Kurz und knapp – darum geht’s
Eine alte Dame, die sich verfolgt fühlt, ein toter Dackel und zwei Streifenpolizisten, die sich für Frauen deutlich mehr interessieren als für Verbrechen: Im Bergischen Land haben Polizeihauptmeister Sigi Möller und sein Kollege Kalle Küppers selten mit großen Fällen zu tun. Als die betagte Elisabeth Kampnagel von stummen Anrufen und anonymen Drohbriefen berichtet, nimmt sie auf dem Revier kaum jemand ernst – am Ende landet sie sogar in der Psychiatrie. Doch dann wird Arno Wollner erschossen, der das Haus geerbt hat, in dem die alte Frau lebt. Den Fall übernimmt ausgerechnet Gabi Bauer von der Kölner Mordkommission, mit der die beiden Landeier kurz zuvor eine reichlich peinliche Begegnung hatten. Und während eine Spur nach Köln führt, sucht Sigi vor Ort nach Antworten …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „1A Landeier“
Großstadtluft schnuppern, ein bisschen angeben und vielleicht eine Bekanntschaft für die Nacht finden: Mit diesem Plan ziehen die Streifenbeamten Sigi Möller und Kalle Küppers durch eine Kölner Kneipe und stellen sich dort kurzerhand als Männer vom BKA vor. Dumm nur, dass die Frau, bei der sie landen wollen, tatsächlich Polizistin ist – Gabi Bauer von der Mordkommission. Zurück in ihrem Revier im Bergischen Land wartet wieder der gewohnte Alltag, denn spektakuläre Fälle sind in der Kleinstadt nicht zu erwarten. Vor allem Kalle, der Frauenheld mit Ohrring, Goldkette und weit aufgeknöpftem Uniformhemd, hat ohnehin anderes im Kopf als Verbrechensbekämpfung.
Dann steht eines Tages Elisabeth Kampnagel auf der Wache. Die alte Dame fühlt sich seit einiger Zeit verfolgt: Sie wird von Albträumen geplagt, das Telefon klingelt, ohne dass sich jemand meldet, in anonymen Briefen wird sie als „Nazi-Hure“ beschimpft, und in ihrem Kühlschrank steht plötzlich Milch, die sie nie gekauft hat. Jetzt ist auch noch ihr Rauhaardackel Garibaldi tot – vergiftet, wie sie überzeugt ist. Zum Beweis bringt sie das Tier gleich mit aufs Revier. Sigi verspricht, sich um die Sache zu kümmern, und tatsächlich wird im Körper des Hundes Rattengift nachgewiesen. Doch als Sigi bei einem der rätselhaften Anrufe danebensteht, meldet sich am anderen Ende bloß ein Versicherungsvertreter.
Spätestens nach einem Zwischenfall in einer Boutique scheint die Angelegenheit erledigt: Dort beschuldigt Elisabeth einen fremden Mann, sie unsittlich berührt zu haben. Der weist jeden Vorwurf von sich und will seinerseits Anzeige erstatten. Sigi bekommt den undankbaren Auftrag, die alte Frau in die Psychiatrie zu bringen. Der Neurologe diagnostiziert Verfolgungswahn – Elisabeth habe ihre Haft bei der Gestapo in der NS-Zeit wohl nie verarbeitet, ihre Anschuldigungen seien nichts als ein Ringen um Aufmerksamkeit. Sie darf zwar nach Hause, soll aber möglichst bald in ein Heim mit psychiatrischer Betreuung umziehen.
Kurz darauf tauchen im Polizeiruf 110 „1A Landeier“ zwei Männer auf: Arno Wollner und sein Bruder Bertold. Arno hat das Haus geerbt, in dem Elisabeth wohnt – und obwohl der frühere Besitzer ihr vertraglich ein lebenslanges Bleiberecht zugesichert hat, planen die Brüder bereits den Verkauf. Viel Zeit bleibt Arno dafür allerdings nicht: Wenig später wird er in seiner Wohnung erschossen.
Nun ist die Kölner Mordkommission am Zug, und so stehen Sigi und Kalle plötzlich wieder der Frau gegenüber, die sie neulich mit ihrer BKA-Geschichte beeindrucken wollten. Kalle tauft die Kollegin prompt „Mord-Bauer“. Die Kommissarin vermutet den Täter im Kölner Milieu, denn der Tote war homosexuell und hatte Spielschulden – im WDR-Polizeiruf „1A Landeier“ führt die Spur damit in die Großstadt. Zwischen Gabi Bauer und Sigi funkt es trotzdem gewaltig, und sie verbringt sogar die Nacht bei ihm. Doch der junge Polizist mag sich mit der bequemen Diagnose aus der Psychiatrie nicht mehr so recht abfinden und fragt sich, ob hinter der Fassade der beschaulichen Kleinstadt nicht mehr steckt, als alle glauben wollen …
Hinter den Kulissen
Mit „1A Landeier“, der 169. Folge der Reihe, gab der WDR seinen Einstand beim Polizeiruf 110. Zugleich war es der erste Fall für die Streifenpolizisten Sigi Möller (Martin Lindow) und Kalle Küppers (Oliver Stritzel). An ihrer Seite ermittelt Andrea Sawatzki als Gabi Bauer von der Kölner Mordkommission, Inge Meysel spielt die alte Elisabeth Kampnagel.
Der Film bildete den Auftakt zu insgesamt acht Polizeiruf-Krimis aus dem Bergischen Land, die alle vom selben Trio stammen: Thomas Wesskamp und Dirk Salomon schrieben die Drehbücher, Ulrich Stark führte Regie. Die Reihe endete 2004 mit „Mein letzter Wille“. Gabi Bauer war fast immer mit von der Partie, und auch Oma Kampnagel kehrte noch einige Male zurück – der Abschluss der Reihe war zugleich Inge Meysels letzter Film.
Gedreht wurde unter anderem in Köln und Brilon. Die Kostüme entwarf Natascha Curtius-Noss, die Filmbauten stammen von Götz Weidner. Bei der Erstausstrahlung lag die Zuschauerbeteiligung bei 24,1 Prozent. 1996 wurden Dirk Salomon, Thomas Wesskamp, Martin Lindow und Oliver Stritzel für „1A Landeier“ mit dem Adolf-Grimme-Preis in der Kategorie „Allgemeine Programme – Fernsehspiel“ ausgezeichnet.
Besetzung
Polizeihauptmeister Sigurd „Sigi“ Möller – Martin Lindow
Karl-Heinz „Kalle“ Küppers – Oliver Stritzel
Gabi Bauer, Kölner Mordkommission – Andrea Sawatzki
Elisabeth Kampnagel – Inge Meysel
Dieter „Didi“ Wagner – Ulrich Gebauer
Albert von Wernitz – Rolf Illig
Bürgermeister Huffer – Wolfgang Müller
Bertold Wollner – Dirk Galuba
Claudia Wollner – Ulrike Mai
Daniel Wollner – Ygal Gleim
Arno Wollner – Ernst Cohen
Siegfried Mühle – Peter Uwe Arndt
Polizeichef – Karlheinz Lemken
Neurologe – Günter Spörrle
Weber, BKA-Ermittler – Heinz Wanitschek
u. v. a.
Stab
Regie – Ulrich Stark
Drehbuch – Dirk Salomon, Thomas Wesskamp
Produktion – Veith von Fürstenberg
Musik – Birger Heymann
Kamera – Manfred Ensinger
Schnitt – Felicitas Lainer
Produktionsunternehmen – WDR







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