Kurz und knapp – darum geht’s

Drei Brüder, drei Lebensentwürfe: Winfried Dosse, der Älteste, lebt auf großem Fuß und hält sich mit fragwürdigen Geschäften über Wasser. Der vorbestrafte Carlheinz hat durch die Heirat mit der wohlhabenden Witwe Annemarie ausgesorgt, Bernd führt eine Kneipe und muss sich mit seiner Scheidung herumschlagen. Als Winfrieds Geschäfte eines nach dem anderen platzen, wendet er sich in seiner Geldnot ausgerechnet an seine Schwägerin – und blitzt ab. Kurz darauf wird Annemarie tot in ihrer Wohnung gefunden. Für Hauptmann Peter Fuchs, Oberleutnant Jürgen Hübner und Leutnant Thomas Grawe beginnt ein Fall, bei dem sich alles ums Geld dreht. Und in der Wohnung der Toten fehlt eine beträchtliche Summe …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Gier“

Im TV-Krimi „Gier“ hat jeder der drei Brüder Dosse seinen eigenen Weg eingeschlagen, und doch kreuzen sich diese Wege immer wieder in der Birkenschenke, dem Lokal, das Bernd übernommen hat. Der Wirt lebt in Scheidung und hat inzwischen eine Beziehung zu einer seiner Mitarbeiterinnen. Winfried, „der Große“ unter den Brüdern, ist offiziell als Einkäufer tätig, finanziert sein luxuriöses Leben aber vor allem mit riskanten An- und Verkäufen – ein Lebemann und Liebling der Frauen, der ständig in dunkle Geschäfte verwickelt ist.

Ganz anders Carlheinz: Er ist vorbestraft, hat sich seit drei Jahren aber nichts mehr zuschulden kommen lassen und verdient sein Geld als Beifahrer bei einer Möbelfirma. Abgesichert ist er vor allem durch seine Ehe mit Annemarie, einer wohlhabenden Witwe, die ihr Vermögen zusammenhält und druckfrische Hundertmarkscheine in einer Box sammelt. In der Verwandtschaft und unter den Hausbewohnern wird diese Verbindung mit Argwohn beäugt. Zu Annemaries Umfeld gehört auch Optiker Purck, der Bruder ihres ersten Mannes. Carlheinz wiederum schüttet seit Wochen einem Bekannten sein Herz aus: Dr. Kreutzer, der ihm sogar Hinweise zu einer möglichen Scheidung gibt.

Winfried hält von seinem etwas arglosen jüngeren Bruder nicht allzu viel – dessen geschickte Hände kommen ihm allerdings gelegen. Carlheinz soll sein Boot auf Vordermann bringen, denn der Große hat einen Käufer an der Hand und den Erlös im Kopf längst weiterverplant. Doch der Interessent springt kurzfristig ab. Auch ein anderes Geschäft platzt: Mit einer gefälschten Vollmacht hat Winfried den Wartburg von Herrn Großmann verkauft und sich davon einen satten Gewinn versprochen, bis der Käufer mit dem Wagen am Tag vor dem eigentlichen Kauf einen Unfall baut. Obendrein betätigt sich Winfried als Hehler und soll demnächst gestohlene Ware ankaufen, um sie weiterzuverhökern. Kurz: Der Mann braucht Geld, und zwar schnell.

Da kommt ihm der Zufall zu Hilfe – in Gestalt von Gerda Oeser, die bei Rot über die Straße läuft und von Winfried angefahren wird. Statt seinen echten Namen zu nennen, stellt er sich als Herr Landgraf vor, flirtet mit ihr und trifft sich mehrmals mit ihr. Schließlich erzählt er von der letzten Rate für ein Eigenheim, die angeblich fällig ist. Gerda leiht ihm 20.000 Mark, in der Hoffnung, eines Tages mit ihm in dem Haus zu wohnen. Ihr Bruder Benno Laue ist da weniger gutgläubig: Er findet heraus, dass Winfried das Haus gar nicht gekauft, sondern lediglich den Verkauf vermittelt hat. Binnen 24 Stunden soll das Geld zurück sein.

Bernd gibt seinem Bruder den Tipp, es bei Annemarie zu versuchen, und so steht Winfried im Polizeiruf 110 „Gier“ zum ersten Mal bei seiner Schwägerin vor der Tür. Das Geld hätte sie – verleihen will sie es aus Prinzip trotzdem nicht. Wenig später entdeckt eine Nachbarin Annemarie tot in ihrer Wohnung. Hauptmann Peter Fuchs, Oberleutnant Jürgen Hübner und Leutnant Thomas Grawe übernehmen die Ermittlungen und erfahren, dass die Box mit den nagelneuen Scheinen leer ist: Rund 25.000 Mark fehlen. Doch wer wusste überhaupt von dem Bargeld, das Annemarie Dosse so sorgsam hortete …

Hinter den Kulissen

„Gier“ ist die 106. Folge der Reihe Polizeiruf 110. Für Hauptmann Peter Fuchs (Peter Borgelt) war es bereits der 63. Fall, Oberleutnant Jürgen Hübner (Jürgen Frohriep) ermittelte zum 51. Mal, während Leutnant Thomas Grawe (Andreas Schmidt-Schaller) erst seinen dritten Einsatz absolvierte. Die ungleichen Brüder Winfried (Rolf Mey-Dahl), Carlheinz (Günter Junghans) und Bernd Dosse (Wilfried Pucher) stehen im Mittelpunkt der Geschichte, Karin Schröder spielt Carlheinz’ Ehefrau Annemarie Dosse.

Der Film beruht auf dem gleichnamigen Roman von Hasso Mager. Hans Knötzsch schrieb das Drehbuch und führte auch Regie. Gedreht wurde vom 21. Oktober bis zum 7. Dezember 1985 in Potsdam und Berlin, produziert von der DEFA im Auftrag des Fernsehens der DDR. Die Kostüme schuf Barbara Braumann, die Filmbauten stammen von Werner Pieske. Bei der Erstausstrahlung lag die Zuschauerbeteiligung bei 32,3 Prozent.

Besetzung

Hauptmann Peter Fuchs – Peter Borgelt
Oberleutnant Jürgen Hübner – Jürgen Frohriep
Leutnant Thomas Grawe – Andreas Schmidt-Schaller
Polizeiobermeister Kubusek – Klaus Nietz
Winfried Dosse – Rolf Mey-Dahl
Uschi Dosse – Uta Schorn
Carlheinz Dosse – Günter Junghans
Annemarie Dosse – Karin Schröder
Bernd Dosse, Inhaber der Birkenschenke – Wilfried Pucher
Frau Feig – Tessy Fehring-Bortfeld
Gerda Oeser – Friederike Aust
Willi Purck, Optiker – Dieter Wien
Egon Kreutzer – Hans-Joachim Hanisch
Frau Dr. Schwundt – Petra Hinze
Werkstattleiter Gerhard Schroth – Carl-Hermann Risse
Benno Laue, Gerda Oesers Bruder – Achim Petry
Herr Glaubert – Giso Weißbach
Carla – Birgit Frohriep
Beate – Angelika Lietzke
Elke, Angestellte bei Purck – Constanze Roeder
Herr Meyerhold – Wolfgang Brunecker
Andreas – Erwin Berner
Herr Munck – Lutz Erdmann
Herr Großmann – Ernst Steiner
Isolde Großmann – Ulrike Hanke-Hänsch
Kraftfahrer – Jürgen Polzin
Lieferant der Birkenschenke – Roman-Eckhard Galonska
Gast der Birkenschenke – Hans-Werner von Gehr
Genosse der Spurensicherung – Norbert Franke
Genosse der Spurensicherung – Werner Kos
Frau Einsiedel – Trude Brentina
Bettnachbar von Herrn Munck – Will Erdmann
Kriminalist – Uwe Geyer
Volkspolizist – Roland Kuchenbuch
Befragter durch Kripo – Kurt Naumann
Herr A. – Lothar Schellhorn
Frau Glaubert – Swetlana Skorochodowa
u. v. a.

Stab

Regie – Hans Knötzsch
Drehbuch – Hans Knötzsch
Romanvorlage – Hasso Mager
Produktion – Kurt Lichterfeld
Musik – Karl-Ernst Sasse
Kamera – Siegfried Mogel
Schnitt – Barbara Simon
Kostüm – Barbara Braumann
Filmbauten – Werner Pieske
Produktionsunternehmen – DEFA im Auftrag des Fernsehens der DDR