Kurz und knapp – darum geht’s
Für Fred Schneidereit scheint die Sache klar: Im Gefängnis hat er sich nie etwas zuschulden kommen lassen, also dürfte einer vorzeitigen Entlassung eigentlich nichts im Weg stehen. Doch sein Gesuch wird abgelehnt – und Oberleutnant Jürgen Hübner, der ihn in der Haftanstalt aufsucht, kann bei dem Gefangenen keinerlei Einsicht erkennen. Fred fühlt sich ungerecht behandelt und beginnt, sein bisheriges Leben aufzurollen: die Jugend an der Seite seines kriminellen Bruders Karl-Heinz, die Begegnung mit Vera, die gerade aus der Haft kam und die er kurz darauf heiratete. Eine saubere Weste hatte er nie, das räumt er ein. Aber ist er deshalb gleich ein Verbrecher? Für Fred steht fest, wer die eigentliche Schuld trägt: seine Frau …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Die Abrechnung“
Fred Schneidereit hat seine Rechnung längst aufgemacht: Seit Jahren sitzt er seine Strafe ab, tadellos geführt hat er sich, nie gab es Ärger mit ihm – warum also sollte er nicht vorzeitig auf freien Fuß kommen? Einen entsprechenden Antrag hat er gestellt. Doch statt der ersehnten Nachricht bekommt er Besuch von Oberleutnant Jürgen Hübner, und das Gespräch verläuft anders als erhofft. Der Kriminalist sucht bei dem Häftling vergeblich nach Anzeichen eines Umdenkens. Stattdessen hört er die altbekannte Leier: Fred sei bloß in eine Sache hineingeraten, schuld seien immer die anderen. Schon nach kurzer Zeit lässt Hübner ihn sitzen.
Als das Gesuch im TV-Krimi „Die Abrechnung“ tatsächlich abgelehnt wird, versteht Fred die Welt nicht mehr. Woher kommt diese Härte? Um eine Antwort zu finden, geht er in Gedanken noch einmal die Ereignisse durch, die ihn hinter Gitter gebracht haben. Ein unbeschriebenes Blatt war er nie, das weiß er selbst. Doch die Verantwortung für sein Schicksal sieht er an ganz anderer Stelle – bei seiner Frau Vera.
Die Spurensuche führt weit zurück. Seine Eltern hat Fred früh verloren, großgezogen wurde er von seinem Bruder Karl-Heinz, einem Mann, der es mit dem Gesetz nie besonders genau nahm und inzwischen in Westdeutschland lebt. Ein Vorbild, wie man es einem Heranwachsenden nicht unbedingt wünschen würde – und doch ist der große Bruder die wichtigste Bezugsperson in Freds Leben.
Dann tritt Vera in sein Leben. Die junge Frau ist gerade aus der Haft entlassen worden und hat kein Dach über dem Kopf. Fred nimmt sie kurzerhand mit zu sich, und es dauert nicht lange, bis die beiden verheiratet sind. Gemeinsam beziehen sie eine neue Wohnung – auf den ersten Blick der Beginn eines bescheidenen, geordneten Lebens.
Doch Vera bringt eine Familiengeschichte mit, die es in sich hat. Ihre Schwester Sophia ist mit ihrem früheren Chef Dr. Bruno Bartuschek verheiratet, und hinter dieser Ehe steckt ein Geheimnis: Vor 17 Jahren war Sophia schwanger und von ihrem Freund sitzengelassen worden. Vera gab ihr damals den Rat, den in sie verliebten Vorgesetzten zu heiraten und ihm das Kind als sein eigenes unterzuschieben. Für ihr Schweigen hat Sophia der Schwester seinerzeit ein wenig Geld zugesteckt. Und während Fred und Vera noch dabei sind, ihr neues Zuhause einzurichten, kommt Vera mit einer scheinbar rein theoretischen Frage auf ihren Mann zu – deren Antwort im Polizeiruf 110 „Die Abrechnung“ ungeahnte Folgen haben wird …
Hinter den Kulissen
„Die Abrechnung“ ist die 49. Folge der Krimireihe Polizeiruf 110. Für Oberleutnant Jürgen Hübner (Jürgen Frohriep) war es der 21. Fall, für Leutnant Vera Arndt (Sigrid Göhler) bereits der 33. Im Zentrum stehen allerdings Fred Schneidereit (Ulrich Thein) und seine Frau Vera (Hildegard Alex); in weiteren Rollen sind unter anderem Lissy Tempelhof als Sophia Bartuschek und Dietrich Körner als Dr. Bruno Bartuschek zu sehen.
Regie führte Peter Vogel, das Drehbuch schrieb Eberhard Görner. Der Fernsehfilm beruht auf einem Roman von Hasso Mager. Gedreht wurde vom 23. Januar bis 7. März 1977 unter dem Arbeitstitel „Ungleiche Schwestern“ in Dresden, Berlin, Radebeul, Stendal und Bad Saarow. Zu den Schauplätzen gehören die Ruinen des Dresdner Schlosses und des benachbarten Taschenbergpalais; ein Gespräch zwischen Fred und Vera entstand auf dem Turm der Berliner Sophienkirche. Die Kostüme entwarf Ursula Wolf, die Filmbauten stammen von K.P.M. Wulff.
Die Zuschauerbeteiligung bei der Erstausstrahlung lag bei 52,3 Prozent.
Besetzung
Oberleutnant Jürgen Hübner – Jürgen Frohriep
Leutnant Vera Arndt – Sigrid Göhler
Fred Schneidereit – Ulrich Thein
Vera Schneidereit, Freds Frau – Hildegard Alex
Sophia Bartuschek, Veras Schwester – Lissy Tempelhof
Dr. Bruno Bartuschek – Dietrich Körner
Gert Bartuschek – Peter Hubatschek
Älterer Häftling – Reimar J. Baur
Professor Rohrbach – Klaus Piontek
Dr. Frowein – Alfred Struwe
Frau Richter – Barbara Schnitzler
Inge Schmall – Hannelore Telloke
Karl-Heinz Schneidereit, Freds Bruder – Gerd Biewer
Halangk, Veras und Sophias Vater – Werner Kamenik
Institutsarzt – Klaus-Jürgen Steinmann
Dr. Roth – Karl Sturm
Wilhelm Mühlmann – Hans Bergermann
Herr Schnurbusch – Eckhardt Bogda
Kriminaltechniker – Heinz Lyschik
Postbote – Hannes Stelzer
Dr. Kuntz – Wolfgang Lohse
u. v. a.
Stab
Regie – Peter Vogel
Drehbuch – Eberhard Görner
Produktion – Rainer Gericke
Musik – Hermann Anders
Kamera – Franz Ritschel
Schnitt – Edith Kaluza
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR
Bild: MDR / rbb / DRA / Siegrfried Rieck
Nächste Kommentarmöglichkeit: Sonntag, 01.11.2026 ab 17:00 Uhr (in ca. 5 Tagen).
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