Kurz und knapp – darum geht’s
Auf Hiddensee will Dr. Rudolf Boelssen gleich zwei offene Rechnungen begleichen: mit seiner Frau Ilse, die ihn verlassen hat und die Scheidung will, und mit Professor Siegfried Preckwinkel. Sein früherer Vorgesetzter hat eine Fachabhandlung veröffentlicht, in der Boelssens eigene Forschungsergebnisse stecken, ohne dass er als Mitautor genannt wird. Doch schon einen Tag nach seiner Ankunft wird der Tierarzt tot am Ufer der Ostseeinsel gefunden. Oberleutnant Peter Fuchs und Leutnant Vera Arndt übernehmen den Fall und wissen zunächst nicht einmal, wen sie da vor sich haben – angemeldet hatte sich der Fremde nirgends. Als seine Identität feststeht, stoßen die beiden auf eine Lebensgeschichte, in der sich gekränkter Ehrgeiz und eine zerbrochene Ehe unheilvoll ineinander verschlungen haben …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Kollision“
Mit den Menschen ist Dr. Rudolf Boelssen fertig. Seit seine Frau Ilse ihn vor einem Jahr verlassen hat, lebt der Tierarzt getrennt von ihr, und wie tief die Bitterkeit inzwischen sitzt, bekommen ausgerechnet seine Schwiegereltern zu spüren: Als sie bei ihm vorsprechen, um einige Sachen ihrer Tochter abzuholen, setzt er sie kurzerhand vor die Tür. Ilse stehe ohnehin nichts zu, schließlich habe er ihr alles, was sie besitze, selbst gekauft. In eine Scheidung einzuwilligen, kommt für ihn nicht infrage.
Mindestens ebenso schwer wiegt eine zweite Wunde, die einfach nicht verheilen will. Vor fünf Jahren musste Boelssen seine wissenschaftliche Laufbahn aufgeben, und nun hält er ein Werk in den Händen, das ihn bis aufs Blut reizt: die Abhandlung „Veterinärmedizin“, geschrieben von seinem damaligen Vorgesetzten Professor Siegfried Preckwinkel – und gespickt mit den Resultaten seiner eigenen Forschung. Er reist nach Hiddensee, stellt den Professor zur Rede und diktiert ihm seine Bedingungen: In der zweiten Auflage will er als Mitautor auftauchen, außerdem soll Preckwinkel dem Verlag schriftlich gestehen, dass er sich mit fremden Federn geschmückt hat. Damit ist die Sache für Boelssen noch nicht erledigt, er will den Wissenschaftler später ein weiteres Mal aufsuchen.
Doch dazu kommt es nicht mehr. Bereits am nächsten Tag liegt Boelssen leblos am Hiddenseer Ufer. Für Oberleutnant Peter Fuchs und Leutnant Vera Arndt, die auf die Insel kommen und die Ermittlungen übernehmen, beginnt der Fall im Polizeiruf 110 „Kollision“ mit einer ganz grundsätzlichen Frage: Wer ist der Tote überhaupt? Der Mann ist ohne Anmeldung auf die Insel gekommen, und es dauert, bis die Kriminalisten ihm einen Namen geben können.
Mit der Identität des Toten rückt auch seine Ehefrau ins Blickfeld, denn Ilse lebt und arbeitet ausgerechnet auf Hiddensee. Weit weg von ihrem Mann hat sie sich als Postfrau eine eigene Existenz geschaffen, die Inselbewohner nennen sie nur „Ilsing“. Boelssen wollte die Trennung nicht hinnehmen – Ilse aber, die längst dabei ist, sich eine neue Partnerschaft aufzubauen, hatte ihn abgewiesen.
Wie verbittert Boelssen in den vergangenen Jahren geworden war, erfahren die Ermittler von seinen früheren Kollegen am Institut. Mit seinen Untersuchungen über Betagalactosidase hatte er sich zwar abseits seines eigentlichen Fachgebiets bewegt, aber durchaus wichtige Ergebnisse in Aussicht gestellt. Preckwinkel stellte sich gegen ihn, die Kollegen dagegen und sogar die Genossen der Kreisleitung hielten zu Boelssen, als es in einer Fachdiskussion um seine wissenschaftliche Zukunft ging. Doch der Forscher hatte das Gespräch heimlich mitgeschnitten – und wurde dafür entlassen. Seither kurierte er wieder Tiere auf dem Dorf und griff immer öfter zur Flasche.
Ein Mann, der sich mit seiner Ehe ebenso wenig abfinden konnte wie mit seinem beruflichen Scheitern: Dieses Bild setzt sich für Fuchs und Arndt im TV-Krimi „Kollision“ Stück für Stück zusammen. Nun müssen die beiden herausfinden, was in den wenigen Stunden zwischen Boelssens Besuch beim Professor und dem Fund am Ufer geschehen ist – in einer Nacht, die für den ungebetenen Gast tödlich endete …
Hinter den Kulissen
„Kollision“ ist die 45. Folge der Reihe Polizeiruf 110. Für Oberleutnant Peter Fuchs (Peter Borgelt) ist es der 27. Fall, für Leutnant Vera Arndt (Sigrid Göhler) bereits der 32. Die Rolle des Tierarztes Dr. Rudolf Boelssen spielt Fred Düren, seine Frau Ilse wird von Helga Piur verkörpert, Otto Mellies ist als Professor Siegfried Preckwinkel zu sehen. Jürgen Zartmann tritt in dieser Folge als Abschnittsbevollmächtigter der Volkspolizei auf, als Unterleutnant Gustav Stresow.
Regie führte Manfred Mosblech, das Drehbuch schrieb C. U. Wiesner. Eine Besonderheit des Films: In weiten Teilen wird Plattdeutsch gesprochen.
Gedreht wurde vom 1. September bis zum 5. November 1976 unter dem Arbeitstitel „Strandgut“ in Berlin sowie auf Rügen und Hiddensee. Die Kostüme entwarf Tamara Schramm-Bansen, die Filmbauten stammen von K.P.M. Wulff. Bei der Erstausstrahlung im 1. Programm des Fernsehens der DDR lag die Zuschauerbeteiligung bei 60,4 Prozent.
Besetzung
Oberleutnant Peter Fuchs – Peter Borgelt
Leutnant Vera Arndt – Sigrid Göhler
Unterleutnant Gustav Stresow, Abschnittsbevollmächtigter – Jürgen Zartmann
Dr. Rudolf Boelssen, Tierarzt – Fred Düren
Ilse „Ilsing“ Boelssen, Postfrau – Helga Piur
Prof. Siegfried Preckwinkel – Otto Mellies
Isolde Preckwinkel – Lissy Tempelhof
Günter Rogge – Klaus Gehrke
Klaus „Kläusing“ Barhöft – Horst Weinheimer
Heinrich „Gänse-Hinnerk“ Lüttjehann – Helmut Müller-Lankow
Minna Lüttjehann – Else Wolz
Brigitte „Biggy“ Mauser – Regina Beyer
Margit Hanke – Brigitte Beier
Ingrid Gertz – Petra Hinze
Frau Niemann – Marga Legal
Herr Niemann – Fred Mahr
Herr Hinze – Richard Schrader
Urlaubermutter – Ellen Rappus
Urlaubervater – Gerd Blahuschek
Kutterführerin – Eleonore Dancker
Inselarzt – Dietrich Puchert
Kellner – Oskar Daum
Urlauberkind – Beate Schade
Erster Kriminaltechniker – Wolfgang Ernst
Zweiter Kriminaltechniker – Peter Heiland
Kriminalist – Siegfried Bartschat
u. v. a.
Stab
Regie – Manfred Mosblech
Drehbuch – C. U. Wiesner
Produktion – Lutz Clasen
Musik – Hartmut Behrsing
Kamera – Günter Eisinger
Schnitt – Margrit Schulz
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR









Nächste Kommentarmöglichkeit: Sonntag, 01.11.2026 ab 17:00 Uhr (in ca. 5 Tagen).
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