Kurz und knapp – darum geht’s

Eigentlich soll Oberleutnant Jürgen Hübner nur ein Seminar halten, doch der Fall, den er angehenden Offizieren als Lehrbeispiel vorstellt, hat es in sich. In einem Hotel im Harz ist über Nacht der Tresor ausgeräumt worden. Verschwunden sind die Wertsachen des Seemanns Wolfgang Hessel, darunter ein Sparbuch und eine Figur aus Ebenholz, außerdem die Einnahmen dreier Tage. Weil niemand den Geldschrank gewaltsam geöffnet hat, gerät schnell das Personal ins Visier. Auch Hotelleiterin Irmgard Kraßmann, die nach außen hin jeden Handgriff im Griff zu haben scheint, muss sich unangenehme Fragen gefallen lassen. Und je länger Hübner ermittelt, desto klarer wird, dass die Chefin mehr zu verbergen hat als einen verlorenen Schlüssel …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Ein ungewöhnlicher Auftrag“

Ermittlungen führen kann Oberleutnant Jürgen Hübner, aber vor Publikum darüber zu sprechen ist eine ganz andere Sache. Genau das verlangt Oberst Wernicke von ihm: Hübner soll an der Offiziersschule ein Seminar zum Thema Ermittlung und Überprüfung Verdächtiger halten. Dass er selbst einst als Schüler im selben Raum saß, macht die Sache nicht leichter, und er ist sichtlich nervös. Also hält er sich an das, was er am besten kennt, und rollt im Polizeiruf 110 „Ein ungewöhnlicher Auftrag“ einen Fall aus seiner eigenen Praxis auf. Seine Zuhörer steuern dabei immer wieder eigene Lösungsansätze bei.

Der Rückblick führt an einem Sonntag in eine Kleinstadt im Harz. Seemann Wolfgang Hessel trifft dort einen Tag früher als erwartet ein, denn hier will er künftig arbeiten. Er steigt in dem Hotel ab, das Irmgard Kraßmann seit drei Jahren leitet. Weil sein Zimmer erst am nächsten Tag frei wird, muss er die erste Nacht mit dem Schauspieler Eberhard Neubert teilen. Seine Wertsachen gibt Hessel lieber in sichere Hände: Die Chefin nimmt ein Sparbuch, eine größere Summe Bargeld und eine afrikanische Holzplastik entgegen und schließt alles im Tresor ein. Danach geht es hoch her, denn der spendable Neuankömmling lässt sich nicht lumpen und gibt für die Hotelgäste eine Runde nach der anderen aus.

Das böse Erwachen folgt am nächsten Morgen: Der Tresor steht offen, Hessels Habe ist verschwunden, und mit ihr die Einnahmen des Hauses aus drei Tagen. Hübner, damals als einziger Ermittler auf den Fall angesetzt, stellt rasch fest, dass hier weder Gewalt noch fremdes Werkzeug im Spiel war. Der Safe wurde mit einem dazugehörigen Schlüssel geöffnet. Als er die Hotelleiterin bittet, ihm den Zweitschlüssel zu zeigen, gerät sie in Erklärungsnot. Der sei ihr schon vor einem Jahr abhandengekommen, räumt sie ein, und im Trubel des Arbeitsalltags habe sie die Angelegenheit irgendwann schlicht vergessen.

Bald deutet alles darauf hin, dass der Dieb unter den Beschäftigten zu suchen ist, und so nimmt sich Hübner die Menschen rund um das Hotel vor. Inge Ahlert, die rechte Hand der Chefin, will in der Nacht nichts Auffälliges bemerkt haben. Irmgards Mann Bernhard war früh zu Bett gegangen, weil ihn am nächsten Morgen zeitig die Arbeit im Kalkwerk erwartete. Hessel wiederum erinnert sich, am Abend kurz nach seinem Zimmergenossen Neubert gesehen zu haben, der sich früher zurückgezogen hatte. Dabei beobachtete er Irmgard mit einem Mann, den er nicht kannte. Der Unbekannte entpuppt sich als Heinz Langwitz, der vor zwei Jahren selbst im Hotel arbeitete und der Chefin offenbar näherstand, als ihr heute lieb ist.

Je tiefer Hübner im DDR-Krimi „Ein ungewöhnlicher Auftrag“ bohrt, desto gereizter wird die Stimmung unter dem Hoteldach. Auch das Bild der untadeligen Geschäftsfrau bekommt Risse: Nicht nur der Oberleutnant staunt, als sich zeigt, dass es in Irmgard Kraßmanns Leben und in ihrer Ehe Konflikte gibt, die sie bislang geschickt verborgen hat. Ob das allerdings schon für einen handfesten Tatverdacht ausreicht, muss sich erst noch zeigen …

Hinter den Kulissen

Der Seminarfall ist der 19. Einsatz von Oberleutnant Jürgen Hübner (Jürgen Frohriep) und die 41. Folge der Reihe Polizeiruf 110. Bruno Carstens, hier als Oberst Wernicke zu sehen, kannte seine Figur bereits: Zwischen 1959 und 1968 hatte er in der Serie „Blaulicht“ den damaligen Hauptmann Wernicke gespielt. In weiteren Rollen sind Lissy Tempelhof als Hotelleiterin Irmgard Kraßmann, Herbert Sievers als ihr Mann Bernhard, Heide Kipp als Inge Ahlert und Eberhard Mellies als Seemann Wolfgang Hessel zu sehen.

Hans Joachim Hildebrandt führte Regie und schrieb auch das Drehbuch. Gedreht wurde vom 15. März bis zum 30. April 1976 unter dem Arbeitstitel „Das Seminar“ in Quedlinburg, Thale, Aschersleben, Blankenburg und Rübeland. Die Szenen an der Offiziersschule entstanden in der damaligen Offiziersschule des MdI, der heutigen Fachhochschule Polizei Sachsen-Anhalt. Als Kulisse dienten außerdem der Blaue See zwischen Rübeland und Hüttenrode sowie die Bodetal-Seilbahn bei Thale. Das Hotel „Zwei Türme“ ist in Wirklichkeit ein Fachwerkhaus in der Quedlinburger Mühlenstraße 22.

Bei der Erstausstrahlung lag die Zuschauerbeteiligung bei 52,1 Prozent.

Besetzung

Oberleutnant Jürgen Hübner – Jürgen Frohriep
Oberst Wernicke – Bruno Carstens
Irmgard Kraßmann, Leiterin des Hotels – Lissy Tempelhof
Bernhard Kraßmann, Irmgards Mann – Herbert Sievers
Inge Ahlert, Irmgards rechte Hand – Heide Kipp
Wolfgang Hessel, Seemann – Eberhard Mellies
Heinz Langwitz, ehemaliger Mitarbeiter des Hotels – Ezard Haußmann
Eberhard Neubert, Schauspieler – Hansjürgen Hürrig
Offiziersschüler Körner – Hans-Joachim Leschnitz
Offiziersschülerin Beate – Elfi Gäbel
Zweite Offiziersschülerin – Christine Harbort
Dritte Offiziersschülerin – Marion Wiegmann
Zweiter Offiziersschüler – Arndt-Michael Schade
Dritter Offiziersschüler – Rolf Staude
Vierter Offiziersschüler – Norbert Schwarz
u. v. a.

Stab

Regie – Hans Joachim Hildebrandt
Drehbuch – Hans Joachim Hildebrandt
Produktion – Rainer Gericke
Musik – Walter Kubiczeck
Kamera – Walter Laaß
Schnitt – Susanne Carpentier
Kostüme – Margitta Hinrichs
Filmbauten – Manfred Glöckner, Jürgen Malitz
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR