Kurz und knapp – darum geht’s

Nächtlicher Überfall im Centrum-Warenhaus: Ein Wächter liegt betäubt am Boden, und aus der Schmuckabteilung sind Schmuckstücke und Uhren im Wert von rund 80.000 Mark verschwunden. Für Oberleutnant Peter Fuchs, Leutnant Vera Arndt und Meister Lutz Subras steht schnell fest, dass hier jemand am Werk war, der das Haus wie seine Westentasche kennt – und der wusste, dass die Wertsachen wieder einmal nicht im Tresor lagen. Im Fokus steht ausgerechnet Walter Fritsche, der seinen niedergeschlagenen Kollegen gefunden hat. Doch auch der vorbestrafte Horst Lempel gerät in Verdacht, denn seine Freundin verkauft in eben jener Abteilung Schmuck. Und je genauer die Kriminalisten hinsehen, desto weniger wollen die einzelnen Teile zusammenpassen …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Kein Paradies für Elstern“

Wo tagsüber Kundschaft zwischen Kosmetiktheken und Glasvitrinen unterwegs ist, herrscht nachts Stille – bis Nachtwächter Walter Fritsche in der Kosmetikabteilung auf seinen Kollegen Max Dinge stößt. Der Mann liegt reglos am Boden, betäubt mit Äther, und die Spuren ringsum lassen keinen Zweifel daran, dass hier ein Kampf stattgefunden hat. Das eigentliche Ziel des nächtlichen Eindringlings aber lag woanders: In der Schmuckwarenabteilung sind sämtliche Auslagen leer geräumt. Der Schaden beläuft sich auf etwa 80.000 Mark.

Dass der Dieb überhaupt so reiche Beute machen konnte, hat mit Verkäuferin Bärbel Wendt zu tun. Nach Ladenschluss gehören Schmuck und Uhren eigentlich in den Safe, so verlangt es die Vorschrift. Doch die Kollegin hatte es eilig – und ließ die Ware nicht zum ersten Mal über Nacht liegen, zwei solche Versäumnisse gab es bereits zuvor. Für die Ermittler ergibt sich daraus eine klare Spur: Wer hier zugeschlagen hat, muss von dieser Nachlässigkeit gewusst haben und sich in den Gängen und Räumen des Hauses bestens auskennen. Damit führt die Suche mitten hinein in die Belegschaft.

Ganz oben auf der Liste steht im Polizeiruf 110 „Kein Paradies für Elstern“ ausgerechnet der Mann, der den Überfall entdeckt hat. Fritsche kennt die Gepflogenheiten im Warenhaus wie kaum ein anderer und hätte alles gewusst, was man braucht, um einen solchen Diebstahl zu planen und durchzuziehen. Hinzu kommt, dass der Nachtwächter Hobbyfotograf ist – und für diese Leidenschaft braucht er Geld.

Allerdings ist Fritsche nicht der Einzige, dessen Name fällt. Da ist zum Beispiel Klaus Schober, der Heizer des Hauses, der in der Tatnacht über das verschlossene Tor aufs Gelände geklettert ist. Seine Erklärung: Er habe den letzten Zug verpasst und wollte im Wärterhäuschen übernachten, um am Morgen pünktlich zur Arbeit zu erscheinen. Und da ist Horst Lempel, ein Mann mit Vorstrafen, der in der hauseigenen Werkstatt arbeitet. Seine Freundin Gerda Schröter steht ausgerechnet hinter dem Verkaufstresen der Schmuckabteilung. Ein offenes Fenster in der Werkstatt, durch das man ins Innere gelangen kann, scheint obendrein den Weg des Täters zu verraten.

Doch so glatt, wie es zunächst aussieht, liegen die Dinge im DDR-Polizeiruf „Kein Paradies für Elstern“ nicht. Oberleutnant Fuchs, Leutnant Arndt, Meister Subras und Leutnant Scheinpflug merken bald, dass in ihrer bisherigen Beweiskette etwas hakt. Gefragt sind jetzt ein scharfer Verstand und eine gute Portion Einfallsreichtum – denn irgendwo im Warenhaus versteckt sich eine diebische Elster, die ihr Revier genau kennt …

Hinter den Kulissen

Die 26. Folge der Reihe Polizeiruf 110 ist der 18. Fall für Oberleutnant Peter Fuchs (Peter Borgelt), der 22. für Leutnant Vera Arndt (Sigrid Göhler) und der zehnte für Meister Lutz Subras (Alfred Rücker). Regie führte Norbert Büchner, das Drehbuch stammt von Jürgen Fricke, der zugleich als Kriminaltechniker Klein vor der Kamera steht.

Als Vorlage diente ein realer Kriminalfall: In der Nacht vom 21. auf den 22. Dezember 1971 verschwanden aus einer Vitrine in der Schmuckwarenabteilung des Kaufhauses Zwickau Goldwaren im Wert von 43.000 Mark der DDR. Die Aufklärung des echten Falls erwies sich als deutlich schwieriger als im Film – bis zu den Dreharbeiten im Jahr 1974 war der Täter in Zwickau noch nicht gefasst.

Gedreht wurde vom 22. April bis zum 8. Juni 1974, unter anderem in Berlin, auf 35-mm-Schwarzweißfilm mit separatem Magnetton. Als Arbeitstitel waren „Im Paradies der Elstern“ und „Diebe“ im Gespräch. Die Kostüme entwarf Christel Richter, die Filmbauten schuf Klaus Poppitz. Bei der Erstausstrahlung lag die Zuschauerbeteiligung bei 44,2 Prozent.

Besetzung

Oberleutnant Peter Fuchs – Peter Borgelt
Leutnant Vera Arndt – Sigrid Göhler
Meister Lutz Subras – Alfred Rücker
Leutnant Scheinpflug – Klaus Bamberg
Kriminaltechniker Klein – Jürgen Fricke
Walter Fritsche, Nachtwächter – Kurt Radeke
Max Dinge, Nachtwächter – Günter Wolf
Gerda Schröter, Verkäuferin in der Schmuckabteilung – Heide Kipp
Beate Wittig – Gisela Büttner
Bärbel Wendt, Verkäuferin in der Schmuckabteilung – Gisela Morgen
Horst Lempel, Werkstattmitarbeiter – Lutz Riemann
Klaus Schober, Heizer – Eberhard Prüter
August Schmöke, Werkstattleiter – Heinz Scholz
Frau Kramer – Carola Braunbock
Paul Mold – Günter Sonnenberg
Kriminaltechniker Braun – Gerd Blahuschek
1. Maurer – Johannes Maus
2. Maurer – Eckhart Strehle
Theaterpförtner – Albert Zahn
u. v. a.

Stab

Regie – Norbert Büchner
Drehbuch – Jürgen Fricke
Produktion – Hans W. Reichel
Musik – Peter Gotthardt
Kamera – Winfried Kleist
Schnitt – Gerti Gruner
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR