Kurz und knapp – darum geht’s

Seit einem halben Jahr sitzt Jürgen Seidler in Untersuchungshaft, ein Geständnis liegt vor, und trotzdem wollen Hauptmann Peter Fuchs und Oberleutnant Lutz Zimmermann die Akte nicht zuklappen: Der Koffer mit 30.000 Mark, den Seidler dem Kunsthändler Boltenhagen abgenommen haben will, ist nie aufgetaucht. Gibt es einen Komplizen, oder hat der Häftling die Beute versteckt? Dann zieht Seidler sein Geständnis überraschend zurück und beteuert, unschuldig zu sein. Warum er die Tat überhaupt auf sich genommen hat, verrät er nicht. Zimmermann, dem Fuchs den zähen Fall übertragen hat, beginnt gemeinsam mit der Staatsanwältin noch einmal von vorn – und blickt dabei in eine Familie, in der zwischen zwei Brüdern längst nichts mehr stimmt …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Bedenkzeit“

In einem Tunnel wird der Kunsthändler Boltenhagen von einem Motorradfahrer überrollt und stirbt noch an Ort und Stelle. Danach fehlt von seinem Koffer, in dem sich 30.000 Mark befanden, jede Spur. Die Maschine gehört Jürgen Seidler, der vom Tatort flieht, aber kurz darauf gestellt wird. Ein schneller Ermittlungserfolg, so scheint es: Seidler gesteht, kann Einzelheiten des Hergangs schildern und gibt an, den Geldkoffer über die Planken geworfen zu haben. Gefunden wird der allerdings nie.

In der Untersuchungshaft teilt sich Seidler die Zelle mit dem alten Oswin, der betrunken eine Frau totgefahren hat. Oswin hat alles zugegeben und sieht dem Ende der U-Haft beinahe erleichtert entgegen. Umso weniger kann er nachvollziehen, warum sein Mitgefangener den Ermittlern nicht reinen Wein einschenkt. Denn davon sind Hauptmann Peter Fuchs und Oberleutnant Lutz Zimmermann im DDR-Krimi „Bedenkzeit“ überzeugt: Entweder hatte Seidler einen Mittäter, oder er hat das Geld irgendwo beiseitegeschafft. Doch der Beschuldigte rückt von seiner Version keinen Fingerbreit ab, und die Wochen vergehen, ohne dass sich die Spur der Beute aufnehmen lässt.

Nach sechs Monaten ist der Fall noch immer nicht abgeschlossen, Hauptmann Fuchs hat ihn inzwischen an Oberleutnant Zimmermann abgegeben. Weil sich Seidler die Tat nicht endgültig nachweisen lässt, steht er sogar kurz vor der Zwangsentlassung. Da stirbt sein Vater. Veronika, die Frau seines jüngeren Bruders Peter, bittet darum, dass Jürgen an der Beerdigung teilnehmen darf. Was er dabei erfährt, bringt ihn in Rage: Veronika erwartet ein Kind von Peter, doch der will davon nichts wissen und hat seine Frau verlassen, während Jürgen in Haft saß.

Bei der Trauerfeier im Polizeiruf 110 „Bedenkzeit“ will Jürgen seinen Bruder zwingen, zu Veronika zurückzukehren – und beißt auf Granit. Zwischen den beiden geht es um weit mehr als eine kriselnde Ehe. Jürgen war für Peter seit frühester Kindheit so etwas wie ein Vater, er hat ihm die Zukunft vorgezeichnet und ihm auch Veronika ausgesucht. Genau dieser Bevormundung aber will sich Peter endlich entziehen.

Zurück im Gefängnis greift Jürgen zum Stift und schreibt an die Staatsanwaltschaft: Sein Geständnis sei falsch gewesen, in Wahrheit habe er mit der Tat nichts zu tun. Weshalb er sich dann überhaupt bezichtigt hat, behält er für sich. Für Zimmermann bedeutet der Widerruf, dass er gemeinsam mit der Staatsanwältin noch einmal ganz am Anfang steht: Jedes Indiz, jede Aussage, alles, was für oder gegen Seidlers Schuld spricht, kommt erneut auf den Prüfstand. Und nach so langer Zeit drängt sich eine Frage auf, die kaum noch zu beantworten scheint: Wenn Jürgen Seidler nicht auf dem Motorrad saß – wer war es dann …

Hinter den Kulissen

„Bedenkzeit“ ist die 105. Folge der Reihe Polizeiruf 110. Für Hauptmann Peter Fuchs (Peter Borgelt) ist es bereits der 62. Fall, Oberleutnant Lutz Zimmermann (Lutz Riemann) ermittelt zum neunten Mal. Auch nach Dienstschluss sieht man sich: Zimmermann kommt regelmäßig auf ein Feierabendbier bei Fuchs vorbei. Der hat inzwischen einen neuen Mitbewohner – einen weißen Pudel, der dem getöteten Kunsthändler gehörte und den Fuchs nicht übers Herz brachte, ins Tierheim zu geben.

In den Episodenrollen sind unter anderem Wolf-Dieter Lingk als Jürgen Seidler, Peter René Lüdicke als sein Bruder Peter, Frauke Poolman als Veronika, Fred Delmare als Oswin und Hannelore Koch als Staatsanwältin zu sehen. Drehbuch und Regie stammen von Hans-Werner Honert.

Gedreht wurde vom 15. Mai bis zum 5. Juni 1985 in Schwerin und Görlitz, weitere Szenen entstanden in Greifswald. Für die Kostüme war Brigitte Kleinbauer verantwortlich, die Filmbauten schuf Gudrun Müller. Produziert wurde der Film vom Fernsehen der DDR; bei seiner Erstausstrahlung im 1. Programm erreichte er eine Zuschauerbeteiligung von 32,2 Prozent.

Besetzung

Hauptmann Peter Fuchs – Peter Borgelt
Oberleutnant Lutz Zimmermann – Lutz Riemann
Jürgen Seidler – Wolf-Dieter Lingk
Peter Seidler, Jürgens Bruder – Peter René Lüdicke
Veronika, Peters Frau – Frauke Poolman
Claudia Ziegler – Cornelia Lippert
Staatsanwältin – Hannelore Koch
Oswin, Jürgens Zellengenosse – Fred Delmare
Zeuge – Gerd Klotzek
Elmar Raude – Michael Telloke
Reinhold Banner – Olaf Stannek
Kunsthändler Boltenhagen – Kurt Belicke
u. v. a.

Stab

Regie – Hans-Werner Honert
Drehbuch – Hans-Werner Honert
Produktion – Uwe Herpich
Musik – Jürgen Wilbrandt
Kamera – Kurt Bobek
Schnitt – Margrit Schulz
Kostüm – Brigitte Kleinbauer
Filmbauten – Gudrun Müller
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR