Kurz und knapp – darum geht’s

Zehn Jahre hat Max Pelitz hinter Gittern verbracht – verurteilt für den Mord an der jungen Marlene, die 1984 bei einer Studentenfeier in Leipzig erstochen wurde. Zurück in Freiheit, will er nur eines: seine Unschuld beweisen. Halt findet er ausgerechnet bei seinem alten Studienfreund und einstigen Rivalen Hans Dörner, der ihm bereitwillig unter die Arme greift. Bis Dörner ihm eines Tages gesteht, Marlene damals selbst aus Eifersucht getötet zu haben, und alles abstreitet, sobald die Polizei ins Spiel kommt. Während die Oberkommissare Raabe und Hübner versuchen, Licht in die alte Geschichte zu bringen, entspinnt sich zwischen den früheren Freunden ein abgründiges Kräftemessen. Dann meldet sich ein Zeuge …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Keine Liebe, kein Leben“

Leipzig im Mai 1984: Auf einer Studentenfeier dreht sich alles um Marlene, eine attraktive junge Frau, um die sich zahlreiche Verehrer scharen. Auch die Studienfreunde Max Pelitz und Hans Dörner sind ihr verfallen, beide haben eine Affäre mit ihr – und an diesem Abend spielt Marlene mit den Gefühlen der zwei, die sich im Studium ohnehin als Konkurrenten gegenüberstehen. Wenig später ist die junge Frau tot, erstochen. Max, an jenem Abend angetrunken, wird verhaftet und auf Grundlage von Indizien wegen Mordes verurteilt.

Zehn Jahre danach öffnen sich für ihn vorzeitig die Gefängnistore, und draußen wartet eine Welt, die er bislang nur aus Zeitungen und Medienberichten kennt. Wie gründlich sich die Verhältnisse verschoben haben, zeigt schon die Begegnung mit seinem früheren Professor Falk, der sich inzwischen als Geiger im Café über Wasser hält. Von ihm erfährt Max, wo er Hans finden kann: Der alte Freund arbeitet mittlerweile im Freylach-Institut.

Hans zeigt sich über das Wiedersehen erfreut, fast so, als hätte er längst mit dem Besuch gerechnet. Hilfsbereit unterstützt er den Haftentlassenen dabei, wieder Boden unter die Füße zu bekommen – und arrangiert am Abend eine bizarre Überraschung: Die Edelprostituierte Dominique empfängt Max, zurechtgemacht als Marlene. Max aber treibt etwas anderes um. Er will beweisen, dass er unschuldig ist, und herausfinden, wer Marlene wirklich getötet hat.

Auch Hans bekommt in diesen Tagen Besuch aus der Vergangenheit: Thomas Fahrensteiner, ein früherer Kommilitone, der inzwischen als freier Fotograf arbeitet, taucht bei ihm auf und verlangt mehr Geld. Hans lässt ihn abblitzen. Kurz darauf, bei einem Essen im Restaurant, lässt er gegenüber Max die Maske fallen: Nicht Max, sondern er selbst habe Marlene damals umgebracht. Max schlägt ihn nieder – ein heikler Ausrutscher für einen Mann auf Bewährung. So landet die Sache auf dem Tisch von Oberkommissar Raabe. Dem berichtet Max von dem ungeheuerlichen Geständnis, doch Hans bestreitet alles und zieht stattdessen Max’ geistige Gesundheit in Zweifel. Zudem verzichtet er auf eine Anzeige, sodass Max auf freiem Fuß bleibt. Im TV-Krimi „Keine Liebe, kein Leben“ beginnt damit ein Spiel, dessen Regeln nur einer der beiden Männer kennt.

Dann klingelt bei Max das Telefon. Ein anonymer Anrufer bietet ihm Beweise an, die den wahren Mörder Marlenes entlarven sollen – für 30.000 Mark. Max wendet sich an Raabe und bittet ihn um das Geld. Nach Rücksprache mit seinem Kollegen Oberkommissar Jürgen Hübner und Kriminalrat Meier bekommt Raabe die Summe, und die Polizei will den Ort der Übergabe genau im Auge behalten. Nach zehn Jahren scheint im MDR-Polizeiruf „Keine Liebe, kein Leben“ endlich ein Zeuge aufzutauchen – doch auch Hans Dörner hat eine Menge zu verlieren …

Hinter den Kulissen

„Keine Liebe, kein Leben“ ist die 165. Folge der Reihe und markiert einen doppelten Abschied: Oberkommissar Joachim Raabe (Michael Kind) ermittelt hier zum dritten und letzten Mal. Und Jürgen Frohriep, der Oberkommissar Jürgen Hübner seit 1972 verkörpert hatte, ist in dieser Rolle zum letzten Mal zu sehen. Der Schauspieler starb im Juli 1993, kurz nach Abschluss der Dreharbeiten – die Erstausstrahlung erlebte er nicht mehr.

Das Drehbuch schrieb André Hennicke, der zugleich die Rolle des Max Pelitz übernahm; seinen Gegenspieler Hans Dörner spielt Florian Martens. Regie führte Jan Růžička, produziert wurde der Film für den MDR. Gedreht wurde bis zum Sommer 1993 in Leipzig und Umgebung, unter anderem im Hauptbahnhof und am Hauptgebäude der Universität Leipzig an der Westseite des Augustusplatzes, an dessen Fassade damals noch das Relief „Aufbruch“ prangte. Für die Kostüme war Anne-Gret Oehme verantwortlich.

Bei der Erstausstrahlung erreichte der Film eine Zuschauerbeteiligung von 15,3 Prozent.

Besetzung

Oberkommissar Joachim Raabe – Michael Kind
Oberkommissar Jürgen Hübner – Jürgen Frohriep
Max Pelitz – André Hennicke
Hans Dörner – Florian Martens
Kriminalrat Meier – Ulrich Voß
Professor Falk – Klaus Manchen
Thomas Fahrensteiner, Fotograf – Peter-René Lüdicke
Dominique, Edelprostituierte – Paulina Mielech
Marlene – Julia Bremermann
Schulz, Raabes Assistent – Peter Wohlfeil
u. v. a.

Stab

Regie – Jan Růžička
Drehbuch – André Hennicke
Produktion – Manfred Durniok
Musik – Hans-Jürgen Gerber
Kamera – Matthias Tschiedel
Schnitt – Silvia Hebel
Kostüm – Anne-Gret Oehme
Produktionsunternehmen – MDR