Kurz und knapp – darum geht’s

Ein Loch in der Fensterscheibe, sonst nichts – so sieht es zunächst nach dem nächtlichen Einbruch in eine Kleinstadtapotheke aus. Erst bei genauerem Hinsehen stellen Oberleutnant Peter Fuchs und sein Kollege Jürgen Hübner fest, dass im Giftschrank Morphium und eine Menge Strychnin fehlen, mit der sich sämtliche Einwohner des Ortes umbringen ließen. Verdächtige gibt es mehrere: die Putzfrau Greta Immendahl, die am Tatort gründlicher wischte, als den Ermittlern lieb sein kann, ihr früherer Chef Dr. Senkpiel, der einst selbst mit Morphium behandelt wurde, und das Umfeld der Kohlenhandlung von Julius Schwarz. Als dann ein anonymer Erpresser Geld für die Rückgabe des Gifts verlangt, steht für die Kriminalisten plötzlich eine ganze Stadt auf dem Spiel …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Blütenstaub“

Auf den ersten Blick deutet in der Apotheke von Herrn König kaum etwas auf ein Verbrechen hin. Nur ein Loch in der Scheibe zur Straße verrät, dass in der Nacht jemand eingestiegen sein muss. Geld fehlt nicht, die Arzneimittel scheinen vollzählig, und verwertbare Spuren lassen sich weder vor dem Haus noch drinnen sichern. Erst als die Kriminalpolizei im Polizeiruf 110 „Blütenstaub“ genauer nachsieht, zeigt sich das ganze Ausmaß: Aus dem doppelt verschlossenen Giftschrank sind Morphium und große Mengen Strychnin verschwunden. Apotheker König schwört Stein und Bein, den Schlüssel nach Geschäftsschluss wie immer an sich genommen zu haben.

Oberleutnant Peter Fuchs bekommt für diesen Fall Unterstützung von Oberleutnant Jürgen Hübner, der die Kollegin Vera Arndt während ihres Urlaubs vertritt. Ihr Augenmerk richtet sich zunächst auf Greta Immendahl. Die Putzfrau hat den Einbruch als Erste bemerkt, prompt ihr Wischwasser verschüttet und den Boden danach so sorgfältig trockengewischt, dass wichtige Spuren unwiederbringlich verloren sind. Auch ihr Lebenslauf wirft Fragen auf: In der Apotheke putzt sie erst seit wenigen Wochen, zuvor arbeitete sie als Laborantin auf einem Versuchsgut.

Warum tauscht eine fähige Laborantin ihre Stelle freiwillig gegen Eimer und Schrubber? Die Frage führt die Ermittler zu Dr. Senkpiel, Gretas früherem Vorgesetzten – dessen Name zudem auf der Liste jener Patienten steht, die in der Stadt eine Zeitlang Morphium bekamen. Der Doktor zeigt sich verblüfft über den Berufswechsel seiner einstigen Mitarbeiterin. Die Gründe liegen im Privaten: Nach einem gemeinsamen Urlaub glaubte Greta an eine Beziehung, doch Senkpiel ließ sie fallen, woraufhin sie kündigte.

Dann liefert die Untersuchung der Glasscherben einen ersten greifbaren Anhaltspunkt: Daran haftet Blütenstaub einer exotischen Pflanze. Solche Gewächse besitzt Dr. Senkpiel – doch auch die Kohlenhandlung von Julius Schwarz rückt in den Blick der Kriminalisten. Dort schwelt ein Familienstreit. Am Abend vor der Tat hat sich Ernst Lindau, ein Cousin von Schwarz, in einem Hotel des Städtchens als Schlosser eingetragen, obwohl er diesen Beruf längst nicht mehr ausübt: Er sitzt im Rat des Bezirkes und leitet die Energiekommission. Gekommen ist er, um seinen Sohn Peter, der in der Kohlenhandlung arbeitet, heim zur kranken Mutter zu holen. Peter musste sein Studium nach drei Semestern abbrechen – Schwarz führt das auf mangelndes politisches Wissen zurück, der Vater dagegen hält den Jungen schlicht für zu faul zum Lernen. Zurück will Peter ohnehin nicht, denn er betrachtet sich als eigentlichen Geschäftsführer des Betriebs, zumal Schwarz dem Alkohol zugeneigt und zeitweise kaum arbeitsfähig ist.

Während Fuchs und Hübner noch versuchen, die losen Fäden zu sortieren, spitzt sich die Lage bedrohlich zu: Ein Unbekannter verlangt in einem anonymen Brief Geld und bietet im Gegenzug die Rückgabe des tödlichen Gifts an. Den Ermittlern im DDR-Krimi „Blütenstaub“ bleibt nichts anderes übrig, als auf die Forderung einzugehen, wenn sie eine Katastrophe abwenden wollen. Doch wer steckt hinter der Erpressung – und welches Spiel treibt er wirklich …

Hinter den Kulissen

Für Oberleutnant Peter Fuchs (Peter Borgelt) ist es bereits der neunte Einsatz in der Reihe, Oberleutnant Jürgen Hübner (Jürgen Frohriep) und Kriminal-Wachtmeister Lutz Subras (Alfred Rücker) ermitteln jeweils zum zweiten Mal. Eine Premiere gibt es dennoch: Erstmals arbeiten Fuchs und Hübner gemeinsam an einem Fall, denn Hübner springt für Vera Arndt ein, die in dieser Folge im Urlaub ist.

„Blütenstaub“ ist die zehnte Folge des Polizeiruf 110 und entstand als Schwarz-Weiß-Produktion des Fernsehens der DDR. Regie führte Gerhard Respondek, der auch das Drehbuch schrieb – zusammen mit Hans Lucke, der zugleich vor der Kamera steht und Dr. Senkpiel spielt. Gedreht wurde vom 19. Juni bis zum 30. Juli 1972 in Bad Freienwalde.

Der Film greift auch einige kritische Seiten des DDR-Alltags auf, etwa Alkoholismus, der am Arbeitsplatz geduldet wird, und einen unaufrichtigen SED-Sekretär. Nach der Erstausstrahlung wurde der Krimi ungewöhnlicherweise bis 1990 nicht wiederholt; erst danach war er häufiger zu sehen.

Besetzung

Oberleutnant Peter Fuchs – Peter Borgelt
Oberleutnant Jürgen Hübner – Jürgen Frohriep
Kriminal-Wachtmeister Lutz Subras – Alfred Rücker
Unterleutnant Trautwein, ABV – Klaus Tilsner
Ernst Lindau, Peters Vater – Eberhard Mellies
Peter Lindau – Henry Hübchen
Greta Immendahl, Putzfrau in der Apotheke – Friederike Aust
Julius Schwarz, Inhaber der Kohlenhandlung – Arnim Mühlstädt
Harry Rex – Karl-Maria Steffens
Herr König, Apotheker – Peter Groeger
Dr. Senkpiel, Gretas früherer Vorgesetzter – Hans Lucke
Hinrich, Wirt – Harry Merkel
Melanie – Gudrun Jochmann
Theo – Johannes Maus
Kuddel, Seemann – Karl Brenk
Frau in der Apotheke – Anneliese Müller
Arzt – Karl-Heinz Weiß
u. v. a.

Stab

Regie – Gerhard Respondek
Drehbuch – Hans Lucke, Gerhard Respondek
Produktion – Marianne Birkholz
Musik – Wolfgang Pietsch
Kamera – Manfred Marderwald
Schnitt – Imke Jacoby
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR