Kurz und knapp – darum geht’s

Ein nächtlicher Einbruch in eine Parfümerie endet blutig: Zwischen Glasscherben finden Hauptmann Peter Fuchs und Unterleutnant Becker einen schwer verletzten Zwölfjährigen. Holger schwebt in Lebensgefahr, und schon seit einiger Zeit beschäftigt eine Reihe mysteriöser Einbrüche die Kriminalpolizei. Die Spur führt in eine Familie, die längst auseinandergebrochen ist. Holgers geschiedene Mutter, die Dolmetscherin Karin Henrich, hat nach einer Entziehungskur das Sorgerecht für ihren Sohn zurückbekommen und trinkt inzwischen wieder. Der Junge hält zu Hause heimlich alles zusammen, denn eines will er um keinen Preis: zurück ins Heim. Doch allein war Holger nicht unterwegs – er muss einen Komplizen gehabt haben, und offenbar profitieren noch weitere Personen von seinen Beutezügen …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Unheil aus der Flasche“

Eigentlich sollte es ein Neuanfang werden: Nach einer Entziehungskur hat Karin Henrich, geschiedene Dolmetscherin und alkoholkrank, das Sorgerecht für ihren zwölfjährigen Sohn Holger zurückerhalten. Der Junge hatte zuvor bei seinem Vater gelebt, kam mit dessen neuer Frau Lotti aber nicht zurecht und wurde schließlich in ein Heim gesteckt. Sein drei Jahre älterer Bruder Ulf ist beim Vater geblieben, der inzwischen wieder verheiratet ist. Doch der Alltag holt Karin Henrich schnell ein. Die Probleme wachsen ihr über den Kopf, und als auch noch eine Hoffnung auf privates Glück zerbricht, greift sie erneut zur Flasche.

Holger liebt seine Mutter – und er weiß genau, was auf dem Spiel steht. Kommt der Rückfall ans Licht, muss er zurück ins Heim. Also versucht Karin Henrich, ihren Zustand vor der Außenwelt zu verbergen, während ihr Sohn sich um den Haushalt und das Geld kümmert. In seiner kindlichen Not will der Junge ihr auf seine eigene Weise „helfen“. Ganz unbemerkt bleibt die Lage im Haus allerdings nicht: Nachbar Dorus und seine Freundin Vroni ahnen längst, dass Frau Henrich wieder trinkt.

Bei der Kriminalpolizei gehen derweil Meldungen über Einbrüche in Geschäfte ein, die den Ermittlern Rätsel aufgeben. Als Hauptmann Fuchs und Unterleutnant Becker zu einer Parfümerie gerufen werden, bietet sich ihnen ein erschütterndes Bild: Unter den Scherben einer zerbrochenen Vitrine liegt ein Kind. Holger hat sich bei dem Sturz schwerste Schnittverletzungen zugezogen, im Krankenhaus ringen die Ärzte um sein Leben. Damit ist der Fall im Polizeiruf 110 „Unheil aus der Flasche“ plötzlich weit mehr als eine Serie von Diebstählen.

Als die Kriminalisten die Mutter aufsuchen, erkennt Fuchs auf den ersten Blick, wie es um sie steht: Die Frau zeigt deutliche Entzugserscheinungen. Statt sie zu vernehmen, sorgt der erfahrene Hauptmann dafür, dass sie in eine Entzugsklinik kommt. Von Holgers Vater ist ebenfalls kaum Unterstützung zu erwarten. Der Junge habe sich in seiner neuen Familie so aggressiv verhalten, dass Lotti eine Fehlgeburt erlitten habe – seitdem herrscht zwischen beiden Haushalten Funkstille.

Je tiefer Fuchs und Becker graben, desto klarer zeichnet sich ab, dass der Zwölfjährige nicht auf eigene Faust gehandelt hat. Durch den schmalen Fluchtweg aus der Parfümerie passt zwar nur ein Kind, doch irgendjemand muss die Beute fortgeschafft haben. Und Holger ist offenbar nicht der Einzige, dem seine Einbrüche etwas eingebracht haben. Um herauszufinden, wer im TV-Krimi „Unheil aus der Flasche“ hinter dem Jungen steht, legt Hauptmann Fuchs einen Köder aus …

Hinter den Kulissen

Für Hauptmann Peter Fuchs (Peter Borgelt) ist es bereits der 65. Fall. Jörg Hengstler gibt als Unterleutnant Becker seinen Einstand in der Reihe. Oberleutnant Thomas Grawe (Andreas Schmidt-Schaller), hier in seinem sechsten Fall, ist nur für wenige Sekunden in einem Gastauftritt zu sehen. Die Rolle der alkoholkranken Karin Henrich spielt Jenny Gröllmann.

Der Film, der unter dem Arbeitstitel „Nachbarschaft“ entstand, greift das Problem des Alkoholismus in der DDR auf – ausdrücklich auch bei Frauen. Mit dem Thema hatte sich die Reihe bereits in der früheren Folge „Der Teufel hat den Schnaps gemacht“ beschäftigt. Helmut Krätzig schrieb das Drehbuch und führte Regie. In einer kleinen Rolle als Angestellter steht er außerdem selbst vor der Kamera.

Gedreht wurde vom 1. September bis Ende Oktober 1986 in Berlin und in Petershagen bei Berlin. Bei der Erstausstrahlung im 1. Programm des Fernsehens der DDR lag die Zuschauerbeteiligung bei 44,4 Prozent.

Besetzung

Hauptmann Peter Fuchs – Peter Borgelt
Oberleutnant Thomas Grawe – Andreas Schmidt-Schaller
Unterleutnant Becker – Jörg Hengstler
Karin Henrich, Dolmetscherin – Jenny Gröllmann
Herr Henrich – Jürgen Reuter
Lotti Henrich – Barbara Schnitzler
Herr Dorus, Nachbar – Horst Weinheimer
Vroni, Freundin von Dorus – Walfriede Schmitt
Dr. Faber – Gert Grasse
Pfleger – Manfred Richter
Unfallarzt – Wolfgang Greese
Holger – Sven Haverland
Ulf – Birk Frank
Zeugin – Janina Hartwig
Zeuge – Joachim Nimtz
Harald – Dietmar Obst
Arbeiter – Klaus Tilsner
Zeuge – Günter Drescher
Kriminalist – Holger Franke
Angestellter – Helmut Krätzig
u. v. a.

Stab

Regie – Helmut Krätzig
Drehbuch – Helmut Krätzig
Produktion – Ingeborg Trenkler
Musik – Karl-Ernst Sasse
Kamera – Wolfram Beyer
Schnitt – Renate Müller
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR