Kurz und knapp – darum geht’s

Ein Überfall im Morgengrauen, ein Täter ohne Gesicht und eine Polizei, die von ihm verspottet wird: Nachdem ein Berliner Postamt um rund 100.000 Mark erleichtert worden ist, tappen Hauptmann Peter Fuchs, Oberleutnant Lutz Zimmermann und Leutnant Thomas Grawe im Dunkeln. Brauchbare Spuren gibt es nicht, und die beiden Überfallenen können den Maskierten kaum beschreiben. Dann erreicht die Kripo ein Brief aus aufgeklebten Zeitungsbuchstaben. Der Räuber bietet an, das Geld zurückzugeben – vorausgesetzt, die Ermittler gehen auf seine Bedingungen ein und schalten eine Zeitungsannonce. Fuchs denkt nicht daran, nachzugeben, und überträgt den Fall Grawe. Für den Leutnant beginnt die mühsame Jagd auf einen Gegner, der sich seiner Sache verdächtig sicher ist …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Ihr faßt mich nie!“

Es ist noch früh am Morgen des 18. Mai 1987, als in einem Berliner Postamt die Routine jäh endet: Liesbeth Rietz, die wie jeden Tag die Zeitungen in die Filiale holt, wird von einem vermummten Mann überwältigt. Ihrem Chef Walter Krämer, der kurz darauf zum Dienst erscheint, ergeht es nicht besser. Der Unbekannte fesselt beide und zieht ihnen Masken über den Kopf, sodass sie nichts mehr sehen können. Dann leert er die Kasse – rund 100.000 Mark wechseln den Besitzer.

Für die Kriminalisten beginnt im TV-Krimi „Ihr faßt mich nie!“ ein Fall, der sich von Anfang an zäh anlässt. Verwertbare Fingerabdrücke gibt es keine, aus der Nachbarschaft kommen keine Hinweise, und auch Rietz und Krämer haben dem Protokoll kaum etwas hinzuzufügen: Alter und Stimme des Täters können sie nur vage umschreiben. Ein paar Einzelheiten geben den Ermittlern allerdings zu denken. Die Fesseln saßen auffallend locker, und die Waffe, mit der der Räuber seine Opfer bedroht hat, entpuppt sich als harmlose Spritzpistole. Alles deutet darauf hin, dass hier kein abgebrühter Profi, sondern ein Anfänger am Werk war.

Einige Zeit später landet bei der Polizei ein Schreiben, dessen Buchstaben aus Zeitungen ausgeschnitten sind. Darin bietet der Täter einen Handel an: Er werde die Beute zurückgeben, wenn die Kripo eine Anzeige mit genau festgelegtem Text in einer bestimmten Ausgabe der „BZ am Abend“ erscheinen lasse. Darunter steht, mit der Schreibmaschine getippt, ein einziger höhnischer Satz. Hauptmann Fuchs lehnt rundweg ab – auf das Angebot einzugehen, hieße für ihn, das Versagen der Ermittler öffentlich einzuräumen. Stattdessen übergibt er die Sache im Polizeiruf 110 „Ihr faßt mich nie!“ offiziell an Leutnant Grawe.

Doch auch Grawe kommt kaum vom Fleck. Zwar lässt sich anhand der getippten Zeile der Schreibmaschinentyp bestimmen, die Überprüfungen in Berliner Büros bringen aber nichts ein. Mehr Hoffnung ruht auf den Spezialisten um Dr. Tretow, der gern Wilhelm Busch zitiert. Sie finden heraus, dass die Masken auf einem alten Nähmaschinenmodell genäht wurden, und stoßen im Stoff auf auffallend viele Pollen des seltenen Dreidornigen Lederhülsenbaums. Zusammen mit bestimmten Schmutzpartikeln im Gewebe soll das helfen, das Gebiet einzugrenzen, aus dem der Täter kommt – vergeblich.

Ein psychologisches Täterprofil zeichnet das Bild eines intelligenten Mannes, der von seinem Umfeld verkannt wird und mit Komplexen zu kämpfen hat. Für den Gesuchten selbst scheint die ganze Angelegenheit längst zum Spiel geworden zu sein: Eines Tages klingelt bei Grawe im Dienst das Telefon, und am anderen Ende meldet sich der Räuber. Das Angebot aus seinem Brief, versichert er, sei durchaus ernst gemeint gewesen. Und noch einmal lässt er keinen Zweifel daran, dass die Polizei ihn niemals zu fassen bekommen wird …

Hinter den Kulissen

„Ihr faßt mich nie!“ ist die 117. Folge der Krimireihe Polizeiruf 110. Für Hauptmann Peter Fuchs (Peter Borgelt) ist es bereits der 71. Fall, Oberleutnant Lutz Zimmermann (Lutz Riemann) ermittelt zum 14. und Leutnant Thomas Grawe (Andreas Schmidt-Schaller) zum zwölften Mal. In weiteren Rollen sind unter anderem Liesbeth Rietz (Helga Göring), Walter Krämer (Victor Deiß) und Dr. Tretow (Edgar Külow) zu sehen.

Regie führte Gerald Hujer, das Drehbuch schrieb Thomas Steinke. Gedreht wurde vom 18. Mai bis zum 15. Juli 1987 in Berlin und Dresden. Die Aufnahmen der Gleditschie entstanden bereits am 29. April 1987 im Arboretum der Humboldt-Universität Berlin in der Späthstraße. Die Kostüme schuf Ruth Völker, für die Filmbauten war Monika Rockel-Eckermann verantwortlich.

Bei der Erstausstrahlung im 1. Programm des Fernsehens der DDR lag die Zuschauerbeteiligung bei 52,3 Prozent.

Besetzung

Hauptmann Peter Fuchs – Peter Borgelt
Oberleutnant Lutz Zimmermann – Lutz Riemann
Leutnant Thomas Grawe – Andreas Schmidt-Schaller
Norbert Schumann, Technischer Zeichner – Ralf Kober
Schumanns Mutter – Irma Münch
Liesbeth Rietz – Helga Göring
Walter Krämer – Victor Deiß
Dr. Voigt – Otti Planerer
Dr. Tretow – Edgar Külow
Dr. Böhme – Eberhard Mellies
Kotulla – Hans Klima
ABV – Walter Nickel
Prof. Schneider – Erhard Köster
Gisela Schmiedel – Diana Urbank
Rita – Caterina Schulz
Elke Fengler – Hildegard Walter
Klaus Winter – Joachim Nimtz
Frau Behnke – Manja Göring
Herr Rietz – Heinz-Karl Konrad
1. KWV-Vertreter – Wolfgang Winkler
Tontechnikerin – Marina Waligora
Tontechniker – Ernst Dollwetzel
Kriminalist – Harry Merkel
u. v. a.

Stab

Regie – Gerald Hujer
Drehbuch – Thomas Steinke
Produktion – Hans-Jörg Gläser
Musik – Reinhard Lakomy
Kamera – Martin Schlesinger
Schnitt – Brigitte Hujer
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR