Kurz und knapp – darum geht’s
Von oben sieht Schwerin ganz anders aus – das weiß niemand besser als Schornsteinfeger Jens Meister, der seine Arbeit auf den Dächern nutzt, um die Stadt aus der Vogelperspektive zu fotografieren. Weil kein Verlag seine Bilder haben will und das Geld hinten und vorne nicht reicht, macht er aus einem zufälligen Schnappschuss ein Geschäft: Er erpresst den Politiker Dr. Schwedler, der darauf mit einem knapp bekleideten Callgirl zu sehen ist. Kommissar Jens Hinrichs soll die peinliche Angelegenheit so geräuschlos wie möglich klären, während sein Kollege Kurt Groth mit dem Brand einer Videothek vorliebnehmen muss. Doch die beiden scheinbar grundverschiedenen Fälle haben mehr miteinander zu tun, als zunächst zu ahnen ist …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Über den Dächern von Schwerin“
Wo andere nur Ruß und Kamine sehen, findet Jens Meister seine Motive: Bei der Arbeit hat der Schornsteinfeger stets die Kamera griffbereit und lichtet Schwerin samt seinen Bewohnern aus Blickwinkeln ab, die sonst kaum jemand zu Gesicht bekommt. Einbringen tut ihm die leidenschaftlich betriebene Hobbyfotografie allerdings nichts, denn die Verlage zeigen ihm die kalte Schulter. Dabei könnte Meister jede Mark gebrauchen, er steckt tief in finanziellen Schwierigkeiten. Da kommt ihm ein Zufallstreffer gerade recht: Durch ein offenes Fenster hat er Dr. Schwedler, den Vorsitzenden des Innenausschusses, beim Vergnügen mit einer Prostituierten erwischt. Für die Aufnahmen verlangt er von dem Politiker 5.000 D-Mark.
Dr. Stuber legt die brisante Sache in die Hände von Kommissar Jens Hinrichs – und zwar ausschließlich in seine. Diskretion ist im Polizeiruf 110 „Über den Dächern von Schwerin“ oberstes Gebot, und zwar so sehr, dass Stuber seinem Ermittler nicht einmal verrät, wer da eigentlich erpresst wird. Kurt Groth bekommt derweil einen Routinefall auf den Tisch: In Schwerin ist eine Videothek in Flammen aufgegangen. Für Stuber ein schlichter Versicherungsfall, der Groth beschäftigen soll, damit die heikle Erpressung nicht durch zu viele Hände geht.
Hinrichs ist überzeugt, dass die Fäden bei der Edelprostituierten Marlene Motzko zusammenlaufen. Doch der Kommissar stolpert von einem Fettnäpfchen ins nächste: Seine Beschattung fällt so auffällig aus, dass sie kaum jemandem entgehen kann, und auch sonst laufen seine Ermittlungen alles andere als rund. Weil man ihm den Namen des Erpressten vorenthält, stochert er obendrein im Nebel – und gerät dabei sogar an den falschen Politiker, Dr. Bortscheller.
Auch privat hat Hinrichs im TV-Krimi „Über den Dächern von Schwerin“ einiges zu verarbeiten. Nina, die frühere Prostituierte, in die er sich bei seinem letzten Fall verliebt hat, arbeitet inzwischen zusammen mit Groths Enkelin Juliane in einem Reisebüro. Groth fädelt kurzerhand ein Treffen der beiden ein, doch das gemeinsame Abendessen nimmt eine unglückliche Wendung: Ausgerechnet dort zieht Hinrichs das Erpresserfoto hervor und will von Nina wissen, wer die Frau darauf ist. Fingerspitzengefühl sieht anders aus.
Groth hingegen erkundigt sich in der Nachbarschaft der ausgebrannten Videothek und tut, was ein gründlicher Ermittler eben tut: zuhören, nachfragen, Eindrücke sammeln. Und während sein Kollege noch falschen Fährten hinterherjagt, zeichnet sich nach und nach ab, dass zwischen den Flammen in der Videothek und den kompromittierenden Fotos eine Verbindung besteht, mit der niemand gerechnet hat …
Hinter den Kulissen
In ihrem 13. gemeinsamen Fall bekommen es Kurt Groth (Kurt Böwe) und Jens Hinrichs (Uwe Steimle) mit dem Schornsteinfeger Jens Meister (Uwe Rohde) und dem erpressten Politiker Dr. Schwedler (Winfried Glatzeder) zu tun. Julia Richter spielt Nina, Gabriele Völsch ist als Groths Enkelin Juliane zu sehen, Saskia Valencia als Marlene Motzko.
Regie führte Hans-Erich Viet, der nach „Rasputin“ zum zweiten Mal einen Polizeiruf inszenierte; das Drehbuch schrieb er gemeinsam mit Leo P. Ard und Rainer Butt. Die 212. Folge der Reihe wurde vom NDR produziert und in Schwerin und Umgebung gedreht. Für die Kostüme war Beate Pohl verantwortlich, die Filmbauten stammen von Marion Strohschein.
Eine kleine Verbeugung vor der Laufbahn des Hauptdarstellers: Unter den Filmen, die in der Videothek verbrennen, ist auch „Der nackte Mann auf dem Sportplatz“ – jener Film, in dem Kurt Böwe 1974 seine erste Hauptrolle spielte. Groth bedenkt ihn mit einem knappen Lob. Außerdem zitiert er Theodor Storms Gedicht „Die Stadt“ aus dem Jahr 1852.
Bei der Erstausstrahlung erreichte die Folge eine Einschaltquote von 17,3 Prozent.
Besetzung
Kurt Groth – Kurt Böwe
Hauptkommissar Jens Hinrichs – Uwe Steimle
Jens Meister, Schornsteinfeger – Uwe Rohde
Klaus Stickel – Michael Schreiner
Helmut Kraus – Gustav Peter Wöhler
Tanard – Cuco Wallraff
Nina – Julia Richter
Juliane Groth, Groths Enkelin – Gabriele Völsch
Dr. Schwedler, Vorsitzender des Innenausschusses – Winfried Glatzeder
Dr. Bortscheller, Politiker – Anton Rattinger
Dr. Stuber – Hans-Helmut Müller
Seifert – Herbert Adler
Marianne Barth
Ingolf – Michael Brandner
Obdachloser – Ulrich Faulhaber
Reisebürokundin – Illa Heddergott
Silvia Hoffmann
Reisebürokundin – Ingrid Hüffel
Friedrich – Wolfgang Schenck
Marlene Motzko, Edelprostituierte – Saskia Valencia
u. v. a.
Stab
Regie – Hans-Erich Viet
Drehbuch – Leo P. Ard, Rainer Butt, Hans-Erich Viet
Produktion – Klaus Michael Kühn, Klaus-Dieter Zeisberg
Musik – Kambiz Giahi
Kamera – Udo Franz
Schnitt – Birgit Levin
Kostüm – Beate Pohl
Filmbauten – Marion Strohschein
Produktionsunternehmen – NDR








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