Kurz und knapp – darum geht’s

Ein Feuer zerstört die neue Halle des Bauhofs in Zerben, und unter den verkohlten Trümmern liegt die Leiche des Bauhofleiters Jürgen Schreiner. Wer den Brand gelegt hat, ist rasch geklärt. Die Gerichtsmedizin stellt Oberleutnant Jürgen Hübner jedoch vor ein Rätsel: Der junge Mann war bereits tot, als die Flammen ihn erreichten. Für seinen Vater Karl-Heinz Schreiner gibt es nur eine Erklärung, und die heißt Mord. Doch so vielen Hinweisen der Kriminalist auch nachgeht, keiner liefert einen Beweis dafür. Im Dorf trifft er auf verschlossene Mienen und Menschen, die lieber schweigen, während der aufgebrachte Vater immer mehr dazu neigt, die Sache selbst in die Hand zu nehmen …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Der Selbstbetrug“

Der Tag beginnt in Zerben mit ein paar rätselhaften Zeilen: Im Briefkasten finden Karl-Heinz und Inge Schreiner eine Nachricht ihres Sohnes Jürgen, in der er sie um Entschuldigung bittet. Was genau er bereut, bleibt offen. Der Vater glaubt die Antwort trotzdem zu kennen. Endlich, so meint er, will sich der Junge von Rica trennen, jener Freundin, die bei den Eltern nie gut gelitten war. Viel lieber hätte Karl-Heinz die solide Ilona an Jürgens Seite gesehen, die Tochter des Gastwirts. Kurzerhand schwingt er sich auf sein Motorradgespann, fährt zu Ricas Eltern und holt einen Teil der Kleider seines Sohnes ab. Dass Jürgen wieder ins Elternhaus zieht, scheint für ihn längst ausgemacht.

Lange hält diese vermeintliche Gewissheit nicht. Wenig später steht die neue Halle des Bauhofs, den Jürgen leitet, in Flammen. In den verkohlten Resten werden Jürgens Schlüssel gefunden, und daneben ein Toter. Ein Beinbruch, den sich Jürgen als Jugendlicher zugezogen hat, räumt schließlich jeden Zweifel aus, wer dort ums Leben gekommen ist. Für Karl-Heinz Schreiner steht damit fest: Jemand hat seinen Sohn umgebracht.

Mit den Ermittlungen wird Oberleutnant Jürgen Hübner betraut. Die Brandursache hat er schnell aufgeklärt, auch der Brandstifter ist bald gefunden. Dann aber liefert die Gerichtsmedizin einen Befund, der den Fall auf den Kopf stellt: Jürgen Schreiner war schon tot, als das Feuer ihn erfasste. Hängen Brand und Tod überhaupt zusammen? Während Hübner nach einer Antwort sucht, muss er immer wieder den aufgewühlten Vater bremsen, der ohne viel nachzudenken vorprescht.

Dabei war der Tote im Dorf nicht nur der Mann mit den großen Plänen. Jürgen Schreiner tüftelte an einer Biogasanlage, die er im Ort errichten lassen wollte, und er scheute auch keinen Ärger: Einen Maurer, der auf dem Bauhof Baumaterial entwendet hatte, brachte er zur Anzeige. Der Mann kam mit einer Bewährungsstrafe davon.

Dann taucht Rica im Dorf auf, auf der Suche nach Jürgen. Zeugen zufolge ist er am Vortag zu ihr in die Stadt gefahren, doch sie beteuert, ihn dort nicht gesehen zu haben. Wo also hat der junge Mann seine letzten Stunden verbracht? Je beharrlicher Hübner im Polizeiruf 110 „Der Selbstbetrug“ nachfragt, desto deutlicher spürt er, dass viele im Ort wenig Interesse an der Aufklärung haben.

Hinweis um Hinweis prüft der Ermittler im DDR-Polizeiruf „Der Selbstbetrug“, doch keiner führt zum Beweis für ein Verbrechen. Allmählich drängt sich eine andere Frage auf: Hat Jürgen Schreiner sich selbst das Leben genommen, und wenn ja, warum? Sein Vater will davon nichts hören. Für Karl-Heinz Schreiner gibt es einen Mörder, und wenn die Polizei ihn nicht findet, dann sucht er eben selbst nach ihm …

Hinter den Kulissen

„Der Selbstbetrug“ ist die 85. Folge der Reihe Polizeiruf 110. Für Oberleutnant Jürgen Hübner (Jürgen Frohriep) ist es bereits der 41. Fall. In den zentralen Rollen der Dorfbewohner sind unter anderem Günther Grabbert und Annemone Haase als Ehepaar Karl-Heinz und Inge Schreiner zu sehen, Werner Godemann spielt den ABV Oberleutnant Willi Mertens.

Hans-Werner Honert schrieb das Drehbuch und führte auch Regie. Gedreht wurde vom 15. September bis 14. November 1982 unter dem Arbeitstitel „Hühnergott“ in Zwenkau, Halle, Pegau und in Eythra, das sich damals bereits im Abbruch befand. Für die Kostüme war Barbara Voigt verantwortlich, die Filmbauten stammen von Lothar-Hermann Schneider.

Musikalisch greift der Film auf die Ballett-Suite „Der Feuervogel“ von Igor Strawinsky zurück. Bei der Erstausstrahlung im 1. Programm des Fernsehens der DDR lag die Zuschauerbeteiligung bei 48,7 Prozent.

Musik

Igor Strawinsky – Der Feuervogel (Ballett-Suite)

Besetzung

Oberleutnant Jürgen Hübner – Jürgen Frohriep
Hauptmann Strahl – Wolfgang Dehler
Oberleutnant Willi Mertens, ABV – Werner Godemann
Karl-Heinz Schreiner, Jürgens Vater – Günther Grabbert
Inge Schreiner, Jürgens Mutter – Annemone Haase
Bodo Macher, Gärtner – Frank Lienert
Rica Zeisig, Jürgens Freundin – Barbara Zinn
Paul Zeisig – Peter Kalisch
Elfriede Maler – Doris Thalmer
Wilhelm Maler – Bruno Carstens
Ilona Bauer, Tochter des Gastwirts – Frauke Poolman
Willi Bauer – Horst Weinheimer
Olaf Hölzel – Herbert Olschok
Frau Artloff – Renate von Wangenheim
Herr Artloff, Maurer – Wolf-Dieter Lingk
Klaus Munk – Carl-Hermann Risse
Wissenschaftler – Horst Kotterba
Schaffnerin – Doris Otto-Franke
Kriminaltechniker – Hans-Joachim Leschnitz
Pförtner – Wolf Goette
u. v. a.

Stab

Regie – Hans-Werner Honert
Drehbuch – Hans-Werner Honert
Produktion – Hans-Hermann Ostermann
Musik – Igor Strawinsky
Kamera – Wolfgang Voigt
Schnitt – Margrit Schulz
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR