Kurz und knapp – darum geht’s
Am Abend ein heftiger Ehekrach, am nächsten Morgen eine Tote am See – für die Leute im Ort ist damit alles gesagt. Dass es zwischen Christine Eggert und ihrem Mann, dem Busfahrer Horst Eggert, schon lange nicht mehr stimmte, weiß schließlich jeder. Oberleutnant Peter Fuchs will sich mit dem Gerede allerdings nicht zufriedengeben, zumal die Obduktion Rätsel aufgibt: Die Ertrunkene hat vor ihrem Tod große Mengen eines starken Schlafmittels geschluckt, das ausgerechnet in einem Röhrchen für harmlose Schmerztabletten steckte. Doch der wortkarge Witwer verstrickt sich bei der Vernehmung in Widersprüche, ein Kollege bezichtigt ihn obendrein des Diebstahls, und während die Stimmung gegen ihn immer feindseliger wird, ist Horst Eggert plötzlich verschwunden …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Vorurteil?“
Wieder einmal fliegen bei den Eggerts die Fetzen. Der Streit zwischen Busfahrer Horst Eggert und seiner Frau Christine ist so laut, dass sogar die Nachbarin Frau Sandow davon aufwacht. Ruhe kehrt erst ein, als Horst sich wutentbrannt auf sein Motorrad setzt und davonfährt. Am nächsten Morgen wird Christine Eggert tot an einem See gefunden. Sie liegt in einem Boot – und doch stellt die Obduktion fest, dass sie ertrunken ist. Wie kommt eine Tote, die im Wasser ums Leben gekommen ist, in einen Kahn?
Zunächst kümmern sich die Kollegen vor Ort um den Fall, Leutnant Krüger und ABV Unterleutnant Schladitz, bevor Oberleutnant Peter Fuchs die Ermittlungen übernimmt. Im Ort selbst sind die Fragen dagegen längst beantwortet. Dass die Ehe der Eggerts nur noch auf dem Papier funktionierte, hat sich herumgesprochen. Und dann ist da noch Lutz, der Sohn, den Horst mit in die Ehe gebracht hat: Zwischen ihm und seiner Stiefmutter herrschte ständiger Zank, und in diesen Auseinandersetzungen stand der Vater meist auf der Seite des verwöhnten Jungen.
Horst Eggert selbst erscheint am Morgen, als wäre nichts geschehen, pünktlich zur Arbeit. Bei der Vernehmung macht er allerdings keine gute Figur: Er verheddert sich in widersprüchlichen Angaben, und von seiner Frau spricht er durchweg in der Vergangenheitsform. Fuchs hält ihm das ohne Umschweife vor – Christine sei zwar tot, doch er habe den Eindruck, dass Eggert das bereits wisse.
Einen dringenden Tatverdacht gibt es zu diesem Zeitpunkt nicht, aber im Betrieb hat man sein Urteil über den eigenbrötlerischen Kollegen schnell gefällt. Sein Vorgesetzter überlässt Eggerts Bus einem anderen Fahrer und schiebt ihn in die Werkstatt ab. Für Horst ist das Maß damit voll, er lässt alles stehen und liegen und geht. Ausgerechnet jetzt vermisst sein Kollege Gutewort 1800 Mark aus seiner Brieftasche, mit denen er sich ein Motorrad kaufen wollte. Für ihn steht fest: Eggert hat sich das Geld für die Flucht unter den Nagel gerissen.
Auch die Kriminalpolizei hat mittlerweile Belastendes zusammengetragen. In der Wohnung finden sich etliche Arzneimittel, darunter Spezialmedizin für die nierenkranke Christine, Beruhigungsmittel und Schmerztabletten. In einem Röhrchen, in dem eigentlich harmlose Mittel gegen Schmerzen stecken sollten, entdecken die Ermittler jedoch ein starkes Schlafmittel – genau jenes, das die Tote vor ihrem Tod in großer Menge eingenommen hatte. Während sich das Gerede im Ort zur Gewissheit verdichtet, muss Fuchs im TV-Krimi „Vorurteil?“ zweierlei herausfinden: wo Horst Eggert steckt – und ob der Mann, den alle längst verurteilt haben, tatsächlich etwas mit dem Tod seiner Frau zu tun hat …
Hinter den Kulissen
„Vorurteil?“ ist die 42. Folge der Reihe Polizeiruf 110 und zugleich der 25. Fall für Oberleutnant Peter Fuchs (Peter Borgelt). Zu Beginn führen allerdings die Kollegen vom Ort, Leutnant Krüger (Erik Veldre) und Unterleutnant Schladitz (Hans Teuscher), die Ermittlungen. Kurt Böwe spielt den unter Verdacht geratenen Busfahrer Horst Eggert, Karin Gregorek seine Frau Christine und Michael Hunger den Sohn Lutz.
Regie führte Hans Knötzsch, das Drehbuch schrieb Erich Loest unter dem Namen Bernd Diksen. Für die Kostüme waren Margarete Salow und Doris Wolf zuständig, die Filmbauten stammen von Werner Jagodzinski.
Gedreht wurde der Krimi vom 25. Mai bis zum 10. Juli 1976 in der Gegend um Frankfurt an der Oder, damals noch unter dem Arbeitstitel „Das Vorurteil“. Bei der Erstausstrahlung lag die Zuschauerbeteiligung bei 64,6 Prozent.
Besetzung
Oberleutnant Peter Fuchs – Peter Borgelt
Leutnant Krüger – Erik Veldre
Unterleutnant Schladitz – Hans Teuscher
Horst Eggert, Busfahrer – Kurt Böwe
Christine Eggert, seine Frau – Karin Gregorek
Lutz Eggert, Horsts Sohn – Michael Hunger
Gerda Fenner – Lilo Grahn
Rudi Töpfer, Horsts Schwager – Stefan Lisewski
Heinz Bender – Herbert Wolf Krause
Herr Helbig – Hans-Joachim Hanisch
Herr Gutewort, Horsts Kollege – Michael Narloch
Frau Gutewort – Ursula Staack
Herr Weißbrodt – Wolfgang Sasse
Frau Sandow, Nachbarin – Doris Thalmer
Herr Sandow – Hermann Hiesgen
Frau Grabow – Brigitte Scholz-Lindenberg
Herr Enke – Klaus Bergatt
Herr Günter – Egon Geißler
Pförtner Liebkind – Johannes Maus
Busfahrer Pattky – Herbert Spiller
Dispatcher Müller – Lothar Förster
Angler Wolter – Erich Brauer
Dr. Walters – Klaus Mertens
Arzt – Paul Berndt
Erster Busfahrer – Günter Drescher
Zweiter Busfahrer – Klaus Tilsner
Dritter Busfahrer – Karl-Heinz Weiß
Taxifahrer – Tim Hoffmann
Begleiter – Lothar Dimke
Kneipengast – Hans-Edgar Stecher
u. v. a.
Stab
Regie – Hans Knötzsch
Drehbuch – Erich Loest (als Bernd Diksen)
Produktion – Ralf Siebenhörl
Musik – Rolf Zimmermann
Kamera – Helmut Borkmann
Schnitt – Renate Müller
Kostüm – Margarete Salow, Doris Wolf
Filmbauten – Werner Jagodzinski
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR
Nächste Kommentarmöglichkeit: Sonntag, 01.11.2026 ab 17:00 Uhr (in ca. 5 Tagen).
Noch keine Kommentare vorhanden.