Kurz und knapp – darum geht’s
Eigentlich sollte es der Tag ihres größten Erfolgs werden: Kommissarin Tanja Voigt hat dafür gesorgt, dass sich Hintermänner des organisierten Verbrechens in Potsdam vor Gericht verantworten müssen. Doch der einzige Kronzeuge wird auf dem Weg zur Verhandlung mitten in der Stadt erschossen, und die Spur des Schützen verliert sich in einem Fernzug. Zur gleichen Zeit stoßen die Streckenwärter Richard Lansky und Jobst Dettmann irgendwo auf freiem Feld neben den Gleisen auf einen Koffer voller Geld. Während der junge Dettmann bereits vom Luxusleben unter Palmen träumt, quälen den früheren Boxer Lansky Zweifel. Was wie ein unverhoffter Glücksfall aussieht, bringt die beiden bald in höchste Gefahr – denn jemand vermisst sein Geld …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Totes Gleis“
Es hätte der Höhepunkt ihrer bisherigen Arbeit sein können: Mit großem persönlichem Einsatz hat die Potsdamer Kommissarin Tanja Voigt erreicht, dass führenden Figuren des organisierten Verbrechens der Prozess gemacht wird. Doch auf der Fahrt vom Untersuchungsgefängnis zum Gericht fällt der einzige Kronzeuge auf offener Straße tödlichen Schüssen zum Opfer. Voigt erkennt, dass sie aus einem nahen Hotel abgegeben wurden, und sieht den Schützen gerade noch davonfahren. Kurz entschlossen heftet sie sich an seine Fersen, folgt ihm bis zum Bahnhof und nimmt sich im Zug ein Abteil nach dem anderen vor. Der Mann wirft unterwegs seinen Koffer aus dem Fenster und springt wenig später selbst ab. Als Voigts Kollegen am nächsten Halt die Waggons durchsuchen, gehen sie leer aus.
Zur selben Zeit gehen die Streckenwärter Richard Lansky und Jobst Dettmann wie gewohnt ihren Abschnitt der Bahnlinie Moskau – Paris ab, weit draußen zwischen den Feldern. Der Zug passiert pünktlich, und kurz darauf liegt dieser Koffer neben den Schienen. Das Präzisionsgewehr darin übersehen die beiden, nicht aber die stattliche Summe in französischen Francs. Plötzlich halten zwei Männer, deren Alltag aus endlosen Kontrollgängen besteht, ein kleines Vermögen in den Händen.
Was damit geschehen soll, darüber sind sich die ungleichen Kollegen im TV-Krimi „Totes Gleis“ alles andere als einig. Dettmann, jung, unbekümmert und ein wenig schlicht gestrickt, sieht sich schon an einem weißen Strand in der Südsee. Lansky dagegen, einst Boxer, dem für den ganz großen Durchbruch die nötige Rücksichtslosigkeit fehlte, will den Fund bei der Polizei abliefern. Für Dettmann ein Affront: Trotz aller Proteste seines älteren Kollegen macht er sich mit dem Geld nach Berlin auf, erkundigt sich nach dem Wechselkurs, tauscht einen Teil um, leistet sich einen teuren Anzug und quartiert sich in der Suite eines Nobelhotels ein.
Der Mann aus dem Zug hat derweil die Strecke vergeblich nach seinem Koffer abgesucht. Er lässt sich ins nächste Dorf mitnehmen – ausgerechnet in jenes, in dem Lansky und Dettmann zu Hause sind. In der Bahnhofskneipe von Maria nimmt er sich ein Zimmer. Ein Franzose am Tresen ist hier keine alltägliche Erscheinung, und Lansky beschleicht sofort ein ungutes Gefühl.
Für Tanja Voigt kommt es unterdessen knüppeldick. Ihre eigenmächtige Verfolgungsjagd bleibt nicht ohne Folgen: Man entzieht ihr den Fall, mit dem sich nun auch Beamte des BKA aus Wiesbaden befassen. Immerhin verdichtet sich bei der Polizei der Verdacht, dass der Schütze aus Frankreich stammt. Im Polizeiruf 110 „Totes Gleis“ geraten zwei Männer, die einfach nur Glück zu haben glaubten, in ein Spiel, dessen Regeln sie nicht kennen. Und während Dettmann in Berlin das süße Leben auskostet, wächst in Lansky die Ahnung, dass der Fremde nicht zufällig ins Dorf gekommen ist …
Hinter den Kulissen
Mit der 160. Folge der Reihe lösen Kommissarin Tanja Voigt (Katrin Saß) und ihr Kollege Jens Hoffmann (Dirk Schoedon) ihren zweiten gemeinsamen Fall. Im Mittelpunkt stehen jedoch die beiden Streckenwärter Richard Lansky (Otto Sander) und Jobst Dettmann (Ben Becker): „Totes Gleis“ ist der erste von drei Polizeiruf-Filmen mit diesem Gespann. 1998 folgte mit „Das Wunder von Wustermark“ die Fortsetzung.
Vor der Kamera stand eine ganze Familie: Neben Otto Sander spielt seine Ehefrau Monika Hansen die Kneipenwirtin Maria, dazu kommen Hansens Kinder aus erster Ehe, Ben und Meret Becker. Meret Becker hat einen Gastauftritt als Sängerin in einer Hotelbar, wo sie den Platters-Klassiker „The Great Pretender“ interpretiert, der im Film auch in der Fassung von Freddie Mercury erklingt.
Der Film entstand im Auftrag von SFB und ORB und wurde im Herbst 1993 unter anderem in Berlin, Potsdam und Bredow gedreht. Bei der Erstausstrahlung lag die Zuschauerbeteiligung bei 25,2 Prozent. Im März 1995 wurde „Totes Gleis“ mit dem Adolf-Grimme-Preis mit Gold ausgezeichnet, den die Drehbuchautoren Leo P. Ard und Michael Illner, Regisseur Bernd Böhlich sowie stellvertretend für das Ensemble Otto Sander und Ben Becker entgegennahmen.
Musik
Meret Becker – The Great Pretender
Freddie Mercury – The Great Pretender
Besetzung
Kommissarin Tanja Voigt – Katrin Saß
Jens Hoffmann – Dirk Schoedon
Streckenwärter Richard Lansky – Otto Sander
Streckenwärter Jobst Dettmann – Ben Becker
Maria – Monika Hansen
Brasseur – Gilles Gavois
Winter – Joachim Król
Sängerin – Meret Becker
Beatrice – Ulrike Krumbiegel
Schorn – Alfred Müller
Prokat – Karl Kranzkowski
Verkäufer – Peter Mohrdieck
Zuhälter – Wilfried Loll
Golz – Detlef Bierstedt
Messerschmidt – Karl Ernst Horbol
Busfahrer – Hannes Stelzer
Modeladeninhaber – Robert Rober
Fahrlehrer – Günter Rüger
Fahrschülerin – Gundula Petrovska
Schaffner – Edgar Külow
Portier – Andreas Hanft
Mann im Zug – Frank Giering
Hotelangestellte – Angelika Böttiger
u. v. a.
Stab
Regie – Bernd Böhlich
Drehbuch – Leo P. Ard, Michael Illner
Produktion – Dieter Melzer
Musik – Tomas Kahane
Kamera – Peter Ziesche
Schnitt – Karola Mittelstädt
Kostüm – Folker Ansorge
Filmbauten – Manfred Glöckner
Produktionsunternehmen – SFB, ORB
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