Kurz und knapp – darum geht’s

Wilhelm Sippach versteht sein Handwerk als Schweinezüchter, doch nüchtern erlebt man ihn im Dorf nur selten. Nach Ärger mit dem LPG-Vorsitzenden zieht er los, um sich gründlich zu betrinken, und landet mit dem undurchsichtigen Fredy Kühn am Kneipentisch. Wenige Stunden später liegt Wilhelm bewusstlos und mit blutender Kopfwunde im Grünen, seine Brieftasche ist verschwunden. Für Hauptmann Peter Fuchs und Oberleutnant Thomas Grawe sieht alles nach dem dritten Fall einer Serie von Raubüberfällen aus, und die Spur führt geradewegs zu Kühn. Der Zechbruder streitet die Tat jedoch hartnäckig ab, und je länger sich die Kriminalisten mit ihm beschäftigen, desto mehr geraten ihre scheinbaren Gewissheiten ins Wanken …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Mitternachtsfall“

Im Dorf behält man Wilhelm Sippach stets im Blick, denn ohne ein Fläschchen Hochprozentiges trifft man den Schweinezüchter so gut wie nie an. An diesem Tag halten ihn die Nachbarn besonders kurz: Niemand will ihm Alkohol verkaufen, im Gasthaus landet nur Alkoholfreies auf seinem Tisch, und die Dorfjungen schütten seinen letzten selbst angesetzten Früchtepunsch kurzerhand in den Schweinestall. Dort macht sich Eber Albert darüber her – ein Tier, das es in Zeiten der künstlichen Besamung ohnehin nicht leicht hat – und wankt anschließend beschwipst durch den Stall.

Dabei hatte Wilhelm mit seinem Albert noch einiges vor. Der Plan, ihn heimlich zu den Sauen der LPG zu sperren und der Natur ihren Lauf zu lassen, scheitert allerdings kläglich, denn der Eber ist schlicht zu müde. Ohnehin hat Wilhelm gerade Ärger mit dem LPG-Vorsitzenden, und so steigt er in den Bus zur nächsten Kleinstadt, fest entschlossen, dort endlich etwas zu trinken zu bekommen. Im TV-Krimi „Mitternachtsfall“ findet er rasch Gesellschaft: Der Pferdenarr Fredy Kühn begleitet ihn in eine Kneipe, wo die beiden bis zur Sperrstunde einen Schnaps nach dem anderen kippen, ehe sie Richtung Straßenbahn torkeln.

Kurz darauf schreckt ein lauter Schrei ein Liebespaar auf, das die Nacht im Grünen verbringen wollte. Wenig später stoßen die beiden auf Wilhelm, der bewusstlos am Boden liegt und aus einer Kopfwunde blutet. Neben ihm: ein schwerer Knüppel. Für Hauptmann Peter Fuchs und Oberleutnant Thomas Grawe ist der Fall schnell eingeordnet, denn Wilhelm ist bereits das dritte Opfer einer Reihe von Raubüberfällen im Stadtwald.

Die Kriminalisten befragen zunächst die Wirtsleute Gerber, bei denen Wilhelm zuletzt gezecht hat. Die Wirtin erinnert sich gut an den Gast – er habe reichlich Geld bei sich gehabt, und dass die Sache mit den beiden Männern böse enden würde, habe sie gleich geahnt. Weiter hilft ein Phantombild, das Frau Sohr, ein früheres Opfer des Räubers, hat anfertigen lassen: Die Wirtsleute erkennen darin Wilhelms Begleiter wieder. Das Bild geht als Steckbrief hinaus, und tatsächlich meldet sich ein Taxifahrer, der den Mann in der Nacht nach Hause gebracht hat und seine Adresse kennt.

Als Fuchs und Grawe am Morgen bei Fredy Kühn klingeln, hat der seinen Rausch noch längst nicht ausgeschlafen. Auf ihre Fragen reagiert er nur mühsam, vieles davon scheint ihm schleierhaft. Umso deutlicher sprechen die Fundstücke in seiner Wohnung: Dort liegen Wilhelms Brieftasche und ein Schuh des Opfers.

Doch Kühn bestreitet im Polizeiruf 110 „Mitternachtsfall“ mit Nachdruck, den sturzbetrunkenen Zechkumpan niedergeschlagen zu haben. Und Schritt für Schritt gelingt es ihm tatsächlich, die Ermittler an seiner Schuld zweifeln zu lassen. Wenn der zwielichtige Pferdefreund aber nicht der Gesuchte ist – was hat sich in jener Nacht dann abgespielt …

Hinter den Kulissen

„Mitternachtsfall“ ist die 125. Folge der Reihe Polizeiruf 110. Für Hauptmann Peter Fuchs (Peter Borgelt) ist es der 75. Fall, für Oberleutnant Thomas Grawe (Andreas Schmidt-Schaller) der 16. In den Episodenhauptrollen sind Fred Delmare als Schweinezüchter Wilhelm Sippach und Michael Kind als Fredy Kühn zu sehen, die Wirtsleute Gerber spielen Jaecki Schwarz und Hellena Büttner.

Regie führte Gunter Friedrich, das Drehbuch stammt von Günter Radtke. Gedreht wurde der Kriminalfilm vom 24. Mai bis zum 23. Juli 1988 in Berlin, Vietmannsdorf, Kremmen und Schönerlinde. Für die Kostüme war Tamara Schramm-Bansen verantwortlich, die Filmbauten schuf Britta Bastian. Produziert wurde die Folge vom Fernsehen der DDR.

Die Zuschauerbeteiligung bei der Erstausstrahlung lag bei 53,1 Prozent.

Besetzung

Hauptmann Peter Fuchs – Peter Borgelt
Oberleutnant Thomas Grawe – Andreas Schmidt-Schaller
Wilhelm Sippach, Schweinezüchter – Fred Delmare
Betty – Marylu Poolman
Fredy Kühn – Michael Kind
Wirt Gerber – Jaecki Schwarz
Wirtin Gerber – Hellena Büttner
LPG-Vorsitzender Fritz – Peter Bause
Krock – Klaus Bamberg
Freundin – Susanne Schwab
Frau Sohr – Renate Heymer
Kriminaltechniker – Peer Jäger
Taxifahrer – Lutz Stückrath
Frau Grawe – Marina Erdmann
Gipsbein – Hartmut Schreier
Besamer – Carl Heinz Choynski
Alte Ehefrau – Doris Thalmer
Alter Ehemann – Rudolf Frickau
Eberhard Sohr – Hartmut Beer
Wachtmeister Riedel – Burkhard Behnke
Wachtmeister – Hans-Joachim Brieske
Tischlermeister – Günter Drescher
Hauptwachtmeister Mende – Stefan Hempel
Arzt – Gerd Klotzek
Taxifahrer – Alfred Lux
Pförtner – Joachim Konrad
Oskar – Roland Kuchenbuch
Gerd – Heini Müller
Traktorist – Stefan Martin Müller
Straßenbahnfahrer – Detlef Neuhaus
Taxifahrer – Willi Neuenhahn
Feuerwehrmann – Peter Pauli
Wachtmeister – Edmund Raatz
Oberwachtmeister Sievert – Jörg Zuch
Krankenschwester – Ursula Spangenberg
Wachtmeister – Frank Zielske
Uwe – Sven Boeder
René – Mathias Kunde
u. v. a.

Stab

Regie – Gunter Friedrich
Drehbuch – Günter Radtke
Produktion – Anita Schwager
Musik – Peter Gotthardt
Kamera – Martin Schlesinger
Schnitt – Karola Mittelstädt
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR