Kurz und knapp – darum geht’s

Einbrüche in Kaufhallen und Klubgaststätten, immer nach demselben Schema, immer fachmännisch aufgebohrte Stahlschränke und keine verwertbaren Spuren: Hauptmann Peter Fuchs, Oberleutnant Jürgen Hübner und Leutnant Lutz Zimmermann jagen einen Täter, der wie ein Phantom kommt und wieder verschwindet. Wer dahintersteckt, ahnen sie nicht. Es ist der vorbestrafte Justus Klann, der im Magazin der Drogerie seiner Geliebten Marlies Heider arbeitet und dessen Tochter Sabine ihm schöne Augen macht. Nachts öffnet er gemeinsam mit dem herzkranken Paul Kaulmann die Tresore – und denkt nicht daran, den einstigen Einbruchsspezialisten aussteigen zu lassen. Dann beginnt Klann, an den Tatorten Namen in die Schreibmaschine zu tippen. Ein harmloser Spaß, wie er glaubt …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Treibnetz“

Mal trifft es eine Kaufhalle, mal eine Klubgaststätte, mal ein Warenlager, und die Tatorte verteilen sich über die verschiedensten Bezirke – das Vorgehen aber bleibt stets dasselbe. Der Einbrecher verschafft sich Zugang, bohrt fachgerecht den Stahlschrank auf und nimmt ausschließlich Geldscheine mit, pro Coup zwischen 10.000 und 20.000 Mark. Danach ist er wie vom Erdboden verschluckt. Kein Wunder, dass von einem Phantom die Rede ist.

Hauptmann Peter Fuchs, Oberleutnant Jürgen Hübner und Leutnant Lutz Zimmermann stehen vor einer Aufgabe, die alles andere als leicht ist: Es gibt schlicht keinen Ansatzpunkt. Selbst die moderne elektronische Datenverarbeitung, mit der die Kriminalisten den Kreis möglicher Täter eingrenzen wollen, hilft ihnen nicht weiter. Hübner nimmt es mit Humor und übersetzt die Abkürzung EDV kurzerhand mit „Ende der Vernunft“. An einem Gegner, der nichts zurücklässt, beißen sich die drei im Polizeiruf 110 „Treibnetz“ die Zähne aus.

Was die Kripo nicht weiß: Der gesuchte Profi ist der junge Justus Klann, ein Mann, dem man solche Fähigkeiten auf den ersten Blick kaum zutrauen würde. Tagsüber arbeitet der Vorbestrafte im Magazin der Drogerie von Marlies Heider, mit der er liiert ist. Hinter den Ladentisch darf er nicht, denn sobald er sich aufregt, gerät er ins Stottern – und das will die Drogistin ihrer Kundschaft nicht zumuten.

Seine nächtlichen Beutezüge unternimmt Klann nicht allein. An seiner Seite steht Paul Kaulmann, einst ein Spezialist für Einbrüche, inzwischen aber herzkrank und fest entschlossen, die Finger von der Sache zu lassen. Doch so einfach lässt ihn sein junger Partner nicht gehen. Mit kaum verhüllten Andeutungen erinnert Klann ihn daran, dass er der Polizei bei so manchem ungeklärten Verbrechen aus Kaulmanns Vergangenheit auf die Sprünge helfen könnte. Also macht Kaulmann weiter.

Dabei hat Klann große Pläne: Von der Beute will er sich eine Villa kaufen und endlich ein besseres Leben führen. Marlies allerdings nimmt ihren Geliebten nicht ernst. Ganz anders ihre Tochter Sabine – sie hat sich in Justus verliebt.

Und dann leistet sich der Einbrecher aus purer Langeweile einen Scherz: Am Tatort tippt er einen Namen in die Schreibmaschine, den eines Mannes, mit dem er einst im Gefängnis saß. Bei weiteren Einbrüchen folgen weitere Namen. Für die Ermittler im TV-Krimi „Treibnetz“ ist das nach langer Durststrecke endlich eine Spur. Sie suchen den ehemaligen Häftling auf und versuchen zu ergründen, welches Muster sich hinter den wechselnden Namen verbirgt. Der Name Justus Klann taucht dabei nirgends auf. Für ihn ist das alles nur ein Spaß – für die Kriminalisten dagegen der erste Faden, an dem sie ziehen können …

Hinter den Kulissen

„Treibnetz“ ist die 97. Folge der Reihe Polizeiruf 110. Für Hauptmann Peter Fuchs (Peter Borgelt) ist es bereits der 56. Fall, Oberleutnant Jürgen Hübner (Jürgen Frohriep) ermittelt zum 48. Mal, Leutnant Lutz Zimmermann (Lutz Riemann) zum fünften Mal.

Helmut Krätzig zeichnet für Drehbuch und Regie verantwortlich und ist zudem in einem kurzen Auftritt als Rennbahnbesucher bzw. Betrunkener zu sehen. Den Mitte zwanzig Jahre alten Justus Klann spielt Henry Hübchen, der zum Zeitpunkt der Dreharbeiten bereits 37 war. An seiner Seite sind Wolfgang Greese als Paul Kaulmann, Regina Beyer als Drogistin Marlies Heider und Sabine Krüger als deren Tochter Sabine zu sehen.

Gedreht wurde vom 15. Mai bis zum 15. Juli 1984 unter dem Arbeitstitel „Hypnose und Karbolgeruch“ – in Berlin und Umgebung, in Neuenhagen bei Berlin, Dahlwitz-Hoppegarten und Frankfurt an der Oder sowie in den DEFA-Studios Potsdam-Babelsberg. Als Kulisse für ein Altenheim diente Schloss Güterfelde in Stahnsdorf-Güterfelde. Die Kostüme schuf Tamara Schramm-Bansen, die Filmbauten stammen von Reinhard Welz. Die Zuschauerbeteiligung bei der Erstausstrahlung lag bei 59,4 Prozent.

Besetzung

Hauptmann Peter Fuchs – Peter Borgelt
Oberleutnant Jürgen Hübner – Jürgen Frohriep
Leutnant Lutz Zimmermann – Lutz Riemann
Justus Klann – Henry Hübchen
Paul Kaulmann – Wolfgang Greese
Drogistin Marlies Heider – Regina Beyer
Sabine Heider – Sabine Krüger
Ulli Petermann – Dieter Wien
Jak Arnold – Horst Weinheimer
Unterleutnant Richter – Holger Franke
Drogist – Peter Reusse
Arthur Bürgler – Kurt Radeke
Feuerwehrhauptmann – Eckhard Becker
Arzt auf der Intensivstation – Eckhard Bilz
Kriminalist – Bernd Eichner
Lisette – Angelika Honig
Arzt im Park – Jörg Knochée
ABV auf der Hochzeit – Mathias Kunze
Rentnerin im Freizeitheim – Marga Legal
Mann der Nichte Hübners – Lutz Lucasz
Nichte Oberleutnant Hübners – Michèle Marian
Spanner – Dietmar Obst
Marco Paßlehner – Hans-Jürgen Pabst
Frau Paßlehner – Susanne Schwab
Herr Meinert – Roland Seidler
Mitarbeiter im Rechenzentrum – Norbert Speer
Strafvollzugsbeamter – Michael Telloke
Frau Balsam – Doris Thalmer
Rennbahnbesucher / Betrunkener – Helmut Krätzig
Tänzerin – Mona Oberüber
u. v. a.

Stab

Regie – Helmut Krätzig
Drehbuch – Helmut Krätzig
Produktion – Elke Lepke
Musik – Hartmut Behrsing
Kamera – Walter Küppers
Schnitt – Renate Müller
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR

Bild: MDR / rbb / DRA / Klaus Winkler