Kurz und knapp – darum geht’s

Statt auf der Bühne zu stehen, liegt er tot in einem Hotelzimmer: Ausgerechnet am Tag des wichtigsten Auftritts seiner Amateurjazzband wird der Fensterputzer und Sänger Dietmar Bohnstengel, genannt Bonny, leblos aufgefunden. Oberleutnant Jürgen Hübner und Leutnant Woltersdorf müssen klären, ob ein Unglück, ein Suizid oder ein Verbrechen hinter seinem Tod steckt. Dafür tauchen die Ermittler in ein Leben ein, das zwischen Alltag und Bühne hin- und hergerissen war – zwischen seiner Freundin Annemarie, die ihn vor die Wahl zwischen Familie und Musik gestellt hat, und der Musiklehrerin Christa, bei der er Verständnis gefunden hat. Erfolg und Zuneigung hat Bonny reichlich erfahren, doch glücklich war er nicht, und immer öfter griff er zu Alkohol und Tabletten …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Bonnys Blues“

Im Hotel herrscht helle Aufregung: Ein Zimmermädchen hat in einem der Gästezimmer einen Toten entdeckt. Der Mann heißt Dietmar Bohnstengel, doch kaum jemand nennt ihn so – für Freunde und Bandkollegen ist er schlicht Bonny, Fensterputzer von Beruf und Sänger aus Leidenschaft. Oberleutnant Jürgen Hübner und sein Kollege Leutnant Woltersdorf nehmen sich des Falls an und lassen sich von der sichtlich mitgenommenen Hotelleiterin Frau Bärwald das Zimmer zeigen. Wie Bonny dort zu Tode gekommen ist, lässt sich auf den ersten Blick nicht sagen.

Die Antwort liegt in der Vergangenheit, und so blendet der Polizeiruf 110 „Bonnys Blues“ zurück in die Zeit davor. Seit drei Jahren lebt Bonny mit seiner Freundin Annemarie Gerlach und ihrem zehnjährigen Sohn Uwe im Haus von Annemaries Vater Wilhelm. Der verdient sein Geld als Klavierstimmer, hatte aber einmal selbst von einer Laufbahn als Musiker geträumt – entsprechend streng achtet er darauf, dass sein Enkel fleißig am Klavier übt. Uwe allerdings hat mehr Sinn für Indianerfilme als für Fingerübungen, und Annemarie, die den Jungen zwar auf die Musikschule geschickt hat, lässt ihm durchaus Freiraum.

Auch Bonny hat den Kopf voller Musik, wenn auch einer ganz anderen: Er ist Sänger einer Amateurjazzband, die sich auf einen Wettbewerb vorbereitet. Mehrmals pro Woche wird geprobt, und weil Bonny oft nacharbeiten muss, bis jeder Ton sitzt, bleibt für Annemarie und Uwe immer weniger Zeit übrig. Seine Freundin beobachtet diese Besessenheit mit wachsender Sorge. Sie wünscht sich ein ruhiges, geordnetes Familienleben – Bonny dagegen will auf nichts verzichten, weder auf die Band noch auf sein Zuhause. Irgendwann reißt Annemarie der Geduldsfaden, und sie verlangt eine klare Entscheidung: sie oder die Musik. Bonny fühlt sich in die Enge getrieben, wählt die Bühne und kehrt der Familie den Rücken.

Verständnis und Zuneigung findet er bei Christa Schneider, einer Musiklehrerin, die er in einer Kirche kennengelernt hat, als er dort an der Orgel saß. Doch Christa ist nicht ungebunden: Sie lebt mit dem Komponisten Rainer Aurich zusammen, und die beiden haben sich gegenseitig Toleranz zugesichert – ein Seitensprung ist in dieser Beziehung ausdrücklich erlaubt. Ob diese Großzügigkeit auch dann noch trägt, wenn aus einer Affäre mehr wird, steht auf einem anderen Blatt.

Im TV-Krimi „Bonnys Blues“ scheint sich für den Sänger zunächst vieles zu fügen: Er hat Erfolg, er wird geliebt. Und doch ist er nicht glücklich. Immer häufiger greift er zur Flasche, dazu kommen Tabletten. Dann ist der Tag des wichtigsten Auftritts da – und die Band wartet vergeblich auf ihren Frontmann. Hübner und Woltersdorf müssen nun herausfinden, was in Bonnys letzten Stunden geschehen ist: Hat er sich mit Alkohol und Tabletten selbst zugrunde gerichtet, war es ein tragisches Unglück – oder hat jemand nachgeholfen …

Hinter den Kulissen

„Bonnys Blues“ ist die 52. Folge der Reihe Polizeiruf 110. Für Oberleutnant Jürgen Hübner (Jürgen Frohriep) ist es bereits der 22. Fall, sein Kollege Leutnant Woltersdorf (Werner Tietze) ermittelt erst zum zweiten Mal. Die Titelfigur Bonny spielt Kurt Goldstein, an seiner Seite stehen Jenny Gröllmann als Annemarie Gerlach und Barbara Schnitzler als Musiklehrerin Christa Schneider vor der Kamera.

Regie führte Peter Vogel, das Drehbuch stammt von Eberhard Görner und C. U. Wiesner. Gedreht wurde von September bis Oktober 1977 in Berlin sowie in Erfurt und Umgebung – zunächst noch unter dem Arbeitstitel „Requiem“. Als Kulisse dienten unter anderem Schloss Molsdorf und die Burgruine Gleichen, wo die Szenen des Musikwettbewerbs entstanden. Die Kostüme entwarf Tamara Schramm-Bansen, die Filmbauten schuf K.P.M. Wulff.

Die Musik komponierte Hermann Anders, der zugleich in der Rolle des Hermann Spreng zu sehen ist. Bonnys Lied „Als dein Gesicht vor mir sich hob“ nach einem Text von Jewgeni Jewtuschenko singt im Abspann Uschi Brüning, begleitet von der Hermann-Anders-Band. Die Zuschauerbeteiligung der Erstausstrahlung lag bei 60,5 Prozent.

Musik

Uschi Brüning, Hermann-Anders-Band – Als dein Gesicht vor mir sich hob

Besetzung

Oberleutnant Jürgen Hübner – Jürgen Frohriep
Leutnant Woltersdorf – Werner Tietze
Dietmar „Bonny“ Bohnstengel, Fensterputzer und Sänger – Kurt Goldstein
Annemarie Gerlach, Bonnys Freundin – Jenny Gröllmann
Wilhelm Gerlach, Annemaries Vater – Georg Leopold
Uwe Gerlach, Annemaries Sohn – Kay-Uwe Blandow
Rainer Aurich, Komponist – Ezard Haußmann
Harry Rauchfuß – Volkmar Kleinert
Christa Schneider, Musiklehrerin – Barbara Schnitzler
Arthur „Atta“ Schellhase – Edgar Harter
Hermann Spreng – Hermann Anders
Frau Bärwald, Hotelleiterin – Marianne Wünscher
Christiane – Heike Schroetter
Ansagerin – Gabriele Streichhahn
Museumswächter – Carlo Schmidt
Gerichtsmediziner – Klaus Gehrke
u. v. a.

Stab

Regie – Peter Vogel
Drehbuch – Eberhard Görner, C. U. Wiesner
Produktion – Eva-Marie Martens
Musik – Hermann Anders
Kamera – Bernd Sperberg
Schnitt – Renate Földesi
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR