommissarin Doreen Brasch (Claudia Michelsen) vom 1. Juli bis zum 31. Juli 2025 in Magdeburg. Termin der TV-Erstausstrahlung ist Sonntag, der 8. März 2026, wegen einer verlängerten Tagesschau zur Landtagswahl in Baden-Württemberg um 20:20 Uhr im Ersten.






















In einem Interview äußerte sich Claudia Michelsen zur Figur Brasch (nicht nur) in diesem Tatort
Brasch erinnere sich, in welcher Situation sie als junge Frau gewesen sei. Wie frei dürfe, müsse oder solle jede Frau in ihrer Entscheidung sein können, ein Kind in diese Welt zu bringen, mit allem, was dazu gehört? Schaffe man es, diese Verantwortung zu tragen etc.? Sie denke, das sei ein wunder Punkt in Braschs Leben, ein Versagen, mit dem bis heute schwer klarzukommen sei. Das sei das Tolle an Brasch, wir könnten immer wieder auch über sie an Themen und Geschichten, an Figuren emotional herantreten.
Brasch sei eine Frau, die eher im Fühlen lebe und agiere als im Kopf und im Denken. Da gebe es eine Anziehung, vielleicht sei es die junge Brasch, die sie da spüre oder die Tochter, die sie nie gehabt habe.
Brasch sei nicht so einfach nur eine Figur, die immer in Situationen geworfen werde, in denen sie Haltung zeigen müsse. Auch dass sie nicht in ein empathisches Verhalten zum Täter verfalle. Da genau den schmalen Grat zu halten sei immer wieder eine Herausforderung.
Natürlich habe sie immer eine klare Haltung zu den jeweiligen Geschichten, aber manchmal sei es doch besser, wir ahnten diese nur – und im besten Falle dürfe das Publikum sich selbst überprüfen. Und wenn man genau hinhöre und hinschaue, erkennt man Braschs Haltung zu jeder Situation.
Für alle, die das Interview im Original lesen wollen:
reportage.mdr.de/mediendossier_pr110_your_body_my_choice#rollenprofile-und-interviews
Endlich mal wieder ein durchgängig spannender und packender Polizeiruf. Ok, ein Schwachpunkt war, dass er bereits nach 20 Minuten aufgelöst wurde. Aber ansonsten hat mir die Folge gefallen. Und natürlich ist das Thema passend zum internationalen Frauentag.
Kommissarin Brasch endlich mal wieder eine besonnene Ermittlerin und nicht emotional außer Rand und Band. Und bei Kriminalrat Lemp gefällt mir, dass Felix Vörtler ausnahmsweise mal eine ernsthafte und sympathische Rolle spielen darf.
Aufgrund von Hörproblemen sind für mich zur Zeit Untertitel wichtig. Leider war diese Funktion nach etwa der Hälfte des Films weg, wodurch ich einige Dialoge nicht komplett mitbekommen konnte.
Das war der passende Polizeiruf zum heutigen Weltfrauentag. Ja, diese sogenannten „Lebensschützer“, die können schon wütend machen. Und Verhältnisse bei uns wie z.B. in den USA oder Polen wären gruselig. Jedenfalls war’s spannend und vor allen Dingen nicht verworren wie so oft, so hab ich ausnahmsweise mal nicht den Faden verloren. Meine Wertung ist 4,5 von 5 Sternen.
Es war heute anlässlich des ‚Frauentags‘ eher ein frauenspezifisches Thema, ich fand dieses aber dennoch – auch für mich als Mann – recht ansprechend umgesetzt!
Es wurde zwar jetzt schon öfters (auch von anderen User:innen) angemerkt, aber heute bin ich wieder der Ansicht, dass diese Polizeiruf-Folge qualitativ besser war als die TO-Folgen der letzten beiden Wochen!😌
Fazit: zwar kein Highlight, aber ein solider, guter Sonntagabend-Krimi!
(dreieinhalb Sterne)
Wobei der Film weniger ‚Krimi‘, als eher Sozial Studie war (da stimme ich User @Adabei zu).
Meine Partnerin arbeitete früher in der Wiener Innenstadt in der Nähe einer Abtreibungs-Ambulanz. Wenn sie auf ihrem Weg zum Büro dort vorbei musste, wurden ihr immer wieder Plastik-Embryos in die Hand gedrückt und Sachen gesagt wie „Gott sieht, was du tust“. Ist schon ziemlich penetrant, welchen ‚Missionseifer‘ solche pseudo-christlichen Gestalten haben (die Männer waren dabei übrigens fanatischer als die Frauen😒) …
[SPOILER] Sowohl die Abtreibungshelferin Lara als auch der Lebensschützer Maik wollen beide Gutes tun, verirren sich aber immer mehr in extreme Gedanken und aggressive Aktionen. So erreichen sie nur das Gegenteil von „gut“.
Eigentlich weniger Krimi sondern mehr Sozialstudie. Wenig kriminalistische Spannung aber wegen guter Sozialstudie, der guten Schauspieler (m/w), guter Regie und Drehbuch sehenswert. 4 von 5 Sterne.
### Spoiler ###
Ein spannend gemachter, guter Krimi, zu dem ich allerdings zwei Anmerkungen habe:
1.) An der Person von Lara sollte gezeigt werden, dass es Abtreibungsbefürworter geben soll, die mit unlauteren Mitteln arbeiten – Schreiben von Hass-Mails in einem gehackten Account und Gewaltbereitschaft. Aus der non-fiktionalen Berichterstattung ist mir das nicht geläufig, von psychischer und physischer Gewalt seitens der Abtreibungsgegner ist dagegen häufig die Rede. Es gefällt mir nicht, dass in dem Film die Abtreibungsbefürworter auf diese Weise ins Zwielicht gerückt werden.
2.) Dania bedankt sich am Schluss bei der Ärztin für alles. Das sieht danach aus, dass sie letzten Endes die Abtreibung durchführen konnte. Aber ein Hauch von Ambiguität bleibt: Diese Szene könnte auch – obwohl das die weniger wahrscheinliche Variante ist – so gedeutet werden, dass die Polin sich letztlich gegen die Abtreibung entschieden hat und sich nur für die Unterstützung während ihrer Konfliktsituation bedankte. Dies umso mehr, als auch Brasch ja erwähnte, dass sie sich seinerzeit gegen eine Abtreibung entschieden hatte.
Vor allem Punkt 2 finde ich problematisch: Dadurch, dass die Frage, ob Dania jetzt abgetrieben hat oder nicht, nicht hundertprozentig eindeutig beantwortet wird – wenn auch mit „Schlagseite“ in Richtung der Entscheidung für Abtreibung – wird subtil und subkutan vermittelt, dass die Abtreibungsgegner irgendwo vielleicht doch nicht ganz Unrecht haben.
Und da ist meine Haltung eindeutig: Eine Frau, die sich zur Abtreibung entschieden hat, sollte in dieser Entscheidung nicht wankend gemacht werden. Ich bin deshalb auch entschieden gegen die im deutschen Recht vorgesehene Pflichtberatung vor dem Abbruch.
Wären die o.g. 2 Punkte nicht gewesen, hätte es von mir 10 von 10 Punkten und einen Platz auf der Allzeit-Bestenliste gegeben.
So aber kann ich mich nur für 6 von 10 Punkten entscheiden.
###SPOILER###
@Der Wanderer:
Also für mich war Pkt. 2.) eindeutig in der Richtung gelöst, dass Dania die von ihr gewünschte Abtreibung durchführen konnte.
Hätte sie nicht abtreiben wollen, wäre sie nicht noch einmal zur Ärztin gegangen (m.E.) …
### Spoiler ###
Hallo!
Einige interessante Diskussionsanlässe in Ihrer Nachricht.
zu 1. möchte ich bemerken, dass es nicht Lara war, die Gewaltmails mit einem gehackten Account geschrieben hat, sondern Maik.
(Das ganze war in meinen Augen unrealistisch dargestellt, denn Maik hat zwar die Drohmails an die Praxis mit falschem Absender geschrieben, aber mit einem normalen Mailprogramm von seinem Rechner, das heißt die IP-Adresse wird seine gewesen sein. Prinzipiell hätte die Polizei – da mehrere Tage Zeit waren – hier erfolgreich ermitteln können. Meine eigene Erfahrung aus der Praxis: man erhält nach ein paar Wochen Post, dass es kein Täter ermittelt werden konnte. Immer nach derselben internen Wartezeit, in der man „intensiv ermittelt hat“.
[In der Szene gab es übrigens einen Darstellungsfehler: im Mailprogramm obendrüber stand „Posteingang Maik Gerbroth“ geöffnet war aber der Postausgang „Richard@postnetz.com“]
Also 1. Punkt: ich denke nicht dass Lara die Gewaltmails geschrieben hat, also hat man auch nicht versucht, damit Abtreibungsbefürworter in ein schlechtes Licht zu rücken.
Der zweite Vorwurf gegen Lara, die Gewaltbereitschaft, ist nachzuvollziehen, ich sehe sie aber eher in der Person als in der Sache begründet. Stichwort „kurze Zündschnur“.
Ich bin dankbar für die Äußerungen in Punkt 2).
Ich war beim Sehen der Folge fest davon ausgegangen, dass die Abtreibung durchgeführt wurde. Bei nochmaligem Schauen gibt es dazu tatsächlich keinen Beleg.
Als die Ärztin Dania alles Gute wünscht, ist diese gerade von einem Hocker aufgestanden, nicht von einem Behandlungsstuhl. Die Liege die dort stand, ist für solche Behandlungen nicht geeignet. Die Ärztin trägt keine Handschuhe, kein Mundschutz. Es gibt keine Anästhesistin (es gibt ja auch kein Personal, wie wir wissen).
Es spricht also tatsächlich nichts für den durchgeführten Abbruch.
Es könnte natürlich sein, dass die Szene das Ende der Nachbesprechung darstellt. Die wäre aber eher Sprechzimmer erfolgt als in einem Behandlungsraum.
Auf dem Tisch lag die Patienentakte mit einem kurzen Eintrag für den Tag, man konnte ihn aber leider nicht lesen.
Ich finde es nicht kritisch, wenn am Ende offen geblieben ist, ob Dania abgetrieben hat oder nicht, damit zeigt sich für mich nur, dass es ihre innerste Entscheidung war an der sie uns nicht hat teilhaben lassen.
Die Formulierung, dass die Abtreibungsgegner vielleicht nicht unrecht hatten, finde ich unglücklich, denn die Argumente der Abtreibungsgegner sind ja legitim und nachvollziehbar. Vereinfacht ausgedrückt geht es hier ja nur darum, welches Recht höher zu bewerten ist.
Aber ich will hier beileibe keine Diskussion dazu lostreten.
Was aber offen blieb – und das sehe ich kritischer – das war der Mordfall.
### Spoiler ###
StefaN:
Wieso sollte Ihrer Ansicht nach der Mordfall ‚offen‘ geblieben sein?
Maik sagte ja im Gespräch mit Dania, dass der Tod der Radfahrerin ’so nicht geplant‘ war. Damit gestand er m.E. eindeutig die Manipulation des Bremsschlauchs am Fahrrad. Da man wohl nicht nachweisen kann, dass er den möglichen Tod der Radfahrerin bewusst in Kauf genommen hat (‚bedingter Tatvorsatz‘), wird er wohl wegen ‚(grob) fahrlässiger Tötung‘ bestraft werden!😔
was für ein Drama zum Frauentag – der Fall , wie üblich von Frau Brasch im heldenhaften Alleingang und meistens gegen den Willen dieses störrischen übergewichtigen Vorgesetzten gelöst – spannender Showdown – „Your Body, my Choice“ damit´s auch jeder versteht – der nächste PR 110 wird aber hoffentlich nicht zeitgemäß “ Policecall one one zero “ heißen – und noch etwas absurdes : Maagdeburg war bei den gespielten Magdeburgern oft zu hören – eine sprachliche Totsünde in MD – oder ?
„… dieses störrischen übergewichtigen Vorgesetzten …“ ist eine völlig unpassende Aussage. Zum einen verhielt sich der Kriminalrat angemessen sachlich zum anderen hat eine abwertende Beurteilung des Körpergewichtes/Aussehens weder bei Schauspielerinnen noch bei Schauspielern etwas zu suchen (es sei denn ein beleibter Mensch spielt eine magersüchtige Person).
Also bitte; man kanns echt auch übertreiben mit der woken Correctness.
„Übergewichtig“ ist ein völlig sachlicher Begriff und keine abwertende Beurteilung.
@Antje: …davon abgesehen fand ich es ausgesprochen positiv, daß er sich von Laras absichtlichen Provokationen und verbalen Attacken nicht aus der Ruhe bringen ließ.
Glaube, Macht, Ideologie: Frau Brasch versucht den Spagat zwischen sog. „Babyzid stoppen!-Lobby“ und „Pro-Choice-Stakeholdern“ unter dem idealisierten Kompetenzprofil einer modernen Polizeibeamtin mit konsequentem Handeln und bürgernaher Kommunikation (>Freundin und Helferin<) zu meistern.
Im Vordergrund müsste hier selbstredend der Kriminalfall incl. Plot-Twists und falschen Fährten stehen; einige Szenen sind für erfahrene Zuschauer jedoch auf fast bizarre Weise absehbar.
Ausklang: Politisch korrekte Krimikost im Würgegriff konformer Haltungsangebote …
@Doreen Brasch:
»What if God was one of us / Just a slob like one of us /
Just a stranger on the bus / Tryin´ to make his way home«*
(* 🎼 Joan Osborne – One of Us)
@Spaceball Ricochet
He wrote this book here an‘ in the Book He says:
„He made us all to be just like Him,“
So… If we’re dumb… Then God is dumb…
An‘ maybe even a little bit ugly on the side
|: Dumb All Over – a little ugly on the side :|
Frank Zappa: „Dumb All Over“
Album: „You Are What You Is“
Barking Pumpkin Records 23.9.1981
der Film hat uns gut gefallen
Fürs Leben zu sein, ist ja nicht verwerfliches. Für mich war das im gezeigten Film zu einseitig. Ja, die Frau soll entscheiden, aber wo sind die Grenzen. Das wurde leider nicht thematisiert.
Muss auch nicht, ist längst besprochen. Die Mediatheken haben die entsprechenden Doku-Diskussionen ausgiebig im Netz. Absolute Empfehlung für alle, die entsprechende Erkenntnisse vom heutigen Krimi verlangen!
⭐⭐⭐⭐ Ziemlich gute und spannend erzählte Geschichte. Charaktere plausibel, thematisch breit aufgestellt und nicht allzu einseitig dargeboten.
Die eingängige Erzählweise hat einen guten Rhythmus. Leider verliert sie auf Höhe der Mitte an Fahrt und geht über in eine komische Verfolgungsjagd. Das ist ein wenig profan, und schon sehr gewollt, als der Rollstuhl mit GPS Tracker ins Spiel kommt.
Schauspielerisch ist der Psychopath sehr überzeugend, die anderen aber auch.
Finale Gewalt. Aber, wie wir wissen, ist das keine Lösung. Schließlich nimmt die Story ein ruhiges Ende. Nichts ändert sich und alles bleibt beim Alten. Wie im richtigen Leben.
Das war ein guter Krimi zu einem schwierigen und umstrittenen Thema passend zum Weltfrauentag 2026.Bei uns gab es auch vor einigen Jahren militante religiöse Abtreibungsgegner,die vor einer Arztpraxis „Mahnwachen “ abgehalten haben. Sie haben aber mit der Zeit gemerkt,dass sie so nichts verändern können an der Rechtslage und den Abbrüchen in der Praxis und haben ihre Aktionen aufgegeben.
### Spoiler ###
Ist hier zufällig ein Sachkundiger aus der Film- und Fernsehenbranche anwesend, der mir folgendes in letzter Zeit immer wieder anzutreffendes Phänomem erklären kann:
Handlungsstrang der zum Showdown führt: Tag / hell
Showdown: Tag / hell
Versorgung der Verletzten des Showdowns: Nacht / dunkel
Diesmal auch wieder.
Ich versuche eine kurze chronologische Einordnung:
9:00 Termin bei der Ärztin (wegen Personalmangels abgesagt)
kurz nach 9:00: Lara legt sich mit den Abtreibungsgegnern an, Dania setzt sich ab.
10:13 (laut Videoüberwachung) Dania geht mit Maik mit, anschließend bereitet dieser bei sich etwas zum Essen vor (Mittagessen)
Nach 12:00: Nachbarin hält Mittagsschlaf, ihr Rollstuhl wird gestohlen. Das heißt hier entführt Maik Dania.
Danach Eskalation in der Waldhütte. Parallel: intensive Täteraufenthaltsermittlung. Die dauert bestimmt keine 8h.
Danach Polizei und RTW: Plötzlich Nacht.
Es ist aber Juli. Da ist Sonnenuntergang um 21:20.
Das fällt mir in so vielen Tatorten/Polizeirufen und anderen Krimis auf, dass es schon auffällig ist :-)
Neulich in einer älteren Nordnordwest-Folge: Beginn der Eskalationshandlung, Hauke Jakobs: „Ich geh mal Brötchen [zum Frühstück] holen“. Endet dann mit RTW in der Nacht.“
Ähnliches bei Tatorten – ich glaube zuletzt im Schwarzwald und Stuttgart.
Dass es oft in Schlussszenen schneit, vorher aber überhaupt keine Schneelage zu sehen war (oder umgekehrt) mag ja noch an verschiedenen Drehtagen liegen, aber dieses Phänomem der contiinuity-verstoßenenden Schluss-Nachtdrehs erklärt sich mir überhaupt nicht.
Kann man die RTWs nur nachts buchen?
Will man den Drehtag noch unbedingt abschließen?
Kann jemand aushelfen? Wäre nett.
Vermutlich sind die Schlussdrehs in der Nacht Zufall. Viele Krimis enden auch tagsüber.
Absolute Empfehlung und keinesfalls nur für Frauen (wie noch mancher hier es sieht). Sehr gut in Krimifiction verarbeitetes Thema, dass aktueller denn je ist (Zeitpunkt passend gewählt) mit ausgezeichneten schauspielerischen Leistungen. Auch die Kindheitserlebnisse der jungen ehrenamtlichen Helferin passten sehr gut ( zur Schlüssigkeit) in die Story. Ich finde auch keineswegs, dass es Abflachung bzw. Spannungsabfall gab. Und für mich gab es auch keinerlei Ungeklärtes, weder zum Mordfall noch zur Entscheidung Danias.
Hier wurden einige Klischees bedient, sodass für mich weder ein besonderer Erkenntnisgewinn entstanden ist, noch irgendetwas überraschendes passiert ist (ausser das Femen-Aktivistinnen neuerdings wohl ihre BHs anlassen). Die Rolle der Lara wurde zwar von Luna Jordan gut gespielt, aber war leider ein wandelndes Aktivistinnen-Klischee und mal wieder der so oft bemühte Typus der wütenden jungen Frau. Etwas mehr Differenzierung hätte ich mir da schon gewünscht. Für meinen Geschmack wurde den selbsternannten Lebensschützern auch ein wenig zu viel Verständnigs entgegengebracht. Insgesamt aber kein Totalausfall, sondern ein okayer Themenkrimi, dem etwas weniger Klischee und etwas mehr individuelles persönliches Schicksal besser getan hätte.
„Ungebremst stößt Arzthelferin Marwa mit einem Auto zusammen, als sie mit dem Rad auf dem Weg zur Arbeit ist. Schnell ist klar: Es war Mord, denn die Bremsschläuche wurden durchgeschnitten.“
Da geht der Schmarrn schon los.
Man betätigt die Bremse doch bereits beim aufsteigen aufs Radl, damit dieses dabei fest steht. Oder gibts Leute, die das nicht machen?
Sehe ich sehe ich auch so. Sind die Bowdenzüge gekappt, baumeln die Bremshebel kraftlos am Lenker, das fällt sofort auf.
@Ralph: Dass der Bremshebel am Lenker baumelt wenn der Bowdenzug gekappt ist, fällt auf. Bei einer hydraulischen Bremse ist das vermutlich aber nicht so! Da fällt erst mal nichts auf, wenn die Hydraulikflüssigkeit ausgelaufen ist.
@Adabei:
Sicher bin ich nicht, aber ich vermute stark, dass auch bei Hydraulik der Hebel leer durchgeht, wenn die Bremsleitung durch ist.
@Sherlogg: Sie haben recht, auch bei der hydraulischen Bremse ist der Bremshebel locker. Hier die Antwort dazu von ChatGPT:
„Ja, wenn die Hydraulikleitung bei einer hydraulischen Bremse am Fahrrad durchgeschnitten wurde, wird der Bremshebel in der Regel locker oder fühlt sich schwammig an. Dies liegt daran, dass bei einer hydraulischen Bremse der Bremshebel direkt mit der hydraulischen Flüssigkeit (meistens Mineralöl oder Bremsflüssigkeit) verbunden ist, die Druck auf die Bremskolben ausübt, um die Bremsbeläge an die Felge oder die Bremsscheibe zu drücken. Wenn die Leitung durchgeschnitten wird, kann die Flüssigkeit entweichen, wodurch der Druck im System verloren geht. In diesem Fall hat der Bremshebel keine feste Rückmeldung mehr, weil der Druck, der normalerweise über das Hydrauliksystem aufgebaut wird, fehlt. Dadurch wird der Hebel entweder sehr leichtgängig oder völlig „leer“, und es gibt keine Bremskraft mehr.“
Wir beide sollten uns als Kriminaltechniker bewerben, Einer beim Tatort, der andere beim Polizeiruf! 😉
Hallo Sherlogg,
ich steige stets einfach so auf mein Radel, also ohne die Bremse zu ziehen. Wozu sollte das gut sein?
