Kurz und knapp – darum geht’s

Sie schneidert, kauft ein, hilft im Haushalt und hat für jeden ein offenes Ohr: Für einsame Rentner ist Edith Sass, die sich ihnen als Frau Hausmann vorstellt, ein wahrer Glücksfall. Doch hinter der Fürsorge steckt Berechnung. Die Schneiderin braucht Geld, und zwar viel davon, denn sie und ihr jüngerer Freund Ulli Streese träumen von einem eigenen Friseursalon. Also leiht sie sich von ihren Schützlingen Ersparnisse, die diese nie wiedersehen. Als nach dem Tod des alten Otto Schulze ein kaum lesbarer Schuldschein über 14.000 Mark auftaucht, landet die Sache bei der Kriminalpolizei. Hauptmann Peter Fuchs überträgt den Fall dem neuen Leutnant Berndt, der sich eigentlich eine spannendere Aufgabe gewünscht hätte. Und Edith hat längst die nächsten Opfer im Blick …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Eine nette Person“

Wer alt ist und allein lebt, für den kann schon ein kleiner Gefallen den Tag retten – und genau darauf baut Edith Sass. Die gelernte Schneiderin sucht gezielt die Nähe alleinstehender Rentner, erledigt Besorgungen, packt im Haushalt mit an und greift zu Nadel und Faden, wenn ein Kleidungsstück geändert werden muss. Binnen kurzer Zeit wird sie zur Vertrauten, zur unverzichtbaren Stütze im Alltag. Ihren richtigen Namen erfahren ihre Schützlinge allerdings nicht: Für sie ist Edith schlicht Frau Hausmann. Und irgendwann, ganz beiläufig, bittet sie um ein Darlehen. Einen Schuldschein gibt es dafür auch – nur verschwindet der entweder spurlos, oder die Unterschrift darauf ist kaum zu entziffern.

Der Antrieb für all das ist die Liebe zu einem jüngeren Mann: Ulli Streese ist Friseur, und beide wünschen sich nichts sehnlicher als einen eigenen Salon. Weil das nötige Kapital fehlt, beschafft Edith es sich eben auf ihre Weise. Einer alten Frau hat sie den Kauf eines Gartenhäuschens in Aussicht gestellt und ist anschließend mitsamt dem Geld verschwunden. Und der betagte Otto Schulze stirbt, bevor Edith ihm die geliehenen 14.000 Mark zurückgeben kann. Nicht nur das Geld, auch Schulzes Auto hat sie an sich genommen.

Als die Erben im Nachlass den Schuldschein entdecken, beginnt das Rätselraten: Wer hat da unterschrieben? Der Name ist nicht zu lesen, und selbst wenn, hätte er kaum weitergeholfen. Edith zeigt sich im DDR-Krimi „Eine nette Person“ unterdessen erstaunlich unerschrocken. Sie mischt sich unter die Trauergäste und lässt sich auch den anschließenden Leichenschmaus nicht entgehen – sehr zum Ärger von Ruth Hinze, einer Verwandten des Verstorbenen, der die Fremde gründlich gegen den Strich geht.

Längst hat Edith neue Bekanntschaften geknüpft. An der Dahme vor dem Köpenicker Rathaus kommt sie wie zufällig mit Bruno Gensicke ins Gespräch, einem alleinstehenden Rentner, der in seiner Freizeit malt. Nach einem gemeinsamen Kinobesuch verbringen die beiden die Nacht miteinander, und Bruno macht sich Hoffnungen auf eine feste Beziehung. Viel besitzt er nicht – bis auf eine wertvolle alte Familienuhr. Als die eines Tages aus seiner stets unverschlossenen Wohnung verschwunden ist, ist es ausgerechnet Edith, die ihn tröstet. Auch Ruths Schwägerin Charlotte, die bislang eher zurückgezogen gelebt hat, blüht unter der Zuwendung der neuen Freundin sichtlich auf. Ruth dagegen warnt vor ihr.

Bei der Kriminalpolizei ist die Anzeige der Erben zunächst ein Vorgang unter vielen. Hauptmann Peter Fuchs überlässt ihn dem neuen Leutnant Berndt, und der Neuling ist darüber wenig begeistert – lieber hätte er einen richtigen Fall auf dem Tisch. Doch je tiefer Berndt im Polizeiruf 110 „Eine nette Person“ in die Sache einsteigt, desto klarer wird, dass der Schuldschein kein Einzelfall ist: In älteren Akten stößt er auf Betrugsdelikte nach immer demselben Muster. Irgendwo in Berlin ist eine Frau unterwegs, die aus der Einsamkeit alter Menschen bares Geld macht – und Edith denkt nicht daran aufzuhören …

Hinter den Kulissen

„Eine nette Person“ ist die 86. Folge der Krimireihe Polizeiruf 110 und der 53. Fall für Hauptmann Peter Fuchs (Peter Borgelt). An seiner Seite ermittelt Leutnant Berndt (Jens-Uwe Bogadtke). Andreas Schmidt-Schaller ist als Leutnant Hellwig von der Kriminalpolizei zu sehen.

Die Episodenhauptrolle der Edith Sass spielt Gudrun Ritter, Volkmar Kleinert verkörpert ihren Freund Ulli Streese. Walter Lendrich ist als Rentner Bruno Gensicke zu sehen, Helga Göring und Marga Legal spielen die Schwägerinnen Charlotte und Ruth Hinze.

Regie führte Gunter Friedrich, das Drehbuch schrieb Gabriele Gabriel. Gedreht wurde 1983 in Berlin, und zwar unter dem Arbeitstitel „Oma Hinze“. Die Kostüme schuf Helene Hohensee, die Filmbauten stammen von Knut Lempio.

Bei der Erstausstrahlung lag die Zuschauerbeteiligung bei 52,8 Prozent. Beim Leistungsvergleich des DDR-Fernsehens für Werke der dramatischen Kunst des Jahres 1983 erhielt der Film 1984 das Prädikat „Besonders wertvoll“.

Besetzung

Hauptmann Peter Fuchs – Peter Borgelt
Leutnant Berndt – Jens-Uwe Bogadtke
Leutnant Hellwig – Andreas Schmidt-Schaller
Edith Sass alias Hausmann – Gudrun Ritter
Charlotte Hinze – Helga Göring
Ruth Hinze – Marga Legal
Ulli Streese, Friseur – Volkmar Kleinert
Bruno Gensicke, Rentner – Walter Lendrich
Frau Kranzler – Doris Thalmer
Frau Mischke – Gertrud Brendler
Frau König – Renate Heymer
Herr König – Klaus Bamberg
Kerstin – Margrit Straßburger
Enno – Dirk Nawrocki
Leutnant Becker – Freimut Götsch
Oberleutnant Schwarzkopf – Horst Lebinsky
Frau Hausmann – Birgit Frohriep
Kellner – Peter Bause
Wachtmeister – Dietmar Burkhard
Junge – Alexander Friedrich
Mädchen – Claudia Jatzkowski
Kanalarbeiter – Klaus Kießig
Friseur – Thomas Kästner
Krankenschwester – Helga Schubert
Wachtmeister – Volker Stieglitz
Sekretärin – Erika Stiska
u. v. a.

Stab

Regie – Gunter Friedrich
Drehbuch – Gabriele Gabriel
Produktion – Erich Biedermann
Musik – Bernd Wefelmeyer
Kamera – Horst Klewe
Schnitt – Renate Müller
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR