Kurz und knapp – darum geht’s
Ost-Berlin am 7. Oktober 1989: Während die DDR ihren 40. Jahrestag feiert, ziehen Tausende unter dem Ruf „Keine Gewalt“ durch die Straßen. Für Hauptmann Günter Beck, der sich stets als unpolitischer Hüter von Recht und Ordnung verstanden hat, zählt an diesem Tag nur eines: Endlich kann er den Einbrecher Holm stellen, dem er schon lange auf den Fersen ist. Doch Verstärkung bekommt er keine, denn die Kollegen werden gegen die Demonstranten eingesetzt – und Holm taucht im Gewimmel unter. Stattdessen stößt Beck dort auf seinen eigenen Sohn Andreas. Als die Polizei massenhaft junge Leute festnimmt, macht sich der Kriminalist auf die Suche nach ihm, und was er dabei zu sehen bekommt, erschüttert seine Überzeugungen bis ins Mark …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Das Duell“
Festtag und Ausnahmezustand liegen an diesem 7. Oktober 1989 in Ost-Berlin dicht beieinander: Die DDR begeht ihren 40. Geburtstag mit großem Aufwand, doch seit den Leipziger Montagsdemonstrationen sitzt der Staatsführung und der Staatssicherheit die Unruhe im Nacken. Auch in der Hauptstadt kündigen sich Proteste an, und das MfS will jede Störung der Feierlichkeiten um jeden Preis verhindern. Oberst Reuter verkündet deshalb eine folgenschwere Entscheidung: Die Kriminalpolizei ist ab sofort dem Ministerium für Staatssicherheit unterstellt. Während Hauptmann Böhme seine Leute auf die neue Linie einschwört, hat sein Kollege Günter Beck ganz andere Sorgen.
Der Kriminalist wird zu einem Einbruch in ein Intershop-Lager gerufen – und erwischt dort ausgerechnet den Mann, hinter dem er seit geraumer Zeit her ist: Holm, einen ebenso gerissenen wie brutalen Einbrecher. Doch der Ganove entwischt. Weil an diesem Tag jeder verfügbare Polizist für den Einsatz gegen die Demonstranten gebraucht wird, bleibt Beck im Polizeiruf 110 „Das Duell“ ohne Unterstützung und nimmt die Verfolgung allein auf. Immerhin gelingt es ihm, dem Flüchtenden die Tasche mit der Beute zu entreißen.
Am Bahnhof Schönhauser Allee droht ihm Holm zu entkommen, und Beck ruft den Passanten zu, den Mann aufzuhalten. Tatsächlich stellt sich ihm der junge Johann in den Weg, der mit seiner Freundin Anna auf dem Weg zur Demonstration ist. Holm stößt ihn rücksichtslos die Treppe hinunter. Während Johann schwer verletzt liegen bleibt und später ins Krankenhaus gebracht wird, verschwindet der Einbrecher im Strom der Protestierenden.
Beck stürzt sich ins Gedränge, um ihn doch noch zu fassen. Statt Holm entdeckt er jedoch ein vertrautes Gesicht: Sein Sohn Andreas marschiert mit den Demonstranten. Für den Hauptmann, der sich aus der Politik stets herausgehalten hat, ist das unbegreiflich – was hat sein Junge bei Leuten verloren, die er für „Konterrevolutionäre“ hält? Zurück bei seiner Frau Thea, wartet Beck vergeblich darauf, dass Andreas nach Hause kommt.
Dann erreicht ihn die Nachricht, dass Demonstranten in großer Zahl festgenommen worden sind. Beck kehrt ins Polizeipräsidium zurück, und was er dort erlebt, entsetzt ihn zutiefst: Männer der Staatssicherheit, aber auch Polizisten behandeln die Festgenommenen wie Schwerverbrecher. Stundenlang müssen sie an der Wand stehend ausharren – alte Männer ebenso wie Mütter, deren Kinder zu Hause allein warten, und Jugendliche mit Verletzungen.
Was Beck bislang für unverrückbar hielt, gerät ins Rutschen: Wer anders denkt, ist plötzlich nicht mehr automatisch ein Krimineller, und so mancher Ganove gibt sich auf einmal als politisch Verfolgter aus. Während der Hauptmann im DFF-Polizeiruf „Das Duell“ die Reihen der Festgehaltenen absucht, bleibt eine bange Frage: Ist auch Andreas unter ihnen …
Hinter den Kulissen
In „Das Duell“, der 143. Folge der Krimireihe Polizeiruf 110, ermittelt Hauptmann Günter Beck (Günter Naumann) in seinem vierten Fall. Zur Familie des Kriminalisten gehören seine Frau Thea (Annekathrin Bürger) und Sohn Andreas (Peter Donath), sein Widersacher ist der Einbrecher Holm (Volker Herold). Als junges Paar sind Anna (Anja Kling) und Johann (Ralph Sählbrandt) zu sehen.
Im Mittelpunkt des Films steht das gewaltsame Vorgehen der Staatsorgane gegen friedliche Demonstranten in Ost-Berlin am 7. Oktober 1989. Es ist die einzige Folge der Reihe, die sich den Protesten im Herbst 1989 widmet. Mit den neuen, offenen Grenzen befasste sich im selben Jahr das Crossover „Unter Brüdern“ zwischen Polizeiruf 110 und Tatort.
Regie führte Thomas Jacob, das Drehbuch schrieb Ulrich Frohriep. Produziert wurde der Film vom DEFA-Studio für Spielfilme im Auftrag des DFF, gedreht wurde vom 10. Juli bis zum 13. August 1990 in Berlin. Bei der Erstausstrahlung lag die Zuschauerbeteiligung bei 37,2 Prozent; seither ist die Folge zahlreiche Male wiederholt worden.
Besetzung
Hauptmann Günter Beck – Günter Naumann
Leutnant König – Gerald Schaale
Hauptmann Böhme – Werner Tietze
Oberst Reuter – Helmut Schellhardt
Thea Beck, Becks Frau – Annekathrin Bürger
Holm, Einbrecher – Volker Herold
Doris – Kati Grasse
Anna, Johanns Freundin – Anja Kling
Johann – Ralph Sählbrandt
Dieter Möller – Uwe Teufer
Andreas Beck, Becks Sohn – Peter Donath
ABV Oberleutnant Alfred – Klaus Gehrke
Bruder der Braut – Jörg Steinberg
Conny – Cornelia Heilmann
Bräutigam – Heiko Wolff
1. Wirt – Arnim Mühlstädt
Genosse Spurensicherung – Holger Franke
Oberstleutnant – Heini Müller
1. Volkspolizist – Michael Kinkel
2. Volkspolizist – Klaus Tilsner
Alte Frau – Rose Becker
Alter Mann – Günter Drescher
Kneipenwirt – Bodo Krämer
1. Saufbruder – Romeo Riemer
1. Schläger – Fred Schmidt
3. Volkspolizist – Lothar Hans
2. Schläger – Thomas Förster
Junge Frau – Beatrice Bergner
2. Saufbruder – Andreas Brandt
Kriminalist – Hans-Joachim Brieske
3. Saufbruder – Roman-Eckhard Galonska
3. Schläger – Frank Haberland
Älterer Mann – Werner Kamenik
Leiter Genex-Lager – Uwe Karpa
4. Schläger – Wolfgang Lindner
Obermeister – Edmund Raatz
Hauptmann – Knut Schultheiß
2. Wirt – Wolfgang Seher
Freund des Bruders der Braut – André Matthias
u. v. a.
Stab
Regie – Thomas Jacob
Drehbuch – Ulrich Frohriep
Produktion – Uwe Kraft
Musik – Arnold Fritzsch
Kamera – Peter Krause
Schnitt – Brigitte Krex
Produktionsunternehmen – DEFA-Studio für Spielfilme, im Auftrag von DFF



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