Vielleicht sinnvoll bei extremer Steigung.
@schauinsland:
Mach‘ ich auch so wie Sie (wenn ich auf halbwegs waagrechtem Gelände wegfahre). Bei Steigung oder Gefälle ist es natürlich was anderes …😎
Wozu das gut sein soll?
Damit das Radl fest steht und sich nicht vor- oder zurückbewegt. Und als Test, ob die Bremse funktioniert….
Mein Mann und ich haben noch lange nach dem Abspann über das Thema diskutiert… wenn dies die Intention des Polizeirufs gewesen ist, volle Punktzahl, voll in’s Schwarze getroffen!!! 👍
In unserem Freundes- und Bekanntenkreis treffen wir zwar nicht auf aggressive Abtreibungsgegner*innen, aber durchaus auf kritische Stimmen. Als Frau bin ich naturgemäß der Meinung, daß die Entscheidung für oder gegen ein Kind tatsächlich bei der Frau liegt. Eine Beratung halte ich trotzdem für sinnvoll… durch eine Sozialberaterin oder Ärztin. Gerade sehr junge Frauen sind mit der Nachricht „Sie sind schwanger“ bestimmt emotional total überfordert…
Abschließend noch eine möglicherweise „ketzerische“ Bemerkung von mir… entschuldigt… aber mir fiel auf, daß viele den „Weltfrauentag“ erwähnten. Meine Meinung dazu: Braucht kein Mensch!!! Solange Frauen immernoch weniger verdienen als Männer, bei gleicher Qualifikation und Leistung, solange Frauen immernoch benachteiligt werden, alleinerziehende Mütter bei der Gestaltung ihrer Arbeitszeit nicht berücksichtigt werden, solange es immernoch hauptsächlich Frauen sind, die den Haushalt am laufen halten und kranke Angehörige pflegen… nichts für ungut, aber ein „Weltfrauentag“ im Jahr ändert daran mit Sicherheit nichts!!!
Danke für’s Zuhören…
Davon abgesehen… superstarker Polizeiruf mit starker Ermittlerin, durch die Bank weg überzeugend und toll gespielt.
Die jetzige Reglung für Beiträge gefällt mir. Ich lasse mir Zeit und kann sprachliche Schnitzer besser vermeiden. Darüber hinaus kann ich meine Seh-Art ohne selbst verursachte Schnell-Fehlschüsse formulieren.
Dem MDR gebührt Dank. Mit den Polizeiruf-Folgen aus Halle und Magdeburg wurden Krimis produziert, die die Erwartungshaltung der Zuschauer (und –innen) respektieren. Solide Krimis und aktuelle Aspekte ergeben eine gesunde Mischung.
Der aktuelle Tatort aus Magdeburg reiht sich ein in diese Erfolgsgeschichte.
Das Thema sorgt immer wieder für Kontroversen von sich unversöhnlich gegenüberstehenden Meinungen und Positionen. Drehbuch und Regie schaffen es, beide Positionen ohne Holzhammer darzustellen, wobei die eigene Meinung deutlich wird. Glücklicherweise ist der Täter kein ideologischer Überzeugungstäter, sondern ein gestörter, enttäuschter Mann. Interessant ist der Kunstgriff, nicht eindeutig zu zeigen, ob der Schwangerschaftsabbruch wirklich durchgeführt wurde.
Gefallen haben mir dieses Mal vor allem die durchweg überzeugenden Schauspielleistungen. Lemp bekommt die oft undankbare Aufgabe, Brasch auszubremsen, wenn sie einen Gang zu schnell agiert. Ohne ihren adipösen Chef als ruhender und besonnener Pol, der die Vorschriften im Blick behält, würde Brasch ein Disziplinarverfahren nach dem anderen drohen. Auch eine schöne Besonderheit: Vorschriften, die die Polizeiarbeit regeln, gelten hier noch etwas.
Ich habe ganz bewusst den medizinischen Fachbegriff „adipös“ gewählt. Wörter unserer Muttersprache, die dasselbe bedeuten, bringen einen schnell in Verdacht, anderen eventuell seelisch oder anderweitig wehzutun. Ganz offensichtlich meinen manche, einige Wörterbedeuten seien per se etwas Schlechtes. Wenn ich nicht den deutschen Begriff verwende, kann mir so etwas so leicht nicht passieren.
Um zu verhindern, dass jemand denkt, ich könnten jemand anderes Böses antun, dass der sich unter Umständen angegriffen fühlen könnte, was ja eigentlich, zumindest theoretisch möglich sein könnte, habe ich mich also für den Fachbegriff entschieden. Ich glaube, so etwas nennt man vorauseilenden Gehorsam. Ich möchte der selbsternannten Sprachpolizei keinen Grund geben, eingreifen zu müssen. Es soll sich aber keiner aufregen müssen, wenn das nicht nötig ist.
Ob das noch zur Auseinandersetzung mit dem Film gehört, wage ich nicht zu entscheiden.
Liebe/r @I.Mirk:
Ich schätze Ihre sachlichen und gut durchdachten Beiträge sehr!!! Aber… meiner Meinung nach spielt das Körpergewicht eines Darstellers oder auch einer Darstellerin überhaupt keine Rolle, wie gut er oder sie der Rolle Leben und Charakter verleiht. Auch der sehr beliebte Darsteller Dietmar Bär aka „Freddy Schenk“ ist nicht gerade schlank. Das tut seiner Darstellung aber absolut keinen Abbruch.
Auch wenn man den medizinischen Fachbegriff „adipös“ verwendet, empfinde ich die Erwähnung im weitesten Sinne diskriminierend. Und ich glaube, umgekehrt, nämlich wenn die sehr schlanke und durchtrainierte Figur von Kommissarin Brasch thematisiert würde, käme das auch nicht gut an…
Liebe Tatort-Fans, gestattet mir bitte an dieser Stelle noch eine kurze Bemerkung.
Wie dick oder dünn ein Ermittler oder eine Ermittlerin ist, dürfte eigentlich im 21. Jahrhundert keine Rolle mehr spielen.
Wichtig ist doch eigentlich nur eins… spannende Fälle, kluge Ermittler*innen, nachvollziehbare Mordmotive, Empathie und ein „langer Atem“. Gerne auch mit Humor (Münster).
Aber… sollte das Körpergewicht eines Kriminalrat Lemp oder eines Freddie Schenk tatsächlich noch erwähnenswert sein? Ich meine, nein…
@Imki:
Es sei denn, die ermittelnde polizeiliche Person müsste sich mit Verdächtigen etwa eine läuferische Verfolgungsjagd liefern …😋
(nicht umsonst wird bei der polizeilichen Aufnahmeprüfung ja auch die körperliche Fitness intensiv getestet)
@Der Fremde: Völlig korrekt, Ihr Einwand, nur ermittelt ein Beamter mit dem Status „Kriminalrat“ doch eher „vom Schreibtisch“ aus, oder nicht? 😉
@Imki:
Ich kenne die Rechtslage in D nicht, in Österreich müssen aber auch z.B. die Polizei-Juristen (die ja auch ‚Schreibtischtäter’😉 sind) im Zuge der Aufnahme bei der Polizei gewisse körperliche Tests bestehen, z.B. auch kein relevantes Übergewicht haben.
Wenn KR Kemp seine Kilos erst nach polizeilicher Aufnahmeprüfung erworben haben sollte, können die Vorgesetzten aber nichts mehr machen (da dieser Personenkreis in der Regel ‚pragmatisiert‘ ist, also: unkündbar)😌
Liebe Imki,
ich bin völlig Ihrer Meinung. Nur ist die Welt etwas komlizierter. Zum einen gibt es Menschen, für die das Äußere einen hohen Stellenwert hat, ob mir das gefällt oder nicht. Da kann ich ihm meine Position nicht vorschreiben.
Weiterhin ist das Äußere gerade bei Schauspielerinnen und Schauspielern ein wichtiger Faktor. Und schließlich verbindet man mit adipösen Menschen Ruhe und Gelassenheit und gelegentlich Stursein. Also ein passender Widerpart zu Brasch.
Ein Letztes: Unsere Muttersprache ist so vielfältig und lebendig. Wenn wir uns dieser Möglichkeiten berauben, entgeht uns viel. Die Sprache hat schon viele Vergewaltigungsversuche relativ schadlos überstanden (Klemperer: LTI), dass ihr unsere kleineren Eingriffe nicht wehtun. Nur dürften wir die Dummen sein.
@I.Mirk: Nun, mit adipösen Menschen verbindet eine relativ große Mehrheit meines Erachtens nach doch weniger „Ruhe und Gelassenheit“, sondern eher „Trägheit und mangelnde Disziplin (beim Essen)“, oder nicht?
Wie auch immer, danke für den netten Gedankenaustausch! 😊
@Imki
[…]„Trägheit und mangelnde Disziplin (beim Essen)“, oder nicht?[…]
An dieser Stelle möchten ich eine Richtigstellung zu der geäußerten Aussage vornehmen.
Die pauschale Verknüpfung von Adipositas mit Charaktereigenschaften wie ‚mangelnder Disziplin‘ oder ‚Trägheit‘ entspricht einem gesellschaftlichen Vorurteil, das der medizinischen und psychosozialen Komplexität des Themas nicht gerecht wird. Adipositas ist eine anerkannte chronische Erkrankung, deren Ursachen multifaktoriell sind – sie umfassen genetische, hormonelle, psychische und sozioökonomische Faktoren.
Eine wertschätzende Diskussionskultur lebt davon, dass wir auf Verallgemeinerungen und Zuschreibungen verzichten, die Menschen auf ihr Äußeres reduzieren oder abwerten könnten. Wir bitten alle Teilnehmenden, diese Perspektive in der weiteren Diskussion zu berücksichtigen.
@Gerald: Ich fürchte, Sie haben mich mißverstanden. Was ich sagte, spiegelt definitiv nicht meine eigene Meinung wieder – lediglich das, was ich oft zu hören bekomme, wenn es um adipöse Menschen geht!!!
Ein passender Polizeiruf zum 8. März, auch personell passend mit Kommissarin Brasch, die im beruflichen wie auch im persönlichen Einblick die Herausforderungen des Frau- und Mutter-Seins spiegelt. Thematisiert der Internationale Frauen(kampf)tag doch eine Vielzahl von Themen, so ist die Abtreibung und Ihre Gegnerschaft ein in meinen Augen gut gewähltes und aufbereitetes Thema.
Dass die junge ehrenamtliche Aktivistin direkt als Linksradikale mit Aggressionsproblem dargestellt werden musste, fand‘ ich dennoch ein wenig überzogen. Habe ich einerseits doch Verständnis dafür, dass gewalttätiges Verhalten meist ein Resultat der Erfahrung des Opfer-Seins von (physischer oder auch psychischer) Gewalt ist, finde ich das Verhalten der Figur doch grenzwertig verständnisvoll und somit auch Braschs stillschweigende Solidarität mit Vorsicht zu genießen.
Eine Sache jedoch ist mir viel bitterer aufgestoßen: Es wird davon gesprochen, dass dem Opfer eine „typisch islamische Beerdigung“ bereitet wird. Zum einen wird im vorherigen Verlauf nicht ersichtlich, ob das Opfer tatsächlich Muslimin war, bekam dadurch für mich den Beigeschmack des „na, alle die aus gewissen Ländern kommen müssen doch (praktizierende) Muslim:innen sein“, ein stark reduktionistisches, wenn nicht sogar rassistisches Bild.
Schlimmer jedoch finde ich, dass die gezeigte Beerdigung ÜBERHAUPT NICHTS mit einer Beerdigung in einer islamischen Tradition gemeinsam hat. Da ich selber nicht wusste, wie denn islamische Beerdigungen im Unterschied zu christlichen ablaufen, habe ich das- scheinbar im Gegensatz zu der Produktionsfirma oder drehbuchschreibenden Person- einmal kurz gegooglet. Den wichtigsten Aspekt islamischer Bestatttungen, dass der Leichnam innerhalb von 24 Stunden gewaschen und beigesetzt werden muss, könnte man ja noch auf des gerichtsmedizinischen Ablaufes eingeschränkt wissen. Jedoch würde bei einer islamischen Bestattung kein Sarg zu sehen sein, wie es im Polizeiruf der Fall war, sondern der Leichnam auf eine Bahre aufgebahrt und auch so ins Grab gelegt.
Ich finde es lobenswert, dass auch der Polizeiruf (und Tatort) als Speerspitzen des deutschen Unterhaltungsfernsehens, sich der Abbildung diverser Lebensrealitäten verpflichtet fühlt. Aber dann macht euren Job bitte auch richtig und informiert euch anständig, bevor ihr diese abbildet, und nicht nur performativ.