Kurz und knapp – darum geht’s
Eine junge Frau liegt erdrosselt in ihrer Wohnung, und neben ihr sitzt ausgerechnet Rolf Clausen. Er ist der Sohn von Irene Clausen, mit der Kriminalhauptkommissar Wolfgang Dillinger seit Jahren zusammenlebt. Wegen Befangenheit wird Dillinger der Fall entzogen. Die Ermittlungen übernimmt Kriminaloberkommissar Lehnert, mit dem ihn eine tiefe gegenseitige Abneigung verbindet. Doch Dillinger denkt nicht daran, tatenlos zuzusehen: Er nimmt Urlaub und ermittelt auf eigene Faust, um Rolf zu entlasten. An Verdächtigen herrscht kein Mangel, denn die tote Rita Köhler hat in einer Kneipe nicht nur Gäste bedient, sondern im Hinterzimmer auch Männer gegen Bezahlung empfangen. Und Lehnert verfolgt jeden Schritt seines ungeliebten Kollegen mit wachsendem Argwohn …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Ein verhängnisvoller Verdacht“
Vorn im Gastraum serviert Rita Köhler die Getränke, hinten im Separee verdient sie ihr eigentliches Geld: In der Bar von Herbert Pohl schläft die junge Frau gegen Bezahlung mit Kunden, und der Wirt kassiert bei jedem Geschäft mit. Auch privat ist ihr Leben alles andere als geordnet. Von ihrem Mann Heinz, einem früheren Boxer, lebt sie schon lange getrennt. Nun will sie den gemeinsamen Sohn zu sich holen, obwohl das gegen alle früheren Absprachen verstößt. Heinz antwortet darauf mit den Fäusten und schlägt so heftig zu, dass Rita aus dem Haus flieht.
Vor der Tür wartet unverhofft Rolf Clausen, ein Freund aus früheren Tagen, und zwischen den beiden entflammt eine Liebe. Rolf möchte Rita sogar zu einem Kurztrip in die Niederlande mitnehmen. Sie kann sich aber nicht freinehmen, weil sie in der Bar gebraucht wird. Nach seiner Rückkehr erlebt Rolf eine böse Überraschung: Er erwischt Rita im Hinterzimmer mit Norbert, seinem besten Freund und Sohn des Wirts. Auch Norbert zahlt für den Sex wie jeder andere Freier. Auf die Frage, warum sie das tut, gibt Rita keine Antwort. Für sie ist es schlicht ihr Alltag. Zudem wäre auch Herbert Pohl einer Affäre mit ihr nicht abgeneigt, sehr zum Verdruss seiner eifersüchtigen Frau Ellen.
Eines Abends hören die Meiers, bei denen Rita zur Untermiete wohnt, Schritte im Treppenhaus. Darauf folgt ein kurzes Gerangel und schließlich eine Stille, die den beiden merkwürdig vorkommt. Opa Meier geht nachsehen und findet Rita tot. Neben der Leiche sitzt, unter Schock, Rolf Clausen.
Am Fundort im Polizeiruf 110 „Ein verhängnisvoller Verdacht“ treffen zwei Männer aufeinander, die sich nicht ausstehen können: Kriminalhauptkommissar Wolfgang Dillinger und Kriminaloberkommissar Lehnert. Ehrgeiz und Karrieredenken prallen hier auf Sturheit und Eigenbrötlerei, und ihre Vorstellungen von Polizeiarbeit könnten kaum weiter auseinanderliegen. Für Lehnert ist die Lage deshalb ein gefundenes Fressen. Der junge Mann neben der Toten ist der Sohn von Irene Clausen, Dillingers langjähriger Lebensgefährtin. Damit gilt der Kollege als befangen, und Lehnert schließt ihn mit sichtlicher Genugtuung von den Ermittlungen aus.
So leicht lässt sich Dillinger allerdings nicht kaltstellen. Er lässt sich beurlauben und ermittelt im TV-Krimi „Ein verhängnisvoller Verdacht“ auf eigene Rechnung. Dabei kommt er Lehnert immer wieder in die Quere. Dillinger setzt alles daran, den Verdacht von Rolf abzulenken, und die Spur verzweigt sich schnell. Wer im Hinterzimmer einer Bar Kunden empfängt, hat viele Männer in seinem Leben: einen gewalttätigen Noch-Ehemann, einen Wirt, der an ihr verdient und sie zugleich begehrt, dessen Sohn, dazu dessen eifersüchtige Mutter und manchen Freier mehr.
Für Dillinger geht es dabei um weit mehr als einen weiteren Fall. Der Verdacht trifft den Sohn der Frau, mit der er sein Leben teilt. Und mit jedem Schritt, den er hinter Lehnerts Rücken unternimmt, verschwimmt die Grenze zwischen Polizist und Familienmensch ein Stück mehr …
Hinter den Kulissen
Für Kriminalhauptkommissar Wolfgang Dillinger (Wolfgang Dehler) ist es der zweite und zugleich letzte Einsatz in der Reihe. Sein Widersacher Kriminaloberkommissar Lehnert (Hansjürgen Hürrig) gibt dagegen seinen Einstand. Dehler stand dabei nicht nur vor der Kamera, sondern schrieb auch das Drehbuch zu dieser 152. Folge. Die Regie übernahm Peter Vogel. In weiteren Rollen sind unter anderem Irene Clausen (Christine Schorn), Rolf Clausen (Torsten Michaelis) und Rita Köhler (Nadja Puls) zu sehen.
Gedreht wurde vom 4. Juni bis zum 12. Juli 1991 in Berlin und auf dem Gelände des Zisterzienserklosters Chorin. Produziert hat den Film der DFF. Die Kostüme stammen von Maria-Nicole Becker, die Filmbauten entwarf Gerhard Kulosa. Eine Einschaltquote der Erstausstrahlung wurde nicht veröffentlicht.
Im Abspann hat sich ein Fehler eingeschlichen: Als Darsteller von Heinz Köhler wird dort Matthias Schweighöfer genannt. Tatsächlich spielt dessen Vater Michael Schweighöfer die Rolle.
Besetzung
Kriminalhauptkommissar Wolfgang Dillinger – Wolfgang Dehler
Kriminaloberkommissar Lehnert – Hansjürgen Hürrig
Irene Clausen, Dillingers Lebensgefährtin – Christine Schorn
Rolf Clausen, ihr Sohn – Torsten Michaelis
Rita Köhler, Kellnerin – Nadja Puls
Heinz Köhler, Ritas getrennt lebender Ehemann – Michael Schweighöfer
Ellen Pohl, Herberts Frau – Petra Gorr
Herbert Pohl, Barbesitzer – Volkmar Kleinert
Norbert Pohl, Herberts Sohn – Frank Matthus
Oma Meier – Gisela Morgen
Opa Meier – Gerry Wolff
Chef – Joachim Lätsch
Kriminaltechniker – Jörg Kleinau
Kriminalist – Detlef Neuhaus
Polizist – Michael Gerber
Tänzerin – Jutta Deutschland
Tänzer – Torsten Händler
u. v. a.
Stab
Regie – Peter Vogel
Drehbuch – Wolfgang Dehler
Produktion – Heinz-Jürgen Jeserigk
Musik – Bernd Wefelmeyer
Kamera – Uwe Reuter
Schnitt – Brigitte Hujer
Produktionsunternehmen – DFF


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