Kurz und knapp – darum geht’s

Seit Jahren zweigen die Tankwarte einer Minol-Tankstelle Dieselkraftstoff ab und machen ihn auf eigene Faust zu Geld. Ihr Chef Kerber lässt sie gewähren, und Fahrdienstleiter Hellwig versorgt sie mit Tankkreditscheinen für Fahrzeuge, die längst abgemeldet sind. Doch Schichtleiter Günter Gellner hat genug. Seine Verlobte Helga drängt ihn, mit dem Betrug Schluss zu machen, und er will aussteigen. Kurz darauf kommt er mit seinem Wagen von der Straße ab und wird schwer verletzt. Oberleutnant Jürgen Hübner und Leutnant Vera Arndt glauben nicht an einen gewöhnlichen Verkehrsunfall und vermuten Unterschlagungen in großem Stil. Weil die Bücher der Tankstelle keine Auffälligkeiten zeigen, wählen die Kriminalisten einen ungewöhnlichen Weg: Eine Kollegin soll sich als neue Schichtleiterin unter die Belegschaft mischen …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Fehlrechnung“

Eigentlich stehen die Zeichen bei Günter Gellner auf Neuanfang. In wenigen Tagen will der junge Schichtleiter einer Minol-Tankstelle seine Helga heiraten. Stattdessen kehrt sie ihm den Rücken und verlangt, dass er sich endlich entscheidet. Was zwischen den beiden steht, wissen nur Eingeweihte. Seit Jahren verdienen sich die Tankwarte an Diesel, der offiziell gar nicht für sie bestimmt ist, ein ordentliches Zubrot. Den Nachschub an Tankkreditscheinen liefert Fahrdienstleiter Hellwig, der sie für ausgemusterte Fahrzeuge seines Tiefbaubetriebs ausstellt. Tankstellenleiter Kerber billigt das Ganze.

Gellner will raus aus dem Geschäft. Seinem Kollegen Erich Gottschalk kündigt er an, dass er die Brigade verlassen wird. Damit löst er bei den anderen höchste Nervosität aus, denn wer aussteigt, kann reden. Gellner lässt sich nicht beirren und macht sich auf den Weg zu Helga, doch er kommt nicht weit. Mit überhöhter Geschwindigkeit gerät er von der Fahrbahn und landet schwer verletzt im Krankenhaus.

Ein tragisches Unglück? Oberleutnant Jürgen Hübner und Leutnant Vera Arndt haben ihre Zweifel. Die Untersuchung des Wagens im Polizeiruf 110 „Fehlrechnung“ bringt es ans Licht: Jemand hat eine Entlüftungsschraube absichtlich gelockert. An dem Maulschlüssel, der dafür benutzt wurde, finden die Spezialisten Spuren eines Schweinslederhandschuhs mit eingerissener Naht. Kerber gibt außerdem zu Protokoll, er habe Tankwart König vor dem Unfall mit Gellner an dessen Auto gesehen. Die beiden hätten heftig miteinander gestritten.

Hinter dem Anschlag vermuten die Kriminalisten Unterschlagungen größeren Ausmaßes. Eine erste Prüfung der Abrechnungsbücher fördert allerdings nichts zutage, denn auf dem Papier ist an der Tankstelle alles in bester Ordnung. Hübner entscheidet sich deshalb im DDR-Polizeiruf „Fehlrechnung“ für eine besondere Methode. Leutnant Sabine Rohrberg tritt im Minol-Betrieb als neue Schichtleiterin an und soll von innen herausfinden, was hinter der glänzenden Fassade vor sich geht.

Lange bleibt die Neue nicht unbeachtet. Tankwart Friedrich Ramminger macht ihr eifrig den Hof und schlägt vor, ihren Einstand in seinem kleinen Wochenendhäuschen zu feiern. Was er bescheiden so nennt, ist in Wahrheit eine luxuriöse Villa. Unter den Gästen sind neben König auch Hellwig, der Mann mit den Tankkreditscheinen. Woher hat ein Tankwart das Geld für ein solches Anwesen? Je tiefer Sabine Rohrberg in diesen Kreis vordringt, desto riskanter wird ihr Doppelspiel …

Hinter den Kulissen

„Fehlrechnung“ ist die 25. Folge der Reihe Polizeiruf 110. Für Leutnant Vera Arndt (Sigrid Göhler) ist es bereits der 21. Fall, Oberleutnant Jürgen Hübner (Jürgen Frohriep) ermittelt zum zehnten Mal. Verdeckt unterstützt werden die beiden von Leutnant Sabine Rohrberg (Anne-Kathrein Kretzschmar). In weiteren Rollen sind unter anderem Wolfgang Dehler als Friedrich Ramminger, Hannjo Hasse als Tankstellenleiter Kerber und Herbert Köfer als Fahrdienstleiter Hellwig zu sehen.

Gedreht wurde vom 5. Februar bis zum 7. März 1974 unter dem Arbeitstitel „Minol“. Als Schauplatz der Tankstelle diente die Station in Rathmannsdorf, die heute zu Aral gehört. Weitere Drehorte waren Dresden und Moritzburg. Im Film sind unter anderem der Leuchtturm Moritzburg, das Fasanenschlösschen und die Gaststätte Hubertushof zu sehen, die heutige Churfürstliche Waldschänke. Die Kostüme schuf Ruth Völker, die Filmbauten stammen von Hans-Georg Völker.

Bei „Fehlrechnung“ wurde erstmals in der Geschichte der Reihe die Zuschauerbeteiligung erfasst. Sie lag bei 58,6 Prozent.

Besetzung

Oberleutnant Jürgen Hübner – Jürgen Frohriep
Leutnant Vera Arndt – Sigrid Göhler
Leutnant Sabine Rohrberg – Anne-Kathrein Kretzschmar
Friedrich Ramminger, Tankwart – Wolfgang Dehler
Günter Gellner, Schichtleiter – Justus Fritzsche
Erich Gottschalk – Gunter Schoß
Heinz Lotze – Klaus Nietz
Tankwart König – Gerhard Vogt
Tankstellenleiter Kerber – Hannjo Hasse
Fahrdienstleiter Hellwig – Herbert Köfer
Bauleiter Koch – Friedhelm Eberle
Helga, Gellners Verlobte – Dorit Gäbler
Susi – Gerda-Luise Thiele
Yvonne – Monika Hildebrand
Kriminaltechniker – Hinrich Köhn
u. v. a.

Stab

Regie – Kurt Jung-Alsen
Drehbuch – Kurt Jung-Alsen, Rudolf Böhm
Produktion – Hans-Jörg Gläser
Musik – Helmut Nier
Kamera – Rolf Sohre
Schnitt – Renate Földesi
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR