Kurz und knapp – darum geht’s

In einem Wäldchen liegt eine erwürgte Frau, und niemand weiß, wer sie ist. Erst eine Vermisstenanzeige bringt Hauptmann Günter Beck und Oberleutnant Thomas Grawe weiter: Die Tote ist die Krankenschwester Annemarie Liedekow, eine junge Frau, die allein mit ihrem kleinen Kind lebte und kaum etwas von sich preisgab. Wer der Vater des Kindes ist, hat sie nicht einmal ihrer Schwester Angelika verraten. Als die Ermittler dieses Geheimnis lüften, stoßen sie auf Jan Heder, einen Familienvater aus der nahen Kleinstadt. Er hatte mit Annemarie eine Affäre, von der niemand erfahren durfte, weil er seine Ehe um keinen Preis gefährden wollte. Ob ihn das allerdings schon zum Mörder macht, ist längst nicht ausgemacht …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Falscher Jasmin“

Was als kleiner Gefallen unter Kolleginnen beginnt, wird schnell zu einer quälenden Ungewissheit. Am Freitag hat Krankenschwester Annemarie Liedekow ihr Kleinkind ihrer Kollegin Sigrid zur Pflege überlassen, weil sie etwas vorhatte. Inzwischen ist Sonntag, und von der jungen Mutter fehlt jede Spur. Ihr Chef Dr. Bernd macht sich auf die Suche nach ihr, doch weder in ihrer Wohnung noch bei ihrer Schwester Angelika Kolm ist sie anzutreffen. Am Montag verschaffen sich die beiden gemeinsam Zutritt zu Annemaries Wohnung, und was sie dort vorfinden, lässt nichts Gutes ahnen: Das Chaos in den Räumen spricht für ein Gewaltverbrechen. Die beiden verständigen die Polizei.

Beinahe zur gleichen Zeit stößt ein Förster in einem Wäldchen auf eine halbnackte Frauenleiche. Die Unbekannte wurde erwürgt, Hinweise auf ihre Identität gibt es keine. Hauptmann Günter Beck und Oberleutnant Thomas Grawe, die im DFF-Polizeiruf „Falscher Jasmin“ die Ermittlungen übernehmen, bringen den Leichenfund mit der Vermisstenanzeige in Verbindung, die am selben Tag eingegangen ist. Sie lassen Dr. Bernd und Angelika Kolm zum Fundort bringen. Für die Schwester wird es ein bitterer Weg: Sie erkennt in der Toten Annemarie.

Wer war diese Frau, die so plötzlich aus dem Leben gerissen wurde? Die ersten Gespräche ergeben das Bild einer Krankenschwester, die bei Kollegen und Patienten gleichermaßen beliebt war, privat aber kaum jemanden an sich heranließ. Annemarie lebte allein mit ihrem unehelichen Kind und führte ein ausgesprochen stilles Leben. Wer der Vater ist, hat sie konsequent für sich behalten, und nicht einmal Angelika wurde eingeweiht. Dieses Schweigen lastet nun schwer auf den Ermittlungen.

Ihre Wohnung allerdings erzählt eine etwas andere Geschichte. Gefunden werden abgewaschene Weingläser, ein Schlüssel, zahlreiche Fotos und im Müll eine Weinflasche mit Fingerabdrücken. Alles deutet darauf hin, dass hier noch eine zweite Person gewesen ist. Die Kriminalisten nehmen sich die Bilder genauer vor und vergleichen sie mit den Abzügen, die auch Angelika Kolm besitzt. Hinzu kommt die Aussage eines Anglers vom See unweit des Fundorts, der am Tag des Verbrechens ein Fahrzeug im Wald bemerkt hat.

Am Ende dieser Spurensuche steht ein Name: Jan Heder. Der Bäcker wohnt Tür an Tür mit den Kolms, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Und er ist, wie sich herausstellt, der Vater von Annemaries Kind. Mit der Krankenschwester verband ihn ein Verhältnis, das um jeden Preis verborgen bleiben musste, denn seine Ehe wollte Jan Heder keinesfalls gefährden.

Für Beck und Grawe ist das im Polizeiruf 110 „Falscher Jasmin“ ein wichtiger Schritt, zugleich aber der Beginn neuer Fragen. Ein Familienvater, der eine heimliche Beziehung und ein uneheliches Kind vor aller Welt verbergen will, hat ohne Zweifel einiges zu verlieren. Ob er deshalb aber auch Annemarie Liedekows Tod auf dem Gewissen hat, ist damit noch lange nicht gesagt …

Hinter den Kulissen

„Falscher Jasmin“ ist die 137. Folge der Krimireihe Polizeiruf 110. Für Hauptmann Günter Beck (Günter Naumann) ist es erst der dritte Fall, Oberleutnant Thomas Grawe (Andreas Schmidt-Schaller) ermittelt dagegen bereits zum 26. Mal. Die Rolle der Annemarie Liedekow spielt Anne Kasprik, Jürgen Zartmann ist als Jan Heder zu sehen, Ulrike Mai als Angelika Kolm und Horst Drinda als Dr. Bernd.

Manfred Mosblech schrieb das Drehbuch und führte auch Regie. Gedreht wurde unter dem Arbeitstitel „Heut’ Abend am See“ vom 1. Juli bis zum 30. Oktober 1989 in Bad Freienwalde und Umgebung, in Marienwerder, in der Siedlung Waltersdorf, einem Ortsteil von Eichwalde, sowie in Berlin. Die Atelieraufnahmen entstanden im DEFA-Studio für Spielfilme. Für die Kostüme war Ute Rossberg verantwortlich, die Filmbauten stammen von Christa Köppen. Produziert wurde der Krimi vom DFF.

Im Abspann erklingt das titelgebende Lied „Falscher Jasmin“, gesungen von Anke Lautenbach. Bei der Erstausstrahlung lag die Zuschauerbeteiligung bei 43,8 Prozent.

Musik

Anke Lautenbach – Falscher Jasmin

Besetzung

Hauptmann Günter Beck – Günter Naumann
Oberleutnant Thomas Grawe – Andreas Schmidt-Schaller
Oberleutnant Heinrich – Klaus Gehrke
Leutnant Hempel – Ernst-Georg Schwill
Leutnant Franz – Klaus Tilsner
Annemarie Liedekow, Krankenschwester – Anne Kasprik
Jan Heder, Bäcker – Jürgen Zartmann
Ingrid Heder – Angelika Perdelwitz
Klaus Kolm – Jürgen Mai
Angelika Kolm, Annemaries Schwester – Ulrike Mai
Alfred Ditsch – Gerd Michael Henneberg
Uwe Hiede – Bernd Storch
Dr. Bernd, Annemaries Chef – Horst Drinda
Herr Brade, Angler – Helmut Müller-Lankow
Sigrid, Krankenschwester – Andrea Brose
Oberschwester – Anne Wollner
Gerichtsmediziner – Jürgen Huth
Krippenleiterin – Margot Busse
Krippenerzieherin – Corinna Breite
u. v. a.

Stab

Regie – Manfred Mosblech
Drehbuch – Manfred Mosblech
Produktion – Heinz-Jürgen Jeserigk
Musik – Günther Fischer
Kamera – Wolfram Beyer
Schnitt – Gerti Gruner
Kostüm – Ute Rossberg
Filmbauten – Christa Köppen
Produktionsunternehmen – DFF