Kurz und knapp – darum geht’s

Eben noch hat seine Abteilung auf den erfolgreich entwickelten Werkstoff angestoßen, da löst ausgerechnet der gefeierte Chemiker Dr. Dieter Lorenz selbst den Alarm aus: Er hat versucht, in den Kassenraum seines Betriebs einzudringen. Seine Erklärung – zu viel Arbeit, zu viel Alkohol – überzeugt Oberleutnant Peter Fuchs und Leutnant Vera Arndt nicht, zumal die Blutprobe gerade einmal 1,2 Promille ergibt. Bald stoßen die beiden auf einen Mann, der trotz glänzenden Rufs und hohen Einkommens offenbar dringend Geld braucht und das vor Familie und Freunden verbirgt. Ein leergeräumtes Sparbuch, ein Segelboot, das verkauft werden soll, und eine frühere Betriebsärztin, die in seinem Leben einmal eine Rolle gespielt hat – was steckt hinter der Nervosität des erfolgreichen Wissenschaftlers? …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Freitag gegen Mitternacht“

Anstoßen, Glückwünsche, beste Stimmung: In einem Wissenschaftszentrum feiern die Mitarbeiter einen neuen Werkstoff, den ihr Team unter der Leitung von Dr. Dieter Lorenz entwickelt hat. Ausgerechnet der Gefeierte verlässt die Runde angetrunken vorzeitig. In seinem Büro nimmt er einen Anruf entgegen, ohne selbst ein Wort zu sagen – kurz darauf heult im sonst verlassenen Gebäude die Alarmanlage los. Jemand hat sich am Kassenraum zu schaffen gemacht. Der Wachmann stellt den Flüchtenden, und die Kollegen trauen ihren Augen kaum: Vor ihnen steht ihr eigener Abteilungsleiter.

Vor Oberleutnant Peter Fuchs und Leutnant Vera Arndt beruft sich Lorenz darauf, überarbeitet und betrunken gewesen zu sein. Einen Grund für seinen Einbruchsversuch will er nicht nennen. Den Kriminalisten genügt das nicht, und die Blutprobe bestärkt sie in ihrer Skepsis: Mit 1,2 Promille steht zumindest eine der beiden Begründungen auf wackligen Beinen.

Also suchen die Ermittler Ilse Lorenz auf. Dass ihr Mann in den vergangenen Wochen nervös war, ist ihr nicht entgangen – doch Geldsorgen? Ausgeschlossen. Das Ehepaar kommt mit ihrem Gehalt gut aus, sein Verdienst wandert aufs Sparbuch. Als sie Fuchs und Arndt das Büchlein vorlegt, folgt allerdings die nächste böse Überraschung: Innerhalb von fünf Wochen hat Lorenz das gesamte Ersparte von 12.000 Mark abgehoben. Wohin das Geld verschwunden ist, kann seine Frau nicht sagen.

Auch im Betrieb verdichtet sich das Rätsel eher, als dass es sich löst. Die Kollegen beschreiben einen angesehenen Wissenschaftler mit Spitzengehalt, einen Familienmenschen mit Frau und zwei Kindern, der mit seinem engsten Kollegen Dr. Hannes Weißbach seit langer Zeit befreundet ist. Kein schlechtes Wort fällt über ihn. Umso unverständlicher bleibt, warum ein Mann in seiner Position im TV-Krimi „Freitag gegen Mitternacht“ offenbar mit allen Mitteln an Geld zu kommen versucht – und das sorgsam vor seinen Nächsten verheimlicht.

Eine weitere Spur führt zum Bootsreparateur Schellong, bei dem Lorenz sein geliebtes Segelboot untergestellt hat. Für 10.000 Mark wollte der Wissenschaftler es loswerden, doch der Käufer sprang kurzfristig ab. Warum Lorenz sich von dem Boot trennen will, weiß Schellong nicht. Gut erinnern kann er sich aber daran, wie wütend der Doktor auf die geplatzte Abmachung reagiert hat.

Vera Arndt wird den Eindruck nicht los, dass jemand Lorenz in die Enge treibt. Zudem erfährt sie, dass er früher ein Verhältnis mit der Ärztin Dr. Brigitte Riedel hatte, die einst als Betriebsärztin im Werk arbeitete. Hartnäckigkeit allein wird den Ermittlern im Polizeiruf 110 „Freitag gegen Mitternacht“ nicht weiterhelfen, sie brauchen auch Fingerspitzengefühl, um herauszufinden, wovor Lorenz sich so sehr fürchtet – und welche Rolle seine frühere Geliebte dabei spielt …

Hinter den Kulissen

„Freitag gegen Mitternacht“ ist die 16. Folge der Reihe und der 13. gemeinsame Fall von Oberleutnant Peter Fuchs (Peter Borgelt) und Leutnant Vera Arndt (Sigrid Göhler). Wachtmeister Lutz Subras wird zwar als Ermittler geführt, ist in dieser Episode selbst aber nicht zu sehen. In den Episodenrollen spielen Dieter Wien den Chemiker Dr. Dieter Lorenz, Marita Böhme seine Frau Ilse, Cox Habbema die Ärztin Dr. Brigitte Riedel und Justus Fritzsche den Kollegen Dr. Hannes Weißbach.

Regie führte Werner Röwekamp, der das Drehbuch gemeinsam mit Heiner Rank verfasste. Produziert wurde der Schwarz-Weiß-Film vom Fernsehen der DDR.

Gedreht wurde vom 5. Dezember 1972 bis zum 26. Januar 1973 in Berlin und Leipzig, damals noch unter dem Arbeitstitel „Zahltag“. Für die Kostüme war Isolde Müller-Claud zuständig, die Filmbauten entwarf Christian Neugebauer.

Besetzung

Oberleutnant Peter Fuchs – Peter Borgelt
Leutnant Vera Arndt – Sigrid Göhler
Ilse Lorenz, Ehefrau von Dr. Lorenz – Marita Böhme
Dr. Dieter Lorenz, Chemiker – Dieter Wien
Dr. Brigitte Riedel, Ärztin – Cox Habbema
Dr. Hannes Weißbach, Kollege von Dr. Lorenz – Justus Fritzsche
Alfred Schellong – Dieter Bellmann
Max Braun – Hans-Jürgen Silbermann
Vater Schellong – Fritz Bartholdt
Frau Doggenfurth – Trude Brentina
Dr. Bokelch – Gerd Michael Henneberg
Frau Otten – Waltraud Kramm
Herr Kersten – Johannes Wieke
Herr Kurzer – Alexander Wikarski
Herr Möbes – Peter Heiland
Fräulein Merks – Katharina Rothärmel
Frau Hunger – Anneliese Müller
Schwester Martha – Ellen Hellwig
Pförtner – Frank Michelis
Genosse VP-Meister – Klaus Tilsner
u. v. a.

Stab

Regie – Werner Röwekamp
Drehbuch – Heiner Rank, Werner Röwekamp
Produktion – Gerd Klisch
Musik – Hartmut Behrsing
Kamera – Manfred Marderwald
Schnitt – Bert Schultz
Kostüme – Isolde Müller-Claud
Filmbauten – Christian Neugebauer
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR