Kurz und knapp – darum geht’s
Mit einer ebenso simplen wie dreisten Masche bringen Karl Bergemann und sein Komplize Johannes Tenger fabrikneue Haushaltsgeräte an sich: Sie reden den Käufern einen Konstruktionsfehler ein und nehmen die angeblich defekten Geräte gleich mit. Doch bei einer ihrer Touren haben die Gauner einen blinden Passagier an Bord. Die kleine Marina Langstengel hat sich beim Versteckspielen in ihren Lieferwagen verkrochen. Als die Diebe das ausgekühlte Mädchen entdecken, wird es längst vermisst, und Oberleutnant Peter Fuchs und Leutnant Vera Arndt haben die Suche aufgenommen. Das Kind einfach laufen lassen? Damit könnten sich die Täter verraten. Also behalten sie die unbequeme Zeugin bei sich, und bald liegen in der kleinen Gruppe die Nerven blank …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Ein unbequemer Zeuge“
Bei manchen Kunden hält die Freude über ein nagelneues Elektrogerät nur wenige Stunden. Denn Karl Bergemann hat sich auf eine besondere Form des Diebstahls verlegt: Er heftet sich an die Lastwagen des Centrum Warenhauses, merkt sich, wo die teuren Geräte abgeladen werden, und steht wenig später selbst vor der Tür. Seine Geschichte ist immer dieselbe. Das Gerät habe leider einen Defekt, er müsse es mitnehmen, am nächsten Tag komme Ersatz. Gemeinsam mit seinem Komplizen Johannes Tenger ergaunert er auf diese Weise zwei Gefriertruhen, die er vorerst auf seinem Grundstück unterstellt.
Oma Bergemann würde ihrem Enkel so etwas kaum zutrauen. Bei ihr ist Karl aufgewachsen, bei ihr wohnt er noch heute, und sie betont gern, was für ein liebes Kind er einmal war. Inzwischen hat er allerdings schon gesessen. Von geregelter Arbeit hält er wenig, stattdessen schlägt er sich mit Betrügereien durch und achtet sorgsam darauf, dass die Großmutter davon nichts mitbekommt. Seine ganze Zuneigung gehört seinem Pferd, das er hingebungsvoll pflegt.
Ausgerechnet ein Kinderspiel bringt das eingespielte System ins Wanken. Während die beiden Diebe ihre Runde drehen, sucht die kleine Marina Langstengel ein gutes Versteck und krabbelt in Bergemanns Barkas. Rechtzeitig wieder herauszuklettern, gelingt ihr nicht. Als Bergemann den Wagen mittags in seiner Garage abstellt, sitzt das Mädchen in der Falle.
Am frühen Nachmittag bemerkt Frau Langstengel, dass ihre Tochter verschwunden ist. Oberleutnant Fuchs und Leutnant Arndt übernehmen den Fall und stoßen schnell auf einen bemerkenswerten Zufall: Genau zu der Zeit, als Marina verschwand, wurde in derselben Straße ein angeblich defekter Gefrierschrank abgeholt. Ob das eine mit dem anderen zusammenhängt, können die Ermittler im Polizeiruf 110 „Ein unbequemer Zeuge“ allerdings noch nicht sagen.
Erst am Abend entdecken Bergemann und seine Freundin Rita Morgenstern das unterkühlte Kind im Barkas. Eigentlich wollten die beiden eine der erbeuteten Truhen für den Weiterverkauf herrichten, doch nun steht plötzlich auch noch Tenger auf der Matte. Bergemann hat stets peinlich genau darauf geachtet, dass sein Komplize weder weiß, wer er ist, noch wo er wohnt. Tenger wiederum fürchtet, über den Tisch gezogen zu werden. Bergemann reagiert gereizt und bläst den Verkauf kurzerhand ab.
Rita kümmert sich derweil um das Mädchen, wäscht es und bringt es ins Bett. Marina kann ihren Namen und ihre Adresse nennen, und sobald ihre Kleider getrocknet sind, soll sie nach Hause. Doch damit ist das Problem nicht gelöst. Wer das Kind zurückbringt, riskiert, dass die Polizei ihm auf die Spur kommt. So wird die Kleine im TV-Krimi „Ein unbequemer Zeuge“ zu einer Zeugin, die die Gauner nicht loswerden können, ohne sich selbst ans Messer zu liefern. Und mit jeder Stunde wächst unter den Komplizen die Spannung …
Hinter den Kulissen
„Ein unbequemer Zeuge“ ist die 50. Folge der Krimireihe Polizeiruf 110. Für Oberleutnant Peter Fuchs (Peter Borgelt) ist es der 31. Fall, Leutnant Vera Arndt (Sigrid Göhler) ermittelt bereits zum 34. Mal. Auf der anderen Seite stehen der Gauner Karl Bergemann (Peter Reusse), sein Komplize Johannes Tenger (Fred Delmare) und Bergemanns Freundin Rita Morgenstern (Barbara Dittus). Mathilde Danegger spielt Oma Bergemann.
Die Folge gibt auch einen kleinen Einblick in das Privatleben von Oberleutnant Fuchs: Etwa ab der 15. Minute ist seine rund fünfjährige Tochter Manuela zu sehen, und auch ihre Mutter, mit der Fuchs zusammenlebt, wird erwähnt.
Helmut Krätzig führte Regie und schrieb auch das Drehbuch. Gedreht wurde vom 1. Juni bis zum 17. Juli 1977 in Berlin sowie in Leipzig und Umgebung, produziert hat den Film das Fernsehen der DDR. Die Kostüme entwarf Barbara Pitra, die Filmbauten stammen von Werner Jagodzinski. Bei der Erstausstrahlung lag die Zuschauerbeteiligung bei 56,9 Prozent.
Besetzung
Oberleutnant Peter Fuchs – Peter Borgelt
Leutnant Vera Arndt – Sigrid Göhler
Karl Bergemann – Peter Reusse
Rita Morgenstern – Barbara Dittus
Johannes Tenger – Fred Delmare
Oma Bergemann – Mathilde Danegger
Frau Langstengel – Monika Lennartz
Frau Kunkel – Ostara Körner
Herr Köhler – Benno Schramm
Lothar – Giso Weißbach
Erster Kriminalposten – Siegfried Pappelbaum
Zweiter Kriminalposten – Hans-Joachim Engelmann
Dritter Kriminalposten – Michael Schreiber
Alter Mann – Otto-Erich Edenharter
Mann im Hausflur – Werner Hahn
Arzt – Karlheinz Scherf
u. v. a.
Stab
Regie – Helmut Krätzig
Drehbuch – Helmut Krätzig
Produktion – Ralf Siebenhörl
Musik – Christian Steyer
Kamera – Wolfgang Voigt
Schnitt – Susanne Carpentier
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR




Nächste Kommentarmöglichkeit: Sonntag, 01.11.2026 ab 17:00 Uhr (in ca. 5 Tagen).
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