Kurz und knapp – darum geht’s
Mindestens zehn Jahre lang hat der Schlamm sein Geheimnis bewahrt – dann legen die Bagger im Lausitzer Braunkohlentagebau ein Skelett frei. Für Oberleutnant Peter Fuchs und Leutnant Vera Arndt steht bald fest, wen sie vor sich haben: Bruno Krüger, einst Wirt des „Zernsdorfer Kruges“, seit 1961 verschwunden und bislang für einen Republikflüchtigen gehalten. Die Trauer um ihn hält sich im Dorf in Grenzen, denn Krüger war geizig, hartherzig und gefürchtet. Entsprechend lang ist die Liste derer, die einen Grund gehabt hätten, ihn loszuwerden: vom heutigen Bauleiter Kowalski, den der Wirt nach Strich und Faden demütigte, über seine gequälte Ehefrau und seine Stieftochter Sandra bis hin zum Wächter Bigalke und dessen Tochter Biggi …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Der Tote im Fließ“
Der Braunkohlentagebau frisst sich unaufhaltsam durch die Lausitz, und nun ist das Dorf Zernsdorf im Kreis Senftenberg an der Reihe. Während die Vorbereitungen für die Erweiterung laufen, stoßen die Arbeiter bei Planierarbeiten im Schlamm des Fließ, eines ehemaligen Sees, auf menschliche Knochen. Nur ein Stück entfernt verfällt ein alter Gasthof, der längst abrissreif ist. Der Gerichtsmediziner schätzt, dass das Skelett seit mindestens zehn Jahren in der Erde liegt, und entdeckt Schädelfrakturen: Der Mann ist gewaltsam ums Leben gekommen – ob es Mord war, lässt sich allerdings nicht beweisen.
Lange bleibt der Tote im Polizeiruf 110 „Der Tote im Fließ“ nicht namenlos. Eine Taschenuhr und ein gravierter Ring, die die Spurensicherung in der Nähe findet, führen Oberleutnant Fuchs und Leutnant Arndt zu Bruno Krüger, dem früheren Wirt eben jenes Gasthofs. Krüger ist seit 1961 verschwunden – und eigentlich glaubte man im Ort zu wissen, wo er steckt: Kurz nach seinem Verschwinden war ein Brief aus dem Westen mit seinen Papieren eingetroffen. Der Wirt hatte sich, so schien es, abgesetzt. Wie er stattdessen im Fließ landen konnte, ist den Ermittlern ein Rätsel.
Um den Toten trauert in Zernsdorf kaum jemand. Krüger galt als geizig und unmenschlich, und als die Kundschaft deshalb ausblieb, versuchte er, die Einbußen mit Schiebereien wettzumachen. Dabei spannte er Otto Bigalke ein, damals Materialverwalter im Tagebau, heute Wächter auf dem Gelände: Weil Bigalke beim Wirt in der Kreide stand, erpresste Krüger ihn, Baumaterial beiseitezuschaffen, das er anschließend schwarz verkaufte. Als die Sache aufflog, wanderte Bigalke für drei Jahre ins Gefängnis – Krüger dagegen war über alle Berge.
Auch Bauleiter Gerhard Kowalski, der den Fund gemeldet hat, wirkt nervös. Damals schuftete er noch als Hilfsarbeiter im Tagebau, und Krüger ließ keine Gelegenheit aus, ihn zu erniedrigen. Endgültig zerstritten waren die beiden, seit Kowalski Krügers Stieftochter Sandra vor den Zudringlichkeiten des betrunkenen Wirts in Schutz genommen hatte; fortan hatte er im „Zernsdorfer Krug“ Hausverbot. Inzwischen ist Kowalski mit Sandra verheiratet, die seinerzeit als Kellnerin im Wirtshaus arbeitete. Die Ehe ihrer Mutter mit Krüger, gibt sie zu Protokoll, sei alles andere als gut gewesen.
Diese Mutter, Lisa Krüger, ist heute gebrechlich, auf einen Rollstuhl angewiesen und lebt in einem Pflegeheim, wo Vera Arndt sie aufsucht. Ihr Mann hat sie zu Lebzeiten gequält und ausgebeutet. Und da ist noch Biggi, Bigalkes Tochter, die damals ebenfalls im Gasthof bediente. Für Fuchs und Arndt wird der Fall im DFF-Polizeiruf „Der Tote im Fließ“ zur kniffligen Angelegenheit: Fest steht nur, dass zwischen dem Toten und einigen Beschäftigten des Tagebaus eine Verbindung besteht. Und je tiefer das Duo in Zernsdorfs Vergangenheit gräbt, desto mehr Menschen tauchen auf, die Grund gehabt hätten, dem verhassten Wirt den Tod zu wünschen …
Hinter den Kulissen
In ihrem sechsten gemeinsamen Fall verschlägt es Oberleutnant Peter Fuchs (Peter Borgelt) und Leutnant Vera Arndt (Sigrid Göhler) ins Lausitzer Braunkohlenrevier. Den zwielichtigen Wirt Bruno Krüger spielt Gerd Ehlers. Regie führte Helmut Krätzig, der gemeinsam mit Fred Unger auch das Drehbuch verfasste.
Gedreht wurde vom 15. Februar bis zum 31. März 1972 in Sorno bei Senftenberg im damaligen Bezirk Cottbus – einem Dorf, das selbst dem Tagebau Sedlitz weichen musste. Während der Produktion lief der Film noch unter dem Arbeitstitel „Der letzte Gast“.
Innerhalb der Reihe betrat „Der Tote im Fließ“ Neuland: Es war der erste Polizeiruf 110, der den Tatort konkret verortete, und zugleich der erste, in dem das soziale Milieu als Tatmotiv eine Rolle spielt. Nach der Erstausstrahlung wurde die Folge über dreißigmal wiederholt.
Besetzung
Oberleutnant Peter Fuchs – Peter Borgelt
Leutnant Vera Arndt – Sigrid Göhler
Bruno Krüger, Gastwirt – Gerd Ehlers
Gerhard Kowalski, Bauleiter – Klaus Manchen
Otto Bigalke, Wächter – Norbert Christian
Lisa Krüger, Krügers Ehefrau – Ursula Braun
Agnes „Biggi“ Bigalke, Bigalkes Tochter – Ursula Staack
Sandra Krüger, Krügers Stieftochter – Angelika Waller
ABV Runge – Harald Warmbrunn
Herr Polze – Helmut Straßburger
Wachtmeister Barthold – Conrad Peterhansel
Gerichtsmediziner – Werner Toelcke
Bewohner im Altersheim – Karl-Maria Steffens
Direktor des Altersheims – Werner Wieland
Archivar – Hannes Stelzer
Altenpflegerin – Christl Jährig
Kriminaltechniker – Manfred Müller
Fahrer – Herbert Meißner
1. Arbeiter – Horst Hamann
2. Arbeiter – Georg Helge
u. v. a.
Stab
Regie – Helmut Krätzig
Drehbuch – Fred Unger, Helmut Krätzig
Produktion – Gerd Klisch, Hans W. Reichel
Musik – Wolfgang Pietsch
Kamera – Manfred Marderwald
Schnitt – Silvia Hebel
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR



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