Kurz und knapp – darum geht’s

Edle Möbel, auffällige Garderobe, und Sekt gehört zum Alltag: Kosmetikerin Brigitte und Buchbinderin Christiane gönnen sich ein Leben, das ihr Einkommen bei Weitem übersteigt. Die 19-jährige Näherin Ramona, junge Mutter und ständig knapp bei Kasse, blickt voller Bewunderung auf die beiden selbstbewussten Frauen. Als die Freundinnen beschließen, sich das Fehlende einfach zu holen, zögert Ramona zunächst – und macht dann doch mit. Aus Diebstahl und geschicktem Scheckbetrug werden zwei Raubüberfälle, deren Folgen schwer wiegen. Reue zeigen Brigitte und Christiane keine. Für Hauptmann Fuchs und Oberleutnant Hübner beginnt eine Ermittlung, bei der die ersten Hinweise in eine völlig falsche Richtung führen …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Verführung“

Mit neunzehn Jahren hat Ramona Richter schon mehr Verantwortung, als sie tragen kann. Tagsüber arbeitet die ungelernte Näherin im Betrieb, nebenher putzt sie in zwei Haushalten, und trotzdem reicht das Geld hinten und vorne nicht – selbst bei den Nachbarn steht sie bereits in der Kreide. Ihr kleiner Sohn Sebastian wohnt nicht bei ihr, sondern bei ihrer Mutter: Weil Ramona bei seiner Geburt erst 16 war, wurde das mit der Jugendfürsorge so vereinbart. Mehr als einmal hat sie vergessen, den Jungen vom Kindergarten abzuholen, und auch ihre Wohnung ist alles andere als kindgerecht. Frau Richter bleibt deshalb hart: Erst wenn die Tochter ihr eigenes Leben im Griff hat, soll Sebastian zu ihr ziehen.

Gelegenheiten, etwas zu ändern, hätte Ramona durchaus. Die 9. Klasse hat sie mit der schlechtesten Note abgeschlossen, doch ihr Betrieb würde ihr einen Berufsabschluss ermöglichen. Dafür fehle ihr die Zeit, behauptet sie – um eine Lohnerhöhung bittet sie im selben Atemzug aber trotzdem. An ihrer Arbeit gibt es wenig auszusetzen, nur zu den Kolleginnen hält die junge Frau konsequent Abstand.

Ganz anders sieht es bei Brigitte Liebenau aus, bei der Ramona sauber macht. In der Wohnung der Kosmetikerin geht oft die attraktive Christiane ein und aus, und hin und wieder fällt für die Putzhilfe ein kleines Geschenk ab. Die beiden Frauen wissen, wie man das Leben genießt und schnell an Geld kommt – eine Welt, die auf Ramona eine gewaltige Anziehungskraft ausübt. Ihre zweite Putzstelle hat sie beim betagten Ehepaar Kraus, und in deren Wohnung soll angeblich ein kleines Vermögen lagern.

Ramonas Hinweis genügt: Brigitte und Christiane lassen die Geldkassette der Familie Kraus mitgehen. Die Ausbeute fällt allerdings mager aus, statt des erhofften Schatzes stoßen die Diebinnen auf gerade mal 400 Mark. Interessanter sind die beiden Sparbücher, die ebenfalls in der Kassette liegen: Zusammen sind sie 41.000 Mark wert. Nun muss im Polizeiruf 110 „Verführung“ nur noch ein Weg her, wie sich das Geld abheben lässt – und die Freundinnen schmieden bereits Pläne.

Derweil nehmen Hauptmann Peter Fuchs und Oberleutnant Jürgen Hübner den Einbruch unter die Lupe, kommen aber kaum voran. Brigitte hatte sich nämlich als alte Frau verkleidet und allerlei Gebrechen vorgespielt. Entsprechend beschreiben Zeugen die Täterin als Frau zwischen 50 und 60 Jahren. Zugang zur Wohnung der Krausens hatte nur eine einzige Person: Ramona. Doch die kann ein Alibi vorweisen.

Und so wird die junge Näherin im DDR-Polizeiruf „Verführung“ immer tiefer in die Machenschaften ihrer neuen Freundinnen hineingezogen. Aus Diebstahl und Betrug werden zwei Raubüberfälle, die nicht ohne Folgen bleiben. Während Brigitte und Christiane keinerlei Skrupel plagen, dämmert Ramona allmählich, was sich hinter dem glamourösen Auftreten der beiden in Wahrheit verbirgt …

Hinter den Kulissen

Für Hauptmann Peter Fuchs (Peter Borgelt) ist es der 57. Fall, für Oberleutnant Jürgen Hübner (Jürgen Frohriep) der 49. Im Mittelpunkt stehen diesmal drei Frauen: die junge Näherin Ramona Richter (Silke Matthias), die Kosmetikerin Brigitte Liebenau (Marie Gruber) und die Buchbinderin Christiane (Ute Lubosch).

Regie führte Peter Hagen, das Drehbuch schrieb Regina Weicker. Produziert wurde der Film von der DEFA im Auftrag des Fernsehens der DDR. Die Dreharbeiten liefen vom 20. Juli bis zum 7. November 1984, damals noch unter dem Arbeitstitel „Kleeblatt“. Gedreht wurde in Berlin, unter anderem am Alexanderplatz, an der Oranienburger Straße/Linienstraße und in der Charité, sowie in Potsdam.

Ramonas Lied im Film wurde von Conny Strauch gesungen, den Text schrieb Karin Kersten. Bei der Erstausstrahlung lag die Zuschauerbeteiligung bei 57,7 Prozent.

Besetzung

Hauptmann Peter Fuchs – Peter Borgelt
Oberleutnant Jürgen Hübner – Jürgen Frohriep
Ramona Richter, Näherin – Silke Matthias
Brigitte Liebenau, Kosmetikerin / Frau Poller – Marie Gruber
Christiane, Buchbinderin – Ute Lubosch
Frau Richter, Ramonas Mutter – Lissy Tempelhof
Frau Kraus – Ilse Voigt
Herr Kraus – Mario Turra
Kollegin – Ilse Bastubbe
Sohn der Kollegin – Ragnar Bretz
Nachbarin – Trude Brentina
Ilse Müller – Margot Busse
Frau Schöne – Gudrun Brückner
Kollegin – Christine Harbort
Kollegin – Hilde Kneip
Kassiererin – Waltraud Kramm
Leiter der Buchbinderei – Edgar Külow
Radfahrer – Willi Schrade
Disco-Besucher – Peer-Uwe Teska
Filialleiterin – Theresia Wider
Sebastian Richter, Ramonas Sohn – Tilo Ulm
Kriminalist – Johannes Achtelik
Herr Müller – Johannes Baaske
Verkäuferin – Marina Erdmann
Nachbarin – Anita Herbst
Frau Lindner – Beatrice Hilpert
Fahrer Lieferwagen – Michael Klobe
Kohlenschipper – Heinz Laggies
Leiterin Kosmetiksalon – Margitta Lüder-Preil
Verkäuferin – Christine Poisl
Café-Besucher – Jürgen Trott
u. v. a.

Stab

Regie – Peter Hagen
Drehbuch – Regina Weicker
Produktion – Erich Albrecht
Musik – Walter Kubiczeck, Hartmut Behrsing
Kamera – Hans-Jürgen Sasse
Schnitt – Margrit Brusendorf
Produktionsunternehmen – DEFA im Auftrag des Fernsehens der DDR