Kurz und knapp – darum geht’s
Ein freundlicher Onkel im Rollstuhl, der sie im Stadtpark kitzelt und streichelt – davon erzählt die kleine Karin Berger ihren Eltern. Oberleutnant Peter Fuchs und Leutnant Vera Arndt nehmen die Sache ernst, doch die Suche nach dem Mann bleibt erfolglos: Weder unter den Rollstuhlfahrern, die sich regelmäßig im Park treffen, noch bei weiteren Überprüfungen findet sich ein brauchbarer Hinweis. Hat das fantasievolle Mädchen alles nur erfunden? Wochen später wird Karin im Gebüsch entdeckt, beinahe zu Tode gewürgt. Der Täter entkommt in einem Lieferwagen, und den Kriminalisten dämmert, dass sie von Anfang an einer falschen Fährte gefolgt sind. Nun beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, denn der Unbekannte wird sich ein neues Opfer suchen …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Minuten zu spät“
Was Kinder erzählen, ist nicht immer leicht zu deuten. Als die kleine Karin Berger, ein lebhaftes Vorschulkind, zu Hause von einem lieben Onkel berichtet, der im Rollstuhl sitzt, sie im Stadtpark zu sich hochhebt, kitzelt und streichelt, werden die Eltern hellhörig. Sie verständigen die Kriminalpolizei, und bald nehmen sich Oberleutnant Peter Fuchs und Leutnant Vera Arndt der Sache an. Doch was ist an der Geschichte dran? Karins Angaben bleiben vage, und das Mädchen selbst misst dem Erlebnis kaum Bedeutung bei: Die Befragung durch Vera Arndt hält es eher für ein Spiel.
Ob sie es tatsächlich mit einem Sittlichkeitsdelikt zu tun haben, können die beiden Ermittler im Polizeiruf 110 „Minuten zu spät“ zunächst nicht sagen. Auf die leichte Schulter nehmen wollen sie den Hinweis trotzdem nicht und melden den Fall ihrem Vorgesetzten, Hauptmann Thomas. In den folgenden Tagen zeigt die Polizei im Park verstärkt Präsenz, Abschnittsbevollmächtigte mahnen die Besucher zur Wachsamkeit, und in aller Stille werden Rollstuhlfahrer in Berlin fotografiert, damit Karin die Bilder durchsehen kann. Eine heiße Spur ergibt sich daraus nicht.
Besonders genau nehmen Fuchs und Arndt drei Männer unter die Lupe, die sich regelmäßig zum Skatspielen im Park treffen: Schenk, Tröger und Klemper, alle drei auf den Rollstuhl angewiesen. Der Gesuchte ist nicht unter ihnen – doch die Skatrunde verspricht, fortan im Park die Augen offen zu halten.
Dann bricht Karins Geschichte plötzlich in sich zusammen. Sie habe sich das alles nur ausgedacht, behauptet die Kleine nun: Einen Rollstuhl habe es nie gegeben, und der Mann habe ihr bloß den Schmutz von der Kleidung geklopft, nachdem sie hingefallen sei. Während Peter Fuchs nach all der Mühe ziemlich bedient ist, lässt sich seine Kollegin nicht beirren. Vera Arndt bleibt überzeugt, dass dem Kind tatsächlich etwas widerfahren ist.
Wochen vergehen, Karin kommt in die Schule – und eines Tages bestätigt sich ihre erste Schilderung auf schreckliche Weise. Obwohl die Eltern es ihr verboten haben, geht das Mädchen wieder in den Park. Dort wird es kurz darauf im Gebüsch gefunden, beinahe zu Tode gewürgt. Alarmiert haben die Polizei ausgerechnet die Rollstuhlfahrer aus dem Park, denen der Fremde allerdings mit einem Lieferwagen entwischen konnte, ohne dass sie ihn erkannt hätten.
Für die Ermittler im DDR-Fernsehkrimi „Minuten zu spät“ ist das eine bittere Erkenntnis: Der Täter hat den Rollstuhl lediglich als Tarnung benutzt – und die Kripo hat die ganze Zeit an der falschen Stelle gesucht. Vor allem Vera Arndt macht sich schwere Vorwürfe. Karin wird ins Krankenhaus gebracht, nach dem Lieferwagen läuft eine Fahndung, und noch einmal gehen die Kriminalisten jedes Detail durch. Denn eines ist gewiss: Der Mann wird es wieder versuchen, und die Uhr tickt …
Hinter den Kulissen
Die 9. Folge der Krimireihe ist der achte gemeinsame Fall von Oberleutnant Peter Fuchs (Peter Borgelt) und Leutnant Vera Arndt (Sigrid Göhler). Schon im siebten Film der Reihe, „Blutgruppe AB“, hatten es die beiden mit einem Sexualdelikt zu tun; mit „Minuten zu spät“ greift der Polizeiruf erstmals den sexuellen Missbrauch von Kindern auf. Zugleich rückt zum ersten Mal die Integration von Menschen mit Behinderung in die Gesellschaft der DDR in den Blick. Fuchs’ Vorgesetzten Hauptmann Thomas spielt Alexander Papendiek, der dieselbe Figur bereits in der Vorgängerserie „Blaulicht“ verkörpert hatte – dort noch im Rang eines Oberleutnants und zum Teil ebenfalls unter der Regie von Manfred Mosblech.
Mosblech, der im Film selbst als Laborant zu sehen ist, inszenierte nach einem Drehbuch von Horst Bastian, dessen Kriminalroman „Die Brut der schönen Seele“ eine nahezu identische Handlung hat. Gedreht wurde unter dem Arbeitstitel „Ein kleiner weißer Sarg“ vom 30. Mai bis Ende Juli 1972 in Berlin, unter anderem im Volkspark Friedrichshain, im Klinikum im Friedrichshain, in der Warschauer Straße, im Erpetal in Friedrichshagen und am Alexanderplatz, wo in einer Café-Szene der Brunnen der Völkerfreundschaft im Hintergrund auftaucht. Die Kostüme entwarf Ruth Karge, die Filmbauten stammen von Britta Pelzner.
Eine gepfiffene Melodie, die an das Kinderlied „Kommt ein Vogel geflogen“ erinnert, zitiert Fritz Langs „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ aus dem Jahr 1931. Auch der Vorspann weicht vom gewohnten Bild ab: Die Titelmusik setzt später ein, das Abheben des Hörers und das Wählen der 110 fehlen, dafür sind am Ende kurze Ausschnitte aus der Folge zu sehen. Dazu erklingt erstmals andeutungsweise die neue Titelmusik von Hartmut Behrsing, die bis Folge 68 im Einsatz blieb.
Besetzung
Oberleutnant Peter Fuchs – Peter Borgelt
Leutnant Vera Arndt – Sigrid Göhler
Hauptmann Thomas – Alexander Papendiek
Hauptwachtmeister Schulz – Peter Köhncke
Oberwachtmeister Lemke – Klaus Nietz
Manfred Teich – Roland Knappe
Karin Berger, Kind – Sylke Glöckner
Frau Berger – Solveig Müller
Herr Berger – Wilfried Pucher
Vater Teich – Wolfgang Brunecker
Mutter Teich – Hertha Thiele
Herr Schenk – Gerry Wolff
Herr Tröger – Dietmar Richter-Reinick
Herr Klemper – Günter Wolf
Frau Tröger – Hannelore Erle
Monika – Karin Schröder
Helga, Kind – Beate Schade
Kollegin in Gärtnerei – Eva-Maria Hagen
Gärtnerin – Hanna Rieger
Brigadier der Gärtnerei – Werner Kamenik
Krankenschwester – Christa Pasemann
Arzt – Gerd Michael Henneberg
Laborant – Manfred Mosblech
VP-Offizier, Barkas-Fahrer – Peter Heiland
Polizist – Ingolf Krüger
Kindergärtnerin – Steffi Denker
u. v. a.
Stab
Regie – Manfred Mosblech
Drehbuch – Horst Bastian
Produktion – Hans W. Reichel
Musik – Hartmut Behrsing
Kamera – Walter Küppers
Schnitt – Helga Weinl
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR



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