Kurz und knapp – darum geht’s
Eigentlich führt Martin Veltin, Geiger im städtischen Orchester, an der Seite seiner Frau Luise ein ruhiges, geordnetes Leben. Dann lernt er die junge Popsängerin Silke Tanner kennen – und ein gemeinsamer Abend in der Sächsischen Schweiz endet mit einem Sturz in die Tiefe. Seither ist Silke verschwunden, und Veltin bringt nicht den Mut auf, sich der Polizei zu stellen. Stattdessen sucht er Halt im Alkohol, während Luise den Schein zu wahren versucht. Als Silkes Mutter eine Vermisstenanzeige aufgibt, nehmen Oberleutnant Jürgen Hübner und Hauptmann Wolfgang Reichenbach die Ermittlungen auf. Für die Kriminalisten deutet bald vieles auf ein Verbrechen hin – doch was verbindet einen fürsorglichen Familienvater aus dem Orchestergraben mit einer jungen Frau, die das Leben nimmt, wie es kommt …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Ein Schritt zu weit“
Ein Orchesterkonzert unter freiem Himmel, eine Bühne inmitten der Felsen der Sächsischen Schweiz – und eine Begegnung, die in der Dunkelheit eine fatale Wendung nimmt: Nach dem Auftritt trifft sich Martin Veltin mit Silke Tanner, der Sängerin einer Popband, die er bei einem ihrer Konzerte erlebt und seither bewundert hat. Die beiden gehen zusammen essen und brechen anschließend zu einem Spaziergang unweit der Felsenbühne auf. Silke ermuntert ihn zu einem Kuss, doch als der verheiratete Musiker zudringlich wird, wehrt sie ihn ab und spottet über seine „Stehgeigermoral“. Veltin, der die junge Frau gründlich falsch eingeschätzt hat, verliert die Beherrschung und ohrfeigt sie. Silke steht zu dicht am Abgrund – und stürzt hinab.
Erst mitten in der Nacht kehrt Veltin nach Hause zurück, scheinbar angetrunken und kaum ansprechbar. Am vorderen Kotflügel seines Wartburgs prangt eine Delle. Als Luise ihn am nächsten Tag zur Rede stellt, tischt er ihr völlig verstört eine ganz andere Geschichte auf: Nach dem Konzert habe er bei Tannenwalde eine Frau angefahren und sie tot im Straßengraben liegen lassen. Luise fackelt nicht lange und bringt den Wagen in die Werkstatt.
Ganz ohne Sorge ist sie trotzdem nicht. Als sie zufällig Hauptmann Wolfgang Reichenbach über den Weg läuft, erkundigt sie sich beiläufig nach einem Autounfall bei Tannenwalde – im Theater, zu dem auch das Orchester ihres Mannes gehört, werde gemunkelt, der Fahrer sei einer aus dem eigenen Haus. Reichenbach kann mit der Frage nichts anfangen, und auch sein Kollege, Oberleutnant Jürgen Hübner, hat von einem solchen Vorfall nie etwas gehört. Stattdessen beschäftigt die Kripo im Polizeiruf 110 „Ein Schritt zu weit“ ein anderer Fall: Frau Tanner meldet ihre Tochter Silke als vermisst. Die junge Sängerin wollte mit ihrem Freund Axel ein Konzert besuchen, doch die beiden hatten sich zerstritten. Inzwischen ist sie seit mehreren Tagen wie vom Erdboden verschluckt.
Martin Veltin ist seit jener Nacht ein anderer Mensch. Bei den Proben für die Freischütz-Premiere seines Orchesters wirkt er fahrig und abwesend, und immer öfter greift der sonst so fürsorgliche Familienvater zur Flasche. Doch so viel er auch trinkt: Was am Felsen geschehen ist, lässt sich nicht hinunterspülen.
Für Hübner und Reichenbach verdichten sich unterdessen die Anzeichen, dass sie es im TV-Krimi „Ein Schritt zu weit“ nicht mit einem harmlosen Verschwinden zu tun haben – alles spricht für ein Tötungsdelikt. Nur eine Frage bleibt rätselhaft: Was sollte einen etablierten Orchestermusiker mit Frau und Familie mit einer jungen Popsängerin verbinden, die sich um Pläne und Pflichten wenig schert …
Hinter den Kulissen
„Ein Schritt zu weit“ ist die 99. Folge der Reihe Polizeiruf 110. Für Oberleutnant Jürgen Hübner (Jürgen Frohriep) war es bereits der 50. Fall, Hauptmann Reichenbach (Friedhelm Eberle) ermittelte an seiner Seite zum fünften Mal. In den zentralen Episodenrollen sind Herbert Köfer als Geiger Martin Veltin, Susanne Düllmann als seine Frau Luise und Marlies Ludwig als Popsängerin Silke Tanner zu sehen.
Regie führte Hans-Joachim Hildebrandt, der auch das Drehbuch schrieb. Gedreht wurde vom 15. August bis zum 15. Oktober 1984 unter dem Arbeitstitel „Angst“, unter anderem in Berlin, Magdeburg, Bernburg, Rathen, Stolpen und Hinterhermsdorf. Die Kostüme entwarf Jutta Geißel-Burkhardt, für die Filmbauten war Christa Köppen verantwortlich.
Passend zum Milieu der Geschichte enthält der Film Ausschnitte aus der Oper „Der Freischütz“ in einer Inszenierung der Landesbühnen Sachsen. Außerdem spielt das Messerschmidt-Quartett den ersten Satz aus Wolfgang Amadeus Mozarts Streichquartett C-Dur KV 157. Die Erstausstrahlung erreichte eine Zuschauerbeteiligung von 63,2 Prozent.
Musik
Landesbühnen Sachsen – Der Freischütz (Ausschnitte)
Messerschmidt-Quartett – Streichquartett C-Dur KV 157, 1. Satz (Wolfgang Amadeus Mozart)
Besetzung
Hauptmann Reichenbach – Friedhelm Eberle
Oberleutnant Jürgen Hübner – Jürgen Frohriep
Martin Veltin, Geiger – Herbert Köfer
Luise Veltin, seine Frau – Susanne Düllmann
Silke Tanner, Popsängerin – Marlies Ludwig
Axel Gebauer, Silkes Freund – Wolf-Dieter Lingk
Carmen Veltin – Marie Gruber
Frau Tanner, Silkes Mutter – Waltraud Kramm
Klaus Jeschke – Ingo Albrecht
Bernd Sperber – Oliver Schulz
Dirigent Böhlke – Fred Alexander
Vertrauensmann Mähne – Arnim Mühlstädt
Sekretärin Brandt – Barbara von Steuben
Schauspieler – Heinrich Banet
Schauspieler – Heiko Haynert
Ines Bierwirt – Stefanie Behrendt
Arno Ernst – Klaus Glowalla
Kassiererin Scholz – Ingrid Barkmann
Sängerin – Judith Engel
Werkstattleiter Eckert – Hans-Hartmut Krüger
Zimmerwirtin Rehahn – Christel Peters
Verkäuferin Schmidt – Gerlind Schulze
u. v. a.
Stab
Regie – Hans-Joachim Hildebrandt
Drehbuch – Hans-Joachim Hildebrandt
Produktion – Lutz Clasen
Musik – Peter Gotthardt
Kamera – Walter Laaß
Schnitt – Karola Mittelstädt
Kostüme – Jutta Geißel-Burkhardt
Filmbauten – Christa Köppen
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR




Nächste Kommentarmöglichkeit: Sonntag, 01.11.2026 ab 17:00 Uhr (in ca. 3 Tagen).
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