Kurz und knapp – darum geht’s

Ein Sorgerechtsstreit, ein nächtliches Geständnis und ein Schweigen mit Folgen: Opernsängerin Gerda Bachmann und Flugkapitän Herbert Bachmann leben in Scheidung, und beide wollen den kleinen Robert für sich. Nach einem erbitterten Streit fährt Herbert angetrunken davon – und steht kurz darauf völlig aufgelöst wieder vor ihrer Tür. Er habe einen Mann überfahren und sei geflüchtet. Für ein Alibi bietet er ihr an, was sie sich am meisten wünscht: den Verzicht auf das Kind. Gerda lässt sich auf den Handel ein, und die beiden nähern sich sogar wieder an. Doch dann tauchen anonyme Drohbriefe auf, und Oberleutnant Thomas Grawe, der Ermittler aus dem Haus, wohnt ausgerechnet auf demselben Flur …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Der Tod des Pelikan“

Auf der Opernbühne steht Gerda Bachmann als Madama Butterfly im Rampenlicht, zu Hause dagegen tobt ein Kampf ganz ohne Orchester: Die Sängerin und ihr Mann Herbert, Flugkapitän von Beruf, leben in Scheidung, und keiner von beiden will auf den gemeinsamen Sohn Robert verzichten. Für die Anwälte ist die Sache eigentlich klar. Zwar ist auch Gerda durch ihre Vorstellungen oft außer Haus, doch sie kann dem Jungen mehr Beständigkeit bieten als ein Vater, der als Pilot tagelang im Ausland ist. Das Sorgerecht wird also der Mutter zufallen – nur will Herbert das partout nicht hinnehmen.

Als er Robert wieder einmal bei Gerda abliefert, eskaliert der Streit. Herbert greift zum Schnaps, redet sich in Rage und kündigt an, für seinen Sohn notfalls bis zum Äußersten zu gehen. Wutentbrannt verlässt er die Wohnung und läuft vor dem Haus Oberleutnant Thomas Grawe in die Arme, der auf demselben Gang wohnt wie Gerda. Zwischen den beiden Männern entspinnt sich ein kurzes Gespräch, in dem Herbert dem Fremden eine erstaunlich persönliche Frage stellt: Was würde Grawe tun, wenn man ihm seine Tochter wegnähme? Er selbst, erklärt Herbert, werde wie ein Pelikan um sein Kind kämpfen und sich lieber die Federn ziehen lassen, als aufzugeben. Dann wird Grawe abgeholt, und Herbert, selbst verwundert über seine Offenheit, fährt los.

Doch nur wenig später klingelt er erneut bei Gerda – und ist kaum wiederzuerkennen. Verstört gesteht er, einen Mann überfahren und sich danach aus dem Staub gemacht zu haben. Ausgerechnet die Frau, gegen die er eben noch einen erbitterten Kampf angekündigt hat, soll ihm nun aus der Patsche helfen: Liefert Gerda ihm ein Alibi für diese Nacht, will er seine Sorgerechtsklage zurückziehen. Weil ihr nichts so viel bedeutet wie ihr Sohn, geht sie auf den Vorschlag ein. Und die Eheleute, die sich gerade noch nichts geschenkt haben, rücken wieder enger zusammen.

Die trügerische Ruhe im Polizeiruf 110 „Der Tod des Pelikan“ hält allerdings nicht lange. Eines Tages findet Gerda in ihrer Post einen anonymen Umschlag mit einem Zeitungsausschnitt: Am 15. Februar 1989, dem Tag von Herberts letztem Besuch, ist bei einem Unfall ein Mann ums Leben gekommen, der flüchtige Fahrer wird noch immer gesucht. Auch Herbert erhält Drohpost, und die Sendungen reißen nicht ab. Erst kommt eine Todesanzeige, dann das Foto eines Mannes mit Trauerrand – für Gerda kann das nur der Tote sein. Wer hinter den Schreiben steckt und was der Absender bezweckt, bleibt rätselhaft. Die Sängerin wird zusehends fahriger und schluckt bald Tabletten gegen die Nervosität.

Und dann glaubt Gerda, den Toten leibhaftig vor sich zu haben: mal hier, mal dort in der Stadt, doch jedes Mal entwischt er ihr, bevor sie ihn zur Rede stellen kann. Spielen ihr im TV-Krimi „Der Tod des Pelikan“ die überreizten Nerven einen Streich? Ist der Mann auf dem Foto überhaupt derjenige, den Herbert in jener Nacht überfahren hat? Und falls ja – wer ist dann der Unbekannte, der ihm aufs Haar gleicht und Gerda auf Schritt und Tritt zu folgen scheint …

Hinter den Kulissen

„Der Tod des Pelikan“ ist die 134. Folge der Reihe Polizeiruf 110, für Oberleutnant Thomas Grawe (Andreas Schmidt-Schaller) ist es der 23. Fall. Im Zentrum der Geschichte stehen Gerda Bachmann (Zsuzsa Nyertes) und ihr Mann Herbert (Klaus-Peter Thiele). Regie führte Rainer Bär, der auch das Drehbuch schrieb. Die Folge war der erste Polizeiruf 110, der nach dem Fall der Berliner Mauer ausgestrahlt wurde.

Gedreht wurde vom 15. März bis zum 31. Mai 1989. Als Außenkulisse diente unter anderem die Komische Oper Berlin, die Innenaufnahmen und die Szenen aus „Madama Butterfly“ entstanden dagegen komplett im Landestheater Altenburg in Thüringen – eigens für diesen Film wurde dort eine Bühnendekoration für die Oper gebaut. Die Kostüme schuf Karin Pas, die Filmbauten stammen von Lothar Holler.

Zsuzsa Nyertes wird von Cornelia Schmaus synchronisiert, ihren Gesang als Madama Butterfly übernahm Edith Chmiel. Bei der Erstausstrahlung lag die Zuschauerbeteiligung bei 31,5 Prozent.

Musik

Giacomo Puccini – Madama Butterfly

Besetzung

Oberleutnant Thomas Grawe – Andreas Schmidt-Schaller
Gerda Bachmann, Opernsängerin – Zsuzsa Nyertes
Herbert Bachmann, Flugkapitän – Klaus-Peter Thiele
Dr. Richard Scheffler – Ralf Lehm
Marianne Helm, Gerdas Freundin – Franziska Matthus
Robert Bachmann, Sohn von Gerda und Herbert – Björn Müller
Vater Bachmann – Helmut Hellstorff
Dr. Otto – Lothar Krompholz
Herr Schubert – Wolf-Dieter Lingk
Herr Prohaska – Thomas Pötzsch
Herr Hertel – Harald Warmbrunn
Petra – Eva Bergert
Nachbarin – Renate Geißler
Nachbar – Gert Grasse
Rollstuhlfahrer – Erik S. Klein
Frau des Rollstuhlfahrers – Helga Göring
Frau mit Hund – Ulrike Hanke-Hänsch
Kindergärtnerin – Dagmar Jaeger
Friedhofswärter – Gösta Knothe
Hausmeister – Horst Krause
Abendregisseur – Jörg Simmat
Galerist – Hanns-Jörn Weber
u. v. a.

Stab

Regie – Rainer Bär
Drehbuch – Rainer Bär
Produktion – Fernsehen der DDR
Musik – Giacomo Puccini, Karl-Ernst Sasse (Bearbeitung)
Kamera – Franz Ritschel
Schnitt – Marion Fiedler
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR