Kurz und knapp – darum geht’s
Eigentlich wollte Kriminalhauptkommissar Jürgen Tauber in Erding nur in aller Ruhe eine Partie Billard mit seinem früheren Chef Kruppke spielen – doch dann wird der einsame alte Johannes Waller erwürgt aufgefunden. Weil sich die Zuständigkeiten überschneiden, ermitteln Tauber, seine Kollegin Jo Obermaier und Kruppke gemeinsam. Für den alten Kommissar steht schnell fest, wen er für die Täterin hält: die junge Prostituierte Maria Lorenz, die sich an einsame ältere Herren heranmacht. Handfeste Beweise gibt es allerdings keine, nur ein Geständnis könnte den Fall abschließen. Zugleich wachsen Taubers Zweifel an seinem einstigen Vorbild: Warum hat Kruppke die junge Frau damals laufen lassen, als Waller sie anzeigte? Um an Maria heranzukommen, schlägt Tauber schließlich einen riskanten Weg ein …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Er sollte tot“
Maienstimmung auf dem Land, klackende Billardkugeln, ein Wiedersehen unter alten Kollegen: Ausnahmsweise gönnt sich Jürgen Tauber, der sonst kaum etwas anderes kennt als seine Arbeit, eine Auszeit und fährt hinaus nach Erding, um mit seinem früheren Vorgesetzten Kruppke ein paar Partien zu spielen. Lange hält die Ruhe allerdings nicht. Mitten ins Spiel platzt die Nachricht, dass Johannes Waller tot aufgefunden wurde – ein alter Mann, der allein lebte und erwürgt worden ist. Große Lust auf einen neuen Fall verspürt Tauber zunächst nicht. Dumm nur, dass die Leiche ausgerechnet in dem Bezirk liegt, für den er und seine Kollegin Jo Obermaier zuständig sind.
Das Haus des Toten wiederum fällt in Kruppkes Revier. Nach einigem Gerangel um Kompetenzen raufen sich die beiden Männer zusammen und beschließen, gemeinsame Sache zu machen. Kruppke hat ohnehin sofort einen Namen parat: Maria Lorenz, eine junge Prostituierte, die über Bekanntschaftsanzeigen Kontakt zu einsamen älteren Männern sucht, ihnen Hilfe im Haushalt oder bei der Pflege anbietet und sie mit angeblichen Geldnöten um ihre Ersparnisse bringt. Das kurze, ruppige Verhör, das der altgediente Kriminalhauptkommissar mit ihr führt, bringt allerdings nicht das erhoffte Ergebnis – dafür aber Erkenntnisse, die Tauber ganz und gar nicht schmecken.
Denn plötzlich steht der Mann, zu dem er einst bewundernd aufgeblickt hat, selbst im Zwielicht. Woher kennt Kruppke die junge Frau so gut? Weshalb hat er sie seinerzeit unbehelligt gelassen, als ausgerechnet Waller Anzeige gegen sie erstattete? Und lief zwischen den beiden etwa mehr, als er zugibt? Tauber beschleicht das ungute Gefühl, dass sein früherer Chef in dieser Sache Dreck am Stecken hat.
Gegen Maria selbst liegt nichts Belastbares vor. Im Polizeiruf 110 „Er sollte tot“ bleibt den Ermittlern nur die Hoffnung auf ein Geständnis – und die junge Frau ist alles andere als ein leichtes Gegenüber: verschlossen, misstrauisch, verletzlich und in ihren Aussagen oft wirr. Druck und Drohungen prallen an ihr ab. Während sie längst wieder auf freiem Fuß ist und sich an weitere alte Männer heranmacht, sucht Tauber verzweifelt nach einem Zugang zu ihr.
Den findet er auf ungewöhnliche Weise: Tauber kehrt bewusst sein reiferes Alter, seine Einsamkeit und eine gewisse Hilfsbedürftigkeit hervor – und passt damit genau in das Beuteschema der jungen Frau. Es beginnen lange, kräftezehrende Tage und Nächte, in denen der zynische Einzelgänger Maria sein Ohr leihen muss, ohne dabei sein Herz an sie zu verlieren. Ausgerechnet jetzt muss er auf Jo Obermaier verzichten: Die Kommissarin hat sich bei einer Verfolgungsjagd im Auto den Hals verrenkt und fällt vorerst aus.
Kaum wieder auf den Beinen, stürzt sich Obermaier in die Aktenarbeit und prüft im BR-Krimi „Er sollte tot“ jeden Vorgang, der Maria auch ohne Geständnis belasten könnte. Tauber dagegen sitzt Stunde um Stunde allein mit der jungen Frau zusammen – und muss erkennen, wie schmal der Grat zwischen Vertrauen und Verstrickung sein kann …
Hinter den Kulissen
„Er sollte tot“ ist die 277. Folge der Reihe und eine Produktion des Bayerischen Rundfunks. Für Kriminalhauptkommissar Jürgen Tauber (Edgar Selge) ist es der vierzehnte Fall, seine Kollegin Jo Obermaier (Michaela May) ermittelt zum elften Mal. In der Episodenhauptrolle der Maria Lorenz ist Rosalie Thomass zu sehen, Jochen Striebeck spielt Taubers früheren Chef Kruppke.
Regie führte Dominik Graf, das Drehbuch stammt von Rolf Basedow. Der Film beruht auf einem wahren Fall aus Schleswig-Holstein, den die Macher in den Raum München verlegten. Basedow stützte sich bei seiner Arbeit auf die Originalprotokolle der Vernehmungen, in denen immer wieder abgebrochene Sätze wie „er musste tot …“ und „er sollte tot …“ auftauchen.
2007 erhielten Rolf Basedow (Buch), Dominik Graf (Regie), Edgar Selge und Rosalie Thomass (Darstellung) den Adolf-Grimme-Preis in der Kategorie Fiktion. Beim Fernsehfilmfestival Baden-Baden 2006 war der Film als bester deutscher Fernsehfilm nominiert, Basedow bekam dort einen Sonderpreis für das Drehbuch. Rosalie Thomass wurde 2006 zudem mit dem Förderpreis des Deutschen Fernsehpreises und dem Förderpreis Deutscher Film geehrt, 2007 folgte der Nachwuchsförderpreis der LfA Förderbank Bayern beim Bayerischen Fernsehpreis. Basedow war 2006 außerdem für den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie Bestes Buch Fernsehfilm nominiert, Michaela May und Edgar Selge 2007 für den Bayerischen Fernsehpreis in der Kategorie Serien und Reihen.
Besetzung
Kriminalhauptkommissar Jürgen Tauber – Edgar Selge
Kriminalhauptkommissarin Jo Obermaier – Michaela May
Kriminalhauptkommissar Kruppke – Jochen Striebeck
Maria Lorenz, Prostituierte – Rosalie Thomass
Klaus Matthes – Eisi Gulp
Bernie Reichel – Thomas Kügel
Johannes Waller – Josef Thalmeier
Sabine Müller – Ulrike C. Tscharre
Claudia Kaufmann – Zora Thiessen
Peter Post – Michael A. Grimm
Viola – Vera Lippisch
Uwe – Klaus Lemke
Tore Lorenz – Stefan Betz
u. v. a.
Stab
Regie – Dominik Graf
Drehbuch – Rolf Basedow
Produktion – Gloria Burkert, Andreas Bareiß, Bernd Burgemeister
Musik – Sven Rossenbach, Florian van Volxem
Kamera – Alexander Fischerkoesen
Schnitt – Ulla Möllinger
Produktionsunternehmen – TV60Filmproduktion, Burkert Bareiss Development, im Auftrag des BR
Bild: BR/Julia von Vietinghoff














Nächste Kommentarmöglichkeit: Sonntag, 08.11.2026 ab 17:00 Uhr (in ca. 2 Tagen).
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