Kurz und knapp – darum geht’s

Ein Sturz aus großer Höhe, ein Brief voller Schuld – und kein einziges Dokument: Im Elbsandsteingebirge stirbt ein junger Mann, der in seinem Abschiedsschreiben bekennt, einen Menschen getötet zu haben. Die Oberleutnants Jürgen Hübner und Lutz Zimmermann wissen zunächst nur, dass sich der Fremde in der Gegend „Backmann“ nannte. Erst nach zäher Kleinarbeit steht fest, wer er wirklich war: Ferdinand Usch, ein angehender Kunststudent aus Magdeburg. Seine Mutter hält einen Freitod für ausgeschlossen, und auch die Kriminalisten zweifeln, ob der Brief überhaupt aus Ferdinands Feder stammt. Alle Blicke richten sich auf seine Freundin Anja, mit der er den letzten Tag verbrachte und heftig stritt – doch die junge Frau ist wie vom Erdboden verschluckt …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Abgründe“

Schroffe Felsen, dichte Wälder, weite Ausblicke – das Elbsandsteingebirge ist ein Paradies für Wanderer. Doch unweit eines kleinen Dorfes wird die malerische Kulisse zum Schauplatz eines Todesfalls: Ein junger Mann stürzt von einem hohen Felsen und ist auf der Stelle tot. Wanderführer Max Haase, der ganz in der Nähe mit einer Gruppe Touristen unterwegs ist, ruft die Polizei. Haase kennt hier seit Jahren jeden Pfad und jeden Winkel, und kaum etwas in seinem Revier entgeht ihm. Papiere trägt der Tote nicht bei sich, dafür aber einen Abschiedsbrief in auffallend altertümlichem, schwülstigem Ton. Der Verfasser bekennt darin, einen Menschen umgebracht zu haben, und erklärt, er wolle dafür mit dem eigenen Leben bezahlen.

Die Oberleutnants Jürgen Hübner und Lutz Zimmermann übernehmen den Fall und stehen zunächst vor einem Namenlosen. Einen ersten Anhaltspunkt liefert die Obduktion: Der Mann hat kurz vor seinem Tod noch zu Mittag gegessen. An diesem Mittwoch hatte in der Umgebung aber nur ein einziges Lokal geöffnet – der Felsenkeller, nicht weit von der Absturzstelle. Wirt Genghein erinnert sich tatsächlich an den jungen Gast, und auch Schnitzer Gerd Wolf und Uhrmacher Reichard haben ihn dort gesehen. Der Fremde stellte sich als „Backmann“ vor. Mit diesem Namen kommen die Ermittler allerdings nicht weit, denn in den Karteien taucht niemand auf, der dazu passt.

Immerhin lassen sich die Spuren des Unbekannten in der Gegend nach und nach verfolgen. Der Revierförster ist ihm im Wald begegnet, wo sich der junge Mann nach dem Weg zur Waldbühne erkundigte. An seiner Seite war eine blonde Frau, die wissen wollte, wann an diesem Tag die Züge fahren. Später bemerkte der ABV die beiden am Bahnhof und sah, wie die junge Frau abreiste. Doch wer ist diese Begleiterin?

Erst nach langer, mühsamer Recherche gelingt es der Polizei im Polizeiruf 110 „Abgründe“, dem Toten seinen Namen zurückzugeben. Die Spur führt nach Magdeburg: Bei dem Mann handelt es sich um Ferdinand Usch, einen angehenden Kunststudenten und Maler, der gemeinsam mit seiner Freundin Anja Ludwig in einer umgebauten Mühle an der Elbe lebte. Seine Mutter Ute Usch will von einem Selbstmord nichts hören. Für sie steht fest, dass ihr Sohn ermordet wurde.

Ganz abwegig erscheint das auch den Ermittlern im DFF-Polizeiruf „Abgründe“ nicht, denn sie bezweifeln, dass Ferdinand den Abschiedsbrief selbst geschrieben hat. Umso dringender wollen Hübner und Zimmermann mit Anja sprechen. Mehrere Zeugen haben beobachtet, dass sie den Tag des Unglücks mit Ferdinand verbracht hat – und dass das Paar dabei immer wieder lautstark aneinandergeriet. Seitdem fehlt von der jungen Frau jede Spur. Was ist an jenem Tag zwischen den beiden vorgefallen, und wo steckt Anja jetzt …

Hinter den Kulissen

In „Abgründe“, der 139. Folge der Filmreihe Polizeiruf 110, ermittelt Oberleutnant Jürgen Hübner (Jürgen Frohriep) bereits in seinem 60. Fall. An seiner Seite steht Oberleutnant Lutz Zimmermann (Lutz Riemann), der zum 22. Mal im Einsatz ist, während Major Jäger (Werner Godemann) seinen vierten Auftritt in der Reihe hat.

Regie führte Reinhard Stein, das Drehbuch stammt von Hubertus Methe. Während der Produktion lief der Film noch unter den Arbeitstiteln „Schatten“ und „Von Furien verfolgt“. Gedreht wurde vom 28. November 1989 bis Mitte Februar 1990 in Dresden, Magdeburg und Bad Schandau, außerdem bei Lichtenhain und in Ottendorf.

Bei der Erstausstrahlung erreichte der Krimi eine Zuschauerbeteiligung von 21,3 Prozent. Nicht zu verwechseln ist die Folge mit der gleichnamigen Polizeiruf-Episode Nummer 174.

Besetzung

Oberleutnant Jürgen Hübner – Jürgen Frohriep
Oberleutnant Lutz Zimmermann – Lutz Riemann
Leutnant Eva Babenschneider – Claudia Maria Meyer
Major Jäger – Werner Godemann
Wirt Genghein – Jens-Uwe Bogadtke
Max Haase, Wanderführer – Bruno Carstens
Ute Usch, Ferdinands Mutter – Hildegard Alex
Schnitzer Gerd Wolf – Dietmar Richter-Reinick
Uhrmacher Reichard – Joachim Nimtz
Anja Ludwig, Ferdinands Freundin – Simone Bicking
Frau Wolf – Margret Allner
Käthe Münch – Eva Bergert
Johanna Wegner – Liane Düsterhöft
Ernst Siebert – Lothar Förster
Leutnant Kube – Andreas Haase
Dr. Seyer – Gesine Laatz
Förster August – Wolfgang Sörgel
Nachbar – Gerhard Vogt
Kaderleiter – Alexander Wikarski
u. v. a.

Stab

Regie – Reinhard Stein
Drehbuch – Hubertus Methe
Produktion – Hans-Jörg Gläser
Musik – Andreas Bicking
Kamera – Horst Klewe
Schnitt – Renate Müller
Kostüm – Joachim Voeltzke, Ruth Völker
Filmbauten – Gudrun Müller
Produktionsunternehmen – DFF