Kurz und knapp – darum geht’s

Seit den Bombennächten von 1945 sind sie aneinandergebunden: Die Fotografin Martha Curth verdankt Klara Euler ihr Leben, und doch hat sie für die gutmütige Frau, die ihr seit Jahrzehnten den Haushalt führt, kaum ein Wort des Dankes übrig. Für Martha zählt allein, was sich in Mark ausdrücken lässt – als Geldverleiherin nimmt sie Wertsachen als Pfand und kennt keine Nachsicht. Als Klaras Freundin Irene Klein durch ein Missgeschick in Not gerät und dringend 8.000 Mark braucht, bittet Klara die wohlhabende Martha um Hilfe. Bald darauf ist Martha tot. Oberleutnant Lutz Zimmermann und Leutnant Thomas Grawe haben schnell eine Verdächtige: ausgerechnet Irene Klein, die am Tattag in der Villa gesehen wurde …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Das habe ich nicht gewollt“

Von außen wirkt es wie ein Ort, an dem man es geschafft hat: eine Villa in bester Dresdner Lage, oberhalb des Blauen Wunders. Hier lebt die verwitwete Fotografin Martha Curth mit ihrem erwachsenen Sohn Wolfgang – und mit Klara Euler, die seit Jahrzehnten so selbstverständlich zum Haus gehört wie die Möbel. Ihre gemeinsame Geschichte beginnt in den Bombennächten von 1945: Damals rettete die junge Klara Martha das Leben. Weil sie bei den Angriffen ihre eigenen Angehörigen verloren hatte, nahmen die Curths sie bei sich auf. Klara half im Fotoatelier aus, übernahm später den Haushalt und zog Wolfgang groß. Geheiratet hat sie nie, obwohl sie sich immer Kinder gewünscht hat.

Anerkennung hat Klara für all das nie erfahren. Denn für Martha Curth zählt im TV-Krimi „Das habe ich nicht gewollt“ nur eines: Geld. Ihr Vermögen will sie unablässig mehren, und dafür ist ihr kaum ein Mittel zu kalt. Sie verleiht Geld gegen Wertsachen und lässt sich vertraglich zusichern, dass ihr ein Teil des Pfands zufällt, sobald eine Rückzahlung nicht pünktlich eingeht. Wer es im Leben zu nichts gebracht hat, verdient in ihren Augen nur Verachtung. Gestritten wird in der Villa oft, doch voneinander lösen können sich die beiden Frauen nicht – die eine gibt den Ton an, die andere fügt sich.

Das bekommt auch der Sänger Müller-Salchow zu spüren. Er hat bei Martha eine Figur der Anna selbdritt hinterlegt – dumm nur, dass sie gar nicht ihm gehört. Nun will er sie vorzeitig zurückhaben und bietet an, einen Teil seiner Schulden zu begleichen. Doch Martha denkt nicht daran, von ihrem Vertrag abzurücken. Der gekränkte Sänger dreht den Spieß um und erstattet Anzeige gegen seine Gläubigerin.

Ungleich härter trifft es Irene Klein, eine Freundin von Klara. Sie hat übernommen, für ihre herzkranke Nachbarin Oma Schmidt eine Kette zu verkaufen, die auf 15.000 Mark geschätzt wird. Ausgerechnet ein Moment der Hilfsbereitschaft wird ihr zum Verhängnis: Als sie einer Mutter hilft, den Kinderwagen aus der Bahn zu heben, schafft sie es nicht mehr rechtzeitig zurück in den Wagen. Die Bahn fährt ab – und mit ihr die Tasche samt Schmuck, die nie wieder auftaucht. Verzweifelt verkauft Irene Klein Wertsachen und sogar ihren Fernseher, um die alte Dame zu entschädigen. Trotzdem fehlen noch 8.000 Mark.

Klara will helfen und bittet Martha, ihrer Freundin das Geld zu leihen. Die aber verlangt Sicherheiten, die Irene Klein schlicht nicht hat. Auch ein zweiter Anlauf endet in einer Demütigung: Zwar willigt Martha zunächst ein, doch als die Bittstellerin im Haus erscheint, verhöhnt sie sie. Wer nicht einmal fremden Schmuck hüten könne, so Marthas Logik, werde auch geliehenes Geld nicht zurückzahlen. Mehr als ihre Arbeitskraft hat Irene Klein nicht anzubieten – und so geht sie wieder.

Wenig später findet Wolfgang seine Mutter tot im Haus, erschlagen mit einer Blumenvase. Oberleutnant Lutz Zimmermann und Leutnant Thomas Grawe übernehmen die Ermittlungen im Polizeiruf 110 „Das habe ich nicht gewollt“, und eine Nachbarin liefert ihnen rasch einen Anhaltspunkt: Sie hat beobachtet, wie Irene Klein am Tattag zur Villa kam und wieder ging. Plötzlich steht ausgerechnet die Frau unter Verdacht, die eben noch vergeblich um Hilfe gebeten hat …

Hinter den Kulissen

„Das habe ich nicht gewollt“ ist die 108. Folge der Reihe Polizeiruf 110. Für Oberleutnant Lutz Zimmermann (Lutz Riemann) war es der elfte Fall, sein Kollege Leutnant Thomas Grawe (Andreas Schmidt-Schaller) ermittelte zum fünften Mal. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen drei Frauen: die Haushälterin Klara Euler (Marianne Wünscher), die Fotografin Martha Curth (Marion van de Kamp) und Klaras Freundin Irene Klein (Gudrun Ritter). Als Sänger Müller-Salchow ist Lutz Jahoda zu sehen.

Regie führte Peter Hagen, das Drehbuch schrieb Regina Weicker. Produziert wurde der Kriminalfilm vom Fernsehen der DDR; gedreht wurde vom 15. September bis zum 28. November 1985 in Berlin, Dresden und Mellensee. Für die Kostüme war Evelyn Gesper verantwortlich, die Filmbauten stammen von Maria Rodewald. Bei der Erstausstrahlung lag die Zuschauerbeteiligung bei 33,9 Prozent.

Besetzung

Oberleutnant Lutz Zimmermann – Lutz Riemann
Leutnant Thomas Grawe – Andreas Schmidt-Schaller
Klara Euler, Haushälterin – Marianne Wünscher
Martha Curth, Fotografin – Marion van de Kamp
Irene Klein, Klaras Freundin – Gudrun Ritter
Wolfgang Curth, Marthas Sohn – Andreas Schumann
Kati – Steffi Kühnert
Oma Schmidt – Ilse Voigt
Ines Klein – Petra Dobbertin
Müller-Salchow, Sänger – Lutz Jahoda
Huber – Dieter Wien
Frau Hahn – Katja Kuhl
Herr Mehnert – Friedrich Mokross
Mathilde Mehnert – Ilse Nürnberg
Herr Unger – Klaus Nietz
Kriminaltechniker – Edmund Raatz
u. v. a.

Stab

Regie – Peter Hagen
Drehbuch – Regina Weicker
Produktion – Erich Biedermann
Musik – Conrad Aust
Kamera – Hans-Jürgen Sasse
Schnitt – Silvia Hebel
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR