Kurz und knapp – darum geht’s

Eine zufällige Begegnung beim Joggen reißt bei der jungen Beate alte Wunden auf: Sie entdeckt eine Frau unter Schock – das zweite Vergewaltigungsopfer innerhalb von zwei Wochen. Kurz darauf erfährt sie, dass Andi Garz in die Kleinstadt zurückgekehrt ist, jener ältere Cousin, der sie als Neunjährige über lange Zeit missbraucht hat. Während Kriminaloberkommissar Joachim Raabe und sein Kollege Waschinsky kaum verwertbare Spuren finden, liest Beate in ihren alten Tagebüchern und muss erkennen, dass ihre Eltern damals Bescheid wussten und aus Scham schwiegen. Überzeugt, hinter den neuen Taten dieselbe Handschrift zu erkennen, heftet sie sich an die Fersen des Mannes, den sie für den Täter hält …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „In Erinnerung an …“

Beim Joggen unweit eines Parks stößt Beate auf eine Frau, die unter schwerem Schock steht. Für die Kripo ist schnell klar: Es ist bereits die zweite Vergewaltigung binnen 14 Tagen. Kriminaloberkommissar Joachim Raabe und Kriminalkommissar Fred Waschinsky können zwar Reifenspuren sichern, doch die Schnitte, die das Messer am Hals des Opfers hinterlassen hat, bieten keinerlei Anhaltspunkt für eine gezielte Fahndung. Auch die Frauen selbst helfen kaum weiter: Das erste Opfer liegt noch immer im Koma, das zweite wird später aussagen, sich an die Tat nicht erinnern zu können.

Für Beate bleibt es nicht bei dem Schrecken dieser Begegnung. Als ihre Mutter erwähnt, dass Andi Garz aus Leipzig zurück in die Kleinstadt gezogen ist, gerät die junge Frau sichtlich aus dem Gleichgewicht. Sie durchsucht alte Fotoalben nach einem Bild von ihm und schlägt das Tagebuch auf, das sie als Kind geführt hat. Was sie dort liest, holt eine lange verdrängte Wahrheit an die Oberfläche: Mit neun Jahren wurde Beate von Andi über längere Zeit sexuell missbraucht und vergewaltigt. Erst jetzt kann sie das Geschehene einordnen – und versteht plötzlich, woher ihre Essstörungen rühren und warum sie nie eine Beziehung zu einem Jungen aufbauen konnte.

Mit den Erinnerungen kehrt die Angst zurück: Bilder davon, wie sich das Mädchen vor Andi ins Badezimmer flüchtete, während er drohend vor der Tür wartete. Noch schwerer wiegt eine andere Erkenntnis im TV-Krimi „In Erinnerung an …“: Beates Eltern wussten von den Übergriffen und unternahmen nichts. Der Vater betrat sogar einmal das Zimmer, als Andi sie gerade vergewaltigen wollte – und schloss wortlos wieder die Tür. Beate stellt die Eltern zur Rede und lässt sich vom Vater Andis Adresse geben.

Denn inzwischen hat sich in ihr ein Verdacht festgesetzt. Aus der Art der Verbrechen glaubt sie herauszulesen, dass hinter den Überfällen derselbe Mann steckt, der einst ihr Peiniger war. Weil die Ermittlungen auf der Stelle treten, nimmt Beate die Sache selbst in die Hand und folgt Andi Tag für Tag auf Schritt und Tritt. Dabei läuft sie immer wieder Raabe über den Weg, der in der Kleinstadt nach dem Vergewaltiger sucht.

Nach einigen Tagen zieht Beate bei ihrer Freundin Sandra Jensen ein. Doch ausgerechnet Sandra wird das nächste Opfer des Unbekannten – und wie die Frauen vor ihr hüllt auch sie sich in Schweigen. Als Beate mit ihren Nachforschungen allein nicht mehr weiterkommt, wendet sie sich an Raabe. Im Polizeiruf 110 „In Erinnerung an …“ wird damit eines immer deutlicher: Solange Sandra kein Wort über jene Nacht verliert, kann auch der Kommissar nichts ausrichten …

Hinter den Kulissen

Für Kriminaloberkommissar Joachim Raabe (Michael Kind) ist es der zweite Einsatz – und der einzige seiner drei Fälle, in dem er nicht gemeinsam mit Jürgen Hübner ermittelt. An seiner Seite steht diesmal Kriminalkommissar Fred Waschinsky (Siegfried Voß). Die Hauptrolle der Beate spielt Dagmar Sitte, als Neunjährige ist die Figur mit Kristina Nitschke besetzt.

Der Film ist die 156. Folge der Reihe Polizeiruf 110. Mit ihm wurde erstmals ein neuer Vorspann gezeigt, unterlegt mit Musik von Peter Gotthardt; abgesehen vom unmittelbar folgenden Film „Blue Dream – Tod im Regen“ blieb er bis 1998 in Gebrauch.

Gedreht wurde im Kreis Merseburg, hauptsächlich in Bad Lauchstädt: Beates Laufstrecke führt unter anderem am dortigen Rathaus vorbei, und die verstörte Frau findet sie in den Kolonnaden der historischen Kuranlagen. Für die Kostüme war Rita Gawrikow verantwortlich, die Filmbauten stammen von Lothar-Hermann Schneider. Bei der Erstausstrahlung lag die Zuschauerbeteiligung bei 17 Prozent.

Besetzung

Kriminaloberkommissar Joachim Raabe – Michael Kind
Kriminalkommissar Fred Waschinsky – Siegfried Voß
Beate – Dagmar Sitte
Beates Mutter – Elke Richter
Beates Vater – Hilmar Eichhorn
Sandra Jensen, Beates Freundin – Iris Minich
Andreas „Andi“ Garz – Henning Peker
Leiterin der Schneiderei – Marie Anne Fliegel
Filialleiter Supermarkt – Reinhard Straube
Peer-Uwe Teska
Gerichtsmediziner – Klaus Rudolf Weber
Ulla Wagener
Krankenschwester – Petra Ehlert
Axel Reinshagen
Mandy Fabian
Beate mit 9 Jahren – Kristina Nitschke
Andi als Junge – Alexander Funk
u. v. a.

Stab

Regie – Hans-Werner Honert
Drehbuch – Michaela Bach, Jörg Schade
Produktion – Milena Maitz
Musik – Jürgen Wilbrandt
Kamera – Jürgen Heimlich
Schnitt – Margrit Schulz
Kostüm – Rita Gawrikow
Filmbauten – Lothar-Hermann Schneider
Produktionsunternehmen – MDR