Kurz und knapp – darum geht’s
Mit wohlklingenden Heiratsanzeigen und einer gehörigen Portion Charme hat der glücklose Musiker Egon Schubert ein einträgliches Geschäftsmodell gefunden: Als angeblicher Industriekaufmann Ewald Schulz umwirbt er wohlhabende, alleinstehende Frauen und bringt sie um ihr Geld. Doch als die betrogene Gisela Kühn in Wittenberge vor einem Haus steht, das nie gekauft wurde, und an dem Schock stirbt, heften sich Oberleutnant Peter Fuchs und Kriminalmeister Lutz Subras an seine Fersen. Während die beiden dem Mann mit dem orangefarbenen Moskwitsch nachspüren, hat der längst ein neues Inserat aufgegeben und in Dresden die Kunstwissenschaftlerin Marga Lindemann kennengelernt. Nur lässt sich diese selbstbewusste Frau nicht so leicht um den Finger wickeln wie ihre Vorgängerinnen …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Des Alleinseins müde“
Ein Umzugswagen, ein Haus, eine bevorstehende Hochzeit – für Gisela Kühn soll in Wittenberge ein neues Leben beginnen. Den Kauf hat ihr Verlobter Ewald Schulz in ihrer Abwesenheit geregelt, und dafür hat sie ihm ihr gesamtes Bargeld anvertraut. Doch als sie vor der Tür von Grete Schindler steht, erfährt sie, dass das Haus längst an andere Interessenten gegangen ist. Nach der Besichtigung habe sich Schulz nie wieder gemeldet. Für Gisela bricht in diesem Moment alles zusammen: Sie erleidet einen Schock, den sie nicht überlebt.
Oberleutnant Peter Fuchs und Kriminalmeister Lutz Subras übernehmen den Fall – und stoßen zunächst auf Leere. Die Tote war ein ausgesprochen einsamer Mensch, mit den Nachbarn wechselte sie kaum ein Wort, und auch im Kollegenkreis wusste niemand viel über sie. Erst ihre Briefe bringen die Kriminalisten weiter: Darunter findet sich die Annonce, über die sie Schulz kennengelernt hat. Darin stellt sich der Mann als Industriekaufmann vor, der allein nicht mehr leben möchte und eine Partnerin sucht.
Über die Anzeigenagentur lüften Fuchs und Subras im Polizeiruf 110 „Des Alleinseins müde“ den ersten Schleier: Hinter Ewald Schulz verbirgt sich Egon Schubert, ein durchaus seriös wirkender Mann Mitte vierzig, der sich mehr schlecht als recht als Berufsmusiker über Wasser gehalten hat. Angeblich ist er gerade auf Tournee. Subras findet allerdings heraus, dass Schubert seit neun Monaten kein Engagement mehr hatte. Seine eigentliche Einnahmequelle sind die Antworten auf seine Inserate: Aus der Flut der Zuschriften pickt er sich gezielt die gut situierten Frauen heraus und erleichtert sie mit Esprit und Improvisationsgabe um ihre Ersparnisse – zurück bleiben materielle und seelische Trümmer.
Die Ermittler fahnden nach dem orangefarbenen Moskwitsch und hinterlassen in Schuberts Berliner Wohnung einen Zettel, auf dem sie ihn auffordern, sich auf dem Revier zu melden. Der Gesuchte ist zu diesem Zeitpunkt allerdings längst wieder auf Brautschau: In Dresden trifft er Marga Lindemann, die als Kunstwissenschaftlerin in der Porzellansammlung im Zwinger arbeitet. Geschrieben hat sie ihm gar nicht selbst – ihre Kollegin Gina hat in ihrem Namen auf die Anzeige geantwortet, damit Marga nicht länger allein bleibt.
Die Umworbene zeigt sich von dieser Fürsorge zunächst wenig angetan, findet dann aber durchaus Gefallen an dem eleganten Herrn, der sie prompt in die Oper ausführt. Doch schon nach kurzer Zeit lässt Schulz durchblicken, dass er gern bei ihr übernachten würde, und auch ein Hauskauf scheint ihn auffällig zu interessieren. Marga, die ihr Leben fest im Griff hat, geht auf keines von beidem ein. Und während der Heiratsschwindler im DDR-Krimi „Des Alleinseins müde“ nach einer neuen Masche sucht, wartet in Berlin bereits die Nachricht der Kriminalpolizei auf ihn …
Hinter den Kulissen
„Des Alleinseins müde“ ist die 47. Folge der Reihe Polizeiruf 110. Oberleutnant Peter Fuchs (Peter Borgelt) ermittelt hier in seinem 29. Fall, für Kriminalmeister Lutz Subras (Alfred Rücker) ist es der 27. und vorletzte Einsatz. Rolf Ludwig spielt den Hochstapler Egon Schubert alias Ewald Schulz, Irma Münch die Kunstwissenschaftlerin Marga Lindemann.
Überschattet wurden die Dreharbeiten vom Tod des Regisseurs Kurt Jung-Alsen, der während der Produktion starb. Helmut Krätzig stellte den Film nach dem Drehbuch von Lothar Creutz fertig.
Gedreht wurde vom 22. November 1976 bis zum 22. Januar 1977 unter anderem in Berlin, Bitterfeld, Eichwalde und Dresden, wo das Team im Zwinger und in dessen Porzellansammlung arbeitete. Die Kostüme entwarf Erna Tober, die Filmbauten stammen von Anna-Sabine Diestel. Bei der Erstausstrahlung lag die Zuschauerbeteiligung bei 52 Prozent.
Besetzung
Oberleutnant Peter Fuchs – Peter Borgelt
Kriminalmeister Lutz Subras – Alfred Rücker
Egon Schubert alias Ewald Schulz – Rolf Ludwig
Marga Lindemann, Kunstwissenschaftlerin – Irma Münch
Elfriede Hesse – Marylu Poolman
Gina, Margas Kollegin – Dorit Gäbler
ABV Keller – Christian Stövesand
Dr. Charlot – Gerhard Lau
Grete Schindler – Marga Legal
Gisela Kühn – Katharina Rothärmel
Streifenpolizist – Hans-Joachim Hanisch
Fritz Mettke – Lothar Kusche
Ewalds Vater – Adolf Peter Hoffmann
Fräulein in der Anzeigenannahme – Gudrun Wendler
Kriminalist – Klaus Ebeling
Nachbarin – Gertrud Brendler
u. v. a.
Stab
Regie – Kurt Jung-Alsen, Helmut Krätzig
Drehbuch – Lothar Creutz
Produktion – Erich Biedermann
Musik – Helmut Nier
Kamera – Rolf Sohre
Schnitt – Susanne Carpentier
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR




Nächste Kommentarmöglichkeit: Sonntag, 01.11.2026 ab 17:00 Uhr (in ca. 5 Tagen).
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