Kurz und knapp – darum geht’s

Neun moderne Wohnzimmereinrichtungen vom begehrten Typ „Lord“ hat ein Möbelkaufhaus an Kunden ausgeliefert, an der Kasse abgerechnet wurden sie jedoch nie. Rund 30.000 Mark fehlen, und die Belege tragen den Stempel von Bettina Schwarzbach, einer Kassiererin, die bislang als absolut zuverlässig galt. Wenige Stunden nachdem sie mit dem Vorwurf konfrontiert wurde, wird sie bewusstlos vor dem offenen Gashahn gefunden. Oberleutnant Peter Fuchs, Leutnant Vera Arndt und Wachtmeister Lutz Subras müssen herausfinden, ob es ein Schuldeingeständnis war oder ein Unglück. Bald steht fest, dass mehr als eine Person die Finger im Spiel hat. Mitten durch den Fall verläuft zudem ein tiefer Riss in der Familie Schwarzbach: Sohn Jürgen begleitet die Transporte der „Lords“, und mit Schwiegertochter Elke verbindet Bettina eine offene Abneigung …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Die verschwundenen Lords“

Begehrt sind sie, die modernen Wohnzimmereinrichtungen vom Typ „Lord“ – und ausgerechnet bei ihnen geht im Möbelkaufhaus die Rechnung nicht auf. Eine Kontrolle fördert zutage, dass neun dieser Garnituren im Gesamtwert von 30.000 Mark zwar vom Hersteller angeliefert und an Kunden verkauft, an der Kasse aber nie verbucht wurden. Auf den Kaufbelegen finden sich Stempel und Unterschrift von Bettina Schwarzbach. Die Kassiererin, im Haus als ausgesprochen gewissenhaft geschätzt, wird zur Betriebsleitung bestellt und fällt aus allen Wolken. Erklären kann sie sich die Sache nicht, und bis auf Weiteres muss sie ihren Platz an der Kasse räumen.

Nur wenige Stunden später macht ihre Untermieterin Agnes Neubert, eine Vertreterin für Kosmetikartikel, eine erschreckende Entdeckung: Bettina Schwarzbach liegt ohnmächtig in der Küche, der Gashahn ist aufgedreht. Auf dem Tisch liegt ein angefangener Brief an ihren Sohn Jürgen, der sich wie ein letzter Gruß liest. Die Frau wird ins Krankenhaus gebracht – und für die Kriminalpolizei stellt sich eine heikle Frage: Wollte die Kassiererin mit dieser Tat ihre Schuld eingestehen, oder war alles nur ein tragischer Unfall?

Oberleutnant Peter Fuchs übernimmt den Fall gemeinsam mit Leutnant Vera Arndt und Wachtmeister Lutz Subras. Was zunächst nach einer eindeutigen Angelegenheit aussieht – eine Angestellte lässt Belege verschwinden und steckt das Geld ein –, bekommt schon bald Risse. Neue Verdachtsmomente tauchen auf, und je genauer das Trio hinschaut, desto klarer wird: Hier hat nicht eine Einzelne in die Kasse gegriffen. Vieles spricht dafür, dass eine ganze Bande planvoll zusammenarbeitet.

Dabei geraten die Ermittler mitten hinein in ein Familiengeflecht voller Spannungen. Bettinas Sohn Jürgen ist im selben Möbelhaus beschäftigt: Als Beifahrer ist er mit dafür verantwortlich, dass die „Lords“ vom Möbelwerk ins Kaufhaus gelangen. Seine Mutter fürchtet, er könnte in die Machenschaften verstrickt sein. Um ihn zu schützen, macht sie bei der Vernehmung Angaben, die einander widersprechen – was ihre eigene Lage nicht gerade verbessert.

Und dann ist da noch Jürgens Frau Elke. Schwiegermutter und Schwiegertochter verstehen sich schlecht, und Bettina macht aus ihrer Antipathie keinen Hehl. Als Leutnant Arndt bei Elke vorspricht, um sie über den Krankenhausaufenthalt zu informieren, zeigt sich allerdings: Trotz aller Differenzen hält Elke es für ausgeschlossen, dass Bettina Ware unterschlagen oder sich das Leben nehmen wollte. Ausgerechnet auf sie könnte nun aber eine Beschreibung passen, der die Fahnder im DDR-Polizeiruf „Die verschwundenen Lords“ nachgehen.

Steckt hinter den alten Familienspannungen mehr, als es zunächst scheint? Und wer gehört noch zu dem Kreis, der die begehrten Möbel spurlos verschwinden lässt? Fuchs und seine Kollegen bleiben den Verdächtigen dicht auf den Fersen – und warten gespannt darauf, was sie als Nächstes unternehmen …

Hinter den Kulissen

„Die verschwundenen Lords“ ist die 24. Folge der Krimireihe Polizeiruf 110 und entstand beim Fernsehen der DDR. Oberleutnant Peter Fuchs (Peter Borgelt) ermittelt hier in seinem 17. Fall, Leutnant Vera Arndt (Sigrid Göhler) bereits in ihrem 20. und Wachtmeister Lutz Subras (Alfred Rücker) in seinem neunten.

Im Mittelpunkt der Familiengeschichte stehen die Kassiererin Bettina Schwarzbach (Helga Göring), ihr Sohn Jürgen (Uwe Kockisch) und dessen Frau Elke (Heidemarie Wenzel).

Werner Röwekamp schrieb das Drehbuch und führte auch Regie. Gedreht wurde vom 4. Dezember 1973 bis Ende Januar 1974 in Potsdam und in Thüringen. Für die Kostüme war Isolde Müller-Claud zuständig, die Filmbauten stammen von Klaus Poppitz. Hinter der Kamera stand Walter Küppers, die Musik komponierte Kiril Cibulka, produziert wurde der Film von Hans W. Reichel.

Besetzung

Oberleutnant Peter Fuchs – Peter Borgelt
Leutnant Vera Arndt – Sigrid Göhler
Wachtmeister Lutz Subras – Alfred Rücker
Bettina Schwarzbach, Kassiererin – Helga Göring
Elke Schwarzbach, Jürgens Frau – Heidemarie Wenzel
Jürgen Schwarzbach, Bettinas Sohn – Uwe Kockisch
Agnes Neubert, Kosmetikvertreterin – Christel Bodenstein
Kurt Baltruschat – Werner Lierck
Frau Schmiedel – Christa Löser
Frau Kreibig – Sina Fiedler
Herr Sperber – Walter Kröter
Herr Schultheiß – Wolfgang Sasse
Willi Krüger, Lagerverwalter – Egon Geißler
Horst – Eberhard Prüter
Graveur – Friedrich Links
Herr Kreibig – Werner Röwekamp
Alfred Zunker – Georg-Michael Wagner
u. v. a.

Stab

Regie – Werner Röwekamp
Drehbuch – Werner Röwekamp
Produktion – Hans W. Reichel
Musik – Kiril Cibulka
Kamera – Walter Küppers
Schnitt – Brigitte Bergmann, Angelika Hortscht
Kostüm – Isolde Müller-Claud
Filmbauten – Klaus Poppitz
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR