Kurz und knapp – darum geht’s

Ein Unbekannter hat binnen sechs Wochen drei Frauen überfallen und vergewaltigt, und Kriminaloberkommissar Lutz Zimmermann und seine Kollegen haben weder brauchbare Spuren noch eine Beschreibung des Täters. Als dann auch noch einem Jäger das Gewehr gestohlen wird, spitzt sich die Lage zu. Der Bestohlene, Rolf Winter, hat ohnehin genug Ärger am Hals: Von Doris ist er geschieden, die gemeinsame Wohnung will er trotzdem nicht räumen, um den 14-jährigen Sohn Thomas kämpft er mit allen Mitteln – und seiner Freundin Silke hat er die Scheidung bislang verheimlicht. Und dann findet ein Abschnittsbevollmächtigter im Park einen Schwerverletzten, der sich mit einer Lüge herauszureden versucht …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Warum ich …“

Ein ganz gewöhnlicher Nachmittag in einer Vorstadtsiedlung – bis Frau Mansfeld in einem nahe gelegenen Waldstück von einem Unbekannten überfallen und vergewaltigt wird. Die Kriminalisten im Polizeiruf 110 „Warum ich …“ haben es mit einem Serientäter zu tun: Innerhalb von sechs Wochen ist dies bereits die dritte Tat dieser Art, und jedes Mal geht der Mann auf dieselbe Weise vor – er würgt seine Opfer mit einem Einkaufsnetz. Viel mehr haben Kriminaloberkommissar Lutz Zimmermann und seine Kollegen aus dem Team von Kriminalrat Reuter allerdings nicht in der Hand. Verwertbare Spuren gibt es keine, eine Beschreibung des Täters ebenso wenig, und so stochern die Ermittler im Nebel, während sie mit Hochdruck versuchen, ihn zu fassen, bevor er wieder zuschlägt.

Ganz andere Sorgen plagen Doris Winter. Ihr Mann Rolf hat sie mit einer jüngeren Frau betrogen, inzwischen ist die Ehe geschieden, und das Gericht hat Doris die Wohnung ebenso zugesprochen wie das Sorgerecht für Thomas, den gemeinsamen Sohn. Rolf allerdings denkt nicht im Traum daran, seine Sachen zu packen. Die Scheidung nimmt er schlicht nicht ernst, die Gütertrennung ignoriert er, und insgeheim hofft er sogar, Doris eines Tages ein zweites Mal zu heiraten. Für die stille, duldsame Frau wird das Leben mit dem Ex-Mann unter einem Dach zur Zerreißprobe – zumal Rolf den Jungen gegen die Mutter ausspielt.

Überhaupt nimmt Rolf es mit der Wahrheit nicht allzu genau. Seine Freundin Silke Schüler hält er immer wieder hin und lässt sie in dem Glauben, er sei noch verheiratet. Und auch Thomas ahnt nicht, dass seine Eltern längst geschiedene Leute sind.

Doris möchte sich mit Thomas ein gemeinsames neues Leben aufbauen. Doch als sie mit ihm zu ihrer Mutter fahren will, lädt Rolf den Jungen kurzerhand zur Jagd ein – und Thomas zieht mit dem Vater los. Der lässt ihn heimlich ein Reh schießen, anschließend kehren die beiden mit den übrigen Jägern in einem Gasthaus ein. Während die Männer drinnen zusammensitzen, verschwindet Rolfs Gewehr aus dem Kofferraum des Familienautos. Der Bestohlene erstattet Anzeige, und damit hat die Kripo im TV-Krimi „Warum ich …“ ein weiteres Problem auf dem Tisch: Irgendwo ist eine Jagdwaffe im Umlauf, und niemand weiß, wer sie an sich genommen hat.

Bald darauf entdeckt ein Abschnittsbevollmächtigter im Park einen schwer verletzten Mann, der ins Krankenhaus gebracht wird. Er selbst behauptet, er sei gestürzt – doch die Wunde spricht eine andere Sprache: Jemand hat ihn niedergeschlagen. Warum lügt der Mann? Und gibt es zwischen den Fällen, die die Kriminalpolizei derzeit beschäftigen, eine Verbindung?

Im DFF-Polizeiruf „Warum ich …“ arbeitet die Zeit gegen das Team: Ein Sexualtäter ist weiter auf freiem Fuß, eine Schusswaffe ist in unbekannte Hände geraten – und solange beides so bleibt, kann jederzeit Schlimmeres geschehen …

Hinter den Kulissen

In seinem 21. Fall ermittelt Kriminaloberkommissar Lutz Zimmermann (Lutz Riemann) an der Seite von Kriminalrat Reuter (Helmut Schellhardt), Kriminalkommissar König (Thomas Schuch) und Kriminalrat Jäger (Werner Godemann), für den es der dritte Einsatz ist. Neu dabei ist Kriminaloberkommissarin Weiß (Ev-Katrin Weiß) – erst die zweite Ermittlerin in der Geschichte der Reihe. In den folgenden Episoden taucht sie allerdings nicht mehr auf.

Eine Neuerung betrifft auch die Dienstbezeichnungen: Statt militärischer Ränge wie Hauptmann oder Oberleutnant, die in allen vorherigen Folgen üblich waren, tragen die Kriminalisten hier erstmals Titel wie Kriminaloberkommissar und Kriminalrat. In Folge 139 kommen die alten Ränge noch einmal zum Einsatz.

Mit Ursula Bonhoff führte nach den Folgen 54, 67 und 116 erst zum vierten Mal eine Frau bei einem Polizeiruf 110 Regie. Im Zentrum des Drehbuchs von Wolfgang Müller und Gabriele Kotte stehen Gewalt und Demütigungen gegen Frauen – in Gestalt der Überfälle, aber ebenso innerhalb einer Beziehung, in der der Mann die Scheidung nicht akzeptiert.

Gedreht wurde vom 16. Januar bis zum 8. März 1990 in einer Vorstadtsiedlung von Potsdam. Für die Kostüme waren Ruth Kiecker und Hans Linke verantwortlich, die Filmbauten stammen von Werner Pieske. Bei der Erstausstrahlung erreichte der Film eine Zuschauerbeteiligung von 34,1 Prozent.

Besetzung

Kriminaloberkommissar Lutz Zimmermann – Lutz Riemann
Kriminalrat Reuter – Helmut Schellhardt
Kriminalrat Jäger – Werner Godemann
Kriminalkommissar König – Thomas Schuch
Kriminaloberkommissarin Weiß – Ev-Katrin Weiß
Rolf Winter – Gerd Blahuschek
Doris Winter – Renate Geißler
Thomas Winter – Jan Dreyer
Silke Schüler – Anne Kasprik
Trautwein – Peter Mohrdieck
Frau Trautwein – Petra Hinze
Frau Hartloff – Silke Matthias
Frau Mansfeld – Rita Feldmeier
Fräulein Meyerholdt – Heike Meyer
Thomas – Horst Ziethen
Christel, Antiquitätenhändlerin – Uta Schorn
Winfried – Karl Sturm
Abschnittsbevollmächtigter – Gert Melzer
Mann an der Bushaltestelle – Reinhold Polensen
Laborschwester – Elfi Gäbel
Jugendfürsorgerin – Waltraud Kramm
Wirt – Peter Wohlfeil
Revierförster – Hans-Joachim Entrich
Volkspolizist – Edmund Raatz
Sekretärin der K – Karin Beewen
Arzt – Peter Friedrichson
u. v. a.

Stab

Regie – Ursula Bonhoff
Drehbuch – Wolfgang Müller, Gabriele Kotte
Produktion – Wolfgang Rennebarth
Musik – Karl-Ernst Sasse
Kamera – Günter Eisinger
Schnitt – Brigitte Krex
Kostüm – Ruth Kiecker, Hans Linke
Filmbauten – Werner Pieske
Produktionsunternehmen – DEFA im Auftrag des DFF