Kurz und knapp – darum geht’s
Der gewaltsame Tod einer jungen Frau erschüttert Magdeburg: Ungebremst stößt Arzthelferin Marwa mit einem Auto zusammen, als sie mit dem Rad auf dem Weg zur Arbeit ist. Schnell ist klar: Es war Mord, denn die Bremsschläuche wurden durchgeschnitten. Marwa arbeitete in einer Frauenarztpraxis, die auch Abtreibungen durchführt. Galt der brutale Anschlag also gar nicht ihr, sondern der Ärztin Dr. Schöller-Hahnfeld? Kommissarin Doreen Brasch ermittelt sowohl im Umfeld der Praxis als auch in der „Lebensschützer“-Szene, die mit rabiaten Methoden und Einschüchterungen Frauen bedrängt, die abtreiben wollen – so auch die junge Polin Dania, die deswegen extra nach Deutschland gereist ist.
War Marwas Mörder auch ein angeblicher „Lebensschützer“? Und was weiß Lara Becker, die als „Abortion Buddy“ arbeitet und Dania praktische Hilfe leistet? Die wiederum fühlt sich inmitten der sich zuspitzenden Konflikte zwischen Abtreibungsgegnern und -befürwortern zunehmend unsicher und bedroht …
Der Polizeiruf 110 Magdeburg „Your Body, my Choice“ ist am 8. März 2026, dem Internationalen Frauentag, um 20:20 Uhr im Ersten zu sehen.
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Your Body, my Choice“
Zunächst sieht alles nach einem tragischen Verkehrsunfall aus: Eine Radfahrerin fährt bei Rot über eine Kreuzung und prallt ungebremst mit einem PKW zusammen. Marwa, das Opfer, stammte aus Libyen und lebte seit sieben Jahren in Magdeburg. Wie jeden Morgen war die Arzthelferin mit dem Fahrrad auf dem Weg zu ihrem Arbeitsplatz: der Frauenarztpraxis von Dr. Doro Schöller-Hahnfeld. Schnell stellt sich jedoch heraus, dass Marwas Tod kein Unfall war – sondern Mord: Die Bremsschläuche ihres Zweirads wurden durchgeschnitten.
Wer tut so etwas? Wer ermordet auf solch brutale Weise eine junge Frau? Kommissarin Doreen Brasch ermittelt im Umfeld der Arztpraxis und befragt auch Dr. Schöller-Hahnfeld, die bekannt dafür ist, dass sie Abtreibungen durchführt. Immer öfter wird die engagierte Medizinerin im MDR-Polizeiruf „Your Body, my Choice“ deshalb angefeindet, vor allem auf Social Media. Aber auch Drohmails mit Mordaufrufen häufen sich in letzter Zeit. In Brasch keimt ein beunruhigender Verdacht: Galt der Anschlag womöglich gar nicht Marwa direkt, sondern vielmehr ihrer Chefin, der Frauenärztin? Und allen anderen, die für sie arbeiten?
Auf der Suche nach dem Urheber der Hassmails gegen Schöller-Hahnfeld – und dem möglichen Mörder von Marwa – taucht Brasch ein in die Szene der radikalen Abtreibungsgegner, die mit zunehmend rabiaten Methoden und Einschüchterungsversuchen Frauen bedrängen, die Hilfe suchen. Direkt vor der Frauenarztpraxis hat eine kleine Gruppe „Lebensschützer“ Position bezogen, die mit lautstarken Gebeten und frommen Gesängen auf sich aufmerksam macht. Ein typischer Fall von „Gehsteigbelästigung“, durch den potenzielle Patientinnen eingeschüchtert werden sollen.
Zu ihnen gehört auch die junge Polin Dania, die extra nach Deutschland gereist ist, um ihre ungewollte Schwangerschaft zu beenden. Eigentlich dachte Dania, dass sie hier in Sicherheit sei, doch die zunehmenden Anfeindungen und der brutale Mord an Marwa machen ihr Angst. Zwar wird Dania unterstützt von Lara Becker, die ihr als „Abortion Buddy“ zur Seite steht, aber die Studentin, die sich nach außen entschlossen und engagiert gibt, hat selbst mit psychischen Problemen und Aggressivität zu kämpfen. Ausgerechnet zu Ermittlerin Brasch jedoch fasst Lara schnell Vertrauen, als die beiden sich nach Ausschreitungen zwischen Abtreibungsgegnern und -befürwortern zufällig begegnen. Die Kommissarin im TV-Krimi „Your Body, my Choice“ fühlt sich zu der jungen, kämpferischen Aktivistin hingezogen, auch aufgrund ihrer eigenen zwiespältigen Erfahrungen mit dem Thema Schwangerschaft – was Braschs Chef, Kriminalrat Uwe Lemp, mit Misstrauen beobachtet.
Doch dann passiert etwas, das Doreen Brasch und Lara Becker unfreiwillig zusammenschweißt: Laras Schützling Dania ist spurlos verschwunden, kurz vor ihrem Abtreibungstermin. Und Marwas Mörder läuft immer noch frei herum …
Hinter den Kulissen
Anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März sendet Das Erste einen Sonntagskrimi, der gesellschaftliche Konflikte rund um das Thema Abtreibung thematisiert. Für Autorin Annika Tepelmann und Regisseurin Franziska Schlotterer ist der Polizeiruf 110 „Your Body, my Choice“ zugleich ein „Statement zum Weltfrauentag“, mit einem Titel, der „bewusst provokant gewählt [wurde]. In diesem radikalen Slogan verdichtet sich der absurde Besitzanspruch über den weiblichen Körper. Wir laden das Publikum ein, sich mit dem Thema aus der Sicht von drei Frauen auseinanderzusetzen.“ Wichtig war den Macherinnen vor allem, zu zeigen, dass solche Konflikte „niemals abstrakt“ bleiben: „Hinter jedem ideologischen Kampf stehen konkrete Frauen mit konkreten Schicksalen. Am Ende müssen sie alleine die Entscheidung über ihren Körper treffen dürfen.“
Abgedreht wurde der 22. Einsatz von Hauptkommissarin Doreen Brasch (Claudia Michelsen) vom 1. Juli bis zum 31. Juli 2025 in Magdeburg. Termin der TV-Erstausstrahlung ist Sonntag, der 8. März 2026, wegen einer verlängerten Tagesschau zur Landtagswahl in Baden-Württemberg um 20:20 Uhr im Ersten.
Polizeiruf-Kritik
Die Redaktion von Tatort-Fans meint:
Keine Frage: Dies ist definitiv ein Film, der aufrüttelt und deutlich zeigt, wie schnell gesellschaftliche Konflikte brutal eskalieren können: Aus frommen Worten und Gebeten erwächst ein gewalttätiger Mob, der das Selbstbestimmungsrecht von Frauen im wahrsten Wortsinn mit Füßen tritt. Ein wertvoller und allein wegen dieser politischen Dimension empfehlenswerter TV-Beitrag zum Weltfrauentag.
Leider kann die Krimiqualität nicht mit der Wucht der politisch-gesellschaftlichen Message mithalten, woran auch der sehr gute Cast nichts ändert: Die Handlung ist allzu vorhersehbar, sodass man am Ende nur noch ungeduldig wartet, wann die Polizei denn endlich den längst identifizierten Mörder zur Strecke bringt.
Besetzung
Hauptkommissarin Doreen Brasch – Claudia Michelsen
Kriminalrat Uwe Lemp – Felix Vörtler
Lara Becker – Luna Jordan
Dania – Nicola Magdalena Lüders
Maik Gerboth – Sebastian Jakob Doppelbauer
Marwa – Melissa Gross
Dr. Doro Schöller-Hahnfeld – Jenny Schily
Thilo Schubert – Mathias Max Herrmann
Natalia – Annett Sawallisch
Frau Liebing – Veronika Nowag-Jones
Kathrin – Eugénie Anselin
Toni – Ruben Sabel
René Metzner – Uwe Fischer
Julian Rose – Marc Benner
u. v. a.
Stab
Drehbuch – Annika Tepelmann
Drehbuchmitarbeit – Franziska Schlotterer
Regie – Franziska Schlotterer
Kamera – Hanno Lentz
Musik – David Grabowski
Casting – Mai Seck
Kostümbild – Manuela Nierzwicki
Szenenbild – Juliane Hoffrecht
Schnitt – Dagmar Lichius
Licht – Michael Beitz
Ton – Benjamin Schubert
Maske – Jana Lindner, Elke Lebender
Herstellungsleitung – Nicole Zscherny, Christoph Kukula
Produktionsleitung – Linda-Katharina Weiß, Jörg Kuhlmann
Producerin – Susanna Enk
Produzenten – Eike Goreczka, Christoph Kukula
Ausführende Produzentin – Iris Kiefer
Redaktion – Denise Langenhan (MDR)






















Wow. Den werde ich auf alle Fälle gucken… im Kalender vorgemerkt. 👍
In einem Interview äußerte sich Claudia Michelsen zur Figur Brasch (nicht nur) in diesem Tatort
Brasch erinnere sich, in welcher Situation sie als junge Frau gewesen sei. Wie frei dürfe, müsse oder solle jede Frau in ihrer Entscheidung sein können, ein Kind in diese Welt zu bringen, mit allem, was dazu gehört? Schaffe man es, diese Verantwortung zu tragen etc.? Sie denke, das sei ein wunder Punkt in Braschs Leben, ein Versagen, mit dem bis heute schwer klarzukommen sei. Das sei das Tolle an Brasch, wir könnten immer wieder auch über sie an Themen und Geschichten, an Figuren emotional herantreten.
Brasch sei eine Frau, die eher im Fühlen lebe und agiere als im Kopf und im Denken. Da gebe es eine Anziehung, vielleicht sei es die junge Brasch, die sie da spüre oder die Tochter, die sie nie gehabt habe.
Brasch sei nicht so einfach nur eine Figur, die immer in Situationen geworfen werde, in denen sie Haltung zeigen müsse. Auch dass sie nicht in ein empathisches Verhalten zum Täter verfalle. Da genau den schmalen Grat zu halten sei immer wieder eine Herausforderung.
Natürlich habe sie immer eine klare Haltung zu den jeweiligen Geschichten, aber manchmal sei es doch besser, wir ahnten diese nur – und im besten Falle dürfe das Publikum sich selbst überprüfen. Und wenn man genau hinhöre und hinschaue, erkennt man Braschs Haltung zu jeder Situation.
Für alle, die das Interview im Original lesen wollen:
reportage.mdr.de/mediendossier_pr110_your_body_my_choice#rollenprofile-und-interviews