Kurz und knapp – darum geht’s
In Mecklenburg-Vorpommern verschwinden ganze Rinderherden von den Höfen, und für viele Bauern bedeutet das den Ruin. Mit dem Fall betraut wird ein Gespann, wie es gegensätzlicher kaum sein könnte: der junge, ehrgeizige Kriminalhauptkommissar Jens Hinrichs, der auf Computer und moderne Kriminaltechnik schwört, und der altgediente Kriminaloberkommissar Kurt Groth, der davon herzlich wenig hält – und ausgerechnet dem Neuen unterstellt ist. Im Zentrum der Geschichte steht der Spediteur Uwe Jahn, der mit seinem Lkw gestohlenes Vieh für eine Bande aus Westdeutschland durchs Land fährt. Als sich ein junger Bauer das Leben nimmt, fühlen sich die Ermittler mitschuldig. Und während Jahn vergeblich versucht, aus dem schmutzigen Geschäft auszusteigen, verlieren die Bauern die Geduld mit der Polizei …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Bullerjahn“
Dreister geht es kaum: Am helllichten Tag holen Unbekannte dem Landwirt Nils Lüdeking sämtliche Zuchtrinder aus seinem Hof in Kladrum. Abtransportiert werden die Tiere von Uwe Jahn, einem selbstständigen Spediteur aus dem nahen Dorf Dobberkow. Jahn sitzt nur am Steuer und weiß nicht, woher die Rinder stammen, die er für eine Bande aus dem Westen über die Landstraßen kutschiert. Doch Fragen stellt er lieber nicht – seine kleine Spedition läuft schlecht, und Aufträge sind rar.
Weil sich die Diebstähle in der Region häufen, setzt Kriminaloberrat Dr. Stuber von der Schweriner Kripo einen Neuen auf den Fall an: Kriminalhauptkommissar Jens Hinrichs, der sein Kriminalistikstudium in Dresden mit Auszeichnung abgeschlossen hat, mit Computern umzugehen weiß und die modernen, am Westen geschulten Methoden beherrscht. Für Hinrichs ist es der erste Fall in Schwerin. Als Assistent bekommt er Kriminaloberkommissar Kurt Groth zur Seite gestellt – einen Mann mit 30 Dienstjahren, der nach der Wende beurlaubt worden war und früher selbst den Posten bekleidet hat, den nun der junge Kollege innehat. In der Behörde gilt Groth als letztes Urgestein.
Dass die beiden aneinandergeraten, ist programmiert. Groth hält wenig vom technischen Fortschritt seines Vorgesetzten; mit Rechnern allein, so seine Überzeugung, habe noch niemand einen Eierdieb geschnappt. Gemeinsam klappern die ungleichen Kommissare die bestohlenen Höfe ab und landen schließlich in Dobberkow. Dort taucht auch Nils Lüdeking auf und bittet eindringlich darum, sich seines Falls sofort anzunehmen, denn ohne seine Herde ist er beruflich am Ende. Die Ermittler vertrösten ihn auf den nächsten Tag. Während Hinrichs nach Schwerin zurückfährt, nimmt Groth bei den Jahns Quartier – sehr zum Unbehagen des Hausherrn.
Am folgenden Morgen ist es zu spät: Die Kommissare finden Nils Lüdeking erhängt in seinem Stall. Ein Schlag, der sitzt. Groth und Hinrichs machen sich gegenseitig schwere Vorwürfe, und beide wissen, dass sie den verzweifelten Jungbauern nicht hätten abwimmeln dürfen. Die Schuld am Tod des Mannes lastet auf ihnen beiden.
Auch Uwe Jahn hat genug. Er will raus aus dem Geschäft, doch so einfach lässt ihn die Bande nicht ziehen. Mit Erpressung zwingen ihn seine Auftraggeber zu einer allerletzten Fahrt. Die Kriminalpolizei im NDR-Polizeiruf „Bullerjahn“ wirkt derweil machtlos, und auf den Dörfern wächst die Wut. In Dobberkow ziehen die Bauern ihre eigenen Schlüsse: Wenn die Beamten die Diebe nicht stoppen, dann eben sie selbst …
Hinter den Kulissen
Mit der 158. Folge der Reihe begann eine neue Ära: „Bullerjahn“ ist der erste Fall der Schweriner Ermittler Kurt Groth (Kurt Böwe) und Jens Hinrichs (Uwe Steimle). Zugleich war es der erste Polizeiruf, den der Norddeutsche Rundfunk produzierte. Der NDR war bis 1991 ausschließlich für die alten Bundesländer zuständig und trat nach der Auflösung des Deutschen Fernsehfunks zum Jahresende 1991 in Mecklenburg-Vorpommern dessen direkte Nachfolge an.
Regie führte Manfred Stelzer, der gemeinsam mit Gert Möbius auch das Drehbuch schrieb. Gedreht wurde von Juli bis August 1993 in der Prignitz sowie in Tramm und Umgebung im Landkreis Ludwigslust-Parchim. Als Chor wirken die in Tramm ansässigen Lewitzsänger mit. Die Kostüme entwarf Heidi Plätz, für die Filmbauten war Detlef Brinkmann verantwortlich.
Bei der Erstausstrahlung in der ARD erreichte der Krimi eine Einschaltquote von 23 Prozent. Ursprünglich im Seitenverhältnis 4:3 gedreht, zeigte der NDR den Film am 21. Dezember 2014 erstmals in einer auf 16:9 beschnittenen Fassung, wodurch Teile der Bildinformation verloren gingen.
Besetzung
Kriminaloberkommissar Kurt Groth – Kurt Böwe
Kriminalhauptkommissar Jens Hinrichs – Uwe Steimle
Uwe Jahn, Spediteur – Jörg Gudzuhn
Harald Schollack – Günter Junghans
Kerstin Jahn – Irene Kleinschmidt
Ludger – Dietmar Mössmer
Kriminaloberrat Dr. Stuber – H.H. Müller
Nils Lüdeking, Jungbauer – Karl Kranzkowski
Gisi Lüdeking – Heike Jonca
Barbara Kober – Sabine Kotzur
Juliane Groth – Gabriele Völsch
Annemarie Schollack – Anke Neumann
Kai Kober – Ralf Lehm
Frau Lück – Jutta Breu
Bronski – Harald Kempe
u. v. a.
Stab
Regie – Manfred Stelzer
Drehbuch – Gert Möbius, Manfred Stelzer
Produktion – Werner Uwe Kraft, Walter Heigl
Musik – Uwe Buschkötter, Mario Lauer
Kamera – David Slama
Schnitt – Marion Wille
Kostüm – Heidi Plätz
Filmbauten – Detlef Brinkmann
Produktionsunternehmen – Polyphon Film- und Fernseh, für NDR






Kommentieren ab sofort in ca. 25 Std. möglich.
Noch keine Kommentare vorhanden.