Kurz und knapp – darum geht’s

Ein Sexualverbrechen erschüttert eine ländliche Siedlung: Ein maskierter Mann hat die junge Mutter Ingrid Willert, deren Baby erst wenige Tage alt ist, in ihrem Haus überfallen und vergewaltigt. Leutnant Thomas Grawe und Oberleutnant Lutz Zimmermann übernehmen die Ermittlungen, doch eine brauchbare Spur ist nicht in Sicht. Dann schlägt der Unbekannte erneut zu. Diesmal trifft es die junge Marietta, die sich im letzten Moment losreißen kann. Viel mehr, als dass der Angreifer schwer war und eigenartig roch, können die beiden Frauen nicht sagen. Während im Ort die Angst um sich greift, kämpft Unterleutnant Görz in ihrem ersten Fall mit ihren Gefühlen – und mit dem Wunsch, den Täter ganz allein zu fassen …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Der Mann im Baum“

In der kleinen Siedlung kennt jeder den Tagesablauf seiner Nachbarn, Überraschungen gibt es hier kaum. Umso größer ist der Schock an jenem Morgen, an dem Ingrid Willert ihren Mann Dieter zur Arbeit verabschiedet und kurz darauf einem Fremden die Tür öffnet: Der maskierte Mann fesselt die junge Mutter und vergewaltigt sie. Ihre ältere Nachbarin Frau Kuster hört die Schreie und findet Ingrid schwer verletzt und blutend vor. Die Frau kommt völlig traumatisiert ins Krankenhaus, ihr Neugeborenes, das längst hätte gestillt werden müssen, wird ebenfalls dorthin gebracht. Frau Kuster macht sich Vorwürfe – ihr Hund hatte schließlich angeschlagen.

Im Nachhinein bekommen manche Begebenheiten ein ganz anderes Gewicht. Ingrid Willert glaubte schon einmal, nachts eine Gestalt im Baum vor ihrem Fenster gesehen zu haben, doch ihr Mann redete ihr das aus. Und auch Frau Otto aus der Nachbarschaft hatte unheimlichen Besuch: Ein Unbekannter wollte sich mit einer erfundenen Nachricht über ihren Mann Zutritt zu ihrem Haus verschaffen. Erst durch den Türspion bemerkte sie die Maske – ihr Hilferuf trieb den Mann in die Flucht.

Grawe und Zimmermann gehen im Polizeiruf 110 „Der Mann im Baum“ mit großem Aufwand vor. Die Spurensicherung stellt Fußabdrücke und Kleidungsfasern sicher, die Kriminalisten richten sich in der Nähe der Tatorte einen eigenen Stützpunkt ein, auf den Straßen sind mehr Polizisten unterwegs, und die Bevölkerung wird vor dem Täter gewarnt. Trotzdem tappen die Ermittler im Dunkeln.

Dann wird die junge Marietta angegriffen. Sie wehrt sich mit aller Kraft, windet sich aus dem Griff des Maskierten und schreit so laut, dass er von ihr ablässt und flieht. Was beide Opfer berichten, ist dürftig: Der Mann war schwer und hatte einen seltsamen Geruch an sich. Erst nach und nach kommen weitere Details ans Licht. Frau Kuster fällt ein, dass sie am Morgen der Tat ein Moped gehört hat, und zwar zu einer Zeit, in der dort sonst keines fährt. Marietta wiederum kann den Geruch genauer beschreiben: Der Angreifer roch für sie nach „Karnickelbock“.

Unter den Frauen des Ortes wächst derweil das Gefühl, beobachtet und verfolgt zu werden. Besonders nah geht der Fall Unterleutnant Görz, für die es der erste Einsatz bei der Kripo ist. Nüchterne Distanz will ihr bei einem solchen Verbrechen einfach nicht gelingen. Dazu kommt ein Ehrgeiz, der sie zum Risiko werden lässt: Am liebsten würde die junge Kriminalistin den Täter im TV-Krimi „Der Mann im Baum“ ganz auf eigene Faust stellen.

Und während die Ermittler noch nach dem entscheidenden Hinweis suchen, hört die Verkäuferin im Dorfkonsum ihre Kundinnen über die jüngsten Überfälle reden – und beschleicht eine furchtbare Ahnung …

Hinter den Kulissen

„Der Mann im Baum“ ist die 118. Folge der Reihe Polizeiruf 110. Für Oberleutnant Lutz Zimmermann (Lutz Riemann) ist es der 15. Fall, für Leutnant Thomas Grawe (Andreas Schmidt-Schaller) der 13. Unterstützung bekommen die beiden von Unterleutnant Görz (Anne Kasprik), die hier ihren ersten Fall erlebt. In weiteren Rollen sind unter anderem Simone von Zglinicki als Ingrid Willert, Walter Plathe als ihr Mann Dieter, Susann Thiede als Marietta und Marga Legal als Nachbarin Frau Kuster zu sehen.

Manfred Mosblech schrieb das Drehbuch und führte auch Regie. Produziert wurde der Film von der DEFA im Auftrag des Fernsehens der DDR. Die Dreharbeiten fanden vom 5. August bis Mitte Oktober 1987 in Potsdam statt. Die Kostüme entwarf Dorit Gründel, die Filmbauten stammen von Christoph Schneider, die Musik von Günther Fischer.

Bei der Erstausstrahlung im 1. Programm des Fernsehens der DDR lag die Zuschauerbeteiligung bei 58,4 Prozent und damit deutlich über dem Durchschnitt der vorangegangenen Polizeiruf-Filme. Seitdem wurde die Folge mehrfach wiederholt.

Besetzung

Leutnant Thomas Grawe – Andreas Schmidt-Schaller
Oberleutnant Lutz Zimmermann – Lutz Riemann
Unterleutnant Görz – Anne Kasprik
Margit Silawske – Renate Geißler
Karl Silawske – Günter Schubert
Ingrid Willert – Simone von Zglinicki
Dieter Willert – Walter Plathe
Marietta – Susann Thiede
Frau Otto – Hildegard Alex
Frau Kuster – Marga Legal
Chefarzt – Wolfgang Dehler
Oberleutnant Heinrich – Klaus Gehrke
Unterleutnant Mohr – Detlef Gieß
Hauptwachtmeister Klinger – Willi Schrade
Oberleutnant Langner – Frank Schenk
Margits Mutter – Manja Behrens
Mariettas Mutter – Petra Hinze
Mariettas Vater – Hilmar Baumann
Mariettas Freund – Sven Martinek
Rita – Simone Thomalla
Kundin – Ellen Rappus
Kundin – Brigitte Beier
Ältere Verkäuferin – Waltraud Kramm
Hebamme – Anne Wollner
Clubhausleiter – Willi Neuenhahn
ABV Hicke – Michael Kinkel
Arzt – Wolf-Dietrich Köllner
Zugeführter – Jürgen Huth
Kunstmaler – Knut Schultheiß
Kaskadeur – Hans Grzesczak
Laborantin der K – Helga Bauer
VP-Sekretärin – Rose Becker
Älterer Mann – Werner Kamenik
Arzt – Hans-Hartmut Krüger
u. v. a.

Stab

Regie – Manfred Mosblech
Drehbuch – Manfred Mosblech
Produktion – Siegfried Kabitzke
Musik – Günther Fischer
Kamera – Günter Heimann
Schnitt – Ilona Thiel
Produktionsunternehmen – DEFA im Auftrag des Fernsehens der DDR