Kurz und knapp – darum geht’s

Ausgerechnet in der Hochzeitsnacht fliegt in einer Großgärtnerei der Heizkessel in die Luft. Der frisch angetraute Manfred Poser ist gerade auf seinem Kontrollgang und wird schwer verletzt. Seine Frau Elke, Chefin des Betriebs, hegt sofort einen schrecklichen Verdacht: Steckt ihr Sohn Thomas dahinter? Er hat die neue Ehe von Anfang an bekämpft und ist am Abend nach einem heftigen Streit aus dem Haus geworfen worden. Um ihn zu schützen, verabredet Elke mit ihrem geschiedenen Mann Heinz ein falsches Alibi. Doch Oberleutnant Peter Fuchs und Meister Lutz Subras sichern Fußspuren und finden Zeugen, die den jungen Mann in jener Nacht auf dem Gelände gesehen haben. Und dann ist Thomas plötzlich wie vom Erdboden verschluckt …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Alibi für eine Nacht“

Im Winter geben sich Elke Knaack und Manfred Poser auf dem Standesamt das Jawort. Einer bleibt der Trauung allerdings demonstrativ fern: Elkes erwachsener Sohn Thomas aus erster Ehe. Dass seine Mutter nur ein Jahr nach der Scheidung von seinem Vater Heinz erneut heiratet, will ihm nicht in den Kopf. Thomas hängt sehr an seinem Vater, und auch der ist von den Heiratsplänen überrascht worden. Für den Sohn steht aber noch mehr auf dem Spiel. Bislang war er der Mittelpunkt im Leben seiner Mutter, die ihn stets umsorgt hat. Nun soll er in Manfreds Wohnung ziehen, die leer steht, seit der Neue bei Elke eingezogen ist. Für Thomas ist die Sache klar – man will ihn loswerden.

Beim Abendessen eskaliert die Lage. Thomas gibt sich trotzig und unbeherrscht, und nach einem zweideutigen Vorwurf rutscht dem frischgebackenen Ehemann die Hand aus. Auf die Ohrfeige folgt der Rauswurf. Spät am Abend bricht Manfred zu einem Kontrollgang durch die Großgärtnerei der GPG Immergrün auf, die Elke leitet. Dabei fällt ihm einiges auf: Die Gewächsräume werden nicht beheizt, und der Wachhund sitzt eingesperrt in seinem Zwinger. Als Manfred die Heizung in Gang setzen will, explodiert der Kessel. Mit Verbrennungen und mehreren Knochenbrüchen wird er ins Krankenhaus gebracht.

Oberleutnant Peter Fuchs und Meister Lutz Subras übernehmen den Fall, und zunächst deutet einiges auf einen Unfall hin. Das Überdruckventil des Kessels ist schon seit Längerem defekt, und Elke wusste davon. Trotzdem ließ sie weiterheizen, weil die Pflanzen bei der Kälte sonst erfroren wären. Außerdem sollte der Betrieb ohnehin bald an ein neues Heizhaus angeschlossen werden. Elke übernimmt die Verantwortung. Insgeheim quält sie jedoch ein ganz anderer Gedanke, denn Manfred hat nach seiner Einlieferung einen einzigen Namen genannt: Thomas. Hat ihr Sohn nachts heimlich die Ventile zugedreht, um sich an ihr und Manfred zu rächen?

Um ihren Jungen zu schützen, greift die Mutter zu einem riskanten Mittel. Mit ihrem Ex-Mann Heinz Knaack, inzwischen Leiter einer SERO-Annahmestelle, spricht sie eine Falschaussage ab. Heinz soll behaupten, Thomas habe die ganze Nacht bei ihm verbracht und die beiden hätten zusammen getrunken. Dieses Alibi steht allerdings auf wackligen Beinen. Die Kriminalisten im DDR-Polizeiruf „Alibi für eine Nacht“ sichern auf dem Gelände Fußspuren des jungen Mannes, und Zeugen haben ihn in der Nacht der Explosion in der Gärtnerei gesehen.

Und Thomas selbst? Er arbeitet seit drei Wochen im Zoo, nimmt es mit der Disziplin aber nicht allzu genau. Nach dem Rauswurf findet er bei seiner Kollegin Hannelore Weigel Unterschlupf. Statt zur Arbeit zu gehen, schiebt er ein Unwohlsein vor und lässt es sich in ihrer Wohnung mit lauter Musik, einem Vollbad und reichlich Wein gut gehen. Für die Polizei ist er damit vorerst untergetaucht, und jeder Tag ohne ein Lebenszeichen lässt ihn verdächtiger erscheinen. Doch hat Thomas den Kessel wirklich manipuliert …

Hinter den Kulissen

Für Oberleutnant Peter Fuchs (Peter Borgelt) ist es bereits der 30. Fall, für Meister Lutz Subras (Alfred Rücker) der 28. und zugleich der letzte. In der 48. Folge der Reihe hat Subras seinen letzten Auftritt im Polizeiruf 110.

Im Mittelpunkt der Familiengeschichte stehen Marianne Wünscher als Gärtnereichefin Elke Poser und Helmut Müller-Lankow als ihr neuer Ehemann Manfred. Horst Schulze spielt ihren geschiedenen Mann Heinz Knaack, Erwin Berner ihren Sohn Thomas. Angelika Ritter ist als Thomas’ Kollegin Hannelore Weigel zu sehen.

Hans Joachim Hildebrandt führte Regie und schrieb auch das Drehbuch. Gedreht wurde vom 5. Januar bis zum 25. Februar 1977 in Leipzig und Umgebung, die Zooszenen entstanden im Zoo Leipzig. Während der Dreharbeiten lief der Film unter anderem unter dem Arbeitstitel „Die Falle“. Die Kostüme entwarf Christel Nowotny, die Filmbauten stammen von Werner Jagodzinski.

Bei der Erstausstrahlung im 1. Programm des Fernsehens der DDR lag die Zuschauerbeteiligung bei 57,5 Prozent.

Besetzung

Oberleutnant Peter Fuchs – Peter Borgelt
Meister Lutz Subras – Alfred Rücker
Elke Poser, Leiterin der Gärtnerei – Marianne Wünscher
Manfred Poser, ihr neuer Ehemann – Helmut Müller-Lankow
Heinz Knaack, Elkes geschiedener Mann – Horst Schulze
Thomas Knaack, Elkes Sohn – Erwin Berner
Hannelore Weigel, Thomas’ Kollegin im Zoo – Angelika Ritter
Fritz Leuter – Martin Trettau
Herr Schalewa – Wolfgang Thal
Herr Setzkorn – Jan Franz Krüger
Herr Wiechert – Peter Kreusel
Arzt – Roland Holz
Standesbeamtin – Dorothea Garlin
Oberschwester – Renate Goerdes
u. v. a.

Stab

Regie – Hans Joachim Hildebrandt
Drehbuch – Hans Joachim Hildebrandt
Produktion – Ralf Siebenhörl
Musik – Lothar Kehr
Kamera – Bernd Sperberg
Schnitt – Silvia Hebel
Kostüm – Christel Nowotny
Filmbauten – Werner Jagodzinski
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR

Bild: MDR / DRA / Christine Ludwig