Kurz und knapp – darum geht’s
Auf den Bahngleisen von Schwerin liegt die verstümmelte Leiche eines jungen Mannes – für Kriminalhauptkommissar Jens Hinrichs anfangs ein klarer Fall: ein Drogensüchtiger, der sich das Leben genommen hat. Doch dann lernen er und sein Kollege Kurt Groth die Clique kennen, zu der der Tote Karsten Winter, genannt „Kiwi“, gehörte: eine Drückerkolonne, die im jungen Bundesland Mecklenburg-Vorpommern das schnelle Geld wittert. Als Hinrichs sich verrennt, wird den beiden Ermittlern der Fall entzogen, und statt eines Todesfalls landet ein Kaninchendiebstahl auf ihrem Tisch. Groth aber denkt nicht ans Aufgeben. Er heftet sich an Kiwis besten Freund „Ratte“ – während Kolonnenchef Kühnert alles daransetzt, den jungen Mann von der Gruppe abzuschneiden …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Kiwi und Ratte“
Schwerin, an den Bahngleisen: Hier liegt die Leiche eines jungen Mannes, von einem Zug überrollt und grausam verstümmelt. In seinen Taschen stecken Schmuckstücke, was Kriminalhauptkommissar Jens Hinrichs und Kriminaloberkommissar Kurt Groth zunächst an einen Einbrecher denken lässt. Tatsächlich hat es in der Gegend in letzter Zeit eine ganze Reihe von Einbrüchen gegeben. Als sich herausstellt, dass der Tote Drogen konsumiert hat, scheint für Hinrichs alles zusammenzupassen: Beschaffungskriminalität, Verzweiflung, Selbstmord. Ein trauriger, aber eindeutiger Fall – jedenfalls auf den ersten Blick.
Mit einem Phantombild machen sich die Kommissare auf die Suche nach der Identität des Toten und werden im kleinen Hotel „Linde“ fündig: Der Wirt erkennt in ihm einen seiner Gäste. Karsten Winter hieß er, von allen nur „Kiwi“ gerufen, und er gehörte zu einer Drückerkolonne, die gerade in der „Linde“ Station macht, um den Leuten in der Stadt ihre Waren anzudrehen. Angeführt wird die Truppe von Kühnert, der seine jungen Verkäufer fest im Griff hat. Rainer, genannt „Ratte“, Schmitti, der Dicke und die junge Alex kommen aus schwierigen Familien, einen Schulabschluss hat keiner von ihnen. Ihr großer Traum: eines Tages genug verdient zu haben, um eine eigene Versandfirma aufzuziehen.
Auch Kiwis Familie erhält Besuch von der Kripo. Seit sechs Jahren gehört Stiefvater Schröder dazu, und von Nachbarn erfährt Groth, dass Kiwi ihm Geld gestohlen und sich auch bei seiner Mutter immer wieder welches geholt hat. Erst vor drei Wochen hat Schröder die Wohnungstür gegen Einbrecher sichern lassen. Hinrichs gräbt weiter und stößt auf eine Vorstrafe wegen Körperverletzung; zudem lässt sich der Autokauf, den Schröder für den fraglichen Tag angibt, nicht belegen. Für Hinrichs ist die Sache damit erledigt, kurzerhand übergibt er den Fall dem Staatsanwalt. Groth hält das für vorschnell und sagt seinem Kollegen das auch deutlich – zwischen den beiden Ermittlern knirscht es gewaltig.
Die Konsequenzen folgen auf dem Fuß: Wegen Kompetenzüberschreitung wird dem Duo der Fall entzogen. Statt eines toten Jugendlichen gilt ihre Aufmerksamkeit im Polizeiruf 110 „Kiwi und Ratte“ fortan gestohlenen Kaninchen. Doch Groth ist nicht der Typ, der eine offene Frage einfach auf sich beruhen lässt, und ermittelt heimlich auf eigene Faust weiter.
Rat holt er sich bei Eva Storm, der Chefin des kriminaltechnischen Labors. Eine Untersuchung von Kiwis Haaren ergibt, dass der junge Mann noch gar nicht lange Drogen genommen hat. Und mehr und mehr sprechen die Befunde aus dem Labor dafür, dass hier jemand nachgeholfen hat.
Groth nimmt nun Kiwis besten Freund ins Visier: Ratte. Er beobachtet ihn genau, und auch Eifersucht als Motiv schließt er nicht aus, denn Kiwi war in Alex verliebt – die auch Ratte gernhat. Kühnert dagegen kann den hartnäckigen Kommissar in der Nähe seiner Leute gar nicht gebrauchen und versucht, Ratte innerhalb der Gruppe zu isolieren. Und während der junge Mann immer weiter ins Abseits gerät, bleibt Groth und Hinrichs im TV-Krimi „Kiwi und Ratte“ nicht mehr viel Zeit, um das Schlimmste zu verhindern …
Hinter den Kulissen
Für Kriminaloberkommissar Kurt Groth (Kurt Böwe) und Kriminalhauptkommissar Jens Hinrichs (Uwe Steimle) ist es der zweite gemeinsame Fall; innerhalb der Reihe Polizeiruf 110 trägt der Film die Nummer 161. Regie führte Manfred Stelzer, das Drehbuch stammt von Peter Kahane. In der Rolle des Kolonnenchefs Kühnert ist Jürgen Vogel zu sehen, die jungen Drücker spielen unter anderem Daniel Graf (Rainer, genannt „Ratte“), Katka Kurze (Alex), Steven Merting (Schmitti) und Karsten Kramer (der Dicke).
Gedreht wurde von August bis September 1993 in Schwerin und Umgebung, unter anderem im Stadtteil Paulsstadt. Produziert hat den Film die Polyphon Film- und Fernseh GmbH für den NDR; für die Kostüme war Heidi Plätz verantwortlich, die Filmbauten stammen von Detlef Brinkmann. Bei der Erstausstrahlung lag die Zuschauerbeteiligung bei 16,7 Prozent.
Besetzung
Kriminaloberkommissar Kurt Groth – Kurt Böwe
Kriminalhauptkommissar Jens Hinrichs – Uwe Steimle
Kühnert, Boss der Drückerkolonne – Jürgen Vogel
Rainer, genannt „Ratte“ – Daniel Graf
der Dicke – Karsten Kramer
Schmitti – Steven Merting
Alex – Katka Kurze
Eva Storm, Laborchefin der Kriminalpolizei – Marie Anne Fliegel
Frau Schröder – Eva Weißenborn
Herr Schröder, Kiwis Stiefvater – Martin Seifert
Dr. Stuber – Hans-Helmut Müller
Juliane Groth – Gabriele Völsch
Mieterin – Christel Peters
Wirt – Arnim Mühlstädt
Kiwis Schwester – Jill Böttcher
u. v. a.
Stab
Regie – Manfred Stelzer
Drehbuch – Peter Kahane
Produktion – Klaus-Dieter Zeisberg
Musik – Uwe Buschkötter, Mario Lauer
Kamera – David Slama
Schnitt – Marion Wille
Produktionsunternehmen – Polyphon Film- und Fernseh GmbH, für NDR






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