Kurz und knapp – darum geht’s
Auf den Weiden von Wustermark sollte ein internationaler Großflughafen entstehen – doch statt Startbahnen gab es nur gefälschte Aktien. Mit ihnen hat Herbert Krolikowski die Dorfbewohner um ihre Ersparnisse gebracht, und obwohl der Betrüger längst hinter Gittern sitzt, ist das Geld bis heute verschwunden. Den Schaden hat auch Melker Werner Sommer, der eifrig für die Papiere geworben hatte: Er ist vorbestraft und wird von allen gemieden. Um sich zu rehabilitieren, holt er seinen früheren Chef kurzerhand aus dem Gefängnis – als blinder Passagier von Dorfpolizist Krause. Doch der Deal „Freiheit gegen Geld“ geht nicht auf, Krolikowski verfolgt eigene Ziele, und schon bald stecken auch Lansky und Dettmann tief in der Sache. Für Kommissarin Tanja Voigt beginnt ein Fall, der es in sich hat …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Das Wunder von Wustermark“
Ausgedehntes Weideland und eine Dorfkneipe, in der sich das Leben abspielt: Wustermark, ein Dorf bei Potsdam, hat auf den ersten Blick wenig zu bieten. Umso verlockender klingt, was Herbert Krolikowski den Einwohnern verspricht. Auf ihren Wiesen soll der Internationale Flughafen Berlin-Wustermark entstehen, und wer rechtzeitig die „Kleinaktie Großflughafen“ erwirbt, ist mit dabei. Viele lassen sich das nicht zweimal sagen und geben ihr Erspartes her – darunter Maria, die mittlerweile mit Richard Lansky verheiratet ist, und Polizeihauptmeister Horst Krause. Lansky selbst will 30.000 D-Mark anlegen, kommt aber zu spät. Ein Versäumnis, das sich als Segen entpuppt.
Denn einen Flughafen hat in Wustermark nie jemand geplant. Kriminalhauptkommissarin Tanja Voigt nimmt Krolikowski wegen Betrugs fest, ein Jahr später verurteilt ihn das Gericht zu sechs Jahren Haft. Für die Geprellten ist das ein schwacher Trost: Von ihrem Geld fehlt jede Spur. Im Dorf ist man deshalb fest überzeugt, dass der Immobilienspekulant die Beute irgendwo versteckt hat.
Am härtesten trifft der Skandal Werner Sommer. Der Melker, früher bei Krolikowski in Diensten, hatte im Ort kräftig die Werbetrommel für die Papiere gerührt. Vor Gericht kam er wegen unwissentlicher Beihilfe mit einer Bewährungsstrafe davon – doch was nützt die Freiheit, wenn einen das ganze Dorf schneidet? Wo Sommer auftaucht, wenden sich die Nachbarn ab. Um seinen Ruf wiederherzustellen, will er das verschwundene Geld auf eigene Faust zurückholen.
Die Gelegenheit kommt, als Lansky im Namen der Wustermarker einen Brief an Krolikowski aufsetzt und Krause das Schreiben persönlich in der Haftanstalt abgibt. Dabei hat der Dorfpolizist einen blinden Passagier im Schlepptau: Sommer. Hinter den Gefängnismauern gelingt es ihm, seinem einstigen Chef zur Flucht zu verhelfen. Der Handel, den er sich im TV-Krimi „Das Wunder von Wustermark“ ausgedacht hat, ist denkbar schlicht – Freiheit gegen Geld. Doch Krolikowski spielt nicht mit, sondern hat ganz eigene Pläne.
Und so werden bald auch Lansky und Dettmann in die verzwickte Geschichte hineingezogen. Dabei hat Dettmann eigentlich ganz andere Sorgen: Er eröffnet gerade seine neue Videothek und hat als Stargast niemand Geringeren als Dolly Buster in die brandenburgische Provinz gelockt.
Unterdessen nimmt Tanja Voigt im ORB-Polizeiruf „Das Wunder von Wustermark“ die Fahndung nach dem entflohenen Häftling auf – in einer Gegend, in der so mancher noch eine Rechnung mit Krolikowski offen hat. Mit den eigenwilligen Dörflern hat die Kommissarin reichlich Mühe. Ausgerechnet Krause, auf dessen Ortskenntnis sie zählen müsste, erweist sich dabei eher als Hemmschuh. Und das hat durchaus seine Gründe …
Hinter den Kulissen
„Das Wunder von Wustermark“ ist die 196. Folge der Reihe und zugleich der zehnte und letzte Fall von Kriminalhauptkommissarin Tanja Voigt (Katrin Sass). Die Kriminalkomödie setzt die Geschichte aus „Totes Gleis“ fort, jener Folge aus dem Jahr 1994, die 1995 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde. Erneut spielen Otto Sander und Ben Becker die Kumpel Lansky und Dettmann – es ist der zweite von insgesamt drei Polizeiruf-Filmen mit den beiden in diesen Rollen. Auch Beckers Mutter Monika Hansen ist als Maria wieder dabei, Otto Sander ist Beckers Stiefvater. Horst Krause verkörpert einmal mehr den Dorfpolizisten Horst Krause, und Regie wie Drehbuch lagen wieder in denselben Händen wie beim Vorgänger.
Regisseur Bernd Böhlich setzt bewusst auf seine Darsteller statt auf Hochglanzoptik: „Wenn ich Otto Sander vor der Kamera habe, dann will ich dem zugucken, da brauche ich keine Designer-Fotografie.“ Auch die Herkunft der Figuren ist ihm wichtig: „Beide Filme tun nicht so, als wären deren Helden erst 1990 zur Welt gekommen.“ ORB-Redakteurin Cooky Ziesche sieht die Reihe im Wandel: „Der ‚Polizeiruf‘ hat in einigen Sendern zuletzt eine komödiantische Richtung bekommen und entwickelt sich so zu einem eigenständigen Genre.“
Gedreht wurde von Juli bis August 1997 unter anderem in Berlin sowie in Bredow und Umgebung, ein Schauplatz war ein alter Gutshof. Dolly Buster spielt sich im Film selbst, wurde allerdings synchronisiert. Bei der Erstausstrahlung lag die Zuschauerbeteiligung bei 16,2 Prozent.
Besetzung
Kriminalhauptkommissarin Tanja Voigt – Katrin Sass
Polizeihauptmeister Horst Krause – Horst Krause
Richard Lansky – Otto Sander
Jobst Dettmann – Ben Becker
Werner Sommer, Melker – Steffen Schult
Maria Lansky – Monika Hansen
Herbert Krolikowski – Peter Fitz
Dolly Buster – Dolly Buster
Frobel – Ludger Burmann
Häftling Dr. Müller – Dieter Montag
JVA-Schließer Walter – Peter Mohrdieck
JVA-Direktorin Beyer – Barbara Dittus
Wachmann – Martin Seifert
Vermieter – Victor Deiß
Dr. Walter – Wilfried Loll
Dr. Mohrloeser – Torsten Michaelis
Sekretärin Schneider – Claudia Jakobshagen
Fernsehreporterin – Tatjana Jury
Günter Hecht – Hans-Joachim Grubel
Politesse – Gundula Petrovska
u. v. a.
Stab
Regie – Bernd Böhlich
Drehbuch – Michael Illner, Jürgen Pomorin
Produktion – Andrea Hoffmann
Musik – Tomas Kahane
Kamera – Peter Ziesche
Schnitt – Esther Bartz
Kostüme – Christine Zartmann
Filmbauten – Eduard Krajewski
Produktionsunternehmen – Andrea Hoffmann Filmproduktion, im Auftrag des ORB




